Auf Pflanzen-Pirsch in der dänischen Heidelandschaft – Und plötzlich wird der Blick ganz weit

Früher, als ich noch klein war und mit meinen Eltern im Auto ohne Klimaanlage und ohne Anschnallgurte auf der Rückbank und ohne elektrische Fensterheber in den Urlaub fuhr, hatte ich am Tag vor der Rückreise immer eine ganz große Angst – ich hatte nicht genügend Meeresluft eingeatmet. Ich war mir sicher, dass ich den Duft von Meer und Salz nicht in ausreichendem Maße in meine Lungen gepresst hatte. Ich war noch nicht ausreichend durch die Heide gewandert, hatte noch nicht genügend Muscheln gesammelt, hatte noch nicht in zufriedenstellendem Maße dem Kiefernrauschen gelauscht. Kurzum: Ich war einfach noch nicht fertig mit Urlaub. Und so atmete ich noch kräftiger ein, noch tiefer, bis mir fast schwindelig wurde, legte mein Ohr noch dichter an die Holzwand des Ferienhauses, stromerte noch weiter in die Heidelandschaft hinein und suchte noch mehr Muscheln. Mit dem Ziel, genügend im Vorrat zu haben. Bis zum nächsten Mal.

Am Abfahrtstag selbst breitete sich immer eine gehörige Portion Übelkeit aus. Auch heute noch. War der Appetit in den letzten Tagen – gestärkt durch Meeresluft und ausgedehnte Spaziergänge – ausgeprägt, so war und ist er an diesem Tage eher verhalten.

Irgendwann entstand auch eine ganz eigene Zählweise der noch vor uns liegenden Urlaubstage. Hatte man 14 Tage gebucht und war am Samstag angereist, so hatte man am Samstag drauf nicht noch 7 Tage, nein, man hatte 14 Tage: 7 Vor- und 7 Nachmittage. Völlig logisch.

Zum Glück liegen noch einige wunderbare Urlaubstage vor uns, sodass an Abreise noch gar nicht zu denken ist.

Die Tage sind zudem lang. Die Sonne taucht erst in allen erdenklichen Rot-, Gelb- und Lilatönen um 22:30 Uhr ins Meer, und der Himmel ist so unglaublich weit. Um 23:30 Uhr gehen wir langsam ins Bett, nur um gegen 7:00 Uhr wieder die Augen zu öffnen. Es ist schließlich schon seit 3 Stunden hell.

Heute sind wir am Nachmittag – der dänische Sommer hatte morgens eine kurze Pause eingelegt – durch die angrenzende Heide- und Dünenlandschaft gewandert.

Schwarze Krähenbeere
Blut-Storchschnabel
Scharfer Mauerpfeffer (eine Sedum-Art)
Sand-Thymian
Gemeiner Hornklee
Ebenfalls: Gemeiner Hornklee
Kleiner Sauerampfer
Bunter Feld- und Wiesenstrauß mit echtem Labkraut, Grasnelken, Kornblumen und Acker-Gänsedisteln

Mittsommer/St. Hans-Kranz

Zugegeben – wir waren ein klein wenig mit Wildkräuter-App und Naturführer bewaffnet, aber das hat dem Entdecken keinen Abbruch gegeben. Im Gegenteil: Der Perspektivwechsel stellte den Blick scharf für das Kleine, Verborgene. Wir entdeckten plötzlich Grashüpfer

und Distelfalter.

Und so erfuhren wir mal so ganz nebenbei eine interessante Geschichte:

Das echte Labkraut, auch Bettstroh der Jungfrau Maria genannt – das in dem Strauß mit den sehr kleinen, gelben und rispenartigen Blüten – soll der Legende nach in der Krippe des Jesuskindes gelegen haben. Allerdings ist der Kern der Legende noch sehr viel älter: Bevor der christliche Glaube in Skandinavien verbreitet wurde, hat man das wohlriechende Labkraut mit der Göttin Freja verbunden. Freja ist die Göttin der Liebe. Die uralte Tradition besagte, dass das echte Labkraut auf das Bett einer Gebärenden gestreut werden sollte. Die Kirche indes war gegen diesen heidnischen Brauch, konnte sich aber nicht durchsetzen. Schließlich stimmte sie zu, die Pflanze der Heiligen Jungfrau Maria zu widmen.

