Mein Name ist Itis, Bronch Itis – und warum Apfelmus ein echter Seelenwärmer ist

Draußen scheint die Sonne und es ist für die Jahreszeit unnatürlich warm. Doch ich liege auf dem roten Cordsofa, neben mir eine Batterie an Tee, Wasser, Zeitschriften und Büchern. Ein grippaler Infekt, mit Fokus auf die Bronchien, hat mich heimgesucht, und ich fühle mich ziemlich schlapp. Morgens ist die erste Hürde: Betten machen, wenigstens ein bisschen glattstreichen. Gestern – als ich meinen Arzt aufsuchte, weil es wider Erwarten (oder wohl eher der bockigen Hoffnung zum Trotz) nicht besser wurde – hatte ich mir noch die Haare föhnen wollen. Spätestens da, mit erhobenem Arm, dachte ich, ich hätte einen 100 m Sprint hinter mir.

Und auch wenn Karl Lagerfeld zu Lebzeiten auf Jogginghosen schimpfte, war es mir sowas von schnurzpiepegal und ich fuhr in eben dieser schlabbrigen Hose zum Arzt. Ich sehe derzeit aus wie das blühende Leben, darauf kam es dann echt nicht mehr an. Allerdings könnte ich momentan problemlos einen Nebenjob im Telefongewerbe annehmen, so erotisch klinge ich. Nur die Hustenattacken sind ziemlich abtörnend.

Heute verspürte ich auch das erste Mal wieder ein leises Anzeichen von Appetit. Ich möchte fast behaupten, es war Heißhunger – auf Apfelmus. Kurzerhand schnitt ich die Äpfel klein und schälte sie vorher über den Daumen. Dabei fiel mir eine Episode ein, die ich vor etlichen Jahren einmal im Fernsehen sah. Es waren die Jahre, in denen die Kochsendungen wie Pilze aus dem Boden schossen. Jeder Sender hatte seine eigene Kochshow. Am Anfang noch durchaus interessant und amüsant, insbesondere die „Oooohs“ und „aaahs“ die das leidenschaftliche Löffelablecken noch unterstrichen. Doch irgendwann konvertierten einige Sender ihre kochenden Profis zu uncharmanten Besserwissern, die alles verteufelten, was Oma seit Jahrhunderten so gemacht hat. Blankes Entsetzen in den Augen, wenn in mancher Küche die Kartoffeln mit dem Küchenmesser geschält werden oder die besagten Äpfel über den Daumen. Das war „old school“. Dafür rollten die grünohrigen Möchtegern-Paul-Bocuses in ihren stylischen schwarzen Kochjacken mit Totenkopfknöpfen irgendeine sauteure Gerätschaft in die Küche in die oberbayrische Wirtschaft, in der sie dann die Äpfel und Kartoffeln im 87 Grad-Winkel in das unbezahlbare Hightechgerät einspannten und dann mit in die Kamera gehaltener Kauleiste rubbeldiekatz zeitgleich geschält und in akkurate Stücke geschnitten hatten. Danach kam alles in einen Topf, denn es wurde eh Mus oder Pürree draus. Sei‘s drum! Diese Sendung wurde Ihnen präsentiert vom Nicer-Dicer oder was auch immer.

Worauf ich hinaus will: heutzutage besinnen wir uns auf Oma und ihre Kochkünste zurück, verfallen in nostalgische Erinnerungen, wenn wir das Obst und Gemüse schnippeln, weil Oma das mit ihrem kleinen Küchenmesser auch immer so gemacht hat. Und? Alle sind glücklich! Magic! Nix „old school“! So einfach geht’s.

Vergangene Woche, also die vor James Bronch, diesem hustenden Held, waren mein Vorzeigemodell und ich übrigens mit meinen Eltern in Dänemark. Die Herzensheimat!

