Rezepte · Seligkeitsmomente

Von Bratäpfeln, Geburtstagsfeiern und sonnigen Spätsommertagen

„Byzanz“! Wer hatte denn bitte diese Idee?? Irgendwie war auf dem Abstimmzettel ein Strich mehr hinter diesem alten Reich gelandet – beim letzten brasilianischen Periodic Table. Das Blut gluckerte lustig im Bauch herum und das Gehirn schien bei der Abstimmung unterversorgt. Ein Phänomen, welches man in der derzeitigen Politik auch des Öfteren beobachten kann, nur dass es sich hier bei einigen dieser Kreaturen um Dauerzustände handelt. Jedoch…aber ich schweife ab. Gewählt ist gewählt (!)

Byzanz also. Irgendwie denke ich bei Byzanz an Gewürze. Anfang letzter Woche ließ mir allein der Gedanke an Zimt, Koriander, Nelken den Schweiß auf der Stirn stehen.

Vorletzte Woche. Ja, da war viel los. Der weltbeste Ehemann hat seinen 40. Geburtstag gefeiert. Zufälligerweise mein Ehemann. Im Garten mit Bierzeltgarnituren, mit Pavillon und ohne jeglichen Geschenkewunsch. Aber jeder Gast sollte etwas zu essen mitbringen. Im Keller bauten wir eine lange Tafel auf, auf unserem Tapeziertisch, der uns auf den Flohmärkten schon treue Dienste erwiesen hat. Um 14:00 Uhr sollte es losgehen. Am Freitag, als das Thermometer bereits an den 30 Grad kratzte, bauten wir bis zur Dunkelheit auf und um, und dann sanken wir aufs Sofa, um frühmorgens in die Schlappen zu springen und einen Pavillon aufzubauen, der die Größe eines Zirkuszeltes hatte. Ich bin 1,63 m, noch Fragen?

Der Göttergatte ist groß. Ich sorgte für die Hintergrundmusik:

„Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche ziehen und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben dreh’n…“ (Mike Krüger)

Wir schnauften, schwitzten und schleppten – die Kabeltrommel schlängelte ihren Wurmfortsatz durch unser Küchenfenster, der dort Anschluss suchte für den geliehenen Kühlschrank. Das Bier lag gekühlt, die Limo ebenfalls. Weitere Getränkeflaschen lagen in Emaileschalen mit reichlich Wasser und Eiswürfeln bedeckt. Eine auf dem Sperrmüll entdeckte Bar ohne Türen diente uns als Gläser-Regal.

Ich hatte mich um Deko gekümmert und tüddelte die „40“-Girlanden um den Pavillon, pustete Luftballons auf und kollabierte nahezu – gesunde Gesichtsfarbe nennt man das wohl. Kleine Weck-Gläser hatte ich mit Herbst-Astern gefüllt und abwechselnd mit Impro-Aschenbechern (Gläser mit Vogelsand gefüllt) auf den Tischen verteilt.


Ein letzter Blick. Haben wir alles? Ein gegenseitig abschätzender Blick. Dusche! Ein Blick auf die Uhr. Es wird Zeit!

12:45 Uhr. Bereit um die Gäste zu empfangen. Ab 14:00 Uhr sollten die Pforten geöffnet sein. Die Frisur hält, die Klamotten sitzen. Showtime! 😉

13:05 Uhr. Die ersten Gäste schlagen auf. Huuuu…

Die Aufregung erreicht ihren Höhepunkt und ich wirbele nur noch zwischen Garten, Wohnung und Keller hin und her. Schüttele Hände, nehme Salatschüsseln entgegen, schreibe Zettelchen mit Inhaltsstoffen. „Ist das glutenfrei?“, „Ist das laktosefrei?“, „Darf ich mir schon was nehmen?“ Spiele Flugbegleiterin: „Die Toilette befindet sich dort! Am besten, Ihr geht schon mal in den Garten und nach hinten durch. Ja, da gibt’s was Kaltes zu trinken. Das Geburtstagskind steht auch da. Schön, dass Ihr da seid. Habt Ihr gut hergefunden? Nein, ich bin nicht gestresst, nur aufgeregt.“ 

Das erste Kind trinkt aufgeregt die Seifenblasentinktur und spuckt sie gleich wieder aus. Die anderen Kinder finden meine Deko irgendwie cool und dekorieren trotzdem um. Die erste Wechselhose, das erste Wechselshirt, der Sonnenschirm liegt vor Schnappatmung auf der Seite. Egal.

