Vom Hasen und vom Igel – Falscher falscher Hase

Ziehen wir das Pferd doch mal von hinten auf. Der Hase war tot – er war zu viel gelaufen, und verlieren wollte er nicht, der Hase. Sein falscher Stolz trieb ihn dann buchstäblich in den Tod. Wie einstmals in Marathon als der Läufer nach Überbringung der Botschaft aus den Latschen kippte und somit tot umfiel. Doch der Hase war auf einem hohen Ross. Er hatte vorher den Igel getroffen und sich über seine kurzen Beine lustig gemacht. Der Igel aber schien aus Hasenaugensicht ein einfältiges Gesicht zu haben; er war aber nicht dumm und hörte sich an, was der Hase zu sagen hatte.

Der Hase rümpfte die Hasennase und schaute – auf seinen Hinterbeinen stehend – den Igel von oben herab an. Ja, einfältig und dicklich war dieses Tierchen. Seine Grunzlaute waren so gar nicht possierlich, und Schnecken fraß er – widerlich. Und mit der Höhenluft in der Nase schlug der Hase dem Igel einen Wettstreit vor. „Wir laufen um die Wette!“ und innerlich rieb sich der Hase bereits die Hände. Sollte der dümmliche Igel einschlagen – er, der Hase von Welt, würde gewinnen.

Hase und Igel brachten sich in Position und liefen los, liefen und liefen über Stock und über Stein. Der Hase blindlings jedoch erstarrte als er den Igel am Ende der Strecke entdeckte. Dann hörte er ihn rufen: „Ich bin schon da!“

Wut stieg in dem Hasen hoch, blinde Wut. Wie konnte das passieren? Wir konnte dieser fette Igel schneller sein als er? Der Hase! Er – das schnellste Waldtier? Was fiel ihm – diesem haarigen Igel – eigentlich ein?

In seiner Eitelkeit verletzt und mit angekratztem Stolz forderte der Hase Revanche. Hase und Igel stellten sich an die Startlinie, liefen los und liefen, liefen, liefen – bis, ja, bis der Hase in der Ferne wieder den Igel winken sah. Und er hörte wie er rief: „Ich bin schon da!“

„WUT – WUT – WUT!!!“ kochte es im Hasenmagen. „Nein, nein, nein!“ schallte es im Hasenhirn. „Das KANN nicht sein!“ schnaufte der Hase. Uneinsichtig forderte er Revanche um Revanche – bis das Hasenherz aufhörte zu schlagen und der schöne, stolze Hase mit dem glänzenden Fell und den seidenen Hasenohren auf den Waldboden sank.

Doch was hatte der Igel an sich, dass es den Hasen derart provozierte? War er etwa glücklich mit seiner Igelfrau? War er etwa zufrieden mit sich selbst und seinem Leben? Oder – was für den Hasen ein gar unerträglicher Gedanke war – war der Igel etwa glücklich?

Nun, geht man nach der Moral des Märchens ist klar, dass der Hase die Quittung für sein herablassendes Verhalten kassiert. Dass er den Igel nach seinem Äußeren bewertet und sich ihm überlegen fühlt, wird dem Hasen zum Verhängnis.

Und der Igel? Der nimmt mit seiner Frau, die ihn bei dem ungleichen Rennen unterstützt, weil sie eben ein gutes Team sind, in Kauf, dass der Hase Runde um Runde um sein Leben rennt und rennt und rennt.

Und der Leser jubelt…denn der Igel hat gewonnen. Hat er? Hat das Igel-Team tatsächlich gewonnen? Oder hat das Igel-Team mit unlauteren Mitteln gegen den zugegeben arroganten Hasen gekämpft? Lässt man einen Hasen in Rage sehenden Auges in sein Unglück laufen?

Ich bin mir unschlüssig, aber als Kind tat mir der Hase irgendwie immer leid. Irgendwas war dort in seinem Hasenhirn, das ihm Kummer bereitete. Grundsätzlich böse fand ich den Hasen nie, nur irgendwie auf der falschen Spur. Ein bisschen so wie Draco Malfoy.

Armer falscher falscher Hase…

Und weil der arme Hase nicht noch ärmer dran sein soll, gibts falschen falschen Hasen – ein vegetarischer Hackbraten.