Da das Vorzeigemodell am Dienstag tagungsbedingt wieder gen Heimat fahren musste, entschied ich mich für einen Eltern-Tochter-Urlaub all inclusive. Ich blieb dort und hatte Kindheitsgefühle: Frühstück im Schlafanzug (okay – kriege ich sonntags auch), aber eben auch Essen von Mama. Es war himmlisch, und es war ehrliches Essen. Frikadellen mit Kartoffeln und brauner Sauce, Reispfanne mit Paprika, Champignons und Zucchini, Lachs mit Kartoffelbrei und Spitzkohl. Lecker 😋 „Möchtest Du noch ein Eis?“ fragt Papa, und ich antworte im Schlafanzug in eine Decke gehüllt glückselig mit „Jaaaa!“.

Natürlich habe ich mein Vorzeigemodell vermisst! Sehr sogar, aber ich habe es auch sehr genossen. Und das Wiedersehen war umso schöner.

Doch kommen wir nochmal zurück auf die ehrliche Küche. Was ist denn die neudeutsch sogenannte „challenge“? Hmm? Ein Ratatouille kochen – so wie bei Ratatouille, um den sauertöpfischen Restaurantkritiker zu überzeugen und ihn an glückliche Zeiten zu erinnern. Oder wie bei Madame Mallory – ein einfaches Omelett.

Ein „einfaches“ und gutes, bodenständiges und ehrliches Essen. Deshalb: Apfelmus!

Ihr braucht:

  • 10 Äpfel, bunt gemischt, z. B. Wellant, Ingrid Marie, James Grieve
  • 2 EL Zucker
  • Etwas Wasser

Äpfel schälen, entkernen und kleinschneiden. Mit Wasser in einen Topf geben und unter kleiner Hitze so lange köcheln lassen, bis die Stückchen zerfallen. Mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken oder vorsichtig mit einem Pürierstab. Ich mag es, wenn es noch etwas stückig ist. Abgekühlt servieren mit z. B. Pfannkuchen, Milchreis, Vanilleeis oder pur mit einem Schuss flüssiger Sahne.

Im Wald – Von Pilzen und einem gefüllten Spaghettikürbis

Wie bist Du gelb, Oktober,

Wie bist Du gelb und schön!

Und leuchtendes Zinnober

lässt Du am Ahorn glühn.

Årets Saga

Wir waren im Wald. Nach dem penetranten Dauerregen kam Samstagmorgen tatsächlich die Sonne raus. Und es verschlug uns in die Pilze. Gummistiefel und Weidenkörbchen, Küchenmesser und Pilzbürstchen im Gepäck. Der Duft des Waldes umfing uns und nahm uns in die Arme, wie ein alter, guter Freund. Leichtes Kiefernrauschen, Vogelgezwitscher, das Knacken der Äste, das Schmatzen des feuchten Bodens. Das leuchtende Moos, teilweise wie dicke Kissen, manchmal wie kleine spitze Sterne, zieht sich über Baumstümpfe und morsche Äste. Und plötzlich tut sich ein Pilzwald auf, wie eine winzige Elfenstadt. Das Sonnenlicht fällt durch die Äste der hohen Laub- und Nadelbäume. Träte Titania hervor, es würde mich nicht wundern, so märchenhaft liegt dieser Wald da. Ohren auf! Kraniche! Das unverwechselbare Schreien der majestätischen Vögel macht die Symphonie des Waldes komplett. Augen zu! Einfach nur dastehen und lauschen, dastehen und atmen.

Der Steinpilz steht wohl schon eine Weile vor mir. Als ich die Augen öffne, sehe ich ihn aber zum ersten Mal. Ich bilde mir ein, dass er mich fast ein wenig triumphierend anblickt. „Hab ich es Dir nicht gesagt? Komm erst mal an im Wald, dann findest Du mich auch!“ Ich muss schmunzeln, dann beuge ich mich zu dem kleinen Charmeur und drehe ihn aus seinem weichen Bett aus Moos. Und folge der Melodie des Waldes…

Spaghettikürbis mit Steinpilzen

Der Spaghettikürbis wird ein wenig verkannt, dabei ist es babyeierleicht zuzubereiten. Ihr braucht für 2 Personen mit großem Hunger:

