Ein Landei in der großen Stadt – Regen bringt Segen in Berlin und Potsdam

Berlin. Es ist etwa 9:00 Uhr als wir über die Avus in die einst geteilte Stadt gleiten. Es nieselt leicht, aber der Himmel ist ein Flickenteppich aus weißen Wolken und freundlichem Blau. Heiter bis wolkig eben. Im geräumigen Auto sitzen wir, die Familie: Mama, Papa, Schwiegersohn und Tochter, also ich.

Und wir sind heiß auf Trödel! Auf unserer Liste stehen der altbekannte Flohmarkt an der Straße des 17. Juni, Fehrbelliner Platz, Arkonaplatz, Mauerpark, vielleicht Ostbahnhof, vielleicht Museumsinsel.

Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht irgendwo irgendwer irgendwas mit gleichmütigem Elan absperren, aufreißen, umleiten oder abreißen würde. Geduldig und langmütig „wirste weiter jewunken“ und bist froh über das Navigationsgerät, das uns zuverlässig an den richtigen Ort führt. Doch auch hier ist Berlin für eine Überraschung gut – Flohmarkt an der Straße des 17. Juni ist nicht! Warum nicht? Ist Marathon! Fantastisch… liefe ich den Marathon, ich würde jappsen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Doch japsen muss ich gerade auch ohne Dauerlauf: Frechheit! Gestern hatte ich noch auf die Homepage geschaut, und dort stand nix von wegen fällt aus! Hmpf! Verzeihung, aber Berlin – da biste irjendwie Klischee… Termine nicht einhalten – darin biste janz jut.

Doch vier Trödler lassen sich nicht von der Konsequenz der Hauptstadt beeindrucken und fahren zum Fehrbelliner Platz. Klein, fein und gerade von einem erfrischenden Schauer getroffen, bieten hier die Trödler ihre Waren feil. Eine Pinsvinvase, alte Tropfdeckchen von Melitta wechseln den Besitzer.

Und nun eine mittägliche Stärkung. Auf nach Wilmersdorf zu Rogacki, die Stadtküche.

Gut gestärkt schlendern wir durch Wilmersdorf. Irgendwie ist es fast kleinstädtisch hier, gemütlich. Wir entdecken einen Wochenmarkt im angrenzenden Stadtteil Charlottenburg. Auf dem Karl-August-Platz gibt es alles, was das kulinarische Magen-Herz begehrt – Steinpilze, Maronen, Birkenpilze, Preiselbeeren und duftige Quitten, Äpfel und erste Clementinen. An einem Stand köstlichen Käse, heißen türkischen Tee mit einem Hauch Zimt. Wir genehmigen uns einen Becher, als der nächste Regenschauer auf die Stände und uns niederprasselt. Und unterhalten uns mit dem charmanten Türken über Gott und die Welt, über die Türkei und die dummen fremdenfeindlichen Menschen. Wir Herzen uns zum Abschied als wären wir alte Freunde. Und Friede auf Erden!

Seltsam rührig gehen wir weiter, kaufen kleine Pralinen, auf die das Brandenburger Tor und die Goldelse gedruckt sind. Und am nächsten Stand Esterházy-Torte – in glutenfrei! Ein Gedicht!!! Berliner unter Euch – wenn Ihr den Stand kennt, der an der Ecke zur Pestalozzistraße steht, schickt mir doch mal den Kontakt! Nicht nur die Esterházy-Torte, auch ein Cantuccini-Ähnliches Gebäck ist zum Niederknien.

Ach, Berlin. Wir mussten alles ein bisschen umdisponieren, aber wir sind ja flexibel und – jeschmeidich. Ey, Berlin, ick kenn Dir nur im Frühjahr, im Sommer und im Winter. Im Herbst war ich noch nie zu Besuch. Du meinstest wohl, Du willst mir zeigen, wie sich der Herbst so anfühlt, wa‘? Berlin, wat biste nass…

Und am Sonntag tuste die Schleusen so richtig auf und regnest herab. Wenn de was machst, Berlin, dann machste dit richtig, wa‘? Obwohl – aber nee, meckern will ick nich‘, war schon okay, aber irjendwann hätte ich mich jefreut, wenn de mal uffjehört hättest. Mussteste ja janz schön kieken, dass de nich‘ klitschenass wirst. Immer’n Unnerschlupf suchen, aber Berlin – danke, schön war‘s.

