Vom Hasen und vom Igel – Falscher falscher Hase

Ziehen wir das Pferd doch mal von hinten auf. Der Hase war tot – er war zu viel gelaufen, und verlieren wollte er nicht, der Hase. Sein falscher Stolz trieb ihn dann buchstäblich in den Tod. Wie einstmals in Marathon als der Läufer nach Überbringung der Botschaft aus den Latschen kippte und somit tot umfiel. Doch der Hase war auf einem hohen Ross. Er hatte vorher den Igel getroffen und sich über seine kurzen Beine lustig gemacht. Der Igel aber schien aus Hasenaugensicht ein einfältiges Gesicht zu haben; er war aber nicht dumm und hörte sich an, was der Hase zu sagen hatte.

Der Hase rümpfte die Hasennase und schaute – auf seinen Hinterbeinen stehend – den Igel von oben herab an. Ja, einfältig und dicklich war dieses Tierchen. Seine Grunzlaute waren so gar nicht possierlich, und Schnecken fraß er – widerlich. Und mit der Höhenluft in der Nase schlug der Hase dem Igel einen Wettstreit vor. „Wir laufen um die Wette!“ und innerlich rieb sich der Hase bereits die Hände. Sollte der dümmliche Igel einschlagen – er, der Hase von Welt, würde gewinnen.

Hase und Igel brachten sich in Position und liefen los, liefen und liefen über Stock und über Stein. Der Hase blindlings jedoch erstarrte als er den Igel am Ende der Strecke entdeckte. Dann hörte er ihn rufen: „Ich bin schon da!“

Wut stieg in dem Hasen hoch, blinde Wut. Wie konnte das passieren? Wir konnte dieser fette Igel schneller sein als er? Der Hase! Er – das schnellste Waldtier? Was fiel ihm – diesem haarigen Igel – eigentlich ein?

In seiner Eitelkeit verletzt und mit angekratztem Stolz forderte der Hase Revanche. Hase und Igel stellten sich an die Startlinie, liefen los und liefen, liefen, liefen – bis, ja, bis der Hase in der Ferne wieder den Igel winken sah. Und er hörte wie er rief: „Ich bin schon da!“

„WUT – WUT – WUT!!!“ kochte es im Hasenmagen. „Nein, nein, nein!“ schallte es im Hasenhirn. „Das KANN nicht sein!“ schnaufte der Hase. Uneinsichtig forderte er Revanche um Revanche – bis das Hasenherz aufhörte zu schlagen und der schöne, stolze Hase mit dem glänzenden Fell und den seidenen Hasenohren auf den Waldboden sank.

Doch was hatte der Igel an sich, dass es den Hasen derart provozierte? War er etwa glücklich mit seiner Igelfrau? War er etwa zufrieden mit sich selbst und seinem Leben? Oder – was für den Hasen ein gar unerträglicher Gedanke war – war der Igel etwa glücklich?

Nun, geht man nach der Moral des Märchens ist klar, dass der Hase die Quittung für sein herablassendes Verhalten kassiert. Dass er den Igel nach seinem Äußeren bewertet und sich ihm überlegen fühlt, wird dem Hasen zum Verhängnis.

Und der Igel? Der nimmt mit seiner Frau, die ihn bei dem ungleichen Rennen unterstützt, weil sie eben ein gutes Team sind, in Kauf, dass der Hase Runde um Runde um sein Leben rennt und rennt und rennt.

Und der Leser jubelt…denn der Igel hat gewonnen. Hat er? Hat das Igel-Team tatsächlich gewonnen? Oder hat das Igel-Team mit unlauteren Mitteln gegen den zugegeben arroganten Hasen gekämpft? Lässt man einen Hasen in Rage sehenden Auges in sein Unglück laufen?

Ich bin mir unschlüssig, aber als Kind tat mir der Hase irgendwie immer leid. Irgendwas war dort in seinem Hasenhirn, das ihm Kummer bereitete. Grundsätzlich böse fand ich den Hasen nie, nur irgendwie auf der falschen Spur. Ein bisschen so wie Draco Malfoy.

Armer falscher falscher Hase…

Und weil der arme Hase nicht noch ärmer dran sein soll, gibts falschen falschen Hasen – ein vegetarischer Hackbraten.

Ihr braucht:

  • 1 kleingehackte Zwiebel
  • 2 feingehackte Knoblauchzehen
  • 3 EL weiche Butter oder Öl
  • 4 Möhren, geraspelt
  • 2 Stangen, in 0,5 cm Stücke geschnitten
  • 50 g Walnüsse, fein gemahlen
  • 50 g Cashewnüsse, fein gehackt
  • 50 g Sonnenblumenkerne, fein gemahlen
  • 60 g glutenfreies Paniermehl
  • 2 TL Johannisbrotkernmehl
  • gehackte glatte Petersilie
  • gehackten Thymian
  • Saft einer Bio-Zitrone
  • 2 Bio-Eier
  • 1 Becher saure Sahne oder Schmand
  • Salz und Pfeffer
  • Geriebene Muskatnuss

Fettet eine Auflauf- oder Kastenform mit Butter oder Öl aus. Gebt Öl in eine Pfanne mit hohem Rand oder einen Topf. Schwitzt die Zwiebel und die Knoblauchzehen an. Dann gebt nach und nach das Gemüse hinzu. Anschließend gebt Ihr die gemahlenen Nüsse in den Topf und rührt gut um. Dann die Kräuter und den Zitronensaft hinzufügen, anschließend die Eier und den Schmand bzw. die saure Sahne. Allmählich entsteht eine teigartige Masse. Schmeckt gut mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Die Masse kann schon Wumms haben.

Gebt die Masse in die vorbereitete Form und stellt den falschen falschen Hasen in den Backofen. Backt den falschen falschen Hasen bei 180 Grad für ca. 35 Minuten.

Dazu schmecken Kartoffelbrei und breite Bohnen. Aber auch anderes Gemüse der Saison wie z. B. Kohlrabi oder knackiger Spitzkohl sind köstlich!

Viel Spaß beim Nachkochen! Und denkt mal über den Hasen nach.

Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