  • 1 Spaghettikürbis
  • 1 Handvoll Steinpilze, ganz oder kleingeschnitten
  • 5-6 Tomaten
  • Tomatensauce
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • reichlich geriebenen Parmesan
  • Basilikum, gern frisch
  • Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

Backofen auf 200 Grad vorheizen. Den Spaghettikürbis halbieren. Das Kerngehäuse mit einem Löffel entfernen. Öl in die Mulde geben und auch den Rand gut einölen. Tomaten kleinschneiden und in die Mulden geben. Frühlingszwiebeln kleinschneiden und auf den Kürbis streuen. Steinpilze hinzufügen. Mit Basilikum, Salz und Pfeffer würzen. Tomatensauce auf den Kürbis geben und mit Parmesan bestreuen. Kürbishälften auf ein Backblech legen. Für etwa 1 Stunde in den Ofen geben. Nach ca. 40 Minuten die Temperatur auf 160 Grad reduzieren.

Nach der Garzeit den Kürbis auf Tellern anrichten. Das Kürbisfleisch lässt sich wie Spaghetti rausdrehen. Köstlich!!!

Viel Spaß beim Nachkochen wünscht Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Vom Herbst und einer italienischen Gemüsesuppe

Ich sitze auf dem roten Cordsofa, habe die Beine ausgestreckt und blicke auf. Die Sonne auf unseren Stubenfenstern ist unerbittlich – sie setzt meine Fensterputzfaulheit buchstäblich ins rechte Licht. Golden mit gräulichen Pünktchen. Nun ja.

Aber ich möchte heute faul sein. Auf der einen Seite jedenfalls. Auf der anderen Seite sehne ich mich ein bisschen nach dem Herbst, Basteln, Nähen, Stricken, nach bunten Blättern, Waldspaziergängen mit diesem typischen Duft, nach Wollpullovern und einem kleinen bisschen Frieren mit Vorfreude auf das warme Zuhause. Wenn es dämmert oder dunkel ist und das Licht zu Hause brennt – das ist Nachhausekommen. Klingt ein bisschen wie Werbung, aber dieses heimelige Wohlgefühl…

Und ich stelle fest, dass Jahreszeiten was Schönes sind. Welches mir die liebste ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiß es nicht, weiß nur, dass sie mir fehlten, lebte ich in einem Teil der Welt, wo es keine gibt. Dabei philosophiere ich so vor mich hin: Wie malen denn die Kinder in den Teilen der Welt ohne Jahreszeiten Kalenderblätter?

Im Januar habe ich eigentlich immer einen Schneemann und Schlitten gezeichnet. Im Februar tanzte Clown neben Teufel, Prinzessin und Cowboy. Im März gab es die ersten Blümchen und im April grinste der Osterhase mit Kiepe vom Kalenderblatt. Im Mai der Maikäfer mit Maiglöckchen und im Juni Sonne satt. Juli und August waren Monate mit Meer, Sand und Strand, Seesternen und Muscheln. Im September Apfel- und Birnenbäume, im Oktober Drachensteigen. Im November Stoppelfelder und Laternen. Und der Dezember natürlich Weihnachten.

Wie das wohl in anderen Teilen der Welt ist?

Irgendwie bekomme ich gerade doch Lust auf Basteleien. Vielleicht Sockenstricken? Dann kann ich gemütlich auf dem Sofa liegen bleiben.

Oder ein herbstliches Menü kochen. Fangen wir doch mit einer Minestrone an. Die geht schließlich immer!

Ihr braucht:

  • 3 Handvoll bunte Bohnen, z.B. grüne, gelbe und lila Bohnen
  • 5 Wurzeln
  • 1 Stange Porree
  • 1 Stange Sellerie
  • 1 rote Spitzpaprika
  • 4 Kartoffeln
  • 1 Zucchini
  • Tomatenmark
  • Salz und Pfeffer
  • Basilikum, gern frisch
  • Parmesan
  • Etwas Olivenöl

Zunächst alles Gemüse putzen bzw. schälen und klein schneiden. Olivenöl in einen großen Topf geben und als erstes die Wurzeln anschwitzen, dann Sellerie und Porree, bis das Gemüse weicher wird. Mit Wasser, ca. 700 ml, aufgießen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Anschließend die Kartoffeln, die Spitzpaprika und die Bohnen hinzufügen. Für ca. 10 Minuten abgedeckt köcheln lassen. Dann die Zucchini hinzufügen. Weiter für ca. 5 Minuten köcheln lassen, gelegentlich umrühren. Basilikum kleinschneiden und zur Suppe geben. Mit Tomatenmark, Salz und Pfeffer abschmecken.