Ihr braucht:

  • 1 kleingehackte Zwiebel
  • 2 feingehackte Knoblauchzehen
  • 3 EL weiche Butter oder Öl
  • 4 Möhren, geraspelt
  • 2 Stangen, in 0,5 cm Stücke geschnitten
  • 50 g Walnüsse, fein gemahlen
  • 50 g Cashewnüsse, fein gehackt
  • 50 g Sonnenblumenkerne, fein gemahlen
  • 60 g glutenfreies Paniermehl
  • 2 TL Johannisbrotkernmehl
  • gehackte glatte Petersilie
  • gehackten Thymian
  • Saft einer Bio-Zitrone
  • 2 Bio-Eier
  • 1 Becher saure Sahne oder Schmand
  • Salz und Pfeffer
  • Geriebene Muskatnuss

Fettet eine Auflauf- oder Kastenform mit Butter oder Öl aus. Gebt Öl in eine Pfanne mit hohem Rand oder einen Topf. Schwitzt die Zwiebel und die Knoblauchzehen an. Dann gebt nach und nach das Gemüse hinzu. Anschließend gebt Ihr die gemahlenen Nüsse in den Topf und rührt gut um. Dann die Kräuter und den Zitronensaft hinzufügen, anschließend die Eier und den Schmand bzw. die saure Sahne. Allmählich entsteht eine teigartige Masse. Schmeckt gut mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Die Masse kann schon Wumms haben.

Gebt die Masse in die vorbereitete Form und stellt den falschen falschen Hasen in den Backofen. Backt den falschen falschen Hasen bei 180 Grad für ca. 35 Minuten.

Dazu schmecken Kartoffelbrei und breite Bohnen. Aber auch anderes Gemüse der Saison wie z. B. Kohlrabi oder knackiger Spitzkohl sind köstlich!

Viel Spaß beim Nachkochen! Und denkt mal über den Hasen nach.

Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Von kleinen Königen, Trumpen, Schurken und Kleingebäck

„Schurken dieser Welt, vereinigt Euch!“ scheint der Schlachtruf der heutigen Zeit zu sein. Je oller, je doller. Bunga bunga und olé.

Stellen wir es uns doch mal vor: Irgendwo in Schurkistan und den Tross der Oberschurken auf einem trostlosen Schulhof. Kim Jong Irgendwas verteilt an seine Sandkastenfreunde bereitwillig Kimchi mit besonderer „Würze“. Auf dem Pausenhof tauschen die Schurkenstaatler Sticker mit „Atomkraft – ja, danke“, „F**k Fridays for Future“, „Vernichtet den Regenwald“, „Manche Menschen sind illegal“ und das bekannte „Ausländer raus“. Gummitwist wird mit Stacheldraht gespielt; es gibt AGs im Bereich „Mauerbau“ und natürlich ganz retro „Russisch Roulette“. Allerdings macht der kleine Vladimir hier allen was vor: „Da!“

„Wie machen wir aus der Klimakatastrophe einen -Wandel?“ und „Twittern was das Zeug hält!“ stehen selbstverständlich auf dem Programm. Und wer etwas auf sich hält, belegt den Sonderkurs in „Beleidigungen richtig und nachhaltig ausdrücken“. Die Anzahl der Teilnehmer ist in diesem Kurs jedoch eher gering. Bei „Nachhaltigkeit“ schrecken Schurken bekanntlich erst mal zurück.

Doch – oh Weh – was ist das für eine Verständigung über Ländergrenzen hinweg: Boris Johnson und Donald Trump haben sich gegenseitig denselben Friseur empfohlen! Selbst die Queen war über die Ähnlichkeit verblüfft!

Aber auch hier schießen die Schurken wie Pilze aus dem Boden: Super-Gauland könnte in der Schurkenstaatenschule sicherlich Unterricht in Jägerlatein geben. An Nachwuchs mangelt es wohl nicht.

Starschnitte von Diktatoren aller Länder können im Werkunterricht gebastelt werden. Und während man in Brüssel fleißig daran arbeitet, dass man die Stühle von A nach B und wieder zurückschiebt, entdecken die anderen Randgruppen, dass die eigentlich Guten bei ihrer Reise nach Jerusalem die Bodenhaftung verloren haben und schneiden die Reißleine durch. Man möchte rufen: „Bord Control to Major Tom!“ denn: „World – we have a problem!“

Schere-Stein-Papier war gestern – heute heißt das Schnick-Schnack-Schurk!

