Ein Landei in der großen Stadt – Regen bringt Segen in Berlin und Potsdam

Berlin. Es ist etwa 9:00 Uhr als wir über die Avus in die einst geteilte Stadt gleiten. Es nieselt leicht, aber der Himmel ist ein Flickenteppich aus weißen Wolken und freundlichem Blau. Heiter bis wolkig eben. Im geräumigen Auto sitzen wir, die Familie: Mama, Papa, Schwiegersohn und Tochter, also ich.

Und wir sind heiß auf Trödel! Auf unserer Liste stehen der altbekannte Flohmarkt an der Straße des 17. Juni, Fehrbelliner Platz, Arkonaplatz, Mauerpark, vielleicht Ostbahnhof, vielleicht Museumsinsel.

Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht irgendwo irgendwer irgendwas mit gleichmütigem Elan absperren, aufreißen, umleiten oder abreißen würde. Geduldig und langmütig „wirste weiter jewunken“ und bist froh über das Navigationsgerät, das uns zuverlässig an den richtigen Ort führt. Doch auch hier ist Berlin für eine Überraschung gut – Flohmarkt an der Straße des 17. Juni ist nicht! Warum nicht? Ist Marathon! Fantastisch… liefe ich den Marathon, ich würde jappsen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Doch japsen muss ich gerade auch ohne Dauerlauf: Frechheit! Gestern hatte ich noch auf die Homepage geschaut, und dort stand nix von wegen fällt aus! Hmpf! Verzeihung, aber Berlin – da biste irjendwie Klischee… Termine nicht einhalten – darin biste janz jut.

Doch vier Trödler lassen sich nicht von der Konsequenz der Hauptstadt beeindrucken und fahren zum Fehrbelliner Platz. Klein, fein und gerade von einem erfrischenden Schauer getroffen, bieten hier die Trödler ihre Waren feil. Eine Pinsvinvase, alte Tropfdeckchen von Melitta wechseln den Besitzer.

Und nun eine mittägliche Stärkung. Auf nach Wilmersdorf zu Rogacki, die Stadtküche.

Gut gestärkt schlendern wir durch Wilmersdorf. Irgendwie ist es fast kleinstädtisch hier, gemütlich. Wir entdecken einen Wochenmarkt im angrenzenden Stadtteil Charlottenburg. Auf dem Karl-August-Platz gibt es alles, was das kulinarische Magen-Herz begehrt – Steinpilze, Maronen, Birkenpilze, Preiselbeeren und duftige Quitten, Äpfel und erste Clementinen. An einem Stand köstlichen Käse, heißen türkischen Tee mit einem Hauch Zimt. Wir genehmigen uns einen Becher, als der nächste Regenschauer auf die Stände und uns niederprasselt. Und unterhalten uns mit dem charmanten Türken über Gott und die Welt, über die Türkei und die dummen fremdenfeindlichen Menschen. Wir Herzen uns zum Abschied als wären wir alte Freunde. Und Friede auf Erden!

Seltsam rührig gehen wir weiter, kaufen kleine Pralinen, auf die das Brandenburger Tor und die Goldelse gedruckt sind. Und am nächsten Stand Esterházy-Torte – in glutenfrei! Ein Gedicht!!! Berliner unter Euch – wenn Ihr den Stand kennt, der an der Ecke zur Pestalozzistraße steht, schickt mir doch mal den Kontakt! Nicht nur die Esterházy-Torte, auch ein Cantuccini-Ähnliches Gebäck ist zum Niederknien.

Ach, Berlin. Wir mussten alles ein bisschen umdisponieren, aber wir sind ja flexibel und – jeschmeidich. Ey, Berlin, ick kenn Dir nur im Frühjahr, im Sommer und im Winter. Im Herbst war ich noch nie zu Besuch. Du meinstest wohl, Du willst mir zeigen, wie sich der Herbst so anfühlt, wa‘? Berlin, wat biste nass…

Und am Sonntag tuste die Schleusen so richtig auf und regnest herab. Wenn de was machst, Berlin, dann machste dit richtig, wa‘? Obwohl – aber nee, meckern will ick nich‘, war schon okay, aber irjendwann hätte ich mich jefreut, wenn de mal uffjehört hättest. Mussteste ja janz schön kieken, dass de nich‘ klitschenass wirst. Immer’n Unnerschlupf suchen, aber Berlin – danke, schön war‘s.