Suppe vor dem Servieren mit gehobeltem Parmesan bestreuen und schön heiß genießen.

Eine perfekte Suppe nach einem herrlichen Herbstspaziergang!

Genießt die Jahreszeiten, die Erntevielfalt, das Herbstlicht!

Und viel Spaß beim Nachkochen!

Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Weserlieder, Radfahren und Frankfurter Grüne Sauce

Die Hitze der letzten Tage steckt mir in den Knochen. Sie steckt in den Wänden, im Dach – in der Haut und im Kopf. Am Freitag habe ich mich mein Fahrrad ohne Namen aus dem Stall geholt, bin vorbei an den Gemüsefeldern, abgemähten Kornfeldern, durch die Masch geradelt und habe auf sie gewartet – die Gänsehaut. Doch sie kam nicht. Ich strengte meinen hitzegeschädigten Kopf an und erinnerte – ja, das letzte Mal Gänsehaut war vergangenen Samstag!

Letztes Wochenende waren wir bei guten Freunden im wunderschönen Minden in Nordrhein-Westfalen. Wir waren auf den Weserliedern, und wer vermutet, dass es sich dabei um ein schunkelndes Schlagerfestival handelt, der irrt gewaltig. „Wo die Weser einen großen Bogen macht“ mag ja – was den gesunden Lokalpatriotismus angeht – ganz nett sein, und weckt bei dem einen oder anderen sicherlich auch ein Heimatgefühl, aber bei dem Gratis-Musikfestival passiert etwas anderes Gutes. Es definiert Heimat neu – ein buntes, durch alle Altersklassen gemischtes Publikum, das nahezu einträchtig nebeneinander am Weserbogen steht und an Wasser, Bier oder Cocktail nippt und den Bands lauscht, mitwippt und mitklatscht. Kinder mit Mickey Mäusen auf den Ohren hüpfen vor der Bühne auf und ab, und während es singt, trommelt, musiziert, geht ganz nebenbei die Sonne unter und es wird – ja, es wird frisch.

Ich sauge den Sauerstoff förmlich ein und genieße das Gefühl von frischer Luft, fühle mich plötzlich hellwach. Und dann stellen sich meine Haare auf, ein wohliger Schauer – da ist sie: Gänsehaut. Wie herrlich!

Als wir gegen Mitternacht den Weg nach Hause antreten, ist der Himmel sternenklar. Ein wunderbarer Abend liegt hinter uns, und ich bin ein bisschen sentimental, denn manche Freunde wohnen einfach zu weit weg. Diese Freunde, bei denen man nahtlos dort anknüpfen kann, wo man das letzte Mal aufgehört hat – egal, ob es zwei Wochen oder zwei Monate her ist, manchmal sogar ein halbes Jahr. Die Freunde, bei denen man wie selbstverständlich in die Küche geht und den Tisch deckt, die sich aufs Sofa kuscheln und sich wohlfühlen, die sich ins eigene Interieur integrieren und so daliegen, als wäre es das Natürlichste der Welt. Ein Glück, ein ganz großes Glück!

So beseelt schläft es sich gut, und so wird die Arbeitswoche erträglich.

Der Freitag lädt uns ein zu einem Fahrradausflug. Wir treten in die Pedale, fahren an Wiesen und Feldern vorbei, sehen Rainfarn und Malven an den Rändern stehen. Birnen und Äpfel hängen an den Bäumen, und die Zwetschgen färben sich lila.

