Auf ins Abenteuer – Austernsafari auf Mandø

Die Wathose sitzt, kneift nur ein bisschen unter den Armen und trägt ein wenig auf. Aber das dunkle Grün schmeichelt dem Teint, denn die Nase leuchtet schon rot in der herbstlichen Sonne. Der Sturm hat das wenige Laub von dem kleinen Eiland gepustet, die Wolken weggefegt und den Himmel blank geputzt – hellblau liegt er vor uns. Hat mit seinem faserigen Pinsel kleine Wölkchen gemalt – ganz hoch oben. Um unsere Schultern geschwungen tragen wir eine Tasche aus demselben Material wie die Hüfthosen. Die Taschen haben Löcher am Boden – spannend. Und während wir wie John Wayne das Pferd – Verzeihung – den Pferdewagen besteigen und Platz nehmen, steigt die Spannung, wohin die Reise geht.

Nachdem Yoga-Castle, Æblerø und rotes Cordsofa mitsamt unzähliger Kisten verschiedenster Art und Herkunft ca. 4 km östlich umgezogen waren, zogen wir erneut los, landeten auf „unserer“ Insel, strandeten auf Mandø. Nachdem der Sommerurlaub in weiteste Ferne gerückt ist, hat uns die Sehnsucht mit stahlharter Hand gepackt und nicht mehr losgelassen. Der Urlaub war wohlverdient und nötig.

Und nun rumpelt, zieht und zockelt der Pferdewagen los. Und wir sind nicht allein. Eine Truppe engagierter Jäger sitzt mit uns auf dem Wagen, lacht, grinst und ist gleichermaßen gespannt wie neugierig, was diese Safari denn so bieten wird. Schnell wird klar – keiner hat diese Safari jemals vorher gemacht, alle sind grün hinter den Ohren. Jedoch – die Erfahrung „Wathose“ haben die Jäger uns voraus.

Als wir dann weit ins Wattenmeer hinausgefahren sind, stoppt der Pferdewagen. Unser persönlicher Chauffeur, der sympathisch-wortkarge Ove, geht straffen Schrittes auf das Meer zu und watet durch die Nordsee in Richtung Austernbank. Wir schauen uns an und stapfen hinterher. Das Gefühl ins unbezahlbar – die Wathose saugt sich an den Beinen fest, es wird kalt, bleibt aber – dem Meeresgott und dem Karl Lagerfeld der Wathosen sei dank – trocken, aber das Wasser steigt. Der Untergrund wird krümelig, sandig und etwas uneben. Hat der eine Jäger eben gerade gesagt, dass es noch tiefer wird? Meine Mutter und ich gucken uns entsetzt an – und sacken fünf Zentimeter ab. Großartig. Eine Handbreit wäre dann noch Platz für erfrischendes Nordseewasser von außen!

Eine helfende Jägershand streckt sich uns entgegen und wir waten ans rettende Muschelufer. Ich kann ein Ächzen nicht unterdrücken und stakste wie der sprichwörtliche Storch im Salat über die Muschelbank und sacke mit lautem Schmatzen in das stellenweise schmierige Muschel-Sand-Gemisch ein. Ob hier schon mal jemand umgekippt ist? Ich versuche, das Gleichgewicht zu halten und zu verstehen, wie genau die Auster aussehen muss, damit sie den Weg in die löchrige Umhängetasche finden darf. Mit einem lauten „Klatsch“ schmeißt Ove uns Austern vor die Füße – als hätte er Gedanken gelesen. So also – aha! Mit den speziellen Handschuhen greifen wir in das eiskalte Wasser, fischen Austern und Miesmuscheln heraus und färben unsere Fingernägel in schmückendes Schwarz. Irgendwann – die Nase läuft, die Wangen sind gerötet – wird allen klar, dass auch noch der Rückweg ansteht. Wir waten also zurück durch das über bauchnabelhohe Wasser und folgen Oves Aufforderung, die löchrige Tasche mit unserer Jägersbeute hinter uns herzuziehen, was einer kleinen sportlichen Höchstleistung gleicht und Schnauben hervorruft.