Klitzekleine „Kloge Ove“ (Klugscheißer)-Grüße sendet Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Soll ich Dir was vorlesen? Kulturgangster – Von einem Live-Hörspiel, einem wahren Ohrenschmaus!

{Dieser Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten.}

Es stürmt, schon seit Tagen. Bennet hat die Sau rausgelassen, doch Cornelius ist ausdauernder, weht und weht, schickt Böen, schwarze Gewitterwolken, ergiebige Schauer, Blitze, Hagel. Cornelius ist der Hooligan unter den Sturmtiefs. Er rüttelt an den Ästen der Bäume und haut auf die Kacke ohne Rücksicht, ohne Unterlass. Er lässt sich und uns keine Verschnaufpause. Hoffentlich geht ihm bald die Puste aus. Mir dröhnen die Ohren von seinem Getöse und der Kopf tut mir weh. Tiefdruckgebiet. Möchte aufs Sofa und mir dicke Kissen auf die Ohren drücken. Doch das läuft heute nicht.

Auf die Ohren gibts trotzdem, allerdings ein Ohrenschmaus. In der Schlossküche des Schlosses Bückeburg im Schaumburger Land hat ein Ensemble geladen, dessen samtene, sonore, helle, rauchige, irre Stimmen locken, erschaudern, entführen in die Welt von Queen Victoria. Ins Pferdezeitalter, wo man mit Droschken über Kopfsteinpflaster rumpelte und wo eine eigensinnige Haushälterin einem ebenso eigensinnigen, ungleichen Paar Nierchen zum Frühstück bereitet. In die Welt des wohl berühmtesten Detektivs, in die Bakerstreet 221B.

Die Kulturgangster präsentieren seit Januar 2019 im stilvollen Ambiente der Schlossküche in Bückeburg einen Klassiker der Kriminalliteratur. Sir Arthur Conan Doyle ließ einen angsteinflößenden Riesenhund im englischen Dartmoor von der Leine, die Sprecher ziehen sie in ihren Bann. Und es sitzt keiner dort mit gezücktem Smartphone und macht Selfies. Nein!

Die Gesichter im Schein der Kerzen in warmes Licht getaucht sitzt jeder Einzelne dort und lauscht. Lauscht dem heiseren Lachen, zuckt zusammen beim gellenden Aufschrei, spitzt die Ohren, wenn im Flüsterton getuschelt wird, reißt ungläubig die Augen auf, wenn man die Zusammenhänge begreift. Doch immer, immer, immer ist man dort – inmitten des Londons von Queen Victoria, im Nebel von Dartmoor, in der Droschke, der Eingangshalle, in der Bakerstreet 221B – in Mrs Hudsons Küche.

Anhaltender Applaus. Wir sind in der Küche, ja, der Schlossküche. Und das Ensemble verneigt sich. Sherlock hat den Fall gelöst, natürlich. Die Welt wurde wieder zurechtgerückt in der Schaltzentrale der Macht. In der Bakerstreet 221B. Mrs Hudson brät vielleicht wieder Nierchen zum Frühstück. Und wir kehren zurück. Zurück vom Abenteuer im Kopf.

Und wann lässt Du Dich entführen?

Warum SPA wenn man auch SPO haben kann? – Ein Kurzurlaub in Sankt Peter-Ording

Ich hatte Geburtstag. Das kommt vor. Ich habe gern Geburtstag. Am Vortag bin ich schon aufgeregt, auch jetzt noch mit 37.

Geburtstag haben ist schön! Morgens – wenn man sachte aufwacht und sich nochmal genüsslich im Bett räkelt – und dann: Congratulations and Jubilations! Sicherlich: Älterwerden ist nichts für Feiglinge. Man nehme es mit Humor – ungefähr so wie mein dänischer Opa es immer sagte: „Der Rasenmäher ist die Vorbereitung auf den Rollator!“

Aber selbst wenn meine glutenfreie Geburtstagstorte, die an meinem 94. Geburtstag von meinem 100-jährigen Vorzeigemodell auf einem Teewagen in mein Zimmer mit Meerblick geschoben wird, einem Fackelzug gleicht, werde ich die Kerzen, fit im Kopf und vielleicht etwas wackelig auf den Beinen, mit Eleganz und Bravour auspusten. Und mein Vorzeigemodell wird mir seine faltig-weiche Hand reichen „and we’re dancing cheek to cheek“.

Ja, so soll es sein!