Dann ein Blumenfeld mit Sonnenblumen, Phazelien, Borretsch und auch hier Malven. Es summt und brummt vor lauter Hummeln und Bienen. Wir sehen Gradhüpfer und ein Tor in eine andere Welt.

Im Westen zieht Gewitter auf. Wir sehen es blitzen. „21, 22, 23, 24, 25, 26…“ es donnert. „Das ist noch weit weg!“ beruhigt mich mein Vorzeigemodell. Ich habe keine Angst vor Gewitter, aber ich mag es nicht, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, und so treten wir etwas kräftiger in die Pedale und fliegen nach Hause. Gerade noch rechtzeitig, denn nun folgt der Wolkenbruch.

Und da wir hungrig sind, gibt es noch eine kleine leichte Mahlzeit.

Frankfurter Grüne Sauce mit Pellkartoffeln und gekochten Eiern. Erfrischend und köstlich.

Ihr braucht für 2 Personen:

  • 1 Topf Quark
  • 2 EL Crème Fraîche
  • 1 Hauch Sahne
  • Salz und Pfeffer
  • Kräuter für Grüne Sauce – das sind sieben Kräuter und diese sind: Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie, Kresse
  • 8 Kartoffeln
  • Eier und Kartoffeln aufsetzen und kochen.
  • Für die Grüne Sauce (im Dialekt auch Grie Soß genannt) werden die Kräuter eigentlich püriert. Ich mag es aber auch sehr gern, wenn die Kräuter sehr fein gehackt sind. Dieses Mal werden sie gehackt und in den Quark gegeben, Crème Fraîche dazu, einen Schuss Sahne, alles verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Kartoffeln abgießen. Eier abschrecken und pellen, halbieren und auf die Grüne Sauce legen.
  • Fertig ist das einfache köstliche Sommeressen!
  • Viel Spaß beim Nachkochen oder Radfahren oder bei einem schönen Abend mit guten Freunden oder alles zusammen!
  • Herzlich grüßt Euer
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Rosenblütengelee

    „Haben wir im Urlaub gemacht!“ antworte ich und nicke dabei strahlend. Die Reaktion sind meist fassungslose Blicke. „Im Urlaub?“ kommt die ungläubige Frage dann. „Ja!“ erwidere ich, und mein Lächeln wird dabei noch breiter. Während ich das Glas in die Strahlen der untergehenden Abendsonne halte und fasziniert bin von der rosa-goldenen Farbe. Den Sommer eingemacht, konserviert, in ein Glas gegossen, verschlossen, aber doch sichtbar, sorgfältig beschriftet in geschwungenen Lettern. Rosenblütengelee.

    Ich schließe die Augen und sehe sie vor mir, die großen grünen Büsche mit unzähligen, meist pinkfarbenen Blüten. Die Kartoffelrose ist eigentlich nicht dort beheimatet, fühlt sich auf dem dänischen Boden allerdings sauwohl. Von Kindheit an verbinde ich den Duft der Rosen mit Sommerurlaub. An den Ferienhäusern waren meterhohe Hecken, derer man kaum Herr werden konnte. Seit ein paar Jahren wird die Kartoffelrose ein wenig in ihre Schranken gewiesen. Die Böden sollen sich erholen. Und so sieht man die Rosen zwar immer noch zahlreich, allerdings ist sie nicht mehr ganz so stark präsent.

    Ich erfreue mich jedenfalls an einigen großen Büschen, die um unser Ferienhaus stehen und schneide von der pinken Pracht ein paar Zweige ab, stelle sie in einen kleinen Krug, den ich in den Schränken des Ferienhauses finde.

    Wunderschön sieht das aus und duften tut es. Sommerurlaub! Mein Gehirn ist im Entspannungsmodus. Womit wir wieder beim Rosenblütengelee wären. Einkochen ist Meditation. Man reiche mir einen Eimer Johannisbeeren, zehn Kilo Bohnen, Erbsen – ich entrispe und putze sie. Obst- und Gemüse-Yoga.