Von Gram Slot, Sankt Hans und einem köstlichen Omelette

Wir hatten Urlaub, mein Vorzeigemodell und ich. 14 wundervolle Tage. 14 Tage mit bestem Wetter.

An einem dieser Abende sitzen wir auf unserem Sofa in unserem dänischen Ferienhaus und schauen abwechselnd Prospekte an und aus den Fenstern, die bis auf den Boden reichen. Blick auf die Dünen und den endlos weiten Himmel. Zugegeben – das Possesivpronomen hat nur eine 14-tägige Gültigkeit. Doch diese 14 Tage ist es eben unser Haus, sind es unsere vier Wände, ist es unser Sofa und unsere Terrasse.

Gestern waren wir schwimmen in der Nordsee. Es kostete keine Überwindung, denn der ablandige Wind und die 33 Grad sorgten dafür, dass man ohne zu zögern in die spiegelglatte Nordsee tauchte, sich irgendwann auf den Rücken drehte und sich treiben ließ.

Über Nacht kam dann der Temperatursturz. Heute Wind, viel Wind und 16 Grad. Wir schmeißen den Kamin an und sitzen da, schauen auf die Flammen, ins aufgeschlagene Prospekt, nach draußen in den Himmel und die Sonne, die einfach nicht untergehen will. „Lyse nætte“ nennen die Dänen das, helle Nächte. An Sankt Hans Aften, also am 23. Juni, standen wir alle ums Feuer und sangen die „Midsommervisen“. Barfuß in kurzen Hosen – alles Sommerverliebte, alle gleich und alle in Einigkeit. Let‘s hygge beschreibt es so: „Ganz Dänemark versammelt sich zur Dämmerung am Strand, zündet ein Feuer an, singt ein Lied, trinkt ein Bier, schaut zu wie die Hexe brennt, trinkt noch ein Bier, und geht wieder nach Hause.“ Aber das Wichtige ist doch – die Menschen einigt die Zeremonie, das Beisammenstehen, das Singen.

Kurze Zeit später erhielten die Abiturienten in Dänemark ihre „Abschlusskappen“. Zum bestandenen Abitur wünscht man sich auch „Tillykke med huen“. Denn jede(r) Reifegeprüfte erhält eine schicke Kappe mit eingesticktem Namen.

Bild von Mousse and Pen Illustration

Am Tag drauf ist das Thermometer wieder auf die 23 Grad geklettert, und wir haben uns für einen Besuch des Gram Slot entschieden. „Sollen wir ein Schloss kaufen, Schatz?“ soll die Frage gewesen sein, die der Schlossherr seine Frau (oder auch umgekehrt) im Jahr 2007 halb im Spaß, halb im Ernst gestellt haben soll.

Gram Slot stand für 25 Jahre leer. Es sollte wieder mit Leben gefüllt werden. Und nun – nach einiger Zeit – erstrahlt das Schloss im Herzen Sønderjyllands im neuen Glanz. Kein pompöses Schickimicki. Nein! Gram Slot wird buchstäblich genutzt. Ein lebendes Kulturerbe sozusagen, in dem viele verschiedene Events stattfinden: Konzerte, Festivitäten, Kurse und Konferenzen. Aber nicht nur das: Gram Slot betreibt Landwirtschaft in großem Stil – biologisch!

In dem großen Hofladen mit Café gibt es Mehle verschiedenster Sorten, Kaffee und Säfte ne Öle.
Die Familie lebt im ältesten Flügel des Schlosses – dem Ostflügel – um 1470 erbaut. Süd- und Westflügel sind öffentlich zugänglich und werden für die Veranstaltungen und für Führungen genutzt.