Das Ganze wird noch unfassbarer, wenn man bedenkt, dass der Begriff „Schurkenstaat“ von der ehemaligen US-Regierung unter Georg W. Bush eine Gruppe meist diktatorisch regierter Staaten bezeichnete, die sich nach ihrer Auffassung aggressiv gegenüber anderen Ländern verhalten, die Stabilität weiterer Regionen untergraben und sich zugleich internationalen Verhandlungen verweigern. (Quelle: Wikipedia).

Blickte im Jahr 2004 alles gebannt nach Amerika und erstarrte förmlich, als Georg W. Bush zum 2. Mal zum Präsidenten der Vereinigen Staaten gewählt wurde, war die Erschütterung über den Sieg Donald Trumps im Januar 2017 – nun ja – sagen wir mal „even greater“ im Sinne von „noch größer“. Ein oranger Schurke an der Macht.

Wenn Donald – frisch aus der Schurkenschule entlassen – twittert bis die Schwarte kracht, schlage ich die Hänge über dem Kopf zusammen und denke mir: Warum ist dieser orange Donald Trump eigentlich nicht Zoppo Trump? Zoppo Trump fragt Ihr? JA! Zoppo Trump, Häuptling der Trumpe, wird vom Erdmännchenkönig Kalle Wirsch trotz verletzter Hand mit 2:1 in seine Schranken gewiesen wird. Nicht ganz alleine – mit Hilfe seiner Menschenfreunde Jenny und Max und der Fledermaus Tutulla natürlich – denn einer alleine kann nichts bewirken.

Und ist es nicht genau das?

Deshalb gibt es nun freundliche glutenfreie Amerikaner für alle!

Ihr braucht für etwa 16 Stück:

  • 100 g Butter oder Margarine
  • 100 g Zucker
  • 3 Bio-Eier
  • 250 g glutenfreies Mehl (ich habe das helle von Bauck benutzt)
  • 1 Päckchen glutenfreies Vanille-Puddingpulver
  • 3 TL Backpulver
  • 1 EL Vanillezucker
  • 1 TL Xanthan
  • 1 gehäuften TL Flohsamenschalen
  • ca. 7 EL Milch + etwas extra zum Bestreichen der Amerikaner nach 2/3 der Backzeit

Für die Glasur:

  • 200 g Puderzucker
  • 3 EL Wasser oder Zitronensaft

Gebt die Butter und den Zucker in eine Rührschüssel und verrührt alles mit dem Handrührgerät, bis eine schöne helle homogene Masse entsteht. Gebt die Eier hinzu und rührt weiter.

Gebt die trockenen Zutaten in eine zweite Schüssel und vermischt alles gründlich. Dann gebt Ihr die trockene Mischung löffelweise in die flüssige Mischung und rührt dabei kräftig weiter.

Zum Schluss gebt Ihr – auch hier löffelweise – die Milch dazu – und rühren, rühren, rühren, bis ein schöner, etwas klebriger Teig entstanden ist.

Heizt den Backofen auf ca. 160 Grad (Umluft / Ober-/Unterhitze) vor.

Legt Backpapier auf ein Backblech und gebt mit zwei Esslöffeln gleichmäßige Kleckse darauf. Ein kleiner Tipp: Stellt Euch eine Schale mit lauwarmem Wasser neben das Blech. So könnte Ihr die Teigkleckse noch glattstreichen und vermeidet, dass der Teig an Euren Händen festklebt. Außerdem bekommen die Amerikaner so eine schöne Form.

Schiebt das Backblech auf die mittlere Schiene des Backofens und backt sie für zehn Minuten. Nach zehn Minuten zieht Ihr das Backblech heraus und bestreicht die Oberflächen der Amerikaner vorsichtig mit der Milch. Schiebt das Backblech wieder in den Ofen und backt sie für weitere fünf Minuten.

Nach der Backzeit das Backblech herausnehmen, die Amerikaner vorsichtig vom Backpapier lösen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Macht in der Zwischenzeit Euren Zuckerguss: Dafür den Puderzucker nach und nach mit dem Wasser oder dem Zitronensaft mischen – der Guss darf nicht zu flüssig sein!