    Und so geht mein Vorzeigemodell an einem dieser entspannten Tage in den frühen Morgenstunden an einen dieser Rosenbüsche und pflückt etwa 1 l Rosenblüten. Pfeift dabei ein Lied und kommt strahlend zurück. Ich grinse ihn an. „Na?“ frage ich. „Sommerurlaub!“ sagt er. Da kann ich ihm nur zustimmen.

    Rezept für ca. 7 Gläser Rosenblütengelee

    Ihr braucht:

      1 l duftende Rosenblüten (dabei ist es im Prinzip egal, ob Ihr die dänische Kartoffelrose nehmt oder eine andere wohlriechende Rose)
      500 ml Wasser
      400 ml Apfelsaft
      Saft einer halben Bio-Zitrone
      1 kg Gelierzucker 1:1
  • 500 ml Wasser mit 400 ml Apfelsaft mischen und die Blütenblätter dazugeben. 24 Stunden an einem kühlen, trockenen Ort ziehen lassen (nicht im Kühlschrank!).
  • Die Rosenblüten am nächsten Tage aus der Flüssigkeit fischen.
  • 750 ml von der Flüssigkeit abmessen, den Saft der Zitrone hinzufügen und alles in einen großen Kochtopf geben. Den Gelierzucker hinzufügen.
  • Zum Kochen bringen und unter ständigem Rühren zum Gelieren bringen.
  • Noch heiß in vorbereitete Gläser füllen. Fertig!
  • Das Rosenblütengelee schmeckt auch köstlich zu kräftigem Käse.
  • Probiert es mal aus!
  • Herzliche Grüße von Eurem
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Von Gram Slot, Sankt Hans und einem köstlichen Omelette

    Wir hatten Urlaub, mein Vorzeigemodell und ich. 14 wundervolle Tage. 14 Tage mit bestem Wetter.

    An einem dieser Abende sitzen wir auf unserem Sofa in unserem dänischen Ferienhaus und schauen abwechselnd Prospekte an und aus den Fenstern, die bis auf den Boden reichen. Blick auf die Dünen und den endlos weiten Himmel. Zugegeben – das Possesivpronomen hat nur eine 14-tägige Gültigkeit. Doch diese 14 Tage ist es eben unser Haus, sind es unsere vier Wände, ist es unser Sofa und unsere Terrasse.

    Gestern waren wir schwimmen in der Nordsee. Es kostete keine Überwindung, denn der ablandige Wind und die 33 Grad sorgten dafür, dass man ohne zu zögern in die spiegelglatte Nordsee tauchte, sich irgendwann auf den Rücken drehte und sich treiben ließ.

    Über Nacht kam dann der Temperatursturz. Heute Wind, viel Wind und 16 Grad. Wir schmeißen den Kamin an und sitzen da, schauen auf die Flammen, ins aufgeschlagene Prospekt, nach draußen in den Himmel und die Sonne, die einfach nicht untergehen will. „Lyse nætte“ nennen die Dänen das, helle Nächte. An Sankt Hans Aften, also am 23. Juni, standen wir alle ums Feuer und sangen die „Midsommervisen“. Barfuß in kurzen Hosen – alles Sommerverliebte, alle gleich und alle in Einigkeit. Let‘s hygge beschreibt es so: „Ganz Dänemark versammelt sich zur Dämmerung am Strand, zündet ein Feuer an, singt ein Lied, trinkt ein Bier, schaut zu wie die Hexe brennt, trinkt noch ein Bier, und geht wieder nach Hause.“ Aber das Wichtige ist doch – die Menschen einigt die Zeremonie, das Beisammenstehen, das Singen.

    Kurze Zeit später erhielten die Abiturienten in Dänemark ihre „Abschlusskappen“. Zum bestandenen Abitur wünscht man sich auch „Tillykke med huen“. Denn jede(r) Reifegeprüfte erhält eine schicke Kappe mit eingesticktem Namen.

    Bild von Mousse and Pen Illustration

    Am Tag drauf ist das Thermometer wieder auf die 23 Grad geklettert, und wir haben uns für einen Besuch des Gram Slot entschieden. „Sollen wir ein Schloss kaufen, Schatz?“ soll die Frage gewesen sein, die der Schlossherr seine Frau (oder auch umgekehrt) im Jahr 2007 halb im Spaß, halb im Ernst gestellt haben soll.

