Damals in Paris – Von Staub und Schmutz, von dem Marais und einem glutenfreien Käsekuchen mit Himbeeren

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Wir nannten es „Hôtel Kellerassel“, gesprochen „Otel Kellèrassèll“ mit Accent Graphe auf dem zweiten und dem dritten „e“. Und wir hatten ein 10-Bett-Zimmer mit Sicherheitsabstand vorm Waschbecken – ein Handtuchhalter mit rostigem Charme. Drei Duschen gab es auf dem Gang für etwa 60 Gäste, davon war eine kaputt, eine die vier Tage unseres Aufenthalts vollgekotzt. Die dritte war so dreckig, dass wir nur mit Socken duschten. In den Etagenbetten hing die obere Matratze durch, und eines nachts hing ich auf halber Höhe, denn eine Schraube brach aus seiner Fassung.

Paris war meine erste Großstadt und überforderte mich – 16-/17-jährig – vom ersten Moment an. Von Sacre Cœur aus sah ich nur Häuser bis zum Horizont. Das Landei in mir war fix und fertig nach 14 Stunden Busfahrt und anschließender Tour mit der Metro zum Montmatre. Ich erinnere mich an rasende Kopfschmerzen im 10-Bett-Zimmer der Jungs, und dass ich irgendwann meinen Mageninhalt auf das gläserne Vordach des 4-Sterne-Schuppen spucken musste, weil sich die rasenden Kopfschmerzen zu einer waschechten Migräne entwickelt hatten. Der Weg zur Toilette war zu weit – das Fenster lag näher.

Am nächsten Morgen wurde meine Hinterlassenschaft in einer Seelenruhe mit dem Gartenschlauch entfernt. Und es ging schon wieder los, ab durch die Großstadt, nur leider ohne Frühstück, denn in dem Frühstücksraum gab es weder Teller noch Brötchen – nur Tabletts mit zweifelhafter Sauberkeit. Nun denn… Paris also.

Ein wenig machte ich Frieden mit der Stadt der Liebe als ich den Triumphbogen sah und Notre Dame. Doch auch am zweiten Abend sank ich erschöpft, aber dieses Mal sehr vorsichtig, in das Bett. Die Stimmung unter uns Mädels war mäßig. Wir hatten alle Hunger und ernährten uns von Salat und Burgern. Frühstück gab es die beiden letzten Tage nicht, wir versuchten es auch gar nicht erst.

Am letzten Tag – wir waren ziemlich geschafft, weil wir am Vorabend aus Versehen im Rotlichtbezirk gelandet waren und einer Mitschülerin das Portemonnaie geklaut wurde – fuhren wir kurz vor unserer Abreise in den Marais. Der Marais ist der jüdische Stadtteil von Paris, und er nahm mich von der ersten Sekunde an gefangen. Ein Wochenmarkt erstreckte sich über einen malerischen Platz. Es gab riesige Artischocken und Auberginen, und überall duftete es nach Brot. Die Geschäfte – ich erinnere mich an kleine Bäckereien, Pâtisserien und Bistros – hatten auf Tafeln angeschrieben, was sie feilboten – auf Jiddisch. Von Gefillte Fisch über runde Brötchen mit Loch, die ich als Bagels kennenlernte. Dieses Viertel faszinierte mich, und ich schloss meinen Frieden mit Paris, zumindest ein wenig. Auf den 14 Stunden Bustour zurück war ich das erste Mal zufrieden – ich hielt einen Bagel in der Hand und ein frisches Stück Baguette und ich aß beides mit Genuss.

21 Jahre ist mein Besuch her. Ich war inzwischen vielleicht drei oder vier Mal in Frankreich, aber Paris – nein. Etwas hielt mich davon ab.

Montag schaute ich fasziniert in ein Buch, das meine Mama gekauft hat. „Meine jüdische Küche“ – Rezepte für Hummus, Bagels, Cheesecakes & Co. von Florence Kahn. Florence Kahn, die an der Ecke Rue des Écouffes/Rue de Rosiers im Marais ihr Geschäft hat, stellt in diesem wundervollen Buch ihre Rezepte vor. Und davon sind wirklich viele glutenfrei! So findet man bei den Rezepten für Käsekuchen kein Fitzelchen Mehl, lediglich Kartoffelstärke! Ich bin begeistert und rufe immer wieder aus „glutenfrei“ und plötzlich sagt meine Mama: „Geschenk!“ Ich strahle übers ganze Gesicht und freue mich. Denn es ist ein tolles Buch, und der Käsekuchen mit Himbeeren steht schon duftend vor mir.

Vielleicht gehts ja doch mal wieder nach Paris. Ich glaube, ich wäre dazu bereit!

Florence Kahns Rezepte sind für viele, viele Menschen oder für weniger Menschen mit sehr großem Hunger. Ich habe ihr Rezept für Käsekuchen reduziert, sodass mein Vorzeigemodell und ich nicht kugelrund werden, aber vielleicht noch ein zweites Stückchen genießen können.

Käsekuchen für 4 Personen:

  • 330 g Quark
  • 1 Bio-Ei
  • 40 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • einige Tropfen Vanilleextrakt
  • 30 g Kartoffelstärke
  • 60 – 70 g Himbeeren (frisch oder TK)

Heize den Backofen auf 160 Grad vor. Rühre den Quark, das Ei und den Zucker mit der Prise Salz und den Tropfen Vanilleextrakt zu einer cremigen Masse. Hebe die Kartoffelstärke vorsichtig unter. Gebe die Masse in eine kleine gefettete Springform und gebe die Himbeeren in die Mitte. Stelle die Form nun in den vorgeheizten Ofen und backe den Kuchen für ca. 50 Minuten.

Aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Dann vorsichtig aus der Form lösen und genießen!

2 Kommentare zu „Damals in Paris – Von Staub und Schmutz, von dem Marais und einem glutenfreien Käsekuchen mit Himbeeren

  1. … meine schlimmste Duschschabenerfahrung habe ich aus London… aber Parist stand dieser lediglich knapp nach… erster glutenfreuer Burger für meine Tochter bei dem pseudo Schotten… wenn Sie dein Rezept sieht solltest du deon Handy in Reis legen… 😏

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  2. 😂😂😂 mein Handy in Reis legen??? Das habe ich ja noch nie gehört. Was bedeutet das??
    Duschschabenerfahrung ist auch ein wunderschöner Ausdruck 🥴 An London und ein Hotel nahe des Piccadilly Circus kann ich mich auch gut erinnern. Man musste an der Rezeption anrufen, wenn man duschen wollte und bekam erst dann die Handtücher… sehr speziell… zumal vor der Tür gewartet wurde, bis man fertig war…
    Deine Tochter ist mir im übrigen voraus – beim Pseudo-Schotten (auch sehr schöner Begriff 😂) hatte ich noch nie einen glutenfreien Burger, dafür beim König 👑 – der war tatsächlich lecker…
    Und ich schieb mal ein Stück Käsekuchen durch den Äther… 😉😉

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