Im Café selbst herrscht angenehm ruhige Trubeligkeit. Wir schauen in die kleine, aber feine Karte und entscheiden uns nach kurzer Beratung mit der herzlichen Bedienung für Carpaccio und Omelette. Das Omelette ist glutenfrei. Um sicherzustellen, dass bloß kein Malheur passiert, brüllt die freundliche Dame aber nochmal in die Küche: „Omeletten skal være glutenfri! Pigen kan ikke tåle gluten!“

Und das Mädchen, das kein Gluten tolerieren kann, erhält eine fantastische Portion eines glutenfreien Omelettes.

Herrlich ist es dort. Inzwischen füllt es sich langsam mit Menschen unterschiedlichen Alters. Manche möchten Kaffee, andere einen Happen Herzhaftes.

Wir schlendern hinaus, gehen an den Getreidefeldern vorbei, an dessen Rändern Kornblumen stehen. Es fühlt sich an wie früher, als man als Kind durch die Felder gelaufen ist.

Nun sind wir zurück aus der Herzensheimat. Eine Woche ist schon wieder rum. Und Omelette gab’s heute. Ein Käse-Schinken-Omelette à la Gram Slot.

Rezept

  • 3 Bio-Eier
  • Salz und Pfeffer
  • etwas Sahne
  • 2 Scheiben Bio-Kochschinken, in Streifen geschnitten
  • gewürfelten Käse, z. B. Comté oder Nordseekäse oder ähnlichen würzigen Käse
  • Öl für die Pfanne und für den Salat
  • Essig
  • etwas Salat
  • ein paar Tomaten
  • Schneidet den Salat klein, teilt die Tomaten und gebt alles in eine Schüssel. Gebt Essig und Öl darauf und ein paar der Käsewürfel. Vermengt alles und stellt es beiseite.
  • Schlagt die Eier in einer Schüssel auf. Gebt Salz und Pfeffer nach Belieben dazu, ebenfalls einen Schuss Sahne. Vermengt alles mit einem Schneebesen.
  • Gebt Öl in eine Pfanne. Wenn das Öl heiß ist, gebt die Eier hinein. Lasst das Ei bei kleiner Hitze stocken. Auf die eine Hälfte gebt Ihr Käse und Schinken. Klappt das Omelette zusammen und versucht, wenn es recht fest ist, in der Pfanne zu drehen.
  • Teilt das Omelette in der Mitte und richtet es mit dem Salat auf den Tellern an!
  • Vel bekomme!
  • Es grüßt Euch herzlich Euer

    Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Auf Pflanzen-Pirsch in der dänischen Heidelandschaft – Und plötzlich wird der Blick ganz weit

    Früher, als ich noch klein war und mit meinen Eltern im Auto ohne Klimaanlage und ohne Anschnallgurte auf der Rückbank und ohne elektrische Fensterheber in den Urlaub fuhr, hatte ich am Tag vor der Rückreise immer eine ganz große Angst – ich hatte nicht genügend Meeresluft eingeatmet. Ich war mir sicher, dass ich den Duft von Meer und Salz nicht in ausreichendem Maße in meine Lungen gepresst hatte. Ich war noch nicht ausreichend durch die Heide gewandert, hatte noch nicht genügend Muscheln gesammelt, hatte noch nicht in zufriedenstellendem Maße dem Kiefernrauschen gelauscht. Kurzum: Ich war einfach noch nicht fertig mit Urlaub. Und so atmete ich noch kräftiger ein, noch tiefer, bis mir fast schwindelig wurde, legte mein Ohr noch dichter an die Holzwand des Ferienhauses, stromerte noch weiter in die Heidelandschaft hinein und suchte noch mehr Muscheln. Mit dem Ziel, genügend im Vorrat zu haben. Bis zum nächsten Mal.

    Am Abfahrtstag selbst breitete sich immer eine gehörige Portion Übelkeit aus. Auch heute noch. War der Appetit in den letzten Tagen – gestärkt durch Meeresluft und ausgedehnte Spaziergänge – ausgeprägt, so war und ist er an diesem Tage eher verhalten.