Sobald die Amerikaner ganz ausgekühlt sind, mit Zuckerguss bestreichen. Zuckerguss trocknen lassen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Nachbacken dieser freundlichen Amerikaner!

Herzlichst Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz

Vom Fuchs: Eine etwas andere Fabel und ein Vietnamisches Tofu-Baguette

Der Fuchs hat die Gans nicht stehlen können. Auch die Hühner blieben verschont. Der Hühnergott hat seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Hat mit Donnern und Klackern den Listigen vom Stall verscheucht. Die Hühner darinnen – dicht an dicht – hatten vor lauter Angst das Gackern vergessen. Und der Fuchs zog von dannen, mit hängenden Schultern und knurrendem Magen. Trottete durch die Nacht – auf der Suche nach etwas Essbarem. Doch nichts kreuzte seinen Weg durch die Felder und Wiesen, Wälder und Auen. Der Fuchs war auch ein wenig faul, wollte, dass ihm die Brathähnchen in den Mund flogen. Und er träumte auf seiner Tour durch den Wald von Hühnertransportern, die durch den Wald fuhren und vor seinem Bau hielten. Gefüllt mit Brathähnchen und Kaninchen und allerlei anderem Getier. Paradiesisch wäre das. Und der Fuchs trottete weiter. Vielleicht, so dachte er, wäre das gar keine schlechte Idee. Vielleicht könnte man so alle Füchse dieser Welt ernähren, Huhn für alle! Aber nur Huhn bitteschön. Hahn war immer so zäh. Vor seinem inneren Auge sah der Fuchs ein Logo auftauchen „Fuchs Foods“. Ja, das klang gut.

Und so beschloss der Fuchs, dass er zum Schneckenkönig gehen sollte. Der Schneckenkönig, eine stolze Weinbergschnecke mit Erdbeerblattthron, war ein guter Ratgeber. In besonderen Nächten, wenn die Luft feucht war und sich der Vollmond in den Pfützen spiegelte, konnte der Schneckenkönig in die Zukunft sehen. Und vielleicht, nur vielleicht, hatte unser rotfelliger Freund ja Glück…

Der Fuchs hatte Glück. Der Schneckenkönig mit seinem herrlich schillernden Schneckenhaus betrachtete schon eine ganze Weile den Tropfen am Halm des hohen Grases. Der Vollmond verlor sich darin und ließ den Tropfen strahlen und funkeln. Und ohne ein weiteres Wort deutete der Schneckenkönig auf den Tropfen. Wie ein Stummfilm sah der Fuchs darin seine Vision. Hühner in Reih und Glied – wie sie die Rampe hochmarschierten in den Wagen mit der Aufschrift „Fuchs Food“. Kein Gackern und kein Krähen, die Augen weit aufgerissen. Und der Fuchs schluckte. „Willst Du das?“ fragte der König. Beschämt schlug der Fuchs die Augen nieder. „Willst Du noch mehr sehen?“ fragte der König. Der Fuchs war mutig und betrachtete den Rest – Küken auf Laufbändern, durchleuchtete Eier. Ohne ein weiteres Wort trottete er davon. „Nein!“ flüsterte er in den Wald. „Mein Essen soll etwas wert sein.“ Und gedanklich strich er den Schriftzug durch, aß in dieser Nacht ein wenig Grünzeug und schlief unruhig. Es muss am Vollmond gelegen haben.

Wer wissen will, was Hühnergötter und Schneckenkönige tatsächlich sind, der scrollt einfach nach unten. Und wer wissen will, was mit dem Fuchs passiert ist, dem sei so viel gesagt: Er hat was verstanden. Sicherlich ist er kein Vegetarier geworden, aber er ist eingestanden für diese Welt und hat sich Gedanken gemacht. Er hat sein Leben umgestellt und ist auch mal eine Nacht mit knurrendem Magen ins Bett gegangen, weil er eben nicht eine Sechser-Hühnerbein-Box in sich reingeschaufelt hat.

Und der Schneckenkönig ist eine dieser Seltenheiten, die mit Weitsicht durch die Welt gehen. Nicht mit erhobenem Schneckenfühler, aber vielleicht mit einem sanften Fingerzeig und manchmal einer erschreckenden Version.