    Gram Slot stand für 25 Jahre leer. Es sollte wieder mit Leben gefüllt werden. Und nun – nach einiger Zeit – erstrahlt das Schloss im Herzen Sønderjyllands im neuen Glanz. Kein pompöses Schickimicki. Nein! Gram Slot wird buchstäblich genutzt. Ein lebendes Kulturerbe sozusagen, in dem viele verschiedene Events stattfinden: Konzerte, Festivitäten, Kurse und Konferenzen. Aber nicht nur das: Gram Slot betreibt Landwirtschaft in großem Stil – biologisch!

    In dem großen Hofladen mit Café gibt es Mehle verschiedenster Sorten, Kaffee und Säfte ne Öle.
    Die Familie lebt im ältesten Flügel des Schlosses – dem Ostflügel – um 1470 erbaut. Süd- und Westflügel sind öffentlich zugänglich und werden für die Veranstaltungen und für Führungen genutzt.

    Im Café selbst herrscht angenehm ruhige Trubeligkeit. Wir schauen in die kleine, aber feine Karte und entscheiden uns nach kurzer Beratung mit der herzlichen Bedienung für Carpaccio und Omelette. Das Omelette ist glutenfrei. Um sicherzustellen, dass bloß kein Malheur passiert, brüllt die freundliche Dame aber nochmal in die Küche: „Omeletten skal være glutenfri! Pigen kan ikke tåle gluten!“

    Und das Mädchen, das kein Gluten tolerieren kann, erhält eine fantastische Portion eines glutenfreien Omelettes.

    Herrlich ist es dort. Inzwischen füllt es sich langsam mit Menschen unterschiedlichen Alters. Manche möchten Kaffee, andere einen Happen Herzhaftes.

    Wir schlendern hinaus, gehen an den Getreidefeldern vorbei, an dessen Rändern Kornblumen stehen. Es fühlt sich an wie früher, als man als Kind durch die Felder gelaufen ist.

    Nun sind wir zurück aus der Herzensheimat. Eine Woche ist schon wieder rum. Und Omelette gab’s heute. Ein Käse-Schinken-Omelette à la Gram Slot.

    Rezept

    • 3 Bio-Eier
    • Salz und Pfeffer
    • etwas Sahne
    • 2 Scheiben Bio-Kochschinken, in Streifen geschnitten
    • gewürfelten Käse, z. B. Comté oder Nordseekäse oder ähnlichen würzigen Käse
    • Öl für die Pfanne und für den Salat
    • Essig
    • etwas Salat
    • ein paar Tomaten
  • Schneidet den Salat klein, teilt die Tomaten und gebt alles in eine Schüssel. Gebt Essig und Öl darauf und ein paar der Käsewürfel. Vermengt alles und stellt es beiseite.
  • Schlagt die Eier in einer Schüssel auf. Gebt Salz und Pfeffer nach Belieben dazu, ebenfalls einen Schuss Sahne. Vermengt alles mit einem Schneebesen.
  • Gebt Öl in eine Pfanne. Wenn das Öl heiß ist, gebt die Eier hinein. Lasst das Ei bei kleiner Hitze stocken. Auf die eine Hälfte gebt Ihr Käse und Schinken. Klappt das Omelette zusammen und versucht, wenn es recht fest ist, in der Pfanne zu drehen.
  • Teilt das Omelette in der Mitte und richtet es mit dem Salat auf den Tellern an!
  • Vel bekomme!
  • Es grüßt Euch herzlich Euer

    Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Auf Pflanzen-Pirsch in der dänischen Heidelandschaft – Und plötzlich wird der Blick ganz weit