Doch am rettenden Ufer angelangt, werden wir belohnt. Mit einer Engelsgeduld öffnet Ove die frischen Austern direkt vor Ort und versorgt alle „Safarianten“ mit der köstlichen Meeresgabe. Erwartungsvoll blicken ihn zehn Augenpaare an, als er in aller Seelenruhe Plastiksektgläser in den weichen Sand steckt, in seiner linken Hand eine Champagnerflasche in den blauen Himmel streckt und mit seiner rechten doch tatsächlich einen Säbel hervorzaubert. Ove hebt die Stimme und zählt auf Dänisch von 3 rückwärts – mit einem feinen, klingenden „Sssing“ trennt er den Korken sauber aus dem Flaschenhals und gießt die gülden schimmernde Flüssigkeit in die Gläser. Wir applaudieren, sind begeistert, schlürfen Champagner und essen die Austern.

„Kys havet på munden“ – so der Slogan von Mandø Event für dieses besondere Erlebnis. Sinngemäß übersetzt: Gib dem Meer einen Kuss auf den Mund! Und so ist es, so schmeckt es – nach Meer. Es schmeckt so, als wenn Neptun selbst einen unglaublich intensiven Meeres-Cocktail gemixt hätte.

Ich hätte nie gedacht, dass etwas so köstlich sein kann und so ursprünglich, so naturverbunden. Als wir auf dem Rückweg über das Wattenmeer fahren, sehen wir sog. „Schwarze Sonnen“ am Himmel – Abermillionen Stare, die sich immer wieder neu formieren und in unglaublich geschmeidigen Bewegungen hoch und runter stürzen. Robben liegen auf Sandbänken, ein Fuchs läuft am Deich entlang, Brand- und Nonnengänse fliegen über uns hinweg, ein stetiges Schnattern liegt in der Luft. Die Pferde traben und traben – sie kennen den Weg nach Hause. Wir wärmen unsere kälten Hände, indem wir den warmen Atem hineinpusten und grinsen uns fröhlich und zufrieden an.

Als wir am Landhandel ankommen, stehen Gasgrills bereit. Nachdem wir uns aus den Wathosen geschält haben und teilweise doch das eine oder andere Leck feststellen mussten, legen wir unsere gesammelten Austern und Miesmuscheln darauf und erleben ein weiteres Geschmackserlebnis. Gratinierte Austern – fantastisch, köstlich!

Etwas tiefgefroren mit klammen Händen, roten Nasen und kalten Ohren gehen wir zurück in unser gemütliches Nest, entfernen den Rest Watt, genießen das heiße Wasser der Dusche und den warmen Tee. Was für ein Abenteuer! denken wir als wir eingekuschelt auf dem Sofa liegen und den Ausflug Revue passieren lassen. Mandø – Du bist wunderbar!

Wer sich an Austern wagt, wird belohnt. Roh vielleicht wirklich nicht jedermanns Sache, gratiniert für jeden Meeresfrüchte-Liebhaber ein Genuss.

Für gratinierte Austern braucht Ihr:

  • frische Austern (und ein spitzes Messer, mit dem Ihr die Austern öffnen könnt)
  • Tomaten in Würfel geschnitten
  • Glutenfreies Paniermehl
  • Pfeffer
  • Geriebenen Parmesan

Ich würde die Austern als Vorspeise servieren. Drei Austern pro Person sind ausreichend.

Legt die Austern in der Schale in eine feuerfeste Auflaufform und würzt sie mit Pfeffer. Legt die kleingeschnittenen Tomaten drauf, bestreut sie mit Paniermehl und dem Parmesan. Dann stellt Ihr die Austern für ca. 15 Minuten in dem vorgewärmten Backofen (160 Grad).

Fertig!

Probiert es aus! Es lohnt sich!

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Wichtig!

Solltet Ihr einmal an einem Ort Urlaub machen, an dem es Austern gibt, solltet Ihr Euch immer im Vorfeld erkundigen, ob man dort als Otto-Normalverbraucher Austern ernten darf. Es gibt Gebiete, die sind Leuten vorbehalten. Außerdem sind Austern ein Naturprodukt. Bei einer speziellen Austernsafari mit einem Guide darf man Austern suchen und verzehren. Es findet logischerweise aber keine Lebensmittelkontrolle statt.

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Von Meerjungfrauen und einem dänischen Glücksgefühl

Weit draußen im Meere ist das Wasser so blau wie die Blätter der schönsten Kornblume und so klar wie das reinste Glas. Aber es ist sehr tief, tiefer, als irgendein Ankertau reicht. Viele Kirchtürme müssten aufeinander gestellt werden, um vom Grunde bis über das Wasser zu reichen.

(Die kleine Seejungfrau – Hans-Christian Andersen

Der Urlaub ist schon Wochen her – es fühlt sich an wie Monate. In weiter Ferne liegt der Erholungsort, die herrlich wunderbar lässigen Tage, an denen man von der Sonne wachgeküsst wurde.