    Irgendwann entstand auch eine ganz eigene Zählweise der noch vor uns liegenden Urlaubstage. Hatte man 14 Tage gebucht und war am Samstag angereist, so hatte man am Samstag drauf nicht noch 7 Tage, nein, man hatte 14 Tage: 7 Vor- und 7 Nachmittage. Völlig logisch.

    Zum Glück liegen noch einige wunderbare Urlaubstage vor uns, sodass an Abreise noch gar nicht zu denken ist.

    Die Tage sind zudem lang. Die Sonne taucht erst in allen erdenklichen Rot-, Gelb- und Lilatönen um 22:30 Uhr ins Meer, und der Himmel ist so unglaublich weit. Um 23:30 Uhr gehen wir langsam ins Bett, nur um gegen 7:00 Uhr wieder die Augen zu öffnen. Es ist schließlich schon seit 3 Stunden hell.

    Heute sind wir am Nachmittag – der dänische Sommer hatte morgens eine kurze Pause eingelegt – durch die angrenzende Heide- und Dünenlandschaft gewandert.

    Schwarze Krähenbeere

    Blut-Storchschnabel

    Scharfer Mauerpfeffer (eine Sedum-Art)

    Sand-Thymian

    Gemeiner Hornklee

    Ebenfalls: Gemeiner Hornklee

    Kleiner Sauerampfer

    Bunter Feld- und Wiesenstrauß mit echtem Labkraut, Grasnelken, Kornblumen und Acker-Gänsedisteln

    Mittsommer/St. Hans-Kranz

    Zugegeben – wir waren ein klein wenig mit Wildkräuter-App und Naturführer bewaffnet, aber das hat dem Entdecken keinen Abbruch gegeben. Im Gegenteil: Der Perspektivwechsel stellte den Blick scharf für das Kleine, Verborgene. Wir entdeckten plötzlich Grashüpfer

    und Distelfalter.

    Und so erfuhren wir mal so ganz nebenbei eine interessante Geschichte:

    Das echte Labkraut, auch Bettstroh der Jungfrau Maria genannt – das in dem Strauß mit den sehr kleinen, gelben und rispenartigen Blüten – soll der Legende nach in der Krippe des Jesuskindes gelegen haben. Allerdings ist der Kern der Legende noch sehr viel älter: Bevor der christliche Glaube in Skandinavien verbreitet wurde, hat man das wohlriechende Labkraut mit der Göttin Freja verbunden. Freja ist die Göttin der Liebe. Die uralte Tradition besagte, dass das echte Labkraut auf das Bett einer Gebärenden gestreut werden sollte. Die Kirche indes war gegen diesen heidnischen Brauch, konnte sich aber nicht durchsetzen. Schließlich stimmte sie zu, die Pflanze der Heiligen Jungfrau Maria zu widmen.

    Klitzekleine „Kloge Ove“ (Klugscheißer)-Grüße sendet Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Danmark – Ankomst oder auch: wenn‘s gut läuft

    Die Minna läuft. Welch liebliches Geräusch, vielmehr das herrliche Gefühl dabei, denn der Bauch ist gefüllt, die Sonne scheint mir wohlig darauf und ich darf meine Beine ausstrecken, die Füße ablegen und immer mal wieder in den traumhaft blauen Himmel schauen. Und den Abwasch erledigt Minna.

    Gestern sind wir angekommen in der Herzensheimat, mein Vorzeigemodell und ich. Mit donnerndem Getöse ging es los. Thor warf mit Blitzen nur so um sich, muss er noch den Behälter mit den Eiswürfeln in die Finger gekriegt haben, wütete und tobte. Ein richtiges Empfangskommittee.

    Am Anreisetag erreiche ich irgendwann den sprichwörtlichen Status „Falschgeld“. Beim Einkaufen bin ich derart müde, irgendwie automatisiert. Wo ist was? Was ist wo? Schlafanzug? Dusche? Handtuch? Bett!? Angekommen, aber mit Fragezeichen.