    Früher, als ich noch klein war und mit meinen Eltern im Auto ohne Klimaanlage und ohne Anschnallgurte auf der Rückbank und ohne elektrische Fensterheber in den Urlaub fuhr, hatte ich am Tag vor der Rückreise immer eine ganz große Angst – ich hatte nicht genügend Meeresluft eingeatmet. Ich war mir sicher, dass ich den Duft von Meer und Salz nicht in ausreichendem Maße in meine Lungen gepresst hatte. Ich war noch nicht ausreichend durch die Heide gewandert, hatte noch nicht genügend Muscheln gesammelt, hatte noch nicht in zufriedenstellendem Maße dem Kiefernrauschen gelauscht. Kurzum: Ich war einfach noch nicht fertig mit Urlaub. Und so atmete ich noch kräftiger ein, noch tiefer, bis mir fast schwindelig wurde, legte mein Ohr noch dichter an die Holzwand des Ferienhauses, stromerte noch weiter in die Heidelandschaft hinein und suchte noch mehr Muscheln. Mit dem Ziel, genügend im Vorrat zu haben. Bis zum nächsten Mal.

    Am Abfahrtstag selbst breitete sich immer eine gehörige Portion Übelkeit aus. Auch heute noch. War der Appetit in den letzten Tagen – gestärkt durch Meeresluft und ausgedehnte Spaziergänge – ausgeprägt, so war und ist er an diesem Tage eher verhalten.

    Irgendwann entstand auch eine ganz eigene Zählweise der noch vor uns liegenden Urlaubstage. Hatte man 14 Tage gebucht und war am Samstag angereist, so hatte man am Samstag drauf nicht noch 7 Tage, nein, man hatte 14 Tage: 7 Vor- und 7 Nachmittage. Völlig logisch.

    Zum Glück liegen noch einige wunderbare Urlaubstage vor uns, sodass an Abreise noch gar nicht zu denken ist.

    Die Tage sind zudem lang. Die Sonne taucht erst in allen erdenklichen Rot-, Gelb- und Lilatönen um 22:30 Uhr ins Meer, und der Himmel ist so unglaublich weit. Um 23:30 Uhr gehen wir langsam ins Bett, nur um gegen 7:00 Uhr wieder die Augen zu öffnen. Es ist schließlich schon seit 3 Stunden hell.

    Heute sind wir am Nachmittag – der dänische Sommer hatte morgens eine kurze Pause eingelegt – durch die angrenzende Heide- und Dünenlandschaft gewandert.

    Schwarze Krähenbeere

    Blut-Storchschnabel

    Scharfer Mauerpfeffer (eine Sedum-Art)

    Sand-Thymian

    Gemeiner Hornklee

    Ebenfalls: Gemeiner Hornklee

    Kleiner Sauerampfer

    Bunter Feld- und Wiesenstrauß mit echtem Labkraut, Grasnelken, Kornblumen und Acker-Gänsedisteln

    Mittsommer/St. Hans-Kranz

    Zugegeben – wir waren ein klein wenig mit Wildkräuter-App und Naturführer bewaffnet, aber das hat dem Entdecken keinen Abbruch gegeben. Im Gegenteil: Der Perspektivwechsel stellte den Blick scharf für das Kleine, Verborgene. Wir entdeckten plötzlich Grashüpfer

    und Distelfalter.

    Und so erfuhren wir mal so ganz nebenbei eine interessante Geschichte:

    Das echte Labkraut, auch Bettstroh der Jungfrau Maria genannt – das in dem Strauß mit den sehr kleinen, gelben und rispenartigen Blüten – soll der Legende nach in der Krippe des Jesuskindes gelegen haben. Allerdings ist der Kern der Legende noch sehr viel älter: Bevor der christliche Glaube in Skandinavien verbreitet wurde, hat man das wohlriechende Labkraut mit der Göttin Freja verbunden. Freja ist die Göttin der Liebe. Die uralte Tradition besagte, dass das echte Labkraut auf das Bett einer Gebärenden gestreut werden sollte. Die Kirche indes war gegen diesen heidnischen Brauch, konnte sich aber nicht durchsetzen. Schließlich stimmte sie zu, die Pflanze der Heiligen Jungfrau Maria zu widmen.

    Klitzekleine „Kloge Ove“ (Klugscheißer)-Grüße sendet Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