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Hühnergötter sind Steine mit Loch. Die Löcher entstanden durch das Meer. Früher hängten die slawischen Völker im Baltikum diese Lochsteine an ein Band und hängten diese Kette an den nachts verschlossenen Hühnerstall. Der Wind spielte mit dieser Kette, und das Klackern sollte den Fuchs vertreiben. Schutzgötter für die Hühner.

Schneckenkönige sind sehr selten. Als Schneckenkönige bezeichnet man Schnecken, deren Häuser in die nicht typische Richtung gewunden sind.

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Möglicherweise habt Ihr Zuhause ja noch ein Päckchen Tofu im Kühlschrank. Dann sei Euch dieses Rezept ans Herz gelegt.

Vietnamesisches Baguette mit Tofu und Sesammayonnaise

Ihr braucht:

  • 1 Packung Tofu Natur
  • Soja- und Worcestersauce (glutenfrei)
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 1 Spitzpaprika
  • 1 Frühlingszwiebel
  • Frischen Koriander
  • 1 Bio-Mayonnaise (glutenfrei)
  • Sesam
  • Sesamöl
  • Salz und Pfeffer
  • Zerkrümelt den Tofu und legt ihn für 30 Minuten in drei EL Sojasauce und drei EL Worcestersauce ein.
  • Schnippelt das Gemüse klein. Und gebt Sesamöl in eine Pfanne. Bratet zunächst die Zwiebel an, dann die Paprika und den Sellerie. Dann gebt den Tofu dazu und bratet ihn scharf an. Immer schön rühren und weiter braten, bis alles lecker duftet und angeröstet ist. Eventuell mit Salz und Pfeffer würzen. Die Hitze reduzieren.
  • Schneidet den Koriander klein und stellt ihn beiseite.
  • Gebt einen großzügigen Klecks Mayonnaise in eine Schüssel. Röstet den Sesam in einer separaten Pfanne ohne Öl. Lasst den Sesam etwas abkühlen und gebt ihn dann zur Mayonnaise. Rührt den Sesam unter.
  • Schneidet ein Baguette halb auf und gebt einen großzügigen Klecks Mayo hinein. Dann folgt das Tofu-Gemüse-Gemisch, dann Koriander-Blätter.
  • Und dann?
  • Nur noch genießen.
  • Moldowische Frühlingsboten

    Die Sonne lacht in unsere Höhle. Das Vorzeigemodell und ich haben heute Mittag einen Spaziergang gemacht und den Boden nach Neunerlei abgesucht. Neunerlei? Neun Wildkräuter, die früher traditionell in die Grüne-Neune-Suppe an Gründonnerstag kamen. Wobei es sich bei den Wildkräutern um die vorwitzigen Ersten handelte wie Giersch, Bärlauch, Gundermann. Bärlauch und Giersch haben wir gefunden. Gundermann oder auch Gundelrebe war noch etwas verschlafen. Doch der Frühling kommt mit Macht. Hummeln und sogar die ersten Schmetterlinge, brüllende Amseln, Stare und freche Blaumeisen begleiteten uns. Die Luft so klar. Und während wir so dahinschritten, fiel uns ein, dass wir heute noch zur Tat schreiten müssen. Unsere moldowischen Frühlingsboten müssen noch an einen Baum. Johnny B. – seines Zeichens stolze Johannisbeere und Baum, kein Strauch oder Busch – wird nachher behängt.

    Denn es war so. An einem dieser Wochenenden, an denen eines dieser Sturmtiefs über Niedersachsen sauste wie Diven in rauschenden Ballkleidern, hatten wir Besuch. Mein Vorzeigemodell hatte seiner Spielsucht gefrönt und hatte mal wieder als verschollener Gallier namens Organisatorix alles, was Spaß und Freude an sog. Tabletop und Skirmish-Games hat an – logisch – die Tische geholt. Und so kam es, dass wir abends eine Geschichte aus Moldawien erfuhren.

    Veronika brachte uns nämlich einen Anstecker mit. Für den Mann eine weiß-rote Schleife an dessen Ende zwei rot-weiße Quadrate hingen. Und für die Frau zwei winzige Häkelblumen in rot und weiß und ein grüner Stengel.