    Am nächsten Morgen bemerke ich: Das Ferienhaus ist schnuckelig und retro eingerichtet – eingebettet in Dünen, idyllisch zwischen Klitrosen mit Holzterrasse, und es ist lichtdurchflutet. Schmetterlinge fliegen vorbei, Schwalben stürzen sich über das Dach – Frau Schwalbe ist und bleibt eine Schwätzerin. Und die dänische Sonne lacht. Frühstück! Terrasse! Strand! Meer!

    Heute bin ich noch nicht ganz so mutig. Die Hose ist dreiviertel lang, aber ich laufe barfuß. Das Meer umspielt sanft meine Füße, und ein wohliges Gefühl breitet sich in meiner Brust aus. Angekommen! Jetzt mit Ausrufezeichen.

    Angekommen, Ankunft: Ankomst. Danmarks Ankomst. In meiner kleinen Familie ein inzwischen schon traditionelles Ankunftsessen, meistens am Tag nach dem Anreisetag serviert. Mein Papa ist ein großer Liebhaber dieses Gerichts. Einmal, es muss schon einige Jahre her sein, stand er über die Kühltruhe gebeugt und betrachtete mit verzücktem Gesichtsausdruck die Schnitzel. Er fühlte sich unbeobachtet, doch seine Familie hatte ihn sehrwohl im Auge. Plötzlich sagte mein Vorzeigemodell zu meiner Mama: „Schau mal! Rudolf denkt sich bestimmt gerade: ‚Wenn’s gut läuft, krieg ich drei!'“ Woraufhin wir alle in schallendes Gelächter ausbrachen und „Danmarks Ankomst“ einen Beinamen erhielt – wenn’s gut läuft!

    Und was soll ich Euch sagen:

    Es duftet immer noch ein wenig nach den herrlichen neuen Kartoffeln der dänischen Insel Samsø und nach den frischen Erbsen und Wurzeln, nach Gebratenem.

    Schweineschnitzel (natur) mit Kartoffelbrei und Erbsen und Wurzeln

    Die Wurzeln habe ich nur gewaschen und das Karottengrün entfernt. Daraus könnt Ihr übrigens leckeres Pesto machen!

    Die Erbsen habe ich gepahlt und nach ca. 12 Minuten Kochzeit zu den Wurzeln dazugegeben. So blieben die Erbsen schön grün und knackig.

    Gewürzt habe ich hinterher nur mit ein bisschen Petersilie und einem Hauch Butter.

    Die neuen Samsø-Kartoffeln habe ich geschält und in Salzwasser gekocht. Hinterher habe ich mit Butter, Salz, Muskat und Milch ein lockeres Kartoffelpüree gemacht.

    Die Schnitzel vom Bio-Schwein habe ich mit Salz und Pfeffer in Öl angebraten, und zwar scharf von beiden Seiten.

    Und die Sauce ist eine Mehlschwitze aus Butter und Maisstärke mit Sahne und Gemüsebrühe ausgegossen, dazu einen Spritzer „Madkulør“, damit die Sauce eine schöne dunkle Farbe annimmt.

    Und wenn’s gut läuft, kann man nochmal Nachschlag nehmen!

    Angekommen – Ausrufezeichen.

    Westsidestory: Nochmal Sylt, Strænd mit Milchreis und Katzensprünge

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    Auf der Suche nach der Ursprünglichkeit fahren wir auf unserem Kurztrip mit dem Inselbus in Richtung Süden. In Erwartung wärmerer Temperaturen. Ein Katzensprung…

    Doch in Hörnum braust der Wind ungebremst auf das Eiland, und egal, wo man steht – büschen Wind ist immer. Und so entscheiden wir uns für einen Spaziergang auf der Westseite der Insel, denn die Brise kommt aus Ost.

    Vorbei an Inselbäckereien und beschaulichen Vorgärten, Massen lila Taubnesseln, und immer mit einem friesischblauen Himmel über uns und mit ein wenig Kaffeedurst im Gepäck. Plötzlich ein Schild: STRÆND. Mit dänischem „æ“. Hmm…Campingplatz. Soso…an den Strand wollen wir sowieso, dann können wir den Weg auch bereits hier einschlagen.

