Rezepte

Woodstock, Hair und Cannelloni 

Wir schreiben das Jahr 1969. Eine Zeitmaschine katapultiert mich in einem neckischen Blümchenkleid in einen regnerischen August. Die Haare lang, die Füße nackt, die Psyche – sagen wir mal – geweitet. Joe steht auf der Bühne und spasmische Zuckungen untermalen seinen euphorischen Gesang „With a Little Help from my Friends“ und Janis, wunderbare Janis, röhrt mit ihrer Reibeisenstimme ins Mikrophon „Me and Bobby McGee“. Und Joan Baez hätte auch ohne Technik alle erreicht, die noch einigermaßen Herr ihrer Sinne waren.

Es muss großartig gewesen sein auf diesem Festival. Ein Mythos, sicherlich, durch den Dokumentarfilm und das Musical „Hair“ noch mehr mystifiziert, klar, aber dennoch… Die damalige Welt vollführte gerade eine 180-Grad-Drehung: Freie Liebe, Rebellion der Jugend, die 68er, Aufbegehren gegen den Vietnam-Krieg, JFK…

Es gibt Meilensteine der Geschichte, die hätte ich irgendwie gern miterlebt. 

Und manchmal wünsche ich mir sowas wie eine magische Rikscha, mit Plexiglas drumherum, auf das ich meine Hände legen und an einen bestimmten Ort rückwärts durch die Zeit reisen kann. Das Berlin der 20er Jahre – zum Beispiel – oder in die Speicherstadt in Hamburg 1890. London – vielleicht nicht unbedingt 1666 – oder eben Woodstock. 

„When the moon is in the Seventh House

And Jupiter aligns with Mars

Then peace will guide the planets

And love will steer the stars

This is the dawning of the age of Aquarius

The age of Aquarius

Aquarius!

Aquarius!“

(Hair – Aquarius)

Ich gröhle in der Küche, tanze dabei und erinnere mich daran, als ich mit 16 eine Hippiephase hatte.  

Mit meinen Eltern hatte ich die Doku über Woodstock gesehen, dann den Film „Hair“ und in der Schule übten wir gerade das Musical dazu ein. Mama suchte mir aus ihrem magischen Kleiderschrank ihre grandiosen Cord-Schlaghosen raus. Rot und schwarz mit coolstem Schlag.

Woodstock in den 90ern!

„My hair like Jesus wore it – halleluja – I adore it!“

Und das Yoga-Castle wird zur Hippie-Hochburg. 

Ich fülle derweil glutenfreie Nudeln mit einer Mischung aus 250 g Ricotta, 500 g angebratenem Babyspinat, einem Ei, einem EL Pinienkernen und reichlich gehacktem Basilikum, Salz, Pfeffer und kleingeschnittenen Tomaten und lege sie in eine mit Olivenöl bestrichene Auflaufform.

„Let the sunshine, let the sunshine in – the suuuuuun shine iiiiin!“

Ich singe und gieße Tomatensugo über die Kurz-Cannelloni, reibe großzügig Parmesan darüber und stelle dann die Form in den auf 200 g vorgeheizten Backofen.

25 bis 30 Minuten sollen diese glutenfreien Röllchen nun im Ofen schmurgeln. 


Ich kehre derweil gänzlich in die Gegenwart zurück. Blicke zur Küchentür, in der mein Vorzeigemodell mich schelmisch angrinst. „Zeitreise?“ Ich nicke. „Wohin diesmal?“ „Woodstock. 1969.“ antworte ich. „Dacht‘ ich mir!“ er grinst. „Nimmste mich das nächste Mal mit?“ „Klar doch!“ antworte ich. „Wo soll’s hingehen?“ „Mittelalter!“ sprach’s und entschwand mit donnerndem Getöse, Jubel und Handgeklapper!

7 Kommentare zu „Woodstock, Hair und Cannelloni 

  1. Das sieht aber köstlichst aus! Cannelloni hab ich bisher noch nicht gemacht. Ich wusste gar nicht, dass es da auch glutenfreie gibt. Woraus sind die denn gemacht?
    Zeitreisen, zaubern…da bin ich natürlich sofort mit dabei. Ich glaube, ich würde gerne eine Reise quer durch Sofies Welt machen aber bei den Hippies können wir auch kurz anhalten und da, bei der Schulaufführung, wo du die krassen Cordhosen trägst.
    Eine herzhaft, gepfefferte Umarung an dich. Ich sehe dich singend, mit Stirnband und Rüschenärmchen vor mir. ^-^

    Gefällt 1 Person

    1. Stirnband trug ich tatsächlich nie während meiner Hippiephase, aber dafür walla walla-Blusen mit Stickereien – ganz nach dem Motto „less bitchin‘ more stitching“ 😂 Zeitreisen fände ich in der Tat total großartig. Kennst Du den Film „Die Zeitmaschine“? Da ist doch eine Kleiderpuppe; und je nachdem, wohin die Reise gerade geht, z. B. in die Fünfziger, ändert sich die Bekleidung. Das fand ich soooo klasse!
      Aber Cannelloni – ja, Du – die waren aus einem italienischen Großhandel. Hab die auch vorher noch nie gesehen. Schmecken fantastisch! Es ist eine Mischung aus Reis- und Maismehl und Erbsenprotein. Das habe ich letztes Jahr ganz viel in Italien gesehen: Pasta mit Erbsenprotein. Irgendwie hatte die Pasta dann auch mehr Biss.
      Jennylein, Du zauberhafte Marktfrau, ich pfeffere eine ebenso schmissige Umarmung zurück und wünsche Dir einen frühlingshaften Markttag morgen! 😘

      Gefällt 1 Person

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