    Veronika forderte uns auf, diesen Anstecker ans Revers unseres Mantels zu heften. Auf die linke Seite, beim Herzen. Das sei wichtig. Und eigentlich, so sagte sie, stecke man es sich am 1. März an das Revers. Am 31. März nehme man es ab und hänge es an einen Baum. Und dann, ja dann, kommt der Frühling.

    Die Tradition ist schon sehr alt und beruht auf einer alten Geschichte. Als ich gerade versuchte, sie nochmal zu ergooglen, fand ich die Geschichte zwar nicht, aber ich lernte, dass Moldawien das unbeliebteste Urlaubsland Europas sein soll. Das wird gemessen an den Einreisenden. Etwas über 1.100 Deutsche waren es im Jahr 2017 laut einem Artikel aus der Zeit. Das landet an „guten Tagen“ täglich auf Malle…

    Aber zurück zur Geschichte. Einstmals wurde die Sonne gestohlen, und ein junger furchtloser Mann zog los, um die Sonne wieder zu bekommen. Die Welt versank im Schnee, und während der junge Abenteurer sich durch die eisigen Massen kämpfte, verletzte er sich und sein Blut tropfte auf den Schnee. Da bekamen die Diebe Mitleid und gaben die Sonne wieder frei.

    Mich berührte diese Geschichte. Und voller Stolz steckte ich mir diesen Frühlingsboten an meinen Mantel. Nachher – wenn ich mit meinem Vorzeigemodell gegessen habe – werde ich den Boten abnehmen und an Johnny B. hängen.

    Und dann renne ich wie einst Ronja Räubertochter barfuß durch unsere Höhle und lasse meinen Frühlingsschrei erklingen. Denn das ist es doch, was wir alle wollen: Frühling und Frieden!

    Ein Neujahrsspaziergang und ein Sturmbündel

    Es stürmt. Der Regen prasselt an die Fenster, und ich sitze auf dem roten Cordsofa. Die Äste der Zaubernuss peitschen gegen die Regenrinne. Unsere beiden Mitbewohner zwutscheln zufrieden ihr Sittichliedchen nebenan. Sie haben das Geknalle und Geböllere gut überstanden. Ich habe noch nie Böller angezündet. Wunderkerzen, ja, Böller, Raketen – nein. Und so auch gestern nicht oder heute Morgen.

    Viel lieber begrüße ich das neue Jahr, indem ich am späten Morgen einen Neujahrsspaziergang mache. Lang und ausgiebig, die Luft tief einatmen und sich zu fragen, wie das neue Jahr so daherkommt.

    Wir hatten schon allerlei Wetter: Schnee, Glatteis, Eiseskälte. Heute: Sturm. Doch als wir – mein Vorzeigemodell und ich – heute durch die Eilenriede gingen, tat der Himmel uns einen Gefallen und wir blieben trocken. Die Sonnenstrahlen tauchten die kahlen Bäume in goldenes Licht. Und an einem Futterplatz konnten wir einen wunderschönen Buntspecht beobachten.

    Fast automatisch setzten wir die Füße einen vor den anderen und erzählten, schwiegen, gingen unseren Gedanken nach, redeten und spazierten.

    Nebenbei haben wir schöne, heruntergefallene Äste gesammelt. Wofür? Für einen Aststrauß. Ein Ritual aus den Rauhnächten, welches besagt, dass man am Neujahrstag Äste sammeln und zu einem Bündel zusammenbinden soll. Dieses Bündel soll dann als Schutz an einem Ort an Haus oder Wohnung gehängt werden, und dabei soll man sprechen: „Ich geb Dir Deins. Lass Du mir meins!“ Der Wind soll sich in den Ästen verfangen und damit spielen und nicht das Heim zerstören. Ein schöner Brauch, wie ich finde.

    Und während ich hier so sitze, stürmt es. Und ich höre unseren dritten Mitbewohner. Auch ihm ist es zu stürmisch und regnerisch draußen: Randell, der Hausmarder, legt mal wieder eine Stippvisite ein. Und ich höre die kleinen Tatzen im Dachkasten trappeln.

    Gleich werde ich die Äste bündeln und auf Æblerø oder Pæreø hängen.

    Und dann bin ich gespannt, was dieses neue Jahr für mich, für uns bereithält.

    Bleibt alle gesund und fröhlich!

    Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Astro-Alex und Gedanken zum Jahresende

    Alexander Gerst – „unser“ Astro-Alex – ist mit Vollkaracho in der kasachischen Steppe angekommen. Im Sommer, zur Mondfinsternis an einem dieser Tage, an denen man das Schwitzprogramm versehentlich auf Endlosschleife gestellt hatte, zog er noch mit der ISS an uns vorbei, und wir brüllten wie die Bekloppten: „Ey, da ist der Astro-Alex! Haaaaalllloooooo!“

    Gehört hat uns Astro-Alex sicherlich nicht, aber er hat die Augen genau aufgemacht. Wir Erdlinge sehen den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht, aber der Geophysiker, Astronaut und – Obacht – Vulkanologe hält eine Ansprache, die ich mir von unseren regierenden Häuptern schon so manches Mal gewünscht hätte. Astro-Alex schwebte in schwindelerregender Höhe im Weltall, aber war näher dran als es die Merkels, Seehofers, Gaulands, Scholz’s es jemals waren.

    Da kannste eine Prachtstraße mit Leinwänden so groß wie Fußballfelder plakatieren, auf denen im stylischen Sepia-Design so ein Hagestolz im weißen Designerhemd auf seine Rolex schaut und damit ach so volksnah wirken will, weil er nicht wie die ganzen andren Hansel breit in die Kamera grinst, bringt nur nix. Ist nämlich nicht echt!

    Astro-Alex hingegen hat Worte in die Welt gesetzt, die sich jeder Einzelne Mensch auf dieser Welt zu Herzen nehmen kann.

    Eigentlich sollte es Pflichtlektüre sein für:

    Jeden Staatschef und Tyrann

    jeden Politiker

    jeden Industrieboss

    jeden Manager

    jeden noch so kleinen vermeintlich popeligen Machthaber auf diesem Erdball.

    Und jeder Schlachthofbesitzer, jeder Pharmakonzern, jede Lebensmittelindustrie, jeder Autobauer, jeder Smartphone- und Tablethersteller, die gesamte Rüstungsindustrie – die Liste ist unendlich – müsste verdonnert werden zuzuhören und was zu ändern. Verdammt, hört doch mal zu!

    Astro-Alex, ich danke Dir! Mich hast Du mit Deinen Worten erreicht. Und mit meinen bescheidenen Mitteln trage ich einen Teil dazu bei, dass diese Welt schön bleibt und wieder schön wird.

    Das, liebe Leserinnen und Leser, ist mein Vorsatz fürs Neue Jahr! Kommt gut rein in ein neues, spannendes Jahr und – ändert was. Kleine Kalenderweisheit: Auch ein Weg von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt!

    Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Frohe Weihnachten – God Jul – Merry Christmas – Joyeux Noël – Buon Natale

    Für Jesus war kein Platz

    In der Herberge.

    Aber dort, wo er ist,

    Entsteht Herberge für die Menschen.

    Jesus hat um sich einen Raum geschaffen,

    In dem sich Menschen verstanden und gehört fühlen.

    In seiner Nähe wussten sie sich zugehörig zur Familie Gottes.

    Da haben sie ihre menschliche Würde entdeckt.

    Da entstand ein Raum des Vertrauens, in dem sie sich bedingungslos angenommen wussten.

    (Anselm Grün)

    Ich sitze in unserem bequemen grünen Sessel im Wohnzimmer. Und ich bin auferstanden von den Toten. Der erste Weihnachtsurlaubstag begrüßte mich mit Migräne – es hämmerte und ratterte in meinem Kopf, dieses Mal die linke Seite. Erst dachte ich, dass es nicht so schlimm ist, aber nach einigen Schritten in Richtung Küche sagten mir Kopf und Magen etwas anderes. Inzwischen habe ich ein Brötchen gegessen und mein persönliches Lebenselixier zu mir genommen: schwarzen Tee! Gern Assam. Nun duften meine frisch gewaschenen Haare, meine Kuscheljogginghose ist schön bequem und meine Füße stecken in dicken Socken. In Wollsocken! Eine Freundin von mir sagte einmal: „Menschen, die keine Wollsocken mögen, sind mir suspekt!“ Ich kann ihr da nur zustimmen.

    Ich betrachte meine Füße in den bunten Socken und tue nichts anderes, als sitzen und schreiben. Und das ist schön.