Bis dahin feiern wir jeden einzelnen Geburtstag. Das wird mir ein Fest. Auch die Zeit dazwischen. Alle Pre-, Post- und Nicht-Geburtstage. „Viel Glück! Viel Glück!“

Da ich ein Glückskind bin – man erkennt es am roten Hut mit den weißen Punkten – habe ich 14 Tage nach Weihnachten Geburtstag. Und 7 Tage nach Silvester. Ein kleiner, eigenwilliger Steinbock. Mach die Tür zu! Ich will da durch! „Böckchen“ nannten mich Mama und Papa als ich noch eingekuschelt in Mamas Bauch war. Und als ich an dem Morgen des ersten Donnerstag des Jahres 1982 das Licht der Welt oder des Kreißsaals erblickte, war es draußen klirrend kalt, Eisschollen schwammen auf der Weser, und ich wurde aufgrund der Nabelschnur zunächst für einen Jungen gehalten. Das „Problem“ wurde mit einer Handbewegung gelöst und – tadaaaa – dort lag ich: 53 cm groß, 3.250 g schwer, rotblond, gesund und niedlich! Ich war kein zerknittertes, rot-blau-lila Baby. Ich hatte einen Wecker im Bauch, schrie nach Essen und hatte auf Krankenhaus keinen Bock. Zuhause angekommen fand ich alles super.

Geregelte Mahlzeiten find ich heut immer noch gut. Ein bisschen größer und schwerer bin ich auch geworden, rotblond bin ich immer noch, und Krankenhäuser kann ich immer noch nicht leiden.

Jedes Jahr sage ich: „Übrigens: ich bin schon da!“ und meine Liebsten wissen, was gemeint ist. 7:28 Uhr – das Küken schlüpft aus dem Ei!

Dieses Jahr fuhr das Küken mit dem Vorzeigemodell nach SPO! Nicht nach SPA, wobei Spa in SPO auch möglich ist.

Sankt Peter-Ording. Ich war noch nie dort, aber ich wollte Meer. Kurzentschlossen hatten wir am 21. oder 22. Dezember ein Hotelzimmer gebucht. Ganz in der Nähe des breiten Strandes mit den Pfahlbauten. Der Morgen des 6. Januar aber war nass und grau und so gar nicht winterlich, so gar nicht sonnig, so fürchterlich schmuddelig.

Glückspilz wäre nicht Glückspilz, wenn nicht just in dem Moment, als wir im Hotel eincheckten, der Himmel aufreißen würde. Er tat uns den Gefallen. In Gummistiefeln ging es zum Strand. Es war Flut. Das Meer war da, der Strand trotzdem noch breit genug und es regnete nicht. Aber eindeutig: Meer! Und kaum etwas anderes auf der Welt treibt mir so schnell die Glückshormone durch die Adern wie der Anblick des Meeres. Und ich sagte zu meinem Vorzeigemodell, das neben mir her schlenderte: „Mama sagte, in SPO kann man Bernstein finden!“ „Echt?“ fragt es zurück. „Jupp!“ antworte ich und blicke nach vorne. „Ähm, guck mal!“ Ich bücke mich und habe einen Bernstein in der Hand, muss Tränen lachen, weil es so urkomisch ist. Mein Vorzeigemodell macht ein Foto, stellt es in die Familiengruppe. „Der ‚ravhund‘ (Bernsteinhund) hat zugeschlagen!“ Kurze Zeit später findet der „Fotograf“ eine kleine Handvoll ebensolcher Steine.

Der Wind weht uns um die Nase, der Kopf wird frei und eine angenehme Ruhe breitet sich in uns aus. Langsam beginnt es zu dämmern, und wir gehen an dem Restaurant namens Arche zurück ins Dorf ins Hotel.

Meeresluft macht hungrig, und es hat wieder zu regnen begonnen, also nehmen wir das Auto und fahren zum Restaurant Stilbruch. Über einer bekannten gastronomischen Sylter Kette liegt das charmante und urgemütliche Restaurant, das bekannt sein soll für Fisch- und Lammspezialitäten aus der Region. Wir nehmen Platz und schauen uns um. Der runde Raum ist dekoriert mit allerlei Trödel, nicht kitschig, einfach gemütlich. Wir entscheiden uns schnell: Schollenfilets mit Nordseekrabben und Rotkohl-Rote-Bete-Salat sowie Lammteller mit Würstchen und Koteletts – zu beiden Gerichten Bratkartoffeln. Glutenfrei – kein Problem!