    Und wir gehen vorbei an küstentypischen Lagerplätzen. Holzbuden für den Strandverkauf, vielleicht für Eis und Würstchen, Bojen, Taue. Alles wartet auf die Saison. Doch auch wenn die Sonne aus einem wolkenlosen Himmel hernieder lacht, der Wind ist tückisch. Wir schlendern weiter. Plötzlich taucht das „Strænd“ auf, liegt eingebettet vor den meterhohen Dünen und einem Übergang zum Strand. Große Fensterfronten, helles Interieur, irgendwie gemütlich. Wir suchen den Eingang, treten ein, werden freundlich begrüßt und suchen uns einen Platz an der Sonne.

    Bei genauer Betrachtung des großen Raumes entdecken wir viel: Alte Bilder von Sylt, Postkarten in einem alten Messingbilderrahmen, Schultafeln. Auf dem Tisch Salz- und Pfefferstreuer aus Silber in Schwanenform.

    Eigentlich wollten wir nur einen Kaffee, doch die Karte preist Fish’n’Chips an und mein Wohlfühlessen (neben glutenfreier Pasta) – Milchreis, mit Zimt und Zucker. Viel Zimt, drüber gestreut und schichtweise abgegessen, dann wieder eine dünne Schicht nachlegen. Hmm… und so werden aus zwei Pott Kaffee Fish’n’Chips und Milchreis.

    Und wir kommen ins Gespräch, wie eigentlich immer. Das sprichwörtliche Schild an der Stirn. Das Strænd hat eine Geschichte, die noch nicht alt ist, aber verspricht, alt zu werden. Auf der Homepage des Bistros steht:

    Wer nach Hause will, muss sich auf den Weg machen.

    Ohne Losgehen kein Ankommen. Alles hat zwei Seiten.

    Das Land endet, das Meer beginnt – Strand.

    Wo eine Reise zu Ende geht, da fängt Zuhause an – Ankunft.

    Zwei Hörnumer Jungs haben sich auf diesen Weg gemacht.

    Und sind gemeinsam angekommen.

    Am Ende einer Insel – Am Anfang einer langen Reise.

    Willkommen zuhause. Am STRÆND in Hörnum.

    Stolz können sie sein, die zwei Hörnumer Jungs. Denn hier findet man die Ursprünglichkeit. Unser innerer Kompass hat uns hier hingespült.

    Wir werden träge, denn die Sonne wärmt. Auch in unseren Bäuchen wird’s warm. Doch wir wollen auch Strand, ohne Dänisch „æ“. Wollen Meeresrauschen und Steinchen springen, Muscheln sammeln und Wind.

    Wir erklimmen die Dünen, und wir laufen, laufen, bleiben stehen, saugen die Luft ein. Bücken uns nach Muscheln und Steinen, blicken Möwen hinterher, halten das Gesicht in die Sonne.

    „Someday, somehow, somewhere…“

    Irgendwann biegen wir rechts ab, gehen durch einen Dünenweg durch die Heide.

    Wir kommen raus in Rantum. Fast an der berühmten Sansibar. Der Himmel zieht sich zu, und wir gehen Richtung Bushäuschen. Haltestelle „Puan Klent“, was „Pauls Kliff“ bedeutet. Der Bus kommt, wir steigen ein und fahren gen Norden. Auch vom Südpol zum Nordpol ist’s nur ein Katzensprung, schwirrt es mir durch den Kopf.

    Hier ist es kälter, rauher, und Regen kommt auf. Wir beobachten, wie die Sylt-Fähre anlegt und die Rømø-Besucher ausspuckt. Wie an einer Schnur rollen die Autos aus dem Bauch des Metallpotts. Und ist kalt, und wir wollen zurück. Zurück ins Hotel.

    Wir werden – umgezogen und aufgetaut – abends belohnt. Eine pink-orange Sonne versinkt im Meer. Gute Nacht Sylt!