Dann klingelt mein Handy. Die Überraschungs-Geburtstagstorten kommen. Eine Freundin hat zwei traditionelle italienische Torten gebacken, und irgendwie müssen die Torten noch in unseren Kühlschrank. 


In meinem Kopf summt die „Tetris“-Melodie während ich mit dem Bäckerin-Gatten den Kühlschrank umstelle und versehentlich die Sahneverzierung an die Tür drücke. Mir ist inzwischen wieder so warm wie bei einem Saunaaufguss. Ich bleibe eine Weile vor dem geöffneten Kühlschrank stehen und genieße die Kühle, die mir entgegenweht. Dann höre ich schon wieder: „Kristina? Was ist mit Kaffee?“

„Kaffee? Jetzt nicht im ernst?!“ Ich benötige eigentlich eine Eiswanne, kann gar nicht an Kaffee denken. Die verjährte Icebucket-Challenge wäre mir gerade sehr willkommen. Und ich frage mich: „Will hier wirklich irgendwer Kaffee?“ Unglaublich. Ich mahle also Kaffee und erfreue mich an fünf Minuten Ruhe in der Küche.

Doch die Ruhe hält nur kurz – ich eile nach draußen, serviere Kaffee. Dann lasse ich mich ENDLICH auf eine Bierzeltgarnitur fallen. Vor mir steht ein eisgekühltes Glas Sekt. Ich fächere mir Luft zu.

Alle Lieben um mich rum, ein strahlender Ehemann. „Pling, pling, pling!“ Attenzione, attenzione! Warme Worte, im wahrsten Sinne, denn die Sonne brutzelt 30 Grad heiß vom Himmel. „Schön, dass Ihr alle da seid! Wir wollen feiern, lasst es Euch gutgehen!“ Dankesworte meines Ehemannes, die mir die Tränen in die Augen treiben. „Die Latte haste hoch gelegt!“ sagt er. Ich lächele zufrieden und gebe zurück: „Na, ich werde ja auch mal 40!“ Mein Hase grinst, ruft ein lautes „Prost!“ in die Runde und die Gläser klirren.

Dann folgt die heiße Schlacht am kalten Buffet. Und was gab es da für Köstlichkeiten! Kriege ich noch alles zusammen? Also:

  • Kartoffeln mit Kräuterquark
  • gemischter bunter Salat mit leckerem Buttermilchdressing
  • glutenfreier Nudelsalat
  • Tortellini-Salat
  • glutenfreier Topfkuchen mit Mandarinen
  • vegetarische Köttbullar mit Preiselbeeren
  • glutenfreie Schokotarte mit Brombeeren
  • Mini-Muffins
  • Knobisauce
  • Melone
  • Käseigel
  • Schafskäsecreme
  • Bulgursalat
  • frisches Brot von unserem Bio-Haus- und Hofbäcker
  • glutenfreie Buttercremetorte (!)
  • Kartoffelsalat fränkische Art
  • Hot Salsa-Sauce
  • zwei köstliche Braten mit Sauerkraut

Und wahrscheinlich habe ich das eine oder andere noch vergessen.

Irgendwann – als der erste Hunger gestillt ist – ergreife ich die Gunst der Stunde und überreiche meinem Liebsten ein selbstgestaltetes Fotobuch. Mir kommen in solchen Momenten schnell die Tränen, bin echt nah am Wasser gebaut und daher mache ich es schnell. 

Das Buch kreist, jeder will einen Blick reinwerfen. Jeder Gast hatte im Vorfeld Fotos an mich geschickt und ein paar nette Zeilen. Das Ergebnis machte mich schon stolz, doch ich selbst hatte völlig vergessen, etwas hineinzuschreiben. 

Doch der Göttergatte strahlt. Der Aufwand hat sich gelohnt.

