Mein Name ist Itis, Bronch Itis – und warum Apfelmus ein echter Seelenwärmer ist

Draußen scheint die Sonne und es ist für die Jahreszeit unnatürlich warm. Doch ich liege auf dem roten Cordsofa, neben mir eine Batterie an Tee, Wasser, Zeitschriften und Büchern. Ein grippaler Infekt, mit Fokus auf die Bronchien, hat mich heimgesucht, und ich fühle mich ziemlich schlapp. Morgens ist die erste Hürde: Betten machen, wenigstens ein bisschen glattstreichen. Gestern – als ich meinen Arzt aufsuchte, weil es wider Erwarten (oder wohl eher der bockigen Hoffnung zum Trotz) nicht besser wurde – hatte ich mir noch die Haare föhnen wollen. Spätestens da, mit erhobenem Arm, dachte ich, ich hätte einen 100 m Sprint hinter mir.

Und auch wenn Karl Lagerfeld zu Lebzeiten auf Jogginghosen schimpfte, war es mir sowas von schnurzpiepegal und ich fuhr in eben dieser schlabbrigen Hose zum Arzt. Ich sehe derzeit aus wie das blühende Leben, darauf kam es dann echt nicht mehr an. Allerdings könnte ich momentan problemlos einen Nebenjob im Telefongewerbe annehmen, so erotisch klinge ich. Nur die Hustenattacken sind ziemlich abtörnend.

Heute verspürte ich auch das erste Mal wieder ein leises Anzeichen von Appetit. Ich möchte fast behaupten, es war Heißhunger – auf Apfelmus. Kurzerhand schnitt ich die Äpfel klein und schälte sie vorher über den Daumen. Dabei fiel mir eine Episode ein, die ich vor etlichen Jahren einmal im Fernsehen sah. Es waren die Jahre, in denen die Kochsendungen wie Pilze aus dem Boden schossen. Jeder Sender hatte seine eigene Kochshow. Am Anfang noch durchaus interessant und amüsant, insbesondere die „Oooohs“ und „aaahs“ die das leidenschaftliche Löffelablecken noch unterstrichen. Doch irgendwann konvertierten einige Sender ihre kochenden Profis zu uncharmanten Besserwissern, die alles verteufelten, was Oma seit Jahrhunderten so gemacht hat. Blankes Entsetzen in den Augen, wenn in mancher Küche die Kartoffeln mit dem Küchenmesser geschält werden oder die besagten Äpfel über den Daumen. Das war „old school“. Dafür rollten die grünohrigen Möchtegern-Paul-Bocuses in ihren stylischen schwarzen Kochjacken mit Totenkopfknöpfen irgendeine sauteure Gerätschaft in die Küche in die oberbayrische Wirtschaft, in der sie dann die Äpfel und Kartoffeln im 87 Grad-Winkel in das unbezahlbare Hightechgerät einspannten und dann mit in die Kamera gehaltener Kauleiste rubbeldiekatz zeitgleich geschält und in akkurate Stücke geschnitten hatten. Danach kam alles in einen Topf, denn es wurde eh Mus oder Pürree draus. Sei‘s drum! Diese Sendung wurde Ihnen präsentiert vom Nicer-Dicer oder was auch immer.

Worauf ich hinaus will: heutzutage besinnen wir uns auf Oma und ihre Kochkünste zurück, verfallen in nostalgische Erinnerungen, wenn wir das Obst und Gemüse schnippeln, weil Oma das mit ihrem kleinen Küchenmesser auch immer so gemacht hat. Und? Alle sind glücklich! Magic! Nix „old school“! So einfach geht’s.

Vergangene Woche, also die vor James Bronch, diesem hustenden Held, waren mein Vorzeigemodell und ich übrigens mit meinen Eltern in Dänemark. Die Herzensheimat!

Da das Vorzeigemodell am Dienstag tagungsbedingt wieder gen Heimat fahren musste, entschied ich mich für einen Eltern-Tochter-Urlaub all inclusive. Ich blieb dort und hatte Kindheitsgefühle: Frühstück im Schlafanzug (okay – kriege ich sonntags auch), aber eben auch Essen von Mama. Es war himmlisch, und es war ehrliches Essen. Frikadellen mit Kartoffeln und brauner Sauce, Reispfanne mit Paprika, Champignons und Zucchini, Lachs mit Kartoffelbrei und Spitzkohl. Lecker 😋 „Möchtest Du noch ein Eis?“ fragt Papa, und ich antworte im Schlafanzug in eine Decke gehüllt glückselig mit „Jaaaa!“.

Natürlich habe ich mein Vorzeigemodell vermisst! Sehr sogar, aber ich habe es auch sehr genossen. Und das Wiedersehen war umso schöner.

Doch kommen wir nochmal zurück auf die ehrliche Küche. Was ist denn die neudeutsch sogenannte „challenge“? Hmm? Ein Ratatouille kochen – so wie bei Ratatouille, um den sauertöpfischen Restaurantkritiker zu überzeugen und ihn an glückliche Zeiten zu erinnern. Oder wie bei Madame Mallory – ein einfaches Omelett.

Ein „einfaches“ und gutes, bodenständiges und ehrliches Essen. Deshalb: Apfelmus!

Ihr braucht:

  • 10 Äpfel, bunt gemischt, z. B. Wellant, Ingrid Marie, James Grieve
  • 2 EL Zucker
  • Etwas Wasser

Äpfel schälen, entkernen und kleinschneiden. Mit Wasser in einen Topf geben und unter kleiner Hitze so lange köcheln lassen, bis die Stückchen zerfallen. Mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken oder vorsichtig mit einem Pürierstab. Ich mag es, wenn es noch etwas stückig ist. Abgekühlt servieren mit z. B. Pfannkuchen, Milchreis, Vanilleeis oder pur mit einem Schuss flüssiger Sahne.

Veröffentlicht von

Frøken Fluesvamp - Kristina

Zöli, Fliegenpilzliebhaberin, Naturfreundin und Freundin schöner Dinge. Liebe fair-nünftige Ware: Bio, regional und saisonal. Manchmal rastlos und hundemüde, frech, trotzig und voller Ideen ;-)

5 Gedanken zu „Mein Name ist Itis, Bronch Itis – und warum Apfelmus ein echter Seelenwärmer ist“

      1. Liebe Jutta, Dir dann auch gute und schnelle Besserung. Da scheint draußen die Sonne so schön und man ist förmlich ans Sofa gefesselt…
        lieben Dank Dir fürs Kompliment. Werd schnell wieder fit und schmeiß James Bronch raus 😉😉
        Liebe Grüße, Kristina 🍄

        Gefällt 1 Person

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