Die Gedanken sind frei...

Und ein bisschen Vitriol…oder auch: Und was passiert, wenn Du was mit Gluten isst?

Was dem Sokrates sein Schierlingsbecher ist mir ein Krümel Gluten. Gut, okay liebe Pharmakologen, Oecotrophologen und Giftmischer – ich räume ein, dass der Verzehr von Glutenhaltigem bei an Zöliakie erkrankten (kurz: Zölis) keine an den Füßen einsetzende Lähmung sowie an- und irgendwie dann ja auch abschließenden Atemstillstand hervorruft, ABER…

Stellen Sie sich einfach vor, Sie essen mir nichts, Dir nichts ein als glutenfrei gekennzeichnetes Scheibchen scheinbar harmloses Brot, belegt mit Käse dazu gar trefflich garniert. Eine Stunde später wissen Sie nicht mehr, wo unten und wo oben ist, d. h. nein – Sie wissen ziemlich genau, wo unten und wo oben ist. Denn mit äußerster Präzision knien Sie vor der Porzellanschüssel Ihres Lieblingscafés und erhalten die Haltungsnote 9,0 während Sie kurz vorher nahezu spielerisch mit der rechten Hand den Deckel hochgeklappt haben. Und dann: Vollstorno!

Und all das, was es nicht ans Tageslicht geschafft hat, geht den Weg durchs finstre Tal. Kurze Zeit später, die Haltungsnote ist nun nicht mehr so gut.

Walle, walle manche Strecke bis zum Zwecke Wasser fließe…

Wasser. Aus jeder Pore.

Von der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß.

Warum ich gerade in dieser Situation Dichter und Denker rezitieren muss, rührt bestimmt vom Selbsterhaltungstrieb. Irgendwie muss man sich ja ablenken und nicht daran denken, dass dies echt ein beschissener Urlaubsauftakt ist – im wahrsten Sinne.

Vor der Toilette hat sich sicherlich eine Schlange gebildet. Ich bin dankbar über Desinfektionsmittel, ausreichend Handtuch- und Toilettenpapier, meine Mama, die mir cool und vollkommen ruhig zur Seite steht – und über ein gut funktionierendes Abluftsystem.

Ich hatte Kartoffelsuppe bestellt, denke ich, und schon gehts wieder los. Zwischendurch wechsele ich in Windeseile meine Gesichtsfarbe: Weiß, Rot, Grau…Weiß…

So zeigt die Autoimmunerkrankung mal so richtig, wo der Hammer hängt und haut nochmal mit Schmackes in Richtung Zwölffingerdarm. Und wieder auf Start.

Das – liebe Zweifler, liebe „ach so’n bisschen kann ja nicht so schlimm sein“-Sager, liebe Ignoranten, liebe Besserwisser, liebe Wunderheiler, die Ihr uns Zölis durch Handauflegen und Globuli von unserem Gendefekt heilen wollt – DAS passiert, wenn wir Gluten zu uns nehmen. Und nein, wir wollen uns nicht mit kleinen Dosen gegen das Klebeeiweiß immunisieren, wir haben eine Autoimmunerkrankung! Wir haben einen Schlauch geschluckt und da hat man Gewebe entnommen. Bei den meisten von uns konnte man da schon sehen, dass die Zotten abgeflacht waren, keine Zotten = weniger/keine Nährstoffe. Doof.

Wir haben keine Bulimie, wir kotzen und scheißen uns die Seele aus dem Leib, wenn wir Glutenhaltiges zu uns nehmen. Und – nein – Dinkel ist glutenhaltig!

Und nein – Gluten verschwindet nicht beim Backen! Es ist auch kein Geschmacksverstärker! Und mir ist es egal, ob Sie jemanden kennen, der jemanden kennt, der eine Tochter hat, die eine Bioresonanz-Behandlung gemacht hat und „nun wieder alles essen kann – wirklich“.

Bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass im Durchschnitt etwa einer von 1.000 bis 2.000 an Zöliakie erkrankt sind. Heute ist es einer von 100.

(Mehr Informationen: Deutsche Zöliakie Gesellschaft)

Was machen Sie nun mit diesen Informationen?

Entweder Sie fragen mich oder Sie lesen sich auf den korrekten Seiten schlau oder beides! Aber: Zöliakie ist keine Modeerscheinung, Zöliakie ist ein Krankheit.

8 Kommentare zu „Und ein bisschen Vitriol…oder auch: Und was passiert, wenn Du was mit Gluten isst?

  1. So ein Schitt, liebe Kristina, ich hoffe, du erholst dich recht schnell und kannst deinen Urlaub dann doch noch genießen.
    Danke dennoch für die sehr anschauliche Beschreibung deiner Reaktion. Unser Sohn hatte bisher zum Glück noch keinen Glutenunfall, aber ich kann mich noch sehr gut an die Zeit vor der Diagnose erinnern. Da ging es ihm genauso wie von dir beschrieben.
    Ich wünsche dir jetzt viel Ruhe und Wärme und dass sich dein Körper gut erholt. Liebe Grüße Stephanie 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Guten Morgen liebe Steffi! Ach Du, es ist alles zum Glück wieder gut. Dieses Erlebnis hatte ich Gründonnerstag. Und den nächsten Tag war ich noch wackelig auf den Beinen, aber schon fit. Schön ist sowas nicht, aber ja ziemlich anschaulich war es auch für alle anderen Gäste.
      Du bzw. Dein Sohn kennt diese dämlichen Kommentare sicherlich auch. Unglaublich, dass die einen nach 14 Jahren immer noch so aufregen können 😉
      Alles Liebe, Kristina

      Gefällt 3 Personen

  2. Oh, je! Hauptsache es geht dir wieder gut! Ist doch immer wieder faszinierend, wenn andere Menschen besser zu wissen meinen, was gut für einen ist… Unvorstellbar. Toll, dass du diesen Referenz-Beitrag geschrieben hast, auch wenn du auf die Erfahrung bestimmt gerne verzichtet hättest.
    Ich umarm dich, Jenny

    Gefällt 1 Person

    1. Zum Glück 🍀 geht’s mir und ging es mir auch danach recht schnell wieder gut. Aber keine schöne Erfahrung. Und das wollte ich nochmal mit Euch allen teilen.
      Ich habe heute zwei glutenfreie Kuchen für den Flohmarkt mitgehabt: Rhabarber-Marzipan-Tarte und Schokokuchen – alles weg, glutenfrei ist gar nicht schlimm. Ähnlich wie vegan 🌱 das kennst Du bestimmt auch! Herzlichst zurück umarmt, Kristina 🍄

      Gefällt 1 Person

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