Zum Schluss sitzen wir mit zwei Nachbarinnen und meinen Eltern zusammen. Es dämmert bereits, eine angenehme Ruhe hat sich auf den Garten gelegt. Um uns herum Überbleibsel und einige kleine Indizien dafür, dass hier eine Horde Kinder tobte, spielte und gierig Käsewürfel und kleine Würstchen verschlang, große Kinder freudig miteinander plauderten. Zufrieden blicke ich mich um. Tatsächlich, dieses „Experiment“ ist geglückt. Flohmarktfreunde neben Gruftis, neben Rockabillys, neben Eltern, neben Schwiegereltern. Aber nein, korrigiere ich mich selbst: Da saßen Freunde neben Freunden! Und ist das nicht ganz großes Glück?!

Bis 1:00 Uhr stehe ich in der Küche und spüle Gläser, Olaf trocknet ab, gähnt. Ich schicke ihn ins Bett, genieße die Stille und die erfrischende Dusche, falle dann in einen traumlosen Schlaf.

*************************

Aber wo war ich? Byzanz! Ja, richtig.

Eine Stiege Äpfel – geschenkt – steht bei uns im Keller. Ich habe zufälligerweise drei Packungen leckerstes Marzipan im Schrank. Und der dritte Sonntag im Monat schreit nach byzantinischen Köstlichkeiten.

Bratäpfel sind denkbar einfach zubereitet. Ich habe 14 Stück gemacht und dafür zwei Packungen Marzipan verbraucht. Dazu ein halbes Glas eingemachte Preiselbeeren und eine Packung Mandelblättche. Alles vermischt und in die mit dem Apfelausstecher entkernten Äpfel gefüllt. Dann im Backofen bei Ober-/Unterhitze für ca. 20 Minuten gebacken und fertig sind die kleinen Köstlichkeiten.

Und was in der letzten Zeit sonst noch so los war, davon erzähle ich Euch in einem anderen Blogartikel. 

Herzlichst grüßt Euch das nicht mehr kopfschmerzbelastete Fräulein Fliegenpilz 

10 Kommentare zu „Von Bratäpfeln, Geburtstagsfeiern und sonnigen Spätsommertagen

      1. Ja, ich bin eine von den ehrlichen Häuten, die nur abonnieren was sie mögen und liken was sie gelesen haben – gut, bei Trezepten manchmal auch nur überflogen. Ich habe neulich gestaunt als ich erfahren habe, dass es anscheinend Usus ist Followern auch zu followen – auch wenn man dann nie liest was die schreiben.
        Ich würde das Äpfelchen auch zum Frühstück nehmen!
        Liebe Grüße, Oli

        Gefällt 1 Person

  1. Wow, das Klingt ja nach einem ganz schön kunterbunten und turbulenten „Geburts“Tag! Ich muss direkt an das Hoffest denken. 😉 Olli hat recht, man wird selber atemlos beim lesen. ^^
    Wahnsinn, wie viel Mühe ihr euch geben habt! Eure Gäste haben sich sicherlich pudelwohl gefühlt…Total schön, dass du ein bisschen über diesen besonderen Tag geschrieben hast. Die Idee mit dem Fotoalbum finde ich total klasse. Selbst-gestaltete Geschenke, die vergisst man nicht, weil sie einfach von Herzen kommen.
    Richtig idyllisch sieht es bei euch aus, wenn ich mir die Fotos so angucke. ❤
    Mit Astrid Lindgren im Herzen, nicht? 😉
    Bratäpfel mit Marzipan habe ich noch nie gemacht aber hey, es ist Marzipan! Wird ausprobiert. 😀

    gezuckerte Grüße, Jenny^^

    Gefällt 1 Person

  2. Ganz viel Marzipan und ganz viel Astrid Lindgren im Herzen. Marzipan geht immer!
    Bei der Gestaltung des Fotoalbums sind mir regelmäßig die Tränen gekommen. Es gibt Menschen, die können ihre Gefühle echt toll ausdrücken. Und das Schöne: Sie tun es auch! ❤️ Wie war das doch: „Dankbarkeit“!
    Sei herzlichst gegrüßt 💕

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