Figline e Incisa Valdarno · Italien · Toskana

Figline e Incisa Valdarno

8. September 2018. Es war warm, der Himmel so strahlend blau wie die Augen von Terence Hill. Kleine Wölkchen wie zufällig mit einem ausgefransten Borstenpinsel ins Firmament getupft. Die Brennerautobahn war voll, und wir fuhren mit der Blechlawine weiter gen Süden, immer weiter und weiter. In Südtirol hingen die Äpfel an den Bäumen. Die Raststätten boten Espresso für 1,20 EUR an, in Porzellantassen an einer langen Theke, auf der Zucker verstreut war; und Kekse „senza glutine“ – ein ganzes Regal. Je weiter wir fuhren, umso höher kletterte das Thermometer. Der Himmel wurde noch ein bisschen blauer und die Wolken verschwanden, machten Platz für das Blau. Ein Apfel, ein Sandwich, ein glutenfreier Schokokeks, eine Pause draußen, 30 Grad, ein Stau, einer nächster Stau, eine Umleitung, eine Mautstation, Klirren der Münzen, Landstraße, Autobahnschild, Mautstation, Ticket, ein Kaffee, eine Abzweigung: „Panoramica“ oder „Direttissima“? „Panoramica“ oder „Direttissima“? Die Wahl fällt auf „Panoramica“!

Und weiter geht’s über unzählige Brücken, kleine Tunnel, durch die Hügel, das toskanische Apennin. Kurz vor Florenz – Pause, Kaffee – ein ausgefallenes Navigationsgerät. Ein Schreck, ein Schütteln, aber – ein Ausdruck im Gepäck. Und so fuhren wir – weiter, immer weiter in Richtung „Incisa“.

Wo waren wir? Unser Navigationsgerät ließ sich auch mit gutem Zureden nicht wieder aktivieren. Irgendwo zwischen „Panoramica“ und „Abfahrt Incisa“. An der Mautstation das nächste Fiasko – das Ticket wurde nicht akzeptiert. Die Stimme aus dem Apparat wiederholte stoisch Ortsnamen „Bologna“, „Milano“. „Scusa, no capisco. Parla inglese?“ Aber nix „inglese“. Die Stimme wiederholte fragend und genervt: „Bologna?“, „Milano?“. Vielleicht weil wir Hunger hatten, brüllten wir „Bologna!“ und wurden freigelassen.

Das Navi streikte immer noch. Doch dann – wir konnten tun, was wir wollten, aber wir fanden unsere Ferienwohnung nicht. Die Hauptstraße fuhren wir rauf und wieder runter, rauf und wieder runter. Der Ausdruck sprach von „you start driving up the hills“ und „San Michele“. Doch kein Schild, aber Hügel. Kein Handynetz, aber ein Ausdruck, an den ich mich klammerte. Und ein Handy mit einem strahlenden E. Und so fuhr mein Vorzeigemodell mit unserem Kombi die Hügel hoch, hupte als gäbe es kein Morgen, als die Straßen so eng und schmal wurden, dass ein spontanes Ausweichen nicht möglich gewesen wäre, wäre uns jemand entgegen gekommen. Auf der Spitze des toskanischen Apennin – zumindest gefühlt – hielten wir dann an. Dort war doch ein Haus, da saß doch eine Dame mit ihren Kindern, da können wir doch fragen! Aber das wird doch nicht unsere Ferienwohnung sein? Das wird doch nicht, oh bitte nicht, oh bitte, wo kommen denn plötzlich die ganzen Katzen her, Katzen? Oh Himmel, Katzen, 20 oder 30 Katzen.

Mit Händen und Füßen, einem Wörterbuch und einer Engelsgeduld erfuhren wir, dass wir „to the other side“ müssen, nahmen unsere Füße in die Hand, sagten artig „grazie“ und flohen vor der Katzenarmee. Dann – ENDLICH – erreichten wir traumatisiert unser Urlaubsdomizil:

Poderaccio. Ein Agriturismo, ein Farmhaus mit Ferienwohnungen inmitten von Olivenbäumen mit einem traumhaften Blick ins Tal mit Gemüsegarten und mit abendlichem Grillenkonzert, mit Duft von Wald und Wiese, mit nächtlichem Wetterleuchten, mit morgendlichem Hunde- und abendlichem Katzenbesuch. Mit Wildschwein-Grunzen in der Dämmerung, mit Smaragdeidechsen und mit gefüllten Gemüsekörben, Frühstückskörbchen und frischen Eiern, grünen Bohnen und Früchtebrot. Mit Tipps und Tricks, mit Rat und Tat, mit abendlichem Wind, mit Sekt im „Bath-Tub“ und funkelnden Lichtern, mit Spaziergängen und unzähligen Tomaten.

Figline e Incisa Valdarno ist lt. Wikipedia eine Gemeinde mit 23.420 Einwohnern (Stand 2016). Wie der Name schon sagt, liegt sie im Arno-Tal. Florenz ist etwa 25 km entfernt. Westlich von Figline e Incisa liegt das Chianti-Gebiet, das einen oder zwei oder auch mehrere Besuche wert ist, aber dazu später.

Incisa hat zudem einen wunderbaren Supermarkt Coop, in dem wir an unserem zweiten Tag nach einer entspannenden Nacht und einem köstlichen ersten Frühstück noch weitere Köstlichkeiten einkauften – schier überwältigt von der Frische, der Vielfalt und von der Qualität. Das letzte Bild zeigt übrigens das Regal mit den glutenfreien Produkten. Den Tiefkühlschrank habe ich wegen Reitüberflutung vergessen zu fotografieren.

Aber Incisa hat nicht nur einen großen Supermarkt, nein, auch ein kleiner Markt namens Punto Simply Market fügte sich in das Ortsbild ein. Von außen erinnerte der Laden an einen kleinen Dorfladen, und auch die ersten Regale boten ein wohlsortiertes Chaos. Bog man allerdings um die Ecke, steuerte man geradewegs auf eine Frischetheke mit verschiedenen Sorten Käse, Brot und Antipasti zu, dass einem die Luft wegblieb.

Und auch für den süßen Zahn war gesorgt.

Eine Pasticceria namens „Le Delizie“ warb bereits direkt an der Tür „anche senza glutine“. Und das Angebot war großartig! Köstliche kleine Windbeutel mit Sahne oder Schokoladencreme gefüllt, kleine Kekse mit Aprikosenmarmelade oder Schokocreme oder ein in Rum getränktes, pilzähnliches Gebäck:

Glutenfreies Fliegenpilzherz – was willst Du mehr?

7 Kommentare zu „Figline e Incisa Valdarno

  1. Lumi Lumi, Das klingt nach einem wunscherschönen Urlaub (mit einer für einen Urlaub angemessen chaotischen Anreise 😉 ).
    Ich schwöre dir, ich hatte ab „Poderaccio“ den Duft von aufgewärmter Erde in der Nase. Man muss deine vielen Eindrücke auch erst mal ein bisschen auf sich wirken lassen.
    Da habt ihr euch anscheinend eine kleine Ferien-Wohnungs-Schatze raus gepickt.
    Die Anlage wirkt so urgemütlich…
    Und dazwischen drängt sich immer wieder das Bild von einer kleinen Katzenarmee – das ist ja wie in Friedhof der Kuscheltiere. Schön, dass ihr so eine tolle Zeit hattet.
    Ich hätte alles an Süßigkeiten, Antipasti und Wein probieren wollen, ob vegan oder nicht.
    Danke, für die schönen Eindrücke. Von mir aus, können wir sofort los!
    Kaffeedampfende Grüße, Jenny

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    1. Jenny!!! Oh meine liebe Jenny!!! Herrgott – was habe ich Dich VERMISST!!!!!!!!!!! Ich habe soooooooo oft an Dich gedacht. Und da kommt sie so mir nichts, Dir nichts als schwarzes Kätzchen in mein Leben geschlichen! Hach – so eine Wohltat, von Dir zu lesen. Ich hab’s ja gar nicht geschnallt, dass Du das bist. Ich könnte gerade heulen, lachen und hüpfen vor lauter Freude!!!!!!!!!!!!
      Ach, für Dich wäre allemal Platz gewesen! Und ich hätte Dich ALLES probieren lassen. Ich hätte sogar was von meinen italienischen Dolci abgegeben, wenn die nächste Runde auf Dich gegangen wäre 😉😉😂
      Du wirst noch viele weitere Reiseberichte lesen. Muss so langsam wieder reinkommen, aber piano piano! Das Kätzchen schwarz – ich fass es nicht ❤️❤️❤️

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      1. Feurio, du Liebe! 💖😂
        Ich freue mich, dass du dich freust und ich freue mich so sehr, dass wir nun wieder gemeinsam schreiben können! 💖 Ich habe dich und das kleine Blogiversum so vermisst und denke, der neue, etwas Blog ist eine gute Lösung für das, was mir in letzter Zeit so zu schaffen gemacht hat. Dein Reisebericht ist wirklich ganz zauberhaft. Ich hatte beim lesen sofort Urlaubsgefühle und freue mich auf mehr davon.
        Auf viele, schöne, neue Taten, du Liebe! 🌟💖🙆

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  2. Lumi Lumi, Irgendwie ist mein Kommentar verschwunden, also nochmal:
    Danke, für die schönen Urlaubseindrücke. Die Fotos sind einfach zauberhauft, urig und strahlen eine Urgemütlichkeit aus. Einen kleinen Schatz habt ihr euch da rausgepickt, jenseits von sterilen Touristen Domizilen. Ich bin selber mal in der Toskana gewesen und hatte beim lesen sofort wieder den Duft von aufgewärmter, mediterraner Erde in der Nase, dazu einen Espresso und eine von den süßen kleinen Köstlichkeiten und abends ein Glas Wein und ein paar Antipasti. So lässt es sich Leben oder?
    Und wie großartig, dass ihr so eine holprige Anreise hattet, denn da ist der Rest doch gleich doppelt so entspannend. 😉
    Wobei ich das Bild der Katzenarmee durchaus ein wenig verstörend finde. Trotzdem hätte jede einzelne streichen wollen und wäre auch sofort bereit aufzubrechen. Aber so gibt es halt ein bisschen la dolce vita to go – auch schön und ich freue mich, dass ihr so eine schöne Zeit hattet und wärme mir noch ein wenig die Hände an deinen sonnig gemütlichen Eindrücken. 😉
    HerzensLiebe Grüße, Jenny

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  3. Einen wunderschönen Urlaub wünsche ich Euch – wir waren Ostern in der Toskana – tatsächlich mit „Füße-unter-die-Wolldecke-strecken“ – aber soooooooooooo schön. Ich liebe Italien. Lasst es Euch gut gehen. Liebe Grüße aus Wien

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