Vom Hasen und vom Igel – Falscher falscher Hase

Ziehen wir das Pferd doch mal von hinten auf. Der Hase war tot – er war zu viel gelaufen, und verlieren wollte er nicht, der Hase. Sein falscher Stolz trieb ihn dann buchstäblich in den Tod. Wie einstmals in Marathon als der Läufer nach Überbringung der Botschaft aus den Latschen kippte und somit tot umfiel. Doch der Hase war auf einem hohen Ross. Er hatte vorher den Igel getroffen und sich über seine kurzen Beine lustig gemacht. Der Igel aber schien aus Hasenaugensicht ein einfältiges Gesicht zu haben; er war aber nicht dumm und hörte sich an, was der Hase zu sagen hatte.

Der Hase rümpfte die Hasennase und schaute – auf seinen Hinterbeinen stehend – den Igel von oben herab an. Ja, einfältig und dicklich war dieses Tierchen. Seine Grunzlaute waren so gar nicht possierlich, und Schnecken fraß er – widerlich. Und mit der Höhenluft in der Nase schlug der Hase dem Igel einen Wettstreit vor. „Wir laufen um die Wette!“ und innerlich rieb sich der Hase bereits die Hände. Sollte der dümmliche Igel einschlagen – er, der Hase von Welt, würde gewinnen.

Hase und Igel brachten sich in Position und liefen los, liefen und liefen über Stock und über Stein. Der Hase blindlings jedoch erstarrte als er den Igel am Ende der Strecke entdeckte. Dann hörte er ihn rufen: „Ich bin schon da!“

Wut stieg in dem Hasen hoch, blinde Wut. Wie konnte das passieren? Wir konnte dieser fette Igel schneller sein als er? Der Hase! Er – das schnellste Waldtier? Was fiel ihm – diesem haarigen Igel – eigentlich ein?

In seiner Eitelkeit verletzt und mit angekratztem Stolz forderte der Hase Revanche. Hase und Igel stellten sich an die Startlinie, liefen los und liefen, liefen, liefen – bis, ja, bis der Hase in der Ferne wieder den Igel winken sah. Und er hörte wie er rief: „Ich bin schon da!“

„WUT – WUT – WUT!!!“ kochte es im Hasenmagen. „Nein, nein, nein!“ schallte es im Hasenhirn. „Das KANN nicht sein!“ schnaufte der Hase. Uneinsichtig forderte er Revanche um Revanche – bis das Hasenherz aufhörte zu schlagen und der schöne, stolze Hase mit dem glänzenden Fell und den seidenen Hasenohren auf den Waldboden sank.

Doch was hatte der Igel an sich, dass es den Hasen derart provozierte? War er etwa glücklich mit seiner Igelfrau? War er etwa zufrieden mit sich selbst und seinem Leben? Oder – was für den Hasen ein gar unerträglicher Gedanke war – war der Igel etwa glücklich?

Nun, geht man nach der Moral des Märchens ist klar, dass der Hase die Quittung für sein herablassendes Verhalten kassiert. Dass er den Igel nach seinem Äußeren bewertet und sich ihm überlegen fühlt, wird dem Hasen zum Verhängnis.

Und der Igel? Der nimmt mit seiner Frau, die ihn bei dem ungleichen Rennen unterstützt, weil sie eben ein gutes Team sind, in Kauf, dass der Hase Runde um Runde um sein Leben rennt und rennt und rennt.

Und der Leser jubelt…denn der Igel hat gewonnen. Hat er? Hat das Igel-Team tatsächlich gewonnen? Oder hat das Igel-Team mit unlauteren Mitteln gegen den zugegeben arroganten Hasen gekämpft? Lässt man einen Hasen in Rage sehenden Auges in sein Unglück laufen?

Ich bin mir unschlüssig, aber als Kind tat mir der Hase irgendwie immer leid. Irgendwas war dort in seinem Hasenhirn, das ihm Kummer bereitete. Grundsätzlich böse fand ich den Hasen nie, nur irgendwie auf der falschen Spur. Ein bisschen so wie Draco Malfoy.

Armer falscher falscher Hase…

Und weil der arme Hase nicht noch ärmer dran sein soll, gibts falschen falschen Hasen – ein vegetarischer Hackbraten.

Ihr braucht:

  • 1 kleingehackte Zwiebel
  • 2 feingehackte Knoblauchzehen
  • 3 EL weiche Butter oder Öl
  • 4 Möhren, geraspelt
  • 2 Stangen, in 0,5 cm Stücke geschnitten
  • 50 g Walnüsse, fein gemahlen
  • 50 g Cashewnüsse, fein gehackt
  • 50 g Sonnenblumenkerne, fein gemahlen
  • 60 g glutenfreies Paniermehl
  • 2 TL Johannisbrotkernmehl
  • gehackte glatte Petersilie
  • gehackten Thymian
  • Saft einer Bio-Zitrone
  • 2 Bio-Eier
  • 1 Becher saure Sahne oder Schmand
  • Salz und Pfeffer
  • Geriebene Muskatnuss

Fettet eine Auflauf- oder Kastenform mit Butter oder Öl aus. Gebt Öl in eine Pfanne mit hohem Rand oder einen Topf. Schwitzt die Zwiebel und die Knoblauchzehen an. Dann gebt nach und nach das Gemüse hinzu. Anschließend gebt Ihr die gemahlenen Nüsse in den Topf und rührt gut um. Dann die Kräuter und den Zitronensaft hinzufügen, anschließend die Eier und den Schmand bzw. die saure Sahne. Allmählich entsteht eine teigartige Masse. Schmeckt gut mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Die Masse kann schon Wumms haben.

Gebt die Masse in die vorbereitete Form und stellt den falschen falschen Hasen in den Backofen. Backt den falschen falschen Hasen bei 180 Grad für ca. 35 Minuten.

Dazu schmecken Kartoffelbrei und breite Bohnen. Aber auch anderes Gemüse der Saison wie z. B. Kohlrabi oder knackiger Spitzkohl sind köstlich!

Viel Spaß beim Nachkochen! Und denkt mal über den Hasen nach.

Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Ihr wolltet Sonne – dann kriegt Ihr sie auch – Treffen sich zwei Fräuleins, Episode VI: Von dummen Menschen und Sonnenschnecken

Die Arschlochdichte ist an manchen Tagen, einige unter Euch werden es wissen, höher als an anderen. Damit ist keineswegs die Beschaffenheit gemeint. Nein! Unter einer hohen Arschlochdichte ist zum Beispiel eine gesättigte Lösung ignoranter, selbstherrlicher, missgünstiger, niederträchtiger, zutiefst gemeiner und uneinsichtiger Menschen gemeint, die sich in nahezu akrobatischer Manier, d. h. mitunter stapelweise, in den Weg stellen. Geht der eine weg, kommt der nächste. Ähnlich einem PEZ-Brausebonbon-Spender, nur nicht so lustig.

In den letzten Wochen lebte ich in einer Art Kaum-Zeit-Kontinuum – unterbrochen durch entspannende Ostertage und einen Kurztrip in die Herzensheimat erschien diese Dichte wohl auch noch präsenter als sonst. Und dann hat noch an einem Wochenende eines dieser Exemplare ein Knöpfchen gedrückt. Oder drücken lassen – man weiß es nicht so genau. Vermutlich hat er zwischen der Morgenlatte und Morgentoilette diesen Einfall gehabt. Und es musste schnell gehen. Kaffee treibt ja immer so…und *boom* da sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Und nun? Es scheint die Sonne noch so schön. Die Natur denkt sich: am Ende gewinne eh ich. Der Arsch bleibt immer hinten. In diesem Fall leider vorn, am Knopf, am Drücker am längeren Hebel.

Menschen, die meinen am längeren Hebel zu sitzen, tun dies gern kund. Schüchtern andere gern ein. Warum? Weil sie Angst haben. Vor der Wahrheit? Möglicherweise. Vielleicht ist es auch ein Kindheitstrauma und im Sandkasten wurde ihnen die Schippe geklaut. Vielleicht haben sie auch nie im Sandkasten gesessen. Kein Knopf, keine Schippe, kein Hebel. Aber jetzt!

Doch die Sonne scheint. Die Natur hat sich mit Macht und Wucht zurückgemeldet. Es grünt und sprießt, blüht und tiriliert. Auf Pæreø wachsen Rosa und Rot in ihren Töpfen. Rosa und Rot sind zwei Rosen, die vor Kurzem ihren Weg in ein neues Zuhause gefunden haben. Und Johnny steht auch dort. Johnny B. – how much there is to see. Johnny hates Jazz but loves water. Johnny ist eine Johannisbeere. Und Johnny trägt Früchte, keine Wassermelone. Und wir locken die Sonne. Denn die Welt ist schön, eigentlich. Doch manchmal gibt es Regentage in Bullerbü. Vielleicht sollte man es so sehen: die Natur braucht Regen um zu gedeihen.

Und so sitze ich auf Pæreø und schau Johnny, Rosa und Rot beim Wachsen zu. Die Abendsonne scheint mir ins Gesicht, auch die Sommersprossen sprießen.

Aus dem Yoga-Castle duftet es verführerisch. Ich habe Sonnenschnecken gebacken. Mit glutenfreiem Hefeteig, der beste, den ich jemals ausprobiert habe! Und mit Gelinggarantie, denn auch beim zweiten Mal sind die Schnecken zu Monsterschnecken geworden, herrlich fluffig und weich. Keine Türstopper oder Wurfwaffen.

Und auf Æblerø duftet es nach Birke, nach Grün, Frühling und Raps, der sich Gelb auf die Balkonstühle gelegt hat. Morgen ist Brückentag. Herrlich! Und „Like a Bridge over Troubled Water“ kommt mir in den Sinn. Dienstag ist Flohmarkt! Und ich freue mich auf viele liebe Freunde, die vorbeikommen, auf freundliche Gesichter, auf Zusammenhalt und auf Freude, auf Zuversicht und Gemeinschaft.

Ich freue mich auf viele weitere sonnige Episoden mit dem Marktfräulein – und gebe ab, an die beste Veganista, die man sich vorstellen kann!

Und hier das Rezept:

  • 15 g Frischhefe
  • 150 ml lauwarmes Wasser
  • 450 g glutenfreies Mehl (hier: Dr. Schär Mix B)
  • 2 Prisen Salz
  • 50 g Puderzucker
  • 1 TL Anis, gemahlen
  • 100 ml Milch
  • 10 Tropfen Vanilleextrakt
  • 1 Bio-Ei
  • 3 EL Maiskeimöl
  • 1 EL Flohsamenschalen
  • 2 TL Xanthan

Löst die Hefe im warmen Wasser auf. Gebt das Mehl, Salz, Zucker und Anispulver in die Rührschüssel. Drückt eine Vertiefung in die Mitte und gebt das Wasser mit der aufgelösten Hefe hinein. Vorsichtig verkneten und 20 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen.

Milch, Vanilleextrakt und Ei sowie Flohsamenschalen und Xanthan nach der Gehzeit hinzufügen und etwa 5 Minuten alles zu einem glatten Teig verkneten.

Den Teig mit Frischhaltefolie abdecken und erneut an einem warmen Ort um das doppelte aufgehen lassen.

Anschließend glutenfreies Mehl auf die Arbeitsfläche streuen. Teig in ca. acht Teile teilen. Aus jedem Teil 30 cm lange Würste rollen und zu Schnecken legen. Zeigende gut festdrücken.

Die Schnecken auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit Frischhaltefolie abdecken und nochmal 10 Minuten gehen lassen.

Backofen in der Zeit auf 230 Grad vorheizen und die Schnecken 15 bis 20 Minuten backen.

Auf einem Rost abkühlen lassen!

Treffen sich zwei Fräuleins – Pilotfolge

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 1

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 2

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 3

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 4

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 5

Wenn der Vorhang fällt, sieh‘ hinter die Kulissen…Treffen sich zwei Fräuleins – Episode V – Glutenfreie Hefekränze

Der Zylinder ist bedeckt mit feinem Staub, ein zarter grauer Schleier. Sein einst sattes Schwarz ist ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Die Ränder leicht ausgefranst, der Stoff an der einen oder anderen Stelle etwas dünn. Die Öffnung zur Decke des mit Holz ausgekleideten Wagens gerichtet, steht er links vor dem ovalen Garderobenspiegel auf dem Tischchen aus Kirschholz mit den filigran-geschwungenen Beinen. Rechts daneben auf dem Tischchen liegen weiße Stoffhandschuhe, hier und da von Stockflecken übersät, durch vieles Tragen schon die Form der Hände angenommen. Unter dem Tisch steht ein Paar auf Hochglanz polierte Lackschuhe. Die Hacken seitlich abgelaufen, das Leder im vorderen  Bereich schon ganz brüchig, die Schnürsenkel faserig. Doch die Schuhe glänzen.

Ein Frack hängt an der Tür des Wagens auf einem Drahtkleiderbügel, der sich unter der Schwere des Kleidungsstücks biegt und nach unten zieht. Kummerbund, Schleife in tiefstem Bordeauxrot mit Holzwäscheklammern an das Revers geklemmt. Über der Tür ein rundes Fenster. Gegenüber des Tischchens ein weiteres. Das letzte Tageslicht fällt durch die dreckige Scheibe in den Wagen, tauchen das Innere in milchiges Licht. In den feinen Sonnenstrahlen tanzen die Staubkörner ihr verträumtes Ballett nach ihrer ganz eigenen Choreographie.

Plötzlich Schritte, eins, zwei, drei – die Wagentür öffnet sich. Man denkt, sie müsse quietschen, doch sie tut es nicht. Zwei Füße in Socken stehen auf dem Holzfußboden, die Beine stecken in schwarzen Hosen, ein weißes frisch-gestärktes Hemd mit hohem Kragen, eine dunkle Weste mit stoffbezogenen Knöpfen, der in der Mitte baumelt an einem Faden, der sich über der Weste kräuselt wie buntes Geschenkband.

Freundliche blaue Augen, dick mit dunklem Kajal umrahmt, schauen aus einem runden Gesicht. Der Bereich rund um die Augen ist hell geschminkt, ebenso das runde Kinn. Nur die Wangen sind rot und aufgeblasen. Der Mund – zu einem purpurnen Strich gemalt – lächelt freundlich. Die blauen Augen schauen suchen umher. Dann fällt der Blick auf den Zylinder – Erleichterung – die Schuhe – Ausatmen – das geblümte Sofa, das gegenüber das Tischchens mit den geschwungenen Beinen steht.

Mit einem entspannten „aaaah“ lässt sich, nennen wir ihn Heinrich, auf das Sofa sinken und angelt nach den Schuhen. Als er die Hosenbeine hochkrempelt, kommen rot-weiß-grün geringelte Kniestrümpfe zum Vorschein. Er schlüpft hinein und zerrt an den Schnürbändern, bis sie fast reißen. Heinrich blickt von seinem Sofa aus in den Spiegel. Das Dämmerlicht in seinem Zirkuswagen lässt Umrisse nur noch schwer erkennen, und er rückt näher heran, bis er ganz an der Kante seines Sofas sitzt, kneift die Augen zusammen, betrachtet sich im Spiegel. „Oh du dummer August!“ murmelt er und streckt die linke Hand zum Zylinder aus, mit der rechten greift er hinein. Die Clownsnase leuchtet rot in seiner Hand. Und so blickt er auf sein Utensil, oder ist es doch schon Teil seines Selbst? Zögerlich setzt er die Nase auf, dann den Zylinder, streift die Handschuhe über, die er von seinem Großvater – ein bekannter Gelehrter soll er gewesen sein – geerbt hat – vor vielen, vielen Jahren.

Der Mond ist inzwischen aufgegangen, es wird eine sternenklare Nacht. Die Lichter an den Zirkuswagen leuchten im Dunkelblau. Heinrich starrt in den Spiegel, dann blickt er nach draußen. In der Schlange vor dem wunderschönen Zirkuszelt stehen Junge und Alte, die Gesichter voller Vorfreude. Heinrich greift halb blind nach dem Frack, dem Kummerbund und der Schleife, legt alles auf das Sofa mit dem Blumenmuster. Bindet sich eine Schleife, legt den Kummerbund an, schlüpft in den Frack. „Wie lange noch?“ fragt er sein Spiegelbild.

„Ewig!“ antwortet das Spiegelbild. Heinrich zuckt zurück. „Ewig!“ Aus dem Schatten der hintersten Ecke des Wagens, den Heunrich sein Zuhause nennt, tritt eine Gestalt hervor. „Ich bin der Geist, der stets verneint!“ stellt sie sich vor. „Herr über die Zeit! Sie kennen mich aus unzähligen Geschichten.“ Die Stimme ist rauchig und – alt, so alt wie die Menschheit. „Du fragst Dich, wie lange es wohl den Zirkus noch geben wird? Menschen zu Euch kommen und sich verzaubern lassen wollen?“ Heinrich nickt, sein Herz rast – hatte sein Großvater nicht immer etwas von so einer Gestalt erzählt? Ganz geheuer ist er ihm nicht, der lange schwarz-rote Umhang, die engen dunklen Hosen und spitzen Schuhe…und dieses Lächeln.

„Wie seid Ihr hier reingekommen?“ krächzt Heinrich. „Oh!“ antwortet die Gestalt. „Man hat mich hereingebeten!“ Heinrich runzelt die Stirn, dann schüttelt er den Kopf. „Nein! Ich nicht!“ sagt er bestimmt. Die finstere Gestalt zieht die Stirn kraus, deutet über die Tür. Und in der Tat – die linke äußere Linie des Schutzsymbols ist ein bisschen verwischt. Es muss wohl wieder durchgerechnet sein, oder waren es seine Zweifel. Andererseits, und Heinrich blickt nach draußen, dort stehen Menschen die sich verzaubern lassen wollen. Es ist bald Ostern, Ostern bedeutet Neuanfang, Hoffnung. Die gute Küchenseele der Zirkusfamilie hat Hefekränze gebacken, sie wollen mit den Kindern an Ostern Eier suchen gehen, einen Osterspaziergang machen. „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ murmelt Heinrich, und auf einmal weiß er, welch finstere Gestalt sich in seinem Wagen befindet. „Hinfort!“ ruft er. „Raus! Mich bekommst Du nicht!“

Mephisto. Und wie es sich für einen wahren Zauberkünstler gehört, verwandelt sich die teuflische Gestalt in einem schwarzen Pudel, bellt und in Nebelschwaden und Rauchwolken läuft das Tier davon. Kläfft die Menschen in der Schlange an, sorgt für kurze Unruhe.

Heinrich steht allein vor dem Tischchen mit den geschwungenen Beinen, strafft die Schultern, streckt die Brust raus und geht stolz erhobenen Hauptes hinaus. „Ich bin doch kein Angsthase!“ murmelt er.

Plötzlich taucht ein weißes Kaninchen neben ihm auf, in Weste und mit Taschenuhr. „Tag!“ sagt es. „Tag!“ sagt Heinrich. „Wo gibt’s hier glutenfreie Hefekränze?“ Heinrich schaut verwirrt. „Dort!“ sagt er und deutet auf einen roten Zirkuswagen mit weißen Punkten, die Fenster sind schon ganz beschlagen, aus dem Schornstein steigt Rauch auf. „Danke!“ sagt das Kaninchen und hoppelt davon. Plötzlich dreht es sich nochmal um. „Äh, wie heißt denn die Köchin?“ fragt es. „Kristina!“ antwortet Heinrich. „Ah! Kenn ich. Und Eure nächste Station?“ „Rheinland!“ antwortet Heinrich. „Ah, weiß schon. Man sieht sich. Bei Jenny von deMarkt!“

Sprach’s und hoppelt davon.

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Rezept für glutenfreie Hefekränze

Ihr braucht:

  • 350 g glutenfreie Mehlmischung (z. B. Dr. Schär Mix it!)
  • 150 g Buchweizenmehl
  • 1 TL Salz
  • 6 EL Zucker
  • 250 ml Milch
  • 180 ml Buttermilch
  • 30 g Frischhefe
  • 80 g Butter
  • 1 Ei + etwas Sahne zum Bestreichen

Mischt beide Mehle und das Salz in einer großen Rührschüssel. Drückt eine Mulde in die Mitte. Erwärmt Milch und Buttermilch kurz und gießt die Mischung in die Mulde. Zerbröselt die Hefe in die Flüssigkeit hinein und streut die sechs Löffel Zucker darüber. Alles zu einem Teig verkneten (am besten mit dem Knethaken). Butter schmelzen und hinzufügen, nochmal verkneten.

Mit einem feuchten Küchentuch zudecken und mindestens 1 Stunde, gern auch über Nacht, an einem warmen Ort gehen lassen.

Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Teig aus der Schüssel nehmen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche durchkneten.

Pro Kranz jeweils zwei Rollen formen und miteinander verflechten. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Mit der Ei-Sahne-Mischung bepinseln, nochmals für 15 Minuten gehen lassen und anschließend für ca. 30 Minuten – je nach Größe – backen.

Gutes Gelingen! Guten Appetit! Und habt schöne Ostertage!

Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Pilotfolge – Treffen sich zwei Fräuleins

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 1

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 2

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 3

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 4

 

Wenn zwei Fräuleins – ich weiß gar nicht wo wir waren… aber: Was’n das für‘n Auflauf hier? – Wirsingauflauf!

Während meine Liebe Blogger-Freundin Jenny von de Markt sich noch von den karnevalistischen und Erste-Hilfe-Kurs-Strapazen erholt und backt als gäbe es kein Morgen, dabei Zeit und Raum vergisst und eintaucht in die Welt des Zuckers, in glutenfreie Linsen-Lasagne und andere Köstlichkeiten, liege ich auf dem roten Cordsofa und verspeise verzückt einen glutenfreien Bagel (!) mit Frischkäse und Pflaumenmus. Das Pflaumenmus ist nicht selbstgemacht, nur selbst gekauft und es kommt aus Thüringen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht ein kleines bisschen mehr auf Pflaumenmus aus Schleswig-Holstein stehe. Eigentlich bin ich mir sicher, dass ich es tatsächlich etwas lieber mag. Aber das aus Schleswig-Holstein war alle – Regal leer. Also Thüringen. Auch gut, aber eben nicht Schleswig-Holstein.

Ist wie mit den Dialekten. Ich hätte wirklich gern einen Dialekt, aber hier haben wir keinen. Thüringisch und Sächsisch kann ich allerdings recht passabel imitieren, wenn ich mich anstrenge oder eine Flasche Rosé intus und dazu eine Familienpackung Haribo-Pfirsiche gegessen habe – nur so als ganz spontanes, rein zufälliges Beispiel – sogar etwas passabler.

Oma sagte immer: „Set di dol lütt Maiken!“ was soviel heißt wie „Setz Dich kleines Mädchen!“ Plattdeutsch wäre auch schon klasse. Aber Budder bei die Fische:

Wir haben hier keinen Dialekt! Ach – einen schönen Dialekt – ah jooo, des kennt isch mer vorstelle, ’n Schwätzer wä‘ isch.

Doch et kütt wie et kütt. Und so kütt es, dass ich Dialekte echt knorke finde, aber eben keenen habe, wa‘. Musste jeschmeidich bleib’n.

In meinem hochdeutschen Yoga-Castle habe ich vor einiger Zeit Karfiol mit Paradeisern und Kartoffeln zubereitet – ja! Österreichisch wäre auch super. Küss die Hand! Auf jeden Fall war es sehr lecker. In den Auflauf kamen auch schwäbische Tellerlinsen – brutal lecker! Und drübergekrümelt – griechischer Feta: Yamas!

Allagut, Ihr Lieben, g’nug g’schwätzet, hier ist das Rezept:

  • 1 kleiner Wirsingkohl
  • 200 g Alblinsen oder braune Tellerlinsen (Achtung: Linsen können produktionsbedingt glutenhaltiges Getreide enthalten, weil z. B. Gerste als Rankhilfe für die Linsen benutzt wird)
  • Vier Kartoffeln, vorgekocht, in Scheiben oder Stückchen
  • eine Handvoll Tomaten
  • eine Zwiebel, gewürfelt
  • ein Liter Gemüsebrühe
  • ein griechischer Fetakäse, zerbröselt
  • Salz, Pfeffer und gemahlener Kümmel

Kocht die Kartoffeln vor, stellt sie anschließend zur Seite. Entblättert den Wirsing und blanchiert etwa zehn bis zwölf Blätter in kochendem Wasser. Gebt die Blätter anschließend in eiskaltes Wasser. Kocht die Linsen in einem Liter Gemüsebrühe, bis sie weich sind, aber noch Biss haben. Stellt die Linsen beiseite.

Gebt Öl in einen Topf und gebt die gewürfelte Zwiebel hinein. Schwitzt sie an, bis sie glasig ist. Schneidet die Tomaten klein und gebt sie hinzu.

Nehmt die Linsen mit einer Schaumkelle aus der Gemüsebrühe und gebt sie zu Zwiebel und Tomate. Fügt die Kartoffeln hinzu. Gebt ein bisschen von der Gemüsebrühe hinzu. Schmeckt mit Salz, Pfeffer und Kümmel ab. Stellt es auf kleine Flamme.

Nehmt Euch eine große Auflaufform und legt ein Wirsingblatt unten in die Form. Gebt etwas von der Linsenmasse auf das Blatt, dann schichtet Ihr abwechselnd wie bei einer Lasagne.

Abschließend gebt Ihr den zerbröselten Feta auf den Auflauf und stellt ihn für etwa 25 Minuten in den 180 Grad warmen Ofen.

Velbekomme! Wohl bekomm’s! Enjoy! Buon appetito! Bon appetit!

Und so – liebstes Marktfräulein, bist Du bereit?

Pilotfolge: Bloggst Du noch oder backst Du schon?

Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 1

Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 2

 

Die Superhelden sind los – Trio Infernale und glutenfreie Ricotta-Gnocchi

Wenn man mich fragen würde, welche berühmten Personen ich gern mal in unser Nest einladen, in unserem Yoga-Castle bekochen und mit wem ich auf Æblerø mal die Aussicht genießen wollen würde, würde ich antworten:

Reinhard Mey und Astrid Lindgren und Mary Poppins

Manchmal schwanke ich, ob ich noch Daphne du Maurier oder Helmut Schmidt dazu holen sollte, aber dann wäre meine Bude verqualmt oder ich fände mich urplötzlich in irgendeinem südenglischen Moor wieder. Besten Dank auch. Nichtsdestotrotz hätte ich gern mal eine typisch schwedische Fika mit Astrid Lindgren abgehalten. Von mir aus stundenlang aus dem Fenster geschaut, an einem guten Kaffee genippt und geseufzt. „Oh Astrid,“ hätte ich gesagt, „jemanden wie Dich“ – und wir hätten uns nach kurzer Zeit geduzt, da bin ich sicher – „also jemanden wie Dich braucht die Welt!“ Und Astrid hätte vermutlich den Kopf zur Seite gelegt, gelacht und ausgerufen: „Ah, jo man næ!“ Oder so ähnlich.

Astrid Lindgren wäre für mich die Superheldin. Sie hätte kein Cape oder eine lustige Maske mit putzigen Öhrchen oder Leggins in Knallfarben, über die ein fescher Schlüppi mit Gürtel gezogen wurde. Das wäre auch undenkbar! Aber Astrid wäre Astrid und sie hätte einen Wagen. Einen Saab oder Volvo. Oder vielleicht ein Pferdefuhrwerk vollbeladen mit Büchern. Mit ihren und mit anderen Büchern, mit Märchen und Geschichten. Und die Superheldin Astrid würde zusammen mit ihrem Side-Kick Mary Poppins den Eltern über den Kopf streichen, diese sanft aufs Sofa drücken, das Smartphone aus der Hand nehmen, es ausschalten und sich ihnen gegenüber setzen. Und sie würden zunächst nur schauen. Tief in die Seelen der Eltern oder der Mama oder des Papas. Und die Eltern würden nervös nach dem Smartphone schauen, dann aus dem Fenster auf den blankgeputzten SUV, dann wieder auf das ausgeschaltete Smartphone. Und das Superheldenteam würde den Zeigefinger an die Lippen legen. Dann hätte Astrid sich ganz unarrogant selbst zitiert:

Und dann muss man ja noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.

Die Kinder hätten längst den Saab oder Volvo oder das Pferdefuhrwerk gekapert. Und sie hätte ihnen hinterher gerufen:

Seid frech und wild und wunderbar!

Einige hätten laut aufgeschrien, was sie denn mit Büchern sollen, aber dann hätte ein Mann mit einer Gitarre die Bühne betreten und hätte gesungen:

Hilf mir gerade zu stehen!

Und wie ein Zauberspruch würde sich dieses Lied in die Köpfe einbrennen und die Smartphones würden ausgeschaltet, WhatsApp-Gruppen abgeschafft und Elterntaxis durch selbständige Laufgruppen zur 500 m entfernten Schule ersetzt werden.

Das ist – zugegeben – ziemlich utopisch. Wenngleich ich mich ernsthaft frage, ob das Ziel unserer Politiker einer ständigen, gleichermaßen allerorts guten Erreichbarkeit, Utopie, Dystopie oder schlichtweg blanker Horror ist.

Möglicherweise bin ich konservativ, nicht aufgeschlossen oder verbohrt. Allerdings möchte ich den Damen und Herren, die mich gern mundtot in eine dieser Schubladen pressen wollen, zwei Fragen stellen:

„Welche Kindheitserinnerung war Ihre schönste? Und hatte sie mit einem Smartphone zu tun?“

Mir geht dieses ewige Gedaddele und Draufgegucke so fürchterlich auf den Geist, dass ich mich manchmal selbst nervig finde, wenn ich mal wieder aufs Display schaue, um festzustellen, dass – nichts festzustellen ist.

Und nun, zwiegespalten und auf dem roten Cordsofa liegend, fliegen meine Finger über die Tastatur des – richtig – Smartphones. Irgendwie seltsam.

Was wohl Astrid, Mary und der verehrte Herr Mey wohl dazu sagen würden?

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Da Astrid leider nicht mehr lebend unter uns weilt und Mary bestimmt andernorts zu viel zu tun hat, würde ich für Herrn Mey ein paar glutenfreie Ricotta-Gnocchi mit einer Tomaten-Gemüse-Sauce servieren, mit frisch gehobeltem Parmesan und einem schönen Glas gekühlten Weißwein. Auf alle Superhelden ohne Cape!

Und hier das Rezept –

Für die Gnocchi:

  • 225 g Ricotta
  • 2 Eigelb
  • 70 g glutenfreies Mehl (z. B. helle Mehlmischung von Hammermühle)
  • 40 g Kartoffelstärke
  • 35 g Buchweizenmehl (z. B. von Bauckhof)
  • 1 TL feines Salz
  • geriebene Muskatnuss
  • etwas Mehl für die Arbeitsfläche

Gebt alle Zutaten in eine Schüssel und vermengt sie mit den Händen. Dann nehmt die Knethaken und lasst ihn zu einem leicht klebrigen Teig werden. Nehmt zum Schluss gern die Hände.

Bestäubt Eure Arbeitsfläche mit Mehl und knetet den Teig erneut, bis er schön geschmeidig ist. Formt ihn zu einer Kugel und teilt ihn in vier Portionen.

Nun formt Ihr aus jedem Viertel eine Rolle mit einem Durchmesser von etwa 1 1/2 cm. Nehmt ein scharfes Messer und schneidet aus der Rolle gleichgroße Stücke. Bringt die Stücke mit den Händen in die gnocchitypische Form und drückt mit einer Gabel ein Muster hinein.

Stellt die Gnocchi für ca. 15 Minuten beiseite. In dieser Zeit bereitet Ihr die Sauce vor und setzt einen großen Topf mit Wasser für die Gnocchi auf.

Für die Sauce:

  • Tomatensauce aus dem Glas (ungewürzt)
  • 1 Zucchini
  • 1 Aubergine
  • 1 Stück Staudensellerie
  • 1 Knoblauchzehe
  • Basilikum
  • etwas Sahne oder Ricotta
  • Salz und Pfeffer
  • Olivenöl

Gebt das Olivenöl in einen Topf und schwitzt die Knoblauchzehe darin an. Nehmt sie raus, bevor sie verbrennt und bitter wird.

Schneidet die Zucchini, die Aubergine und den Staudensellerie in Würfel und gebt es in den Topf. Alles anschwitzen und gut umrühren. Gebt die Tomatensauce hinzu und reduziert die Hitze.

Schneidet etwas Basilikum klein (oder nehmt getrocknetes) und gebt es in die Sauce. Gebt einen Löffel Ricotta hinzu oder einen Schuss Sahne. Schmeckt mit Salz und Pfeffer ab.

Wenn das Wasser kocht, gebt Ihr die Gnocchi hinein. Nach etwa drei bis vier Minuten schwimmen sie oben und sind fertig. Nehmt eine Schaumkelle und fischt die Gnocchis aus dem Wasser.

Gebt sie in die Sauce und rührt alles vorsichtig um. Auf die Teller tun und mit frisch gehobeltem Parmesan servieren.

Velbekomme! 🍄

Bloggst Du noch oder backst Du schon?

Wie alles begann:

Auftritt Seeräuber-Jenny. Mit selbstbewussten Schritten tritt die Marktfrau i. D. aus ihrer Kajüte. „Aus dem Weg!“ brüllt sie und schlägt sich den Weg zur Kombüse frei. Ungläubige Blicke folgen ihr und ihren wippenden Locken. Die Seeräuber-Jenny schmunzelt. Sie hat einen Plan!

Unterdessen in einer skandinavischen Enklave in der Nähe von Hannover:

Ein backwütiges Fräulein mit einer Affinität zu rot und weiß steht in ihrem 10 qm großen Yoga-Castle, dreht Tomaten durch die Flotte Lotte und singt mit ihr im Duett „Je vole“. Und sie grinst, denn sie hat einen Plan!

Hochverehrtes Publikum! Hereinspaziert, hereinspaziert! Werden Sie Zeuge, wenn sich ein vegan und heimatloses Marktfräulein mit einem reiselustigen und zugleich heimatliebendem Fliegenpilz-Fräulein im virtuellen Kochstudio trifft. 

‚Wie das?‘ fragen Sie! Hahaaaa – zurecht! Weil sie Lust drauf haben! Ganz einfach. In regelmäßig unregelmäßigen Abständen wird es Einblicke in unsere heiligen Halle geben. 

Treten Sie also näher, Ladies und Gentlemen, liebe Kinder, treten Sie näher und treten Sie ein, lassen Sie sich entführen in eine vegane und in eine glutenfreie Welt. 

Vorhang auf! Die gemeinsame Sache startet…in Kürze!