Das Fräulein auf Reisen · Dänemark · Seligkeitsmomente

Von Meerjungfrauen und einem dänischen Glücksgefühl

Weit draußen im Meere ist das Wasser so blau wie die Blätter der schönsten Kornblume und so klar wie das reinste Glas. Aber es ist sehr tief, tiefer, als irgendein Ankertau reicht. Viele Kirchtürme müssten aufeinander gestellt werden, um vom Grunde bis über das Wasser zu reichen.

(Die kleine Seejungfrau – Hans-Christian Andersen

Der Urlaub ist schon Wochen her – es fühlt sich an wie Monate. In weiter Ferne liegt der Erholungsort, die herrlich wunderbar lässigen Tage, an denen man von der Sonne wachgeküsst wurde.

Vogelgezwitscher, Frühstücksduft, Meer. Ausschlafen, Wachbleiben, Blumenpflücken. Essenkochen, Lesen, Reden, in die Sonne schauen. Gedanken treiben lassen, Steine bemalen. Kränze binden, über Flohmärkte streifen, Freunde besuchen. Wäsche in den Wind hängen, Vögel beobachten, Lachen.

Ist der Urlaub wirklich erst oder schon vier Wochen her? Ein Blick auf den Kalender bestätigt diesen wirren Gedanken. Vier Wochen!

Morgens fühlt es sich schon so nach Herbst an. Die Luft riecht schon danach, herbstlich eben. Auch wenn in den letzten Tagen eine schwüle Dunstglocke über uns hing; er nähert sich: der Herbst.

Meine Gedanken wandern, sind oft auf der kleinen Perle im Wattenmeer – auf Mandø. Hier, in einem wunderbaren Ferienhaus mit Blick auf ein großes Feld, habe ich mit meinen Liebsten meine Batterien aufgeladen. Abends saßen auf dem Feld hinter dem Haus fünf Hasen. Morgens beobachteten wir Bachstelzen mit ihren Jungen. Morgens duftete es im Haus nach Frühstück – schwarzer Tee, Kaffee, Brötchen – wunderbare Gerüche. Eine angenehme Trägheit, alles kann, nichts muss. Abends ging die angenehme Trägheit über in eine Gemütlichkeit – in Hygge.

Ein viel zitiertes, in der letzten Zeit von den Medien oft aufgegriffenes Wort, ein Lebensgefühl, das meist den Dänen zugeschrieben wird – das soll „Hygge“ sein. Ich frage mich, ob ich nun mit auf den „Hygge“-Zug aufspringen soll. „Hygge“ ist in vielen Dingen – aber besonders in den Momenten, in denen man einfach fühlt, riecht, schmeckt, sieht und berührt. Das kann von dem wohligen Gefühl warm eingepackter Füße vor einem Kamin über ein Stück Lieblingskuchen über eine gesellige Runde mit einfachem Essen bis zu einem guten Buch reichen, das man in seinem Lieblingssessel liest.

Der Zauber an „Hygge“ ist – denke ich – dass man „Hygge“ sehen will, dass man es zulassen muss, „Hygge“ zu fühlen. Im gewissen Sinn hat „Hygge“ auch etwas mit einem inneren Gleichgewicht zu tun, mit Achtsamkeit nach innen und nach außen. Das hat nichts damit zu tun, dass man naiv nur das Gute sieht. Aber die Gewichtung der Dinge wird eine andere, wenn man versucht, immer einer Sache auch etwas Gutes abzugewinnen. Sicherlich ist es echt total schade, dass der angedachte Flohmarktbesuch ins Wasser fällt und es vom Himmel schifft, als kenne der Wettergott kein morgen, aber ist es nicht „hyggelig“, dass wir uns danach frisch geduscht in warmen Klamotten vor den Kamin kuscheln können und die leckerste Suppe aus bunten Schüsseln löffeln? Und hinterher – ja, hinterher gibt es noch ein Stück Kuchen oder einen von diesen köstlichen „Flødebollern“ – Schokoschaumküsse mit einem Marzipanboden und knackiger Schokolade drumherum.

„Hygge“ also…

Vogelgezwitscher, Frühstücksduft, Meer. Ausschlafen, Wachbleiben, Blumenpflücken. Essenkochen, Lesen, Reden, in die Sonne schauen. Gedanken treiben lassen, Steine bemalen. Kränze binden, über Flohmärkte streifen, Freunde besuchen. Wäsche in den Wind hängen, Vögel beobachten, Lachen.

Und vielleicht bald ein farbenfroher Regen aus Herbst 🍂

Was ist Deine persönliche „Hygge“-Liste? Schon mal drüber nachgedacht?

Bleibt hyggelig,

Euer Frøken Fluesvamp 🍄

4 Kommentare zu „Von Meerjungfrauen und einem dänischen Glücksgefühl

  1. Deine Bilder und Gedanken mache mich schon hyggelig liebe Kristina und auch in Schweden gibt es so ein Wort, der bezeichnet, alles ein wenig leichter zu nehmen und sich etwas Gutes zu tun. Ich freue mich sehr über deine wunderbaren Urlaubserlebnisse und du hast dein Geld nicht in die Erholung investiert, sondern in Erinnerungen und die begleiten dich ein Leben lang 🙂

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s