Vogelgezwitscher, Frühstücksduft, Meer. Ausschlafen, Wachbleiben, Blumenpflücken. Essenkochen, Lesen, Reden, in die Sonne schauen. Gedanken treiben lassen, Steine bemalen. Kränze binden, über Flohmärkte streifen, Freunde besuchen. Wäsche in den Wind hängen, Vögel beobachten, Lachen.

Ist der Urlaub wirklich erst oder schon vier Wochen her? Ein Blick auf den Kalender bestätigt diesen wirren Gedanken. Vier Wochen!

Morgens fühlt es sich schon so nach Herbst an. Die Luft riecht schon danach, herbstlich eben. Auch wenn in den letzten Tagen eine schwüle Dunstglocke über uns hing; er nähert sich: der Herbst.

Meine Gedanken wandern, sind oft auf der kleinen Perle im Wattenmeer – auf Mandø. Hier, in einem wunderbaren Ferienhaus mit Blick auf ein großes Feld, habe ich mit meinen Liebsten meine Batterien aufgeladen. Abends saßen auf dem Feld hinter dem Haus fünf Hasen. Morgens beobachteten wir Bachstelzen mit ihren Jungen. Morgens duftete es im Haus nach Frühstück – schwarzer Tee, Kaffee, Brötchen – wunderbare Gerüche. Eine angenehme Trägheit, alles kann, nichts muss. Abends ging die angenehme Trägheit über in eine Gemütlichkeit – in Hygge.

Ein viel zitiertes, in der letzten Zeit von den Medien oft aufgegriffenes Wort, ein Lebensgefühl, das meist den Dänen zugeschrieben wird – das soll „Hygge“ sein. Ich frage mich, ob ich nun mit auf den „Hygge“-Zug aufspringen soll. „Hygge“ ist in vielen Dingen – aber besonders in den Momenten, in denen man einfach fühlt, riecht, schmeckt, sieht und berührt. Das kann von dem wohligen Gefühl warm eingepackter Füße vor einem Kamin über ein Stück Lieblingskuchen über eine gesellige Runde mit einfachem Essen bis zu einem guten Buch reichen, das man in seinem Lieblingssessel liest.

Der Zauber an „Hygge“ ist – denke ich – dass man „Hygge“ sehen will, dass man es zulassen muss, „Hygge“ zu fühlen. Im gewissen Sinn hat „Hygge“ auch etwas mit einem inneren Gleichgewicht zu tun, mit Achtsamkeit nach innen und nach außen. Das hat nichts damit zu tun, dass man naiv nur das Gute sieht. Aber die Gewichtung der Dinge wird eine andere, wenn man versucht, immer einer Sache auch etwas Gutes abzugewinnen. Sicherlich ist es echt total schade, dass der angedachte Flohmarktbesuch ins Wasser fällt und es vom Himmel schifft, als kenne der Wettergott kein morgen, aber ist es nicht „hyggelig“, dass wir uns danach frisch geduscht in warmen Klamotten vor den Kamin kuscheln können und die leckerste Suppe aus bunten Schüsseln löffeln? Und hinterher – ja, hinterher gibt es noch ein Stück Kuchen oder einen von diesen köstlichen „Flødebollern“ – Schokoschaumküsse mit einem Marzipanboden und knackiger Schokolade drumherum.

„Hygge“ also…

Vogelgezwitscher, Frühstücksduft, Meer. Ausschlafen, Wachbleiben, Blumenpflücken. Essenkochen, Lesen, Reden, in die Sonne schauen. Gedanken treiben lassen, Steine bemalen. Kränze binden, über Flohmärkte streifen, Freunde besuchen. Wäsche in den Wind hängen, Vögel beobachten, Lachen.

Und vielleicht bald ein farbenfroher Regen aus Herbst 🍂

Was ist Deine persönliche „Hygge“-Liste? Schon mal drüber nachgedacht?

Bleibt hyggelig,

Euer Frøken Fluesvamp 🍄

Mandø – Mit seinen Gedanken allein

Die Gedanken sind frei, 

wer kann sie erraten?

Sie fliegen vorbei 

wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

kein Jäger sie schießen.

Es bleibet dabei –

die Gedanken sind frei!

Mandø. Eine kleine dänische Insel im Westen Dänemarks. Nur erreichbar, wenn die Nordsee den sog. Låningsvej freigibt, soll heißen: Bei Ebbe. 