    Per Anhalter durch Norddeutschland – Von Sylt und einer Ja-Hundert-Party

    Es ist April, und ich sitze in einem Hotelzimmer in einem ultrabequemen Ohrensessel in Nordseeblau, während ich die ersten Zeilen dieses Artikels schreibe. Meine bestrumpfhosten Beine und Füße liegen auf dem Hocker in derselben Farbe. Und ich bin platt, aber glücklich. Drei Tage Seminar liegen hinter mir. Auf Sylt. Manche würden sagen: „Die Insel!“ Mit Ausrufezeichen und mit Betonung auf „die“. Hmm…

    Sylt ist für mich eine Herausforderung. Fernab von Champagnergesellschaft und Schickeria liegt für mich der Reiz der Insel. Oscar Wilde sagte einst: „Wer unter die Oberfläche dringt, tut es auf eigene Gefahr!“ Und hier beginnt das Abenteuer.

    Ich reise an mit dem Zug. Der Morgen liegt klirrend kalt vor mir. Gestern war das Thermometer tagsüber auf über 20 Grad geklettert, und ich schnattere und ziehe den Mantel noch etwas enger um mich.

    Sylt, rattert es in meinem Kopf. Als die Verspätung aufgeholt und der Anschluss in Hamburg Altona geschafft ist, entspanne ich mich in dem Regionalzug, der in beschaulichem Tempo durch Schleswig-Holstein zockelt. Die Ansagen der Halte im nördlichsten Bundesland schallen zweisprachig aus den Lautsprechern – Hochdeutsch und Friesisch. Auf den Wiesen tummeln sich Schafe und Lämmer, Kiebitze mit ihren frechen Stietzen, Rehe und Hasen. Und über allem ein Himmel in einem faszinierenden Blau.

    Und dann der Hindenburgdamm. Der Zug rattert über die Gleise. Das Glitzern des Wassers rechts und links. Dann der erste Halt, der zweite Halt, dann Westerland. Und ich hieve meinen Koffer aus dem Zug, ziehe ihn hinter mir her und wackele Richtung Bus. Linie 1 in Richtung Kampen. Kampen Mitte bitteschön.

    Die Busfahrt ist „herrlich“. Mit meinem Monster komme ich kaum durch die schmalen Gänge des Busses und attackiere aus Versehen noch eine Mitfahrerin. „So lernt man Leute kennen!“ entgegnet eine Sylterin, die dankenswerterweise meinen Koffer hält und freundlich mit mir spricht.

    In Kampen Mitte angekommen, ziehe ich das Ungetüm hinter mir her. Hotel Rungholt. Und auch hier – ein Blau, das Weite und Freiheit verspricht. Das sich wohltuend auf meine Seele legt. Und ich atme tief ein. Geliebtes Meer, geliebte Nordsee!

    Doch wir wollen mal nicht vergessen, dass ich auf Seminar bin. Nicht zum Seele-baumeln-lassen. Am Abend fühle ich mich ein wenig einsam im Hotel. Fliegenpilz wäre nicht Fliegenpilz, wenn er nicht ins Gespräch kommen würde im Restaurant. Doch etwas komisch ist es schon in dem riesigen Hotelzimmer ohne Vorzeigemodell an der Seite. Doch mein ewiger Begleiter ist dabei. Ihr kennt ihn noch nicht, denn ich habe ihn noch nicht vorgestellt, obwohl er – ist die Tasche auch noch so klein – mit mir reist, seit ich denken kann. Juhu! Das ist nicht als jubelnder Aufschrei zu verstehen, nein. Juhu ist ein Pferd. Ein stolzes Ross aus Stoff. Kuschlig weich und in etwa so alt wie ich. Juhu, mein treues Pferd. Mit den Jahren ist Juhu etwas dünner geworden, hat die eine oder andere Narbe davon getragen, wurde aus verfänglichen Situationen befreit (er wurde im Kindergarten entführt und von einer vermeintlichen Freundin nicht mehr rausgerückt) und hilft bei Wehwehchen aller Art. Mit Juhu im Arm geht es mit dem Einschlafen und Aufstehen, und am nächsten Morgen kann ich ohne Talisman ins Seminar.