Veröffentlicht von

Frøken Fluesvamp - Kristina

Zöli, Fliegenpilzliebhaberin, Naturfreundin und Freundin schöner Dinge. Liebe fair-nünftige Ware: Bio, regional und saisonal. Manchmal rastlos und hundemüde, frech, trotzig und voller Ideen ;-)

18 Gedanken zu „Ein Landei in der großen Stadt – Regen bringt Segen in Berlin und Potsdam“

  1. Natürlich wünsche ich dem Landei😊 weiterhin alles Gute, wie und wo auch immer. Und vielleicht muß ich das mit dem Glücks/Fliegenpilz auch nicht so wichtig nehmen. Wer erkennt schon hinter der „Fassade“, was dahinter verborgen ist? Manches Gute zeigt
    Sich „giftig“, manches „Giftige“ allerdings als sehr „lecker“. Gerade bei solchen Verkleidungs-Spielchen muß man/frau☺ besonders wachsam sein. Wie sagt man doch: „in einer rauhen😐Schale steckt oft
    Ein weicher Kern“. Aber was weiß man schon??😕

    Gefällt 1 Person

    1. Das Fräulein Fliegenpilz 🍄 dankt und möchte einen großen Dichter zitieren: Wer unter die Oberfläche dringt, tut es auf eigene Gefahr. Oscar Wilde. Alles nur Fassade? Tja, das gilt es, herauszufinden. Und sind wir nicht ab und zu Glücks- und/oder Giftpilz? Das Leben wäre langweilig, wäre man berechenbar gleich. Doch treu und ehrlich – zu sich und seinen Engsten und Liebsten – das ist wichtig! Das Pilzhütchen lupfend grüßt das Fräulein Fliegenpilz 🍄

      Liken

  2. Die Siegessäule habe ich mir eigentlich noch nie so genau angesehen. Nun habe ich sie hier im
    Bild. Diese mutige, strahlende Frau hält ja einen Kranz in die Höhe, womit sie wohl einen Sieger/Siegerin schmücken will. Doch der Kranz ist ja auch ein Zeichen des Friedens und der Völkerversöhnung, glaube ich. Dazu gibt es sicher noch viel zu sagen, auch zu der Flügelhaube.
    Gisela Benseler, D 34131 Kassel-Wilhelmshöhe, Druseltalstraße 37a)

    Gefällt 1 Person

  3. Ach, wie ist das alles schön und herzerfrischend, was ich da gerade sah und las! Diese lebendig-erzählten, selbsterlebt en Geschichten, z.B. von den Pilzen…, daß ist unglaublich🌞🌈☔ und danach dann ein leckeres Pilzgericht, wie erfreulich! Und dann das Märchen vom Hasen und vom Igel, d.h. von den 2 Igeln, einmal ganz frisch und neu erzählt, und danach wieder eine Mahlzeit: Ein falscher Hase! Ja, da ist man gern dabei, wie in Kindertagen💚💕👀👂👃!

    Gefällt 1 Person

      1. Ja, die Geschichten und dazu dann die entsprechenden Mahlzeiten. Das ist so eine schöne Verbindung! Wenn die Geschichten vor dem Essen der Familie am Tisch auch erzählt werden, sch,eckt und bekommt die Mahlzeit auch viel besser.
        Dann nehmen wir mit der Speisekarte auch noch mehr auf.

        Gefällt 1 Person

  4. Mein gelbes Blumenbild ist wieder hier gelandet. Doch wahrscheinlich muß ich es zurückgeben an WordPress.com
    Es wurde mir gerade gemeldet, daß ich dort eine eigene Website habe
    Ich gewähre gern Einblick. Das habe ich dorthin gemeldet.
    Meine EmailAdresse wurde bestätigt. Doch bei meinem Paßwort gab es jedesmal ein Ups! Seitdem bekomme ich keinen rechten Zugang zu vielen Freunden bei WordPress, kann nicht antworten. Mein Paßwort
    Ist hier sicher bekannt. Sollte es vielleicht auch zurückgegeben werden an WordPress.com?

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s