Rezepte

Erinnerungen an Oma und Opa und eine Wildkräuterquiche

„Oma?“ frage ich. „Darf ich wieder etwas kochen?“ Oma nickt und holt mein Glässchälchen hervor und das Holzbrett und das stumpfe kleine Küchenmesser. Und ein Stück schrumpelige Gurke und Gewürze. Gewürze sind wichtig. Und Fondant! Oma hat immer Fondant in ihrem Küchenschrank. Das Geräusch, wenn sie die Tür des Schranks zur Seite schiebt…

Ich bin etwa 5 Jahre alt und sitze meinem Opa gegenüber, der schmunzelnd sein Zuckerbrot in den Becher Karokaffee tunkt. Und ich bin selig, schnippele die Gurke, verteile es auf die zwei Glasschälchen, streue Pfeffer, Salz, Zucker und Fondant über die Gurken, bitte Oma noch um einen Schluck Kondensmilch. Die kommt, gemischt mit einem Hauch Leitungswasser, noch über meine Kreation. Oma nimmt die Schälchen und stellt sie aufs Fensterbrett. „Das essen wir später!“ sagt sie.

Diese Erinnerungen sind ca. 30 Jahre alt. Und ich frage mich ab und zu, was die beiden wohl heute sagen würden zu mir, zu meinem Leben… Dazu wie ich mit meinem kleinen roten Flitzer namens Karlchen durch die Straßen brause. Opa hatte nur einen Führerschein für ein kleines Motorrad. Eine meiner Lieblingsgeschichten war, dass Opa Oma auf dem Sozius nach Hannover gefahren hat und auf einen Kreisel zukam. Da er nicht wusste, wie er nun reagieren sollte, ist er kurzerhand einfach drüber weggebraust. In meiner Vorstellung trugen die beiden Lederjacken, Fliegerbrillen und diese Ledermützen mit den Ohrenklappen. 

Mit Opa war ich viel unterwegs. Und im Terrassengarten wuchsen und wachsen auch heute noch Walderdbeeren, die man auffädeln kann auf langen Grashalmen. Und Himbeeren – rote und gelbe – auf die Finger gesteckt wie kleine Wichtelhüte. Taubnesseln im Graben und dicke Stengel Löwenzahn. Wenn man den weißen Saft aus den Stielen auf eine Blüte tropft, kann man diese auf die Nase oder die Stirn kleben und die Blüte hält! Auch diese Erinnerung schoss mir bei dem wunderbaren Wildkräuterspaziergang durch den Kopf. 

Dieser Spaziergang war eine Inspiration und Augenöffner, ein „Erder“ und Seelenstreichler, Ideenbringer und Wohltuer. Und das Buch „Wildpflanzen zum Genießen“ von Rita Lüder sei Euch ans Herz gelegt!

Die Beschreibungen und Bilder sind klar und deutlich. Die Rezepte sind wunderbar inspirierend. Apropos – als ich am Freitag über den Wochenmarkt ging, entdeckte ich an einem Biostand ein kleines Beutelchen mit allerlei Wildkräutern und erwarb es. Inspiriert wie ich war, sollte es eine Wildkräuterquiche geben. 

Gesagt, getan!


Ihr braucht:

  • 1 Packung glutenfreien Frischblätterteig
  • 1 Handvoll Wildkräuter, z. B. Brennnesseln, Giersch, Gundermann, Taubnessel, Spitzwegerich gemischt mit Rauke
  • 1 Becher Schmand oder Säure Sahne
  • Drei Scheiben Schinken in Würfel geschnitten (für die vegetarische Variante natürlich nicht)
  • 200 g geriebener Parmesan
  • Bärlauchknospen zum Bestreuen (wenn vorhanden)

Blätterteig in eine leicht gefettete Quicheform legen und im vorgeheizten Backofen mit einem Topf in der Mitte des Teiges zehn Minuten vorbacken. 

Nach zehn Minuten aus dem Ofen nehmen und kurz abkühlen lassen. Den Topf entfernen. In der Zeit die Wildkräuter waschen, in der Salatschleuder trocknen und fein schneiden. Den Schmand auf dem Teig verteilen, die Wildkräuter und den Schinken ebenfalls und Käse drüber hobeln. 

Die Quiche für weitere 10 Minuten in den Backofen geben, ggf. mit etwas Alufolie abdecken, damit die Kräuter nicht verbrennen. Nach der Backzeit rausnehmen, mit Bärlauchknospen bestreuen und warm genießen!

Dazu passen geraspelte Radieschen oder Wurzeln, kleingeschnittene Tomaten oder Gurkenscheiben.

Und ich frage mich: Würden Oma und Opa meine Wildkräuterquiche, die ich am Wochenende gebacken habe, auch aufs Fensterbrett stellen und „später essen“? 

Haltet die Augen offen!

Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

3 Kommentare zu „Erinnerungen an Oma und Opa und eine Wildkräuterquiche

  1. Ich glaube ja, die Quiche hätte keine Chance, überhaupt erst auf dem Fensterbrett zu landen. Sieht wirklich super lecker aus. So schön, dass du deine Erinnerungen hier teilst. Da denke ich unweigerlich selber zurück und sehe da einige Gemeinsamkeiten. Fondor ist da nur ein Schlüsselbegriff. 😉
    Es ist wirklich ein Geschenk, wenn man so liebevolle Großeltern hat oder hatte, denn wie man sieht, die Erinnerungen begleiten einen auch 30 Jahre später noch. Bei mir ist das auch so. Ich bin sicher deine Großeltern wären auch heute stolz und voller liebe für ihren fröhlichen Sonnenpilz mit dem kleinen roten Flitzer und Erdbeermarmelade im Haar. 😉 ❤
    Mamma mia! So ein schöner Text!

    Gefällt 1 Person

    1. Du bist ein Goldstück liebe Jenny! Ich danke Dir für Deinen so liebevollen Kommentar. Es freut mich sooo sehr, dass Dich meine Worte und Erzählungen erreicht haben. Fondor ist also auch eine gemeinsame Erinnerung? Das ist ja echt witzig! Und was haben Deine Großeltern so typisches gesagt? Bei Oma war’s: „Krich mal’n Messer raus!“ Und: „Dann lern ich Dir das!“ Herrlich! Bei Opa war es: „Komm, wir gehen tach-tach fahren!“
      Ist es bei Dir auch so schwül? Ich sitze gerade auf Æblerø und habe Stachelbeeren (!) geputzt.
      Ich freu mich auf unser nächstes Projekt! Es herzt Dich Dein Sonnenpilz

      Gefällt 1 Person

      1. Meine liebe Erdbeerfee,
        Die Schwüle ist vorüber gezogen (wobei es eher nur heiß und eigentlich gar nicht so schwül war), nun ist hier alles grau in grau. Es war wirklich sehr heiß letzte Woche. Alles klebte 😀 aber ich fands trotzdem schön, weil ich nicht nur eine alte Frostbeule bin sondern auch eine Bio-Solarzelle. Die Sonne treibt mich an und wirkt wie ein Gemüts-Plus-Pol. Ich hatte so gute Laune letzte Woche ❤ und hoffe du konntest dich trotz Schwüle auch ein wenig am Frühsommer erfreuen. Beim dm gab es neulich für 2,50 € so kleine, längliche Kühltaschen, in die man seine Trinkflasche stecken kann. Davon hab ich mir eine gekauft, sie in den Gefrierschrank gesteckt und sie mir dann abends auf die (frisch geduschten) Füße gelegt. Herrlich. 😀 Man muss sich halt nur zu helfen wissen. 😉
        Ehrlich gesagt gibt es keine prägnanten Sätze, die ich mit meinen Großeltern verbinde. Mein Opa war ein eher Wortkarger Bergmann. Da sehe ich eher eher Bilder vor mir, wie er rauchend im Wohnzimmer sitzt und liest und manchmal aufblickt und in die Runde lacht, so dass der Goldzahn hervorblitzt. Bei meiner Oma höre ich in erster Linie ihr schrilles, schallendes Lachen und sehe wie sie mit ihren vor Freude weit aufgerissenen Augen klimpert und noch mehr lacht. Der prägnanteste Satz ist für mich ehrlich gesagt: "Da hängen wir den Opa mit m nackten Arsch über den Balkon." Der Satz fiel, unter großem Gelächter, irgendwie öfter mal. 😀 Außerdem könnt ich mich heute noch über die Art und Weise beömmeln, wie meine Oma "Eurotik-Film, Trilla und Komodie" gesagt hat. Und dann höre ich uns wieder lachen, während wir "Peter Steiners Theater Stadl" gucken. Ich könnte ewig so weitert machen. Ich vermisse sie wirklich sehr, wenn ich so darüber nachdenke.
        Lieber Sonnenpilz. Ich werde heute mal losziehen und gucken ob ich ein paar Beerchen bekommen kann…
        Zurück geherzt,
        Fräulein Jenny.

        Gefällt 1 Person

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