    Die Tage vergehen wie im Flug. Und ehe ich mich’s versehe, ist es Freitag. Die Zertifikate werden ausgeteilt, und ich fühle mich platt und euphorisch. Nicht nur, dass mein Vorzeigemodell heute nachkommt, auch die Gruppe war großartig. Und so herzen wir uns zum Abschied, gehen unserer Wege und einem sonnigen Wochenende entgegen.

    Und nun sitze ich in einem Hotelzimmer in einem ultrabequemen Ohrensessel in Nordseeblau, während ich die ersten Zeilen dieses Artikels schreibe. Meine bestrumpfhosten Beine und Füße liegen auf dem Hocker in derselben Farbe. Und ich bin platt, aber glücklich.

    Ja – Hundert! kann ich noch ausrufen, denn der 100. Follower hat es auf meinen Blog geschafft. Das ist mir doch glatt ein Lupfen meines Pilzhutes wert. Herzlich willkommen!

    Und warum der Titel von Anhaltern spricht, das müsst Ihr woanders lesen!

    Es grüßt Euch herzlich Euer

    Fräulein Fliegenpilz – Frøken Fluesvamp 🍄

    Soll ich Dir was vorlesen? Kulturgangster – Von einem Live-Hörspiel, einem wahren Ohrenschmaus!

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    Es stürmt, schon seit Tagen. Bennet hat die Sau rausgelassen, doch Cornelius ist ausdauernder, weht und weht, schickt Böen, schwarze Gewitterwolken, ergiebige Schauer, Blitze, Hagel. Cornelius ist der Hooligan unter den Sturmtiefs. Er rüttelt an den Ästen der Bäume und haut auf die Kacke ohne Rücksicht, ohne Unterlass. Er lässt sich und uns keine Verschnaufpause. Hoffentlich geht ihm bald die Puste aus. Mir dröhnen die Ohren von seinem Getöse und der Kopf tut mir weh. Tiefdruckgebiet. Möchte aufs Sofa und mir dicke Kissen auf die Ohren drücken. Doch das läuft heute nicht.

    Auf die Ohren gibts trotzdem, allerdings ein Ohrenschmaus. In der Schlossküche des Schlosses Bückeburg im Schaumburger Land hat ein Ensemble geladen, dessen samtene, sonore, helle, rauchige, irre Stimmen locken, erschaudern, entführen in die Welt von Queen Victoria. Ins Pferdezeitalter, wo man mit Droschken über Kopfsteinpflaster rumpelte und wo eine eigensinnige Haushälterin einem ebenso eigensinnigen, ungleichen Paar Nierchen zum Frühstück bereitet. In die Welt des wohl berühmtesten Detektivs, in die Bakerstreet 221B.

    Die Kulturgangster präsentieren seit Januar 2019 im stilvollen Ambiente der Schlossküche in Bückeburg einen Klassiker der Kriminalliteratur. Sir Arthur Conan Doyle ließ einen angsteinflößenden Riesenhund im englischen Dartmoor von der Leine, die Sprecher ziehen sie in ihren Bann. Und es sitzt keiner dort mit gezücktem Smartphone und macht Selfies. Nein!

    Die Gesichter im Schein der Kerzen in warmes Licht getaucht sitzt jeder Einzelne dort und lauscht. Lauscht dem heiseren Lachen, zuckt zusammen beim gellenden Aufschrei, spitzt die Ohren, wenn im Flüsterton getuschelt wird, reißt ungläubig die Augen auf, wenn man die Zusammenhänge begreift. Doch immer, immer, immer ist man dort – inmitten des Londons von Queen Victoria, im Nebel von Dartmoor, in der Droschke, der Eingangshalle, in der Bakerstreet 221B – in Mrs Hudsons Küche.

    Anhaltender Applaus. Wir sind in der Küche, ja, der Schlossküche. Und das Ensemble verneigt sich. Sherlock hat den Fall gelöst, natürlich. Die Welt wurde wieder zurechtgerückt in der Schaltzentrale der Macht. In der Bakerstreet 221B. Mrs Hudson brät vielleicht wieder Nierchen zum Frühstück. Und wir kehren zurück. Zurück vom Abenteuer im Kopf.

    Und wann lässt Du Dich entführen?