    Weihnachten kann kommen. Der Kühlschrank ist gefüllt – morgen müssen nur noch ein paar bestellte Sachen abgeholt werden. Und Montag das Brot. Was Brot angeht, bin ich wohl etwas paranoid. Weihnachten muss genügend Brot da sein! Es muss bestellt werden! Rechtzeitig! Ohne Brot geht’s nicht!

    Und so werden wir uns am 24. in die Schlange derer einreihen, die Brot bestellt haben und abholen müssen. Wichtig!

    Die Weihnachtszeit bei uns wird oft eingeläutet durch die Muppets Weihnachtsgeschichte mit Gonzo als Charles Dickens und Rizzo, der Ratte. Und natürlich Miss Piggy und Kermit als Ehepaar Cratchit mit dem Schweinefroschnachwuchs. Und Eberneezer Scrooge.

    Die Scrooges dieser Welt sterben nicht aus. Nur leider scheinen sie sich nicht vom Geist der Weihnacht belehren zu lassen. Keine Mildtätigkeit, keine Nächstenliebe. In den Augen nur Gier und Niederträchtigkeit, manchmal sogar Hass.

    Natürlich: zu Weihnachten drücken viele auf die Tränendrüse. Und wie soll die einsame Oma erkennen, dass der adrette Mann in Polizeiuniform ein Verbrecher ist? Sie nur um ihr Geld bringen will?

    Früher, denke ich, waren Oma und Opa an Weihnachten dabei, saßen mit am Tisch, wurden dazugeholt. Meine Mama erzählt immer, dass ihr Vater nach dem Abendbrot an Heiligabend kurz nach draußen ging, um an den Ästen des Baumes vor dem Küchenfenster zu ziehen, sodass es ordentlich raschelte und ruckelte. Als er in die kleine Küche zurückkam, in der die sechs Kinder – teilweise mit Partnern und/oder bereits eigenen Kindern – saßen, hat er immer gesagt: „Kinder, ich glaube, der Weihnachtsmann war da!“

    Und nachdem gemeinsam abgewaschen und anschließend aufgeräumt wurde, zog die Prozession ins Wohnzimmer. Jedes Kind, jeder – gern auch mal spontane – Gast bekam ein Geschenk. Alle wurden satt und waren willkommen.

    Mein Patenonkel, stationiert in Bayern, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr – vermutlich am Münchener Hauptbahnhof – eine „verlorene Seele“ aufzugabeln, die das Weihnachtsfest dann an dem kleinen Küchentisch mit den vielen Geschwistern gefeiert hat. Aus aller Herren Länder – USA, Kolumbien, aus der Schweiz – wäre ein Marsmensch am Hauptbahnhof gestrandet, er hätte anschließend am Küchentisch gesessen, hätte Mohnstollen oder Kohlsuppe gegessen und Lieder gesungen. Und er hätte ein Geschenk bekommen, einen Platz zum Schlafen und Freude erfahren.

    Diese Geschichten liebe ich. Sie sind Teil meiner Familie. Sie zeigen mir, wohin ich gehöre, warum ich die bin, die ich bin. Was mir wichtig ist und welchen Weg ich gehe – und warum.

    Und dann denke ich an meinen anderen Opa, den ich kennenlernen durfte. Opa konnte am allerbesten Weihnachtsbäume schmücken. Er hat das gute silberne Staniollametta gebügelt und die alten Kugeln aus ihren feinen Schachteln geholt, sorgsam an die Blaufichte gehängt. Manchmal hat er auch Löcher in den Stamm gebohrt und Äste umgesetzt, damit der Baum gleichmäßig war. Und die Spitze wurde angespitzt, damit der Baum eine Spitze bekommen konnte. Und Wunderkerzen kamen an den Baum.

    Opa hat meiner Mama auch ein paar blaue puschelige Hausschuhe geschenkt, als Papa sie offiziell vorgestellt hat. Das Mädchen darf doch keine kalten Füße haben! Opa war der Beste!

    Auch diese Geschichte liebe ich!

    Und ich würde sie gern alle versammeln an unserem Esstisch an Weihnachten. Eine lange Tafel mit all diesen Menschen. Denn hier ist Platz in dieser Herberge.

    In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

    Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz