Moldowische Frühlingsboten

Die Sonne lacht in unsere Höhle. Das Vorzeigemodell und ich haben heute Mittag einen Spaziergang gemacht und den Boden nach Neunerlei abgesucht. Neunerlei? Neun Wildkräuter, die früher traditionell in die Grüne-Neune-Suppe an Gründonnerstag kamen. Wobei es sich bei den Wildkräutern um die vorwitzigen Ersten handelte wie Giersch, Bärlauch, Gundermann. Bärlauch und Giersch haben wir gefunden. Gundermann oder auch Gundelrebe war noch etwas verschlafen. Doch der Frühling kommt mit Macht. Hummeln und sogar die ersten Schmetterlinge, brüllende Amseln, Stare und freche Blaumeisen begleiteten uns. Die Luft so klar. Und während wir so dahinschritten, fiel uns ein, dass wir heute noch zur Tat schreiten müssen. Unsere moldowischen Frühlingsboten müssen noch an einen Baum. Johnny B. – seines Zeichens stolze Johannisbeere und Baum, kein Strauch oder Busch – wird nachher behängt.

Denn es war so. An einem dieser Wochenenden, an denen eines dieser Sturmtiefs über Niedersachsen sauste wie Diven in rauschenden Ballkleidern, hatten wir Besuch. Mein Vorzeigemodell hatte seiner Spielsucht gefrönt und hatte mal wieder als verschollener Gallier namens Organisatorix alles, was Spaß und Freude an sog. Tabletop und Skirmish-Games hat an – logisch – die Tische geholt. Und so kam es, dass wir abends eine Geschichte aus Moldawien erfuhren.

Veronika brachte uns nämlich einen Anstecker mit. Für den Mann eine weiß-rote Schleife an dessen Ende zwei rot-weiße Quadrate hingen. Und für die Frau zwei winzige Häkelblumen in rot und weiß und ein grüner Stengel.

Veronika forderte uns auf, diesen Anstecker ans Revers unseres Mantels zu heften. Auf die linke Seite, beim Herzen. Das sei wichtig. Und eigentlich, so sagte sie, stecke man es sich am 1. März an das Revers. Am 31. März nehme man es ab und hänge es an einen Baum. Und dann, ja dann, kommt der Frühling.

Die Tradition ist schon sehr alt und beruht auf einer alten Geschichte. Als ich gerade versuchte, sie nochmal zu ergooglen, fand ich die Geschichte zwar nicht, aber ich lernte, dass Moldawien das unbeliebteste Urlaubsland Europas sein soll. Das wird gemessen an den Einreisenden. Etwas über 1.100 Deutsche waren es im Jahr 2017 laut einem Artikel aus der Zeit. Das landet an „guten Tagen“ täglich auf Malle…

Aber zurück zur Geschichte. Einstmals wurde die Sonne gestohlen, und ein junger furchtloser Mann zog los, um die Sonne wieder zu bekommen. Die Welt versank im Schnee, und während der junge Abenteurer sich durch die eisigen Massen kämpfte, verletzte er sich und sein Blut tropfte auf den Schnee. Da bekamen die Diebe Mitleid und gaben die Sonne wieder frei.

Mich berührte diese Geschichte. Und voller Stolz steckte ich mir diesen Frühlingsboten an meinen Mantel. Nachher – wenn ich mit meinem Vorzeigemodell gegessen habe – werde ich den Boten abnehmen und an Johnny B. hängen.

Und dann renne ich wie einst Ronja Räubertochter barfuß durch unsere Höhle und lasse meinen Frühlingsschrei erklingen. Denn das ist es doch, was wir alle wollen: Frühling und Frieden!

Ein Neujahrsspaziergang und ein Sturmbündel

Es stürmt. Der Regen prasselt an die Fenster, und ich sitze auf dem roten Cordsofa. Die Äste der Zaubernuss peitschen gegen die Regenrinne. Unsere beiden Mitbewohner zwutscheln zufrieden ihr Sittichliedchen nebenan. Sie haben das Geknalle und Geböllere gut überstanden. Ich habe noch nie Böller angezündet. Wunderkerzen, ja, Böller, Raketen – nein. Und so auch gestern nicht oder heute Morgen.

Viel lieber begrüße ich das neue Jahr, indem ich am späten Morgen einen Neujahrsspaziergang mache. Lang und ausgiebig, die Luft tief einatmen und sich zu fragen, wie das neue Jahr so daherkommt.

Wir hatten schon allerlei Wetter: Schnee, Glatteis, Eiseskälte. Heute: Sturm. Doch als wir – mein Vorzeigemodell und ich – heute durch die Eilenriede gingen, tat der Himmel uns einen Gefallen und wir blieben trocken. Die Sonnenstrahlen tauchten die kahlen Bäume in goldenes Licht. Und an einem Futterplatz konnten wir einen wunderschönen Buntspecht beobachten.

Fast automatisch setzten wir die Füße einen vor den anderen und erzählten, schwiegen, gingen unseren Gedanken nach, redeten und spazierten.

Nebenbei haben wir schöne, heruntergefallene Äste gesammelt. Wofür? Für einen Aststrauß. Ein Ritual aus den Rauhnächten, welches besagt, dass man am Neujahrstag Äste sammeln und zu einem Bündel zusammenbinden soll. Dieses Bündel soll dann als Schutz an einem Ort an Haus oder Wohnung gehängt werden, und dabei soll man sprechen: „Ich geb Dir Deins. Lass Du mir meins!“ Der Wind soll sich in den Ästen verfangen und damit spielen und nicht das Heim zerstören. Ein schöner Brauch, wie ich finde.

Und während ich hier so sitze, stürmt es. Und ich höre unseren dritten Mitbewohner. Auch ihm ist es zu stürmisch und regnerisch draußen: Randell, der Hausmarder, legt mal wieder eine Stippvisite ein. Und ich höre die kleinen Tatzen im Dachkasten trappeln.

Gleich werde ich die Äste bündeln und auf Æblerø oder Pæreø hängen.

Und dann bin ich gespannt, was dieses neue Jahr für mich, für uns bereithält.

Bleibt alle gesund und fröhlich!

Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Astro-Alex und Gedanken zum Jahresende

Alexander Gerst – „unser“ Astro-Alex – ist mit Vollkaracho in der kasachischen Steppe angekommen. Im Sommer, zur Mondfinsternis an einem dieser Tage, an denen man das Schwitzprogramm versehentlich auf Endlosschleife gestellt hatte, zog er noch mit der ISS an uns vorbei, und wir brüllten wie die Bekloppten: „Ey, da ist der Astro-Alex! Haaaaalllloooooo!“

Gehört hat uns Astro-Alex sicherlich nicht, aber er hat die Augen genau aufgemacht. Wir Erdlinge sehen den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht, aber der Geophysiker, Astronaut und – Obacht – Vulkanologe hält eine Ansprache, die ich mir von unseren regierenden Häuptern schon so manches Mal gewünscht hätte. Astro-Alex schwebte in schwindelerregender Höhe im Weltall, aber war näher dran als es die Merkels, Seehofers, Gaulands, Scholz’s es jemals waren.

Da kannste eine Prachtstraße mit Leinwänden so groß wie Fußballfelder plakatieren, auf denen im stylischen Sepia-Design so ein Hagestolz im weißen Designerhemd auf seine Rolex schaut und damit ach so volksnah wirken will, weil er nicht wie die ganzen andren Hansel breit in die Kamera grinst, bringt nur nix. Ist nämlich nicht echt!

Astro-Alex hingegen hat Worte in die Welt gesetzt, die sich jeder Einzelne Mensch auf dieser Welt zu Herzen nehmen kann.

Eigentlich sollte es Pflichtlektüre sein für:

Jeden Staatschef und Tyrann

jeden Politiker

jeden Industrieboss

jeden Manager

jeden noch so kleinen vermeintlich popeligen Machthaber auf diesem Erdball.

Und jeder Schlachthofbesitzer, jeder Pharmakonzern, jede Lebensmittelindustrie, jeder Autobauer, jeder Smartphone- und Tablethersteller, die gesamte Rüstungsindustrie – die Liste ist unendlich – müsste verdonnert werden zuzuhören und was zu ändern. Verdammt, hört doch mal zu!

Astro-Alex, ich danke Dir! Mich hast Du mit Deinen Worten erreicht. Und mit meinen bescheidenen Mitteln trage ich einen Teil dazu bei, dass diese Welt schön bleibt und wieder schön wird.

Das, liebe Leserinnen und Leser, ist mein Vorsatz fürs Neue Jahr! Kommt gut rein in ein neues, spannendes Jahr und – ändert was. Kleine Kalenderweisheit: Auch ein Weg von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt!

Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Frohe Weihnachten – God Jul – Merry Christmas – Joyeux Noël – Buon Natale

Für Jesus war kein Platz

In der Herberge.

Aber dort, wo er ist,

Entsteht Herberge für die Menschen.

Jesus hat um sich einen Raum geschaffen,

In dem sich Menschen verstanden und gehört fühlen.

In seiner Nähe wussten sie sich zugehörig zur Familie Gottes.

Da haben sie ihre menschliche Würde entdeckt.

Da entstand ein Raum des Vertrauens, in dem sie sich bedingungslos angenommen wussten.

(Anselm Grün)

Ich sitze in unserem bequemen grünen Sessel im Wohnzimmer. Und ich bin auferstanden von den Toten. Der erste Weihnachtsurlaubstag begrüßte mich mit Migräne – es hämmerte und ratterte in meinem Kopf, dieses Mal die linke Seite. Erst dachte ich, dass es nicht so schlimm ist, aber nach einigen Schritten in Richtung Küche sagten mir Kopf und Magen etwas anderes. Inzwischen habe ich ein Brötchen gegessen und mein persönliches Lebenselixier zu mir genommen: schwarzen Tee! Gern Assam. Nun duften meine frisch gewaschenen Haare, meine Kuscheljogginghose ist schön bequem und meine Füße stecken in dicken Socken. In Wollsocken! Eine Freundin von mir sagte einmal: „Menschen, die keine Wollsocken mögen, sind mir suspekt!“ Ich kann ihr da nur zustimmen.

Ich betrachte meine Füße in den bunten Socken und tue nichts anderes, als sitzen und schreiben. Und das ist schön.

Weihnachten kann kommen. Der Kühlschrank ist gefüllt – morgen müssen nur noch ein paar bestellte Sachen abgeholt werden. Und Montag das Brot. Was Brot angeht, bin ich wohl etwas paranoid. Weihnachten muss genügend Brot da sein! Es muss bestellt werden! Rechtzeitig! Ohne Brot geht’s nicht!

Und so werden wir uns am 24. in die Schlange derer einreihen, die Brot bestellt haben und abholen müssen. Wichtig!

Die Weihnachtszeit bei uns wird oft eingeläutet durch die Muppets Weihnachtsgeschichte mit Gonzo als Charles Dickens und Rizzo, der Ratte. Und natürlich Miss Piggy und Kermit als Ehepaar Cratchit mit dem Schweinefroschnachwuchs. Und Eberneezer Scrooge.

Die Scrooges dieser Welt sterben nicht aus. Nur leider scheinen sie sich nicht vom Geist der Weihnacht belehren zu lassen. Keine Mildtätigkeit, keine Nächstenliebe. In den Augen nur Gier und Niederträchtigkeit, manchmal sogar Hass.

Natürlich: zu Weihnachten drücken viele auf die Tränendrüse. Und wie soll die einsame Oma erkennen, dass der adrette Mann in Polizeiuniform ein Verbrecher ist? Sie nur um ihr Geld bringen will?

Früher, denke ich, waren Oma und Opa an Weihnachten dabei, saßen mit am Tisch, wurden dazugeholt. Meine Mama erzählt immer, dass ihr Vater nach dem Abendbrot an Heiligabend kurz nach draußen ging, um an den Ästen des Baumes vor dem Küchenfenster zu ziehen, sodass es ordentlich raschelte und ruckelte. Als er in die kleine Küche zurückkam, in der die sechs Kinder – teilweise mit Partnern und/oder bereits eigenen Kindern – saßen, hat er immer gesagt: „Kinder, ich glaube, der Weihnachtsmann war da!“

Und nachdem gemeinsam abgewaschen und anschließend aufgeräumt wurde, zog die Prozession ins Wohnzimmer. Jedes Kind, jeder – gern auch mal spontane – Gast bekam ein Geschenk. Alle wurden satt und waren willkommen.

Mein Patenonkel, stationiert in Bayern, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr – vermutlich am Münchener Hauptbahnhof – eine „verlorene Seele“ aufzugabeln, die das Weihnachtsfest dann an dem kleinen Küchentisch mit den vielen Geschwistern gefeiert hat. Aus aller Herren Länder – USA, Kolumbien, aus der Schweiz – wäre ein Marsmensch am Hauptbahnhof gestrandet, er hätte anschließend am Küchentisch gesessen, hätte Mohnstollen oder Kohlsuppe gegessen und Lieder gesungen. Und er hätte ein Geschenk bekommen, einen Platz zum Schlafen und Freude erfahren.

Diese Geschichten liebe ich. Sie sind Teil meiner Familie. Sie zeigen mir, wohin ich gehöre, warum ich die bin, die ich bin. Was mir wichtig ist und welchen Weg ich gehe – und warum.

Und dann denke ich an meinen anderen Opa, den ich kennenlernen durfte. Opa konnte am allerbesten Weihnachtsbäume schmücken. Er hat das gute silberne Staniollametta gebügelt und die alten Kugeln aus ihren feinen Schachteln geholt, sorgsam an die Blaufichte gehängt. Manchmal hat er auch Löcher in den Stamm gebohrt und Äste umgesetzt, damit der Baum gleichmäßig war. Und die Spitze wurde angespitzt, damit der Baum eine Spitze bekommen konnte. Und Wunderkerzen kamen an den Baum.

Opa hat meiner Mama auch ein paar blaue puschelige Hausschuhe geschenkt, als Papa sie offiziell vorgestellt hat. Das Mädchen darf doch keine kalten Füße haben! Opa war der Beste!

Auch diese Geschichte liebe ich!

Und ich würde sie gern alle versammeln an unserem Esstisch an Weihnachten. Eine lange Tafel mit all diesen Menschen. Denn hier ist Platz in dieser Herberge.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz

Leipzig, zweiter Akt – oder auch: Der Winter geht nicht, ohne einen Blick zurückzuwerfen

Ich bin müde. Nächte in fremden Umgebungen. Draußen schneie es immer noch, sagt mein Vorzeigemodell. Er ist erstaunlich gut aus dem Bett gekommen und war schon in der Winterlandschaft, draußen, vor der Tür.

Eigentlich bin ich eine Lerche. Frühes Aufstehen fällt mir eigentlich leicht. Heute nicht. Beim Frühstück im Gastraum unserer Pension kehren die Lebensgeister langsam zurück. Doch kein Lebenselixier, kein schwarzer Tee in Sicht.

Als wir uns wieder auf den Weg zur Messe machen, muss es ein Tee im Pappbecher sein. Gierig, ich verbrühe mir Mund und Gaumen, schlürfe ich die heiße Flüssigkeit und werde wacher. Leipzig liegt unter einer dicken Decke aus Schnee und Eis. Ellenlange Eiszapfen hängen an den Altbauten, Straßenbahnen stecken fest, die Fahrbahnen sind vereist. Der Hauptbahnhof sei gesperrt. Dazu weht ein eisiger Ostwind, Flocken fallen vom Himmel, der ist eisgrau. Die Fahrt entpuppt sich als Schlitterpartie. Die Parkplatzanweiser der Messe sind dick vermummt, nur noch ein Sehschlitz lässt knallrote Haut erkennen und Augen erahnen. Wir parken in einer Schneewehe, schnappen unsere dicken Jacken, stapfen los. Cos-Player in Anime-Kostümen – hauchdünn und vollsynthetisch – in Ballerinas und mit nackten Beinen kommen uns entgegen. Ich friere bei dem Anblick noch mehr. Doch den ganzen Elsas, Harley Quinns und was weiß ich was, scheint die Kälte nichts *Achtung Wortspiel* anzuhaben.

Wir möchten nur in die Halle, die wir gestern nur touchiert haben. Die „Länderhalle“, Partnerland Rumänien, aber auch andere Länder haben sich die allergrößte Mühe gegeben, die Literatur ihres Landes zu präsentieren. Äußert spannend, sehr ansprechend. Kinderbücher befassen sich mit ähnlichen oder gänzlich anderen Themen. Man kommt ins Gespräch, lauscht einer finnischen Lesung. „Finnisch,“ so die Übersetzerin, „klinge ein bisschen, wie wenn man sich den hintersten linken Backenzahn mit Zahnseide reinigt.“ Und dabei versucht, dem Liebsten mitzuteilen, dass er doch bitte noch Milch und Brot mitbringen solle, füge ich in Gedanken hinzu.

Nebenan die nordirischen Länder. Hygge und Lykke, Astrid und Håkan, Hans-Christian.

Und Österreich. Irgendwie duftet es hier verführerisch, untypisch für Messeduft. Es riecht irgendwie nach Mehlspeisen und Sachertorte – oder spielt mir mein Hirn hier gerade einen Streich, weil ich die österreichische Flagge gesehen habe?! Vorsichtig spähe ich unter den Tisch und erblicke tatsächlich ein verdächtig selbstgemacht aussehendes Kuchenstück. Der Österreicher ist mir sofort sympathisch, meinem Mann scheinbar auch, denn er fällt mit ihm in schallendes Gelächter. Ich höre Worte wie „das bisschen Schnee“ und „Ihr habt’s doch gar keine Berge“.

Allerdings muss man sagen, draußen an den Scheiben der verglasten Übergänge von Messehalle zu Messehalle werden die Eiszapfen abgeschlagen. Teuflisch spitze Geschosse, die von den Glasbögen hängen.

Und es füllt sich. Das gemütliche Treiben von gestern weicht dem für eine Messe so typischen Drängen, Drücken, Schieben und Schubsen. Noch zwei Anlaufstellen, so beschließen wir, dann geht’s hier raus.

Als wir endlich den Ausgang erreichen, wickeln wir uns wieder in unsere dicken Jacken, stapfen zum Auto. Die Straßen sind immer noch nicht frei. Die Tiefgarage in der Leipziger Innenstadt, in der wir parken, steht unter Wasser. Die Autos enteisen, dicke graue Schnee- und Eisbrocken lösen sich in rasender Geschwindigkeit auf, Seenlandschaften auf dunkelgrauem Asphalt. Aqua Alta – nur nicht in Venedig. Um zum Aufzug zu gelangen, benötigt man eigentlich Gummistiefel.

Wir haben Hunger und steuern Leipzigs wohl berühmtestes Restaurant an: Auerbachs Keller. Auerbachs Keller liegt in der Mädler Passage der Leipziger Innenstadt. Was vielleicht ein wenig seltsam anmutet, entpuppt sich als würdiger Ausklang für eine Buchmesse.

So sagt man:

„Wer nach Leipzig zur Messe gereist,

Ohne auf Auerbachs Hof zu gehen,

Der schweige still, denn das beweist:

Er hat Leipzig nicht gesehn.“

Und was soll ich sagen? Es war ganz wunderbar. Im Großen Keller sitzt man ein wenig wie im Bahnhofsatmosphäre – die gegenüberliegenden Weinstuben haben aus meiner Sicht etwas gemütlicheres – aber die Vielzahl an bunten Wandbildern aus Faust-Szenen, das alte dunkle Holz, der schöne Eingangsbereich und das fürsorgliche und sehr freundliche Personal machten dieses Mini-Manko wett. Auch hier: glutenfrei? Kein Problem! Einige Bewertungsportale im Internet äußern sich sehr kritisch, ich jedoch muss die Hilfsbereitschaft, aber vor allem die Kompetenz bei der Auskunft ausdrücklich loben.

Gestärkt, aufgewärmt und etwas energetischer schlittern wir zurück zum Auto. Es schneit. Wen wundert’s. Etage -3 des Parkhauses wurde in der Zwischenzeit in „Leipziger Seenplatte“, Ausstieg in Fahrtrichtung links. Das Positive ist, dass nun der Sensor unseres Autos nicht bei Tempo 30 und weniger anfängt zu piepen, weil er denkt, dass wir kontinuierlich einparken wollen, denn auch dieser dicke Eisklumpen war – Etage -3 sei Dank – endlich abgetaut.

Und das Fräulein Fliegenpilz wäre nicht das Fräulein Fliegenpilz, wenn es mit ihrem Angetrauten nicht doch noch einen Flohmarkt besucht hätte…aber darüber berichte ich ein anderes Mal!

In diesem Sinne – bleibt neugierig, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Mystery Blogger Award

„Wie mysteriös!“ möchte man hinter vorgehaltener Hand hauchen und das schwere Parfüm der edlen Damen und das kräftige Aftershave der Herren einatmen, während ein Raunen durch den Ballsaal geht. Von der Decke hängen schwere Kristallkronleuchter und das Licht der Kerzen spiegelt sich funkelnd in den Kristallen. Und man wird sagen: „Mystery Blogger Award!“ Der flauschige Teppich, der im schönsten Rot ausgerollt vor mir liegt, fühlt sich großartig an und ich schreite huldvoll winkend in den schicksten Highheels und einem atemberaubenden Kleid über die Auslegware. Ja! Ich wurde nominiert von meinem wunderbaren Ehemann, dem Olfork. Das ist – genau genommen – ein bisschen Wettbewerbsverzerrung, aber genauso wenig schreite ich gerade in Galarobe über den roten Teppich, um meine Auszeichnung entgegen zu nehmen, sondern sitze im Schlafanzug am Frühstückstisch und erhole mich von einem Magen-Darm-Infekt. Alles andere als glamourös. Deshalb denke ich – ja, das kann man mal machen. Und ich danke dem weltbesten Ehemann für die Nominierung. Und dafür, dass er mich seinerzeit überredet hat, mit dem Bloggen anzufangen.

Aber bevor wir hier beginnen, geht’s erst mal zu den Regeln:

1.) Poste den Mystery Blogger Award auf deinem Blog!

Jawohl!

2.) Liste die Regeln auf!

Sehrwohl!

3.) Erwähne die Urheberin des Awards und stelle einen Link bereit!

Der Mystery Blogger Award ist eine Art Bloggerkettenbrief, der von der Engländerin ”Okoto Enigma” ins Leben gerufen worden ist und wie die meisten Bloggerawards, dafür gedacht ist, die Blogger zu vernetzen und jeden einzelnen ein bisschen bekannter zu machen. Wenn Ihr mehr über Okoto, ihren Blog oder den Award wissen wollt, dann klickt doch mal hier.

4.) Danke demjenigen, der dich nominiert hat und stelle einen Link zu seinem/ihrem Blog!

Avec plaisir!

5.) Teile den Link zu Deinem besten Beitrag! (Oder auch mehrere Links)

Mein bester Beitrag? Das kommt wohl auf das Auge des Betrachters an. Ich mag sehr gerne den Beitrag zum Veilchenzucker, weil er auch meine erste Begegnung mit dem Marktfräulein Jenny war, mit der ich in der Kategorie Marktfräulein und Fliegenpilz über Koch- und Backaktionen schreibe.

Ich mag aber auch meine Artikel über die Reisen und Ausflüge mit meinem orkigen Ehemann, dem Olfork, weil ich da immer so das Leben in mir spüre.

Und nun die sechste Regel:

6.) Nominiere 10 bis 20 andere Blogs!

Also – mal ehrlich. Zehn bis zwanzig? Ich hätte gern mehr Zeit, mir die wunderbaren Blogs immer in Ruhe anzusehen, denen ich folge. Es gibt so viele tolle Blogger da draußen…aber zehn bis zwanzig?!

Ich nominiere hiermit:

  1. Jenny – Veganes Marktfräulein
  2. Arno von Rosen
  3. Meermond
  4. Lovely Rita Flowermaid
  5. Daniela und ihre Linzer Smileys
  6. Mein glutenfreier Backofen
  7. Schwedenlichter

Und ich nominiere Euch, weil ich Eure Blogs toll finde, Eure Artikel mal im Stillen, mal mit lautem Aufschrei kommentiere. Ihr seid vielseitig und spannend und tolle Blogger. Hinter jedem Blog steckt ein Mensch, den ich wahnsinnig spannend finde, der Ideen hat, die er mit uns teilt und das nicht über Plattformen faket, sondern ehrlich bloggt und echte Follower hat. Daher sollen 7 nominiert sein. Die 7 ist eine tolle Zahl!

7.) Informiere die Nominierten in einem Kommentar auf Ihren Blogs!

Und da klaue ich doch einfach mal den Kommentar meines Mannes:

Wäre jetzt noch etwas unsinnig, da ich ja noch am Schreiben bin, aber ich werde das nach der Veröffentlichung auf jeden Fall machen. 😉 Versprochen!

8.) Stelle den, von Dir Nominierten fünf Fragen, eine davon sollte merkwürdig oder lustig sein!

9.) Erzähle den Lesern drei Dinge über Dich!

Nun, vielleicht erst mal zu den Fragen an die Nominierten:

Wenn ich da an diese Freundschaftsbücher von früher denke, fällt mir als lustige Frage ein:

– Wie lautet Dein Lieblingslied?

Ich hatte damals geschrieben „Eif bin lucking for fridomm“ und könnte mich heute noch kaputt lachen, wenn ich unsere Antworten lese.

– Welches Buch hast Du schon häufiger gelesen?

– Was gibt Dir in schlimmen Momenten Kraft?

– Welchen Menschen würdest Du gerne mal treffen?

– Dein Lieblingsessen aus der Kindheit?

Und nun soll ich den Lesern drei Dinge über mich erzählen? Ich bin ja schon dankbar, wenn sie bis hierhin durchgehalten haben. Aber so sind die Regeln…

Ich bin ein Weihnachtsmensch

Da ist nichts Spektakuläres dran, aber ich könnte ab Ende Oktober eigentlich in Weihnachtsvorbereitungen eintauchen. Dabei meine ich aber gemütliche Vorbereitungen. Ich denke an Spaziergänge im Wald mit Glühwein oder Punsch, Blätter und Zapfen sammeln und basteln, Kekse backen und Weihnachtslieder singen.

Ruhe bitte!

Das Ende eines Buches liest man in Ruhe, genussvoll bei einer Tasse Tee in ungestörter Atmosphäre! Und wehe dem, der stört! Da kann ich ungehalten und jähzornig werden!

Sei vergnügt, sing ein Lied!

Ich habe tatsächlich mal von einer Musical-Karriere geträumt und bin heute froh, dass ich diesen Weg nicht eingeschlagen bin. Nichtsdestotrotz singe ich sehr gern und auch ganz gut, jedenfalls singe ich immer, wenn ich in Gedanken fröhlich vertieft bin und mir etwas richtig Freude bereitet, gerne auch mit großen Gesten pinselschwingend draußen beim Gartenmöbelstreichen oder in der Küche beim Kochen und Backen.

Und nun zu den mir gestellten Fragen:

Frage Nummer 1

Wenn Du ein Spiel wärst, welches wäre es und warum?

Ich wäre – denke ich – eine Spielesammlung so mit „Mensch ärgere Dich nicht“ und „Mühle“ oder „Schach“. Also nicht dass ich eine begnadete Schachspielerin wäre, aber ich denke recht vielseitig. Mein Lieblingsspiel ist aber tatsächlich Carcassonne. Ich mag es, wenn sich die Städte und Landschaften ästhetisch zusammensetzen. Und Memory finde ich super!

Frage Nummer 2

Kannst Du verlieren?

Definitiv! Wohingegen Familienmitglieder früher gern mal „Atomkrieg“ gespielt haben, d. h. das Spielbrett flog durchs Zimmer, bin ich eher ruhig. Nur wenn jemand nicht in die Puschen kommt oder heult und schreit, weil das Verlieren absehbar ist, bin ich genervt.

Frage Nummer 3

Welches Buch/Hörbuch liest/hörst Du gerade?

Ich lese gerade „Wolkenschloss“ von Kerstin Gier.

Frage Nummer 4

Küste oder Berge? Und warum?

Küste! Berge sind auch schön, aber mir fehlt das Meer nach einer gewissen Zeit. Es sorgt dafür, dass ich meine Gedanken sortieren kann und Lösungen auf Fragen finde.

Frage Nummer 5

Welches ist der schlechteste Witz, den Du kennst?

Okay, der geht eigentlich nur, wenn man ihn erzählt:

Wo wohnt die Katze? Im „Miets“-Haus (Miezhaus).

Und nun?

Letzte Regel! Informiere auch andere über diesen Beitrag!