Das Essen ist köstlich. Über die Nordseekrabben und das Schollenfilet wurde ein Schafsfeta gerieben, der mild und leicht säuerlich mit Fisch und Salat harmoniert. Ich könnte mich reinlegen!

Und auch das Lamm schmeckt fantastisch. Wir erfahren, dass der Käse in einer Bio-Schafskäserei gemacht wird – ganz in der Nähe, und beschließen, morgen einmal dort vorbeizuschauen.

Doch mich gelüstet es nach Nachtisch, und so gibt es den Friesentraum: Vanilleeis mit Pflaumenmus und einem Schuss Eierlikör, gekrönt von einer Sahnehaube.

Und die Waffel ist glutenfrei!

Mit gefüllten Bäuchen gehen wir zufrieden in unser Hotel. Der Regen pladdert immer noch gegen die Scheiben, es ist herrlich gemütlich!

„Und nun schlafe ich in meinen Geburtstag!“ sage ich und erwache am 7. Januar von Sonnenstrahlen. Was für ein Geburtstag!

Empfehlen kann ich Euch in SPO die Dünentherme. Ein Blick auf Dünen und Meer, wenn’s nicht so stürmisch und diesig aufzieht, wie dann mittags am 7. Januar.

Außerdem Die friesische Schafskäserei in Tetenbüll.

Ansonsten – raus an den Strand und ab ans Meer!

SPO – wir kommen wieder!

Ein Neujahrsspaziergang und ein Sturmbündel

Es stürmt. Der Regen prasselt an die Fenster, und ich sitze auf dem roten Cordsofa. Die Äste der Zaubernuss peitschen gegen die Regenrinne. Unsere beiden Mitbewohner zwutscheln zufrieden ihr Sittichliedchen nebenan. Sie haben das Geknalle und Geböllere gut überstanden. Ich habe noch nie Böller angezündet. Wunderkerzen, ja, Böller, Raketen – nein. Und so auch gestern nicht oder heute Morgen.

Viel lieber begrüße ich das neue Jahr, indem ich am späten Morgen einen Neujahrsspaziergang mache. Lang und ausgiebig, die Luft tief einatmen und sich zu fragen, wie das neue Jahr so daherkommt.

Wir hatten schon allerlei Wetter: Schnee, Glatteis, Eiseskälte. Heute: Sturm. Doch als wir – mein Vorzeigemodell und ich – heute durch die Eilenriede gingen, tat der Himmel uns einen Gefallen und wir blieben trocken. Die Sonnenstrahlen tauchten die kahlen Bäume in goldenes Licht. Und an einem Futterplatz konnten wir einen wunderschönen Buntspecht beobachten.

Fast automatisch setzten wir die Füße einen vor den anderen und erzählten, schwiegen, gingen unseren Gedanken nach, redeten und spazierten.

Nebenbei haben wir schöne, heruntergefallene Äste gesammelt. Wofür? Für einen Aststrauß. Ein Ritual aus den Rauhnächten, welches besagt, dass man am Neujahrstag Äste sammeln und zu einem Bündel zusammenbinden soll. Dieses Bündel soll dann als Schutz an einem Ort an Haus oder Wohnung gehängt werden, und dabei soll man sprechen: „Ich geb Dir Deins. Lass Du mir meins!“ Der Wind soll sich in den Ästen verfangen und damit spielen und nicht das Heim zerstören. Ein schöner Brauch, wie ich finde.

Und während ich hier so sitze, stürmt es. Und ich höre unseren dritten Mitbewohner. Auch ihm ist es zu stürmisch und regnerisch draußen: Randell, der Hausmarder, legt mal wieder eine Stippvisite ein. Und ich höre die kleinen Tatzen im Dachkasten trappeln.

Gleich werde ich die Äste bündeln und auf Æblerø oder Pæreø hängen.

Und dann bin ich gespannt, was dieses neue Jahr für mich, für uns bereithält.

Bleibt alle gesund und fröhlich!

Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Astro-Alex und Gedanken zum Jahresende

Alexander Gerst – „unser“ Astro-Alex – ist mit Vollkaracho in der kasachischen Steppe angekommen. Im Sommer, zur Mondfinsternis an einem dieser Tage, an denen man das Schwitzprogramm versehentlich auf Endlosschleife gestellt hatte, zog er noch mit der ISS an uns vorbei, und wir brüllten wie die Bekloppten: „Ey, da ist der Astro-Alex! Haaaaalllloooooo!“

Gehört hat uns Astro-Alex sicherlich nicht, aber er hat die Augen genau aufgemacht. Wir Erdlinge sehen den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht, aber der Geophysiker, Astronaut und – Obacht – Vulkanologe hält eine Ansprache, die ich mir von unseren regierenden Häuptern schon so manches Mal gewünscht hätte. Astro-Alex schwebte in schwindelerregender Höhe im Weltall, aber war näher dran als es die Merkels, Seehofers, Gaulands, Scholz’s es jemals waren.

Da kannste eine Prachtstraße mit Leinwänden so groß wie Fußballfelder plakatieren, auf denen im stylischen Sepia-Design so ein Hagestolz im weißen Designerhemd auf seine Rolex schaut und damit ach so volksnah wirken will, weil er nicht wie die ganzen andren Hansel breit in die Kamera grinst, bringt nur nix. Ist nämlich nicht echt!

Astro-Alex hingegen hat Worte in die Welt gesetzt, die sich jeder Einzelne Mensch auf dieser Welt zu Herzen nehmen kann.

Eigentlich sollte es Pflichtlektüre sein für:

Jeden Staatschef und Tyrann

jeden Politiker

jeden Industrieboss

jeden Manager

jeden noch so kleinen vermeintlich popeligen Machthaber auf diesem Erdball.

Und jeder Schlachthofbesitzer, jeder Pharmakonzern, jede Lebensmittelindustrie, jeder Autobauer, jeder Smartphone- und Tablethersteller, die gesamte Rüstungsindustrie – die Liste ist unendlich – müsste verdonnert werden zuzuhören und was zu ändern. Verdammt, hört doch mal zu!

Astro-Alex, ich danke Dir! Mich hast Du mit Deinen Worten erreicht. Und mit meinen bescheidenen Mitteln trage ich einen Teil dazu bei, dass diese Welt schön bleibt und wieder schön wird.

Das, liebe Leserinnen und Leser, ist mein Vorsatz fürs Neue Jahr! Kommt gut rein in ein neues, spannendes Jahr und – ändert was. Kleine Kalenderweisheit: Auch ein Weg von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt!

Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Frohe Weihnachten – God Jul – Merry Christmas – Joyeux Noël – Buon Natale

Für Jesus war kein Platz

In der Herberge.

Aber dort, wo er ist,

Entsteht Herberge für die Menschen.

Jesus hat um sich einen Raum geschaffen,

In dem sich Menschen verstanden und gehört fühlen.

In seiner Nähe wussten sie sich zugehörig zur Familie Gottes.

Da haben sie ihre menschliche Würde entdeckt.

Da entstand ein Raum des Vertrauens, in dem sie sich bedingungslos angenommen wussten.

(Anselm Grün)

Ich sitze in unserem bequemen grünen Sessel im Wohnzimmer. Und ich bin auferstanden von den Toten. Der erste Weihnachtsurlaubstag begrüßte mich mit Migräne – es hämmerte und ratterte in meinem Kopf, dieses Mal die linke Seite. Erst dachte ich, dass es nicht so schlimm ist, aber nach einigen Schritten in Richtung Küche sagten mir Kopf und Magen etwas anderes. Inzwischen habe ich ein Brötchen gegessen und mein persönliches Lebenselixier zu mir genommen: schwarzen Tee! Gern Assam. Nun duften meine frisch gewaschenen Haare, meine Kuscheljogginghose ist schön bequem und meine Füße stecken in dicken Socken. In Wollsocken! Eine Freundin von mir sagte einmal: „Menschen, die keine Wollsocken mögen, sind mir suspekt!“ Ich kann ihr da nur zustimmen.

Ich betrachte meine Füße in den bunten Socken und tue nichts anderes, als sitzen und schreiben. Und das ist schön.

Weihnachten kann kommen. Der Kühlschrank ist gefüllt – morgen müssen nur noch ein paar bestellte Sachen abgeholt werden. Und Montag das Brot. Was Brot angeht, bin ich wohl etwas paranoid. Weihnachten muss genügend Brot da sein! Es muss bestellt werden! Rechtzeitig! Ohne Brot geht’s nicht!

Und so werden wir uns am 24. in die Schlange derer einreihen, die Brot bestellt haben und abholen müssen. Wichtig!

Die Weihnachtszeit bei uns wird oft eingeläutet durch die Muppets Weihnachtsgeschichte mit Gonzo als Charles Dickens und Rizzo, der Ratte. Und natürlich Miss Piggy und Kermit als Ehepaar Cratchit mit dem Schweinefroschnachwuchs. Und Eberneezer Scrooge.

Die Scrooges dieser Welt sterben nicht aus. Nur leider scheinen sie sich nicht vom Geist der Weihnacht belehren zu lassen. Keine Mildtätigkeit, keine Nächstenliebe. In den Augen nur Gier und Niederträchtigkeit, manchmal sogar Hass.

Natürlich: zu Weihnachten drücken viele auf die Tränendrüse. Und wie soll die einsame Oma erkennen, dass der adrette Mann in Polizeiuniform ein Verbrecher ist? Sie nur um ihr Geld bringen will?

Früher, denke ich, waren Oma und Opa an Weihnachten dabei, saßen mit am Tisch, wurden dazugeholt. Meine Mama erzählt immer, dass ihr Vater nach dem Abendbrot an Heiligabend kurz nach draußen ging, um an den Ästen des Baumes vor dem Küchenfenster zu ziehen, sodass es ordentlich raschelte und ruckelte. Als er in die kleine Küche zurückkam, in der die sechs Kinder – teilweise mit Partnern und/oder bereits eigenen Kindern – saßen, hat er immer gesagt: „Kinder, ich glaube, der Weihnachtsmann war da!“

Und nachdem gemeinsam abgewaschen und anschließend aufgeräumt wurde, zog die Prozession ins Wohnzimmer. Jedes Kind, jeder – gern auch mal spontane – Gast bekam ein Geschenk. Alle wurden satt und waren willkommen.

Mein Patenonkel, stationiert in Bayern, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr – vermutlich am Münchener Hauptbahnhof – eine „verlorene Seele“ aufzugabeln, die das Weihnachtsfest dann an dem kleinen Küchentisch mit den vielen Geschwistern gefeiert hat. Aus aller Herren Länder – USA, Kolumbien, aus der Schweiz – wäre ein Marsmensch am Hauptbahnhof gestrandet, er hätte anschließend am Küchentisch gesessen, hätte Mohnstollen oder Kohlsuppe gegessen und Lieder gesungen. Und er hätte ein Geschenk bekommen, einen Platz zum Schlafen und Freude erfahren.

Diese Geschichten liebe ich. Sie sind Teil meiner Familie. Sie zeigen mir, wohin ich gehöre, warum ich die bin, die ich bin. Was mir wichtig ist und welchen Weg ich gehe – und warum.

Und dann denke ich an meinen anderen Opa, den ich kennenlernen durfte. Opa konnte am allerbesten Weihnachtsbäume schmücken. Er hat das gute silberne Staniollametta gebügelt und die alten Kugeln aus ihren feinen Schachteln geholt, sorgsam an die Blaufichte gehängt. Manchmal hat er auch Löcher in den Stamm gebohrt und Äste umgesetzt, damit der Baum gleichmäßig war. Und die Spitze wurde angespitzt, damit der Baum eine Spitze bekommen konnte. Und Wunderkerzen kamen an den Baum.

Opa hat meiner Mama auch ein paar blaue puschelige Hausschuhe geschenkt, als Papa sie offiziell vorgestellt hat. Das Mädchen darf doch keine kalten Füße haben! Opa war der Beste!

Auch diese Geschichte liebe ich!

Und ich würde sie gern alle versammeln an unserem Esstisch an Weihnachten. Eine lange Tafel mit all diesen Menschen. Denn hier ist Platz in dieser Herberge.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz

Slow – Cittàslow, Slow Food – Ein Tag in Greve in Chianti

“Wisely and slow; they stumble that run fast.”
(William Shakespeare)

Die Kraniche ziehen über unser Haus. Es ist kälter geworden. Nach einem goldenen Oktober und einem unvergesslichen Sommer kommt er nun doch – der Herbst. Das Farbenspiel der Bäume ist an Schönheit nicht zu übertreffen, und wenn abends die Sonne in der Masch untergeht, mischen sich zu den satten Gelb- und Orangetönen kräftiges Violett und zartes Rosa, der Himmel in Türkis getaucht.

Und doch ist es erst einen Monat her, dass wir – mein Vorzeigemodell und ich – in der Toskana weilten und uns zwischen kurzen Hosen und offenen Schlappen entscheiden mussten. Der Gedanke an brennend heiße Tage und Nächte mit offenen Balkontüren scheint schon wieder so weit entfernt.

Der Gedanke an „piano piano“ allerdings steht uns deutlich vor Augen.

Aber beginnen wir doch am Anfang. An einem dieser schönen Urlaubstage in der lieblichen Toskana führte uns unser Weg nach Greve in Chianti. Der Bürgermeister dieses kleinen Ortes, Paolo Saturnini, hatte die Idee von Cittáslow:

„Die Cittaslows der Welt sind Städte und Gemeinden, die versuchen, den Zeitgeist für sich zu interpretieren und gleichzeitig den individuellen Charakter ihrer Gemeinde zu bewahren.“
(http://www.citta-slow.de/index.php)

So steht auf der Homepage von Cittàslow und im Manifest:

Eine Cittaslow, das ist…

„…eine Stadt, in der Menschen leben, die neugierig auf die wieder gefundene Zeit sind, die reich ist an Plätzen, Theatern, Geschäften, Cafés, Restaurants, Orten voller Geist, ursprünglichen Landschaften, faszinierender Handwerkskunst, wo der Mensch noch das Langsame anerkennt, den Wechsel der Jahreszeiten, die Echtheit der Produkte und die Spontaneität der Bräuche genießt, den Geschmack und die Gesundheit achtet…“

(Quelle: Cittaslow Manifest)

Zitate hin, Zitate her. Aber ist die Idee wirklich so umgesetzt? Und spürt man das? Die Entdeckung der Langsamkeit?

Vielleicht ist es bereits die gemäßigte Geschwindigkeit von gemütlichen 50 km/h, mit denen wir uns maximal durch das Chianti-Gebiet schlängeln und scheinbar hinter jeder Kurve ein neues Bilderbuchörtchen thronend auf einem Hügel zum Vorschein kommt und die übernächste Kurve den Blick freigibt auf Weinberge und Olivenhaine, sanfte Hügel und üppige Zypressen, die ihre Wipfel stolz in den azublauen Himmel ragen. Vielleicht ist es das urlaubliche Bauchgefühl, das wohlig in unseren entspannten Mägen vor sich hinschwappt. Vielleicht ist es Jovanotti, der nahezu einmal stündlich sein „Viva la libertà“ im Radio trällert – dieses Lied ist der Song des Urlaubs.

Als wir auf den Parkplatz in Greve in Chianti fahren, brennt die Sonne schon heiß vom Himmel, und direkt vor dem Parkplatz steht in schwarzem Metall das Wahrzeichen des Chianti – der Gallo Nero.

Der schmucke Marktplatz – die Piazza Matteotti – ist nicht zu verfehlen, man geht direkt darauf zu. Und das Rathaus ziert das riesige Cittaslow-Symbol – eine Schnecke. Warum eine Schnecke? fragt man sich, doch die Antwort liegt bei langsamer, genauer und ruhiger Betrachtung auf der Hand:

Eine Schnecke trägt alles, was sie hat und benötigt, bei sich. Aber um alles dabei zu haben, muss man wissen, was man alles hat – und wenn man das weiß, dann lernt man auch, es wieder zu schätzen. So zusammengefasst schreibt es mein Vorzeigemodell.

Und so schlendern wir durch die Gassen und von kleinen Handwerksgeschäften zur Salumeria, zum Haushaltsgeschäft hinüber zu einem Gürtelmacher, zu einer Töpferei und in einen Laden, in dem es wunderschön bestickte Handtücher und Kleider, Hemden und Tischdecken gibt. Körbe und Bürsten aus Olivenholz, Wein und Olivenöl. Und über dem Marktplatz liegt eine ansteckende Stille, eine Ruhe geht von den Menschen aus, dass man selbst noch einen weiteren Gang herunterfährt.

Möglicherweise sorgen diese Leichtigkeit und Langsamkeit dafür, dass wir von dem verführerischen Duft des Restaurants, auf dessen Balkonen man vor der Sonne geschützt köstlich essen kann, noch mehr wahrnehmen.

Und es ist wieder mal 12:30 Uhr, und wir sitzen wieder in einem Restaurant.

Der Blick ist unbezahlbar, das Dach des Balkons schützt vor der Sonne und wir bestellen, was doch so typisch ist für diese Region: Bistecca Fiorentina.

Wann besuchst Du eine Cittá Slow ?