11 km in Richtung Westen von Vester Vedsted aus schlängelt sich der Schotterweg durch ein wahres Vogelparadies. 273 verschiedene Vögel soll dieses kleine Stückchen Land beherbergen. Und unseren Weg kreuzen Fischreiher, Silberreiher und Strandläufer. Aber auch große Brachvögel, Weißwangen-, Grau- und Nonnengänse, Austernfischer, Kormorane, Krickenten und sogar ein Säbelschnäbler. Ein Sirren und Zwitschern liegt in der Luft. Es ist bitterkalt so früh am Morgen, doch die Vögel scheint das nicht zu stören. Gerade die Gänse, die in den letzten Tagen aus Grönland eingetroffen sind, schnattern was das Zeug hält. Wie alte Kaffeetanten erzählen sie in den mit Wasser gefüllten Tümpeln; bis ein neuer Trupp zur Gruppe stößt. Es ist faszinierend, das zu beobachten. 

Irgendsoein weiser Mensch hat mal gesagt, dass sich der Puls verlangsamt und man zur Ruhe kommt, wenn man ins Grüne   blickt. Bei mir hat das Meer denselben Effekt. Ich bin ganz ruhig und ganz bei mir. Dazu das beständige Rumpeln des Weges, die Wärme im Auto, die Vorfreude. 


Wir rollen über den Deich und sehen die ersten Bewohner der Insel. Die meisten von ihnen in dicke weiße Wolle gekleidet, einige auch in braune, stehen sie da, und schauen uns aus großen Augen an – die Mandø-Schafe. 


Der ab dem schützenden Deich nun geteerte Weg bringt den Besucher vorbei an der Mølle (Mühle), am alten Kro, der Touristinformation und dem Museum hin zum Landhandel.



Inselbaron und Frontmann von Mandø Event Benny begrüßt uns, als würden wir uns schon ewig kennen. Wir hatten einige E-Mails ausgetauscht, ja, aber es geht eine Herzlichkeit von ihm aus, die man selten findet. Er zäumt gerade die Pferde an für eine seiner Touren. Es gibt Seehundsafaris, Austerntouren, Sonnenuntergangstouren und vieles mehr. Kombinationen wie es beliebt? Kein Problem. 

Eine Seehundsafari hatte ich gebucht, aber erst für morgen. Benny nickt, lächelt und freut sich; dann drückt er uns den Schlüssel für unsere Ferienwohnung in die Hand. Seine Frau hat gerade alles fertig gemacht. 

Die Ferienwohnung in Æ‘ Towt ist gemütlich eingerichtet, und unsere Begrüßungspakete verschlagen uns schlichtweg den Atem. Vier Boxen, säuberlich beschriftet mit „Hovedret“ (Hauptgericht), „Forret“ (Vorspeise), „Dessert & Vin“ (Dessert und Wein) und mit den leckersten Zutaten gefüllt – alle Bio, aus der Region und saisonal – stehen auf der Anrichte bereit. Auch fürs Frühstück ist gesorgt. Dazu noch ein Willkommenskorb mit Apfelsinen und Äpfeln sowie einer Flasche Champagner. Mir fehlen die Worte. Ich bin sprachlos. Da liegen sogar noch Rezepte bei! Eine Mission für das Fräulein Fliegenpilz!

Nachdem wir uns von dem ersten „Schock“ erholt haben, laden wir die Sachen aus dem Auto. Das Wetter ist herrlich. Es ist zwar kalt, aber die Sonne scheint, und wir beschließen, den Weg zum Strand einzuschlagen. 


Vorbei an der Mühle, in der in der Saison ab und an sogar Korn gemahlen wird, über den ausgewiesenen Weg. 


Und dort liegt das Unesco-Weltnaturerbe: Das Wattenmeer. Hier liegen Fanø und Esbjerg in der Ferne. Man hat das Gefühl, als ob man zu Fuß dorthin gehen könnte.

Gierig saugen wir die frische Meeresluft in uns auf, halten die Nase in den Wind, lauschen dem Rauschen des Seegrases und des Schilfs. Und die Füße tragen uns…

Plötzlich hören wir Kirchenglocken läuten. Wir müssen also in Höhe der Kirche sein. Über den ausgeschilderten Weg gehen wir wieder über den Deich und sind doch noch ein gutes Stück von der im 17. Jahrhundert an dieser Stelle wieder aufgebauten Kirche entfernt. 


Es ist gerade Gottesdienst. Von draußen hörte man feine Orgelklänge. Wir gehen über den Friedhof und bestaunen die wunderschönen Grabsteine, lesen die Inschriften, Jahreszahlen.

„Sein Leben gelassen auf hoher See…“ steht dort. Geschichten entstehen im Kopf bei den eingemeißelten Worten. Mich fröstelt es ein wenig. Mandø erscheint so unproblematisch. Doch bei unserem Spaziergang über die Insel mit Benny an unserem dritten Tag erfahren wir auch viel über die dunkleren Seiten. Insbesondere: Sturmfluten. Eine Sturmflutsäule erinnert die Menschen an den Blanken Hans, der viele Menschen mitgerissen und bei der schlimmsten Sturmflut Anfang des 17. Jahrhunderts das gesamte Dorf dem Erdboden gleich gemacht hat. Letzten Endes zeugt nur die Inschrift der für die Kirche tätigen Geistlichen, dass die Kirche schon vor der großen Manntränke existiert hat – an einem anderen Ort der Insel. Ein hartes Leben muss das gewesen sein, in dem der Sohn des Hauses mit knapp 15 Jahren auf einem Schiff das nötige Geld für die Familie verdienen musste. Paradiesisch war das sicher nicht. 

Aber Benny hat eine wunderbare Art, die schönen Dinge zu sehen, und er ist stolz auf seine Insel. Deutet mal zur einen, mal zu der anderen Seite. Erzählt etwas zu diesem und zu jenem Haus, über die Geschichte der Kirche und der Insulaner, der Kinder auf Mandø – derzeit sind es drei – die zur Schule aufs Festland fahren, jeden Tag – außer bei Hochwasser oder Sturmflut. Denn das ist natürlich immer Thema, Deichschutz wird groß geschrieben. 

Das erzählt uns auch Kirstine auf unserer Seehundsafari, die an unseren zweiten Tag um die Mittagszeit beginnt. Mit dem Pferdewagen fahren wir ins Wattenmeer. 


Dick eingepackt, denn der Wind beißt sehr in die Wangen. Seit Tagen herrscht Ostwind, d. h. der Låningsvej ist fast ganztägig passierbar, und man kann sich gar nicht vorstellen, dass das Meer tosen und toben kann, und die Wellen gierig an den schützenden Deichen lecken können. 

Die tüchtigen Pferde traben beständig über den Weg direkt am Deich vorbei. Dann geht es mit Schwung hinüber, schon von Weitem erkennbar: die Seehunde. 


Die Raubtiere liegen wir Rubensfrauen auf der Seite, eine Flosse gen Himmel gestreckt. Wir zücken die Ferngläser, Kirstine baut eins mit Stativ auf, das die Seehunde so nah heranholt, dass man die Details in dem Fell genau erkennen kann. 

Und auch die erzählt von der Geschichte des Wattenmeeres und der Insel. Immer wieder fliegen Vögel vorbei – Strandläufer und Austernfischer. Eine Robbe ist besonders neugierig und schwimmt auf uns zu, die schwarze Badekappe taucht immer ein Stückchen näher in unserer Richtung auf. 

Doch der einsetzende feine Regen und der Wind lässt uns alle frösteln. Wir klettern wieder auf den Pferdewagen und treten den Rückweg an. Die tüchtigen Rösser merken, dass es wieder nach Hause geht und ziehen uns schneller zurück. Es rumpelt und ruckelt, der Wind beißt, die Nase läuft – doch ein Gefühl macht sich breit: Zufriedenheit! 

Kirstine erzählt gerade, dass die Kinder immer auf dem Rückweg einschlafen, völlig erledigt und gefüllt mit Eindrücken. Mir geht es ähnlich. Und ich denke an den lebensklugen Benny. „Man liebt es nur dann, wenn man mit seinen Gedanken allein sein kann!“, sagt er auf unserem Spaziergang. Ich finde, das ist ein Geschenk.

Als wir wieder in unserer kleinen Ferienwohnung ankommen, schäle ich mich aus den nassen Klamotten, schlüpfe in Jogginghose und dicken Pulli und hänge die Regenjacken in die Dusche. 

Mein Göttergatte, der übers ganze Gesicht strahlt, bereitet Tee zu. Ich kuschele mich in meine Decke, die Teetasse umklammert mit beiden Händen und sorge für Sturm im Teepott. Dann fallen mir die Augen zu…die Gedanken – ganz frei!