Gut, das übernimmt WordPress dann schon!

Peter Pan – eine wundersame Reise

Und die verlorenen Jungs sprachen: ‚Liebes Wendyfräulein, für dich haben wir dieses Haus gebaut! Bitte sei unsere Mutter!‘ 

Und die zauberhafte Wendy entgegnete: ‚Oh, das beeindruckt mich schon sehr, aber ich habe keine einschlägigen Erfahrungen!‘ 

Doch die verlorenen Jungs fragten: ‚Kannst du Geschichten erzählen?‘ 

Und Wendy antwortete: ‚Ja‘

So beschlossen die verlorenen Jungs: ‚Dann bist du perfekt!‘

Ich liege auf meinem wunderbaren roten Cordsofa, eine Wärmflasche im Rücken, meine kuscheligen Socken an den Füßen und denke nach. Das Licht von Kerzen und Teelichtern taucht unser Wohnzimmer in gemütliches Licht, lässt alles sanft erscheinen. Doch ich – bin nachdenklich. Ich habe gerade einen Artikel gelesen über Familien, die ein Kind mit einer Behinderung haben. Und ich bin wütend! Wütend auf unsere Gesellschaft, wenn ich in den Interviews lese, was für Frechheiten sich manche Menschen herausnehmen. Fassungslos, dass es Menschen gibt, die keine Handbremse haben, sondern den Müttern und Vätern ins Gesicht sagen, dass ’sowas in unserer Zeit hätte vermieden werden können‘. Da bleibt mir echt die Spucke weg!
‚Sowas‘ ist 7, 8, 18 Jahre alt. ‚Sowas‘ ist ein Mensch! ‚Sowas‘ ist Teil unserer Gesellschaft! Verdammt! 

Leider wird Behinderung in unserer Welt auch als Schimpfwort gesehen…

Überhaupt halten wir uns doch mit Bezeichnungen, Einstufungen, prozentualen Berechnungen viel zu sehr auf. 

Doch um noch einmal darauf zurückzukommen: Wer hat hier eigentlich die Behinderung?

Der Mensch, der die Eltern des Kindes mit Down-Syndrom beschimpft oder das Kind mit Down-Syndrom?

Die Familie mit den autistischen Kindern, die in der Schule dafür kämpft, dass ihre Kinder unter denselben Voraussetzungen dasselbe lernen können, wie alle anderen Kinder auch oder die Familie, die sich darüber beschwert, dass ihre Tochter oder ihr Sohn neben dem autistischen Kind sitzen muss?

Die junge Erwachsene, deren zahlreiche Behinderungen, die man aber „leider“ nicht in Schubladen stecken kann, beim Bäcker von der Verkäuferin mit dem Rückgeld beschissen wird oder die Verkäuferin, die sich mit süffisantem Lächeln das übrige Geld in die Hosentasche steckt?

Ich bin wütend, weil diese Geschichten so passieren. Weil unsere Freunde vor diesen Problemen stehen. Weil unsere Freunde ’solche Kinder‘ haben! Und weil ich diese Freunde mit genau diesen Kindern genau so lieb habe! 

Und ja: auch wenn Ihr es manchmal nicht mehr hören könnt! Ich ziehe meinen Hut vor Euch! 

Integration, Inklusion! Pah – Schall und Rauch, Worthülsen! 

Ein Nimmerland, ein LaLaLand, ein Land mit einer Geschichtenerzählerin, die die in unserer Gesellschaft verlorenen Jungs und Mädchen in die Arme nimmt – das braucht es! 

Dieser Blog ist eigentlich genau genommen ein Food-Blog, ein Blog, in dem es auch ums glutenfreie Reisen und um Seligkeitsmomente geht. Aber es ist auch ein Glückpilz-Blog, und ich bin glücklich, dass ich so viele verschiedene Menschen kenne, einen Teil davon meine Freunde nennen darf und die mich bereichern, und dabei ist es mir scheißegal, ob sie autistisch sind, schwarz, weiß, homo-, bi- oder heterosexuell, Asperger, ADHS oder was weiß ich haben! 

Ich bin ein Glückspilz, weil Ihr meine Freunde seid! Weil Ihr mein Leben bereichert!