Da Andrea – Pizza, Pasta, wunderbar!!!

Allheilmittel!

„Ich hatte einen Scheißtag!“ sagt mein Vorzeigemodell als er unsere Höhle betritt. „Selbst eine Stunde Sport hat nichts gebracht!“ „Hmm!“ brumme ich während ich mich über ein Schnittmuster beuge. Ich muss was mit den Händen tun; im Moment arbeitet der Kopf zu viel. Der Begrüßungskuss ist irgendwie auch fahrig. Mein Vorzeigemodell ist echt angefressen. „Was Schönes?“ frage ich. „Hmm!“ kommt es bestätigend zurück. „Zu André?“ frage ich weiter. „Hmm!“ Ich deute dies als ein „ja“.

Bereits vorletzten Freitag – die Woche war an Beschissenheit kaum zu überbieten – war ich mit meinen Eltern, die eine ähnliche Woche hatten, zu André gefahren. Mein Vorzeigemodell steckte noch in einer Tagung fest und wünschte sich nach Hause. Ich hatte einen Tag, an dem man sich morgens auf dem Weg zur Arbeit bereits wieder nach Hause wünscht. Kennt jeder von uns. Kurz bevor ich dann am frühen Nachmittag das Gebäude nahezu fluchtartig und mit den sprichwörtlichen wehenden Fahnen verließ, führte ich ein ähnliches Gespräch wie montags drauf mit meinem Vorzeigemodell. Auftritt Papa: „Kind, wollen wir nicht vielleicht zu André?“ Kind: „Hmm!“ Papa: „Würde uns doch allen guttun nach dieser beschissenen Woche!“ Kind: „Hmm!“ Papa: „Mama und ich können ja rumkommen und dann fahren wir rüber!“ Kind: „Hmm!“ Auch dieses wurde richtigerweise als „ja“ gedeutet.

Nun ist es nicht so, dass man zu dem charmanten Eck-Italiener nur dann fahren darf, wenn man beschissene Scheißtage hat und man gerädert und aufgedreht zugleich ist. Aber – sagen wir mal so – sollte der Gemütszustand nicht ganz ideal sein, ist „Da Andrea“ eine gute Wahl, um die gute Laune wieder herzustellen.

Montags bis freitags von 06:30 Uhr bis 22:00 Uhr und samstags von 07:45 Uhr bis 15:00 Uhr sieht man den Inhaber, André Sarti, in der Hindenburgstr. 1b. Pause? Gibt es für den charmanten Halb-Italiener nicht. Er jongliert die Teller mit köstlichen Pasta-Gerichten, Pizzen, Vorspeisen nonchalant und stets gut gelaunt durch das kleine Restaurant – an sonnigen, warmen Tagen gern auch nach draußen.

„Wieso habt Ihr nicht angerufen?“ schallt es uns dann auch den Freitag entgegen. „War spontan!“ brumme ich. Keine weiteren Fragen, behände werden Tische zurecht gerückt und ein Platz für drei entsteht. Wunderbar!

„Was nimmst Du?“ frage ich, den Blick auf die Sonderspeisekarte gerichtet. Denn jede Woche gibt es ein paar spezielle Gerichte, beispielsweise Pasta alla Livornese. Leicht pikante Tomatensauce mit Calmar und Erbsen. Ein echter Genuss, wenn man es pikant mag und gerne Meeresfrüchte isst. Und so fällt dieses Mal die Wahl auf die Spezialität aus Livorno. Erinnert an Urlaub! Kann nur gut sein!

Eine kleine Pizza Margarita für Mama und Spaghetti Bolognese. Und Papa? Wie die Tochter!

Als dann das duftende Essen vor uns steht, ist der Abend gerettet, die Woche erscheint nur noch halb so schlimm. Mit einem Löffelchen voll Pasta. Selbstverständlich glutenfrei!

Im Restaurant wird’s italienisch. Durch die Nähe zur Musikhochschule am Emmichplatz treffen sich hier unterschiedliche Nationalitäten. Natürlich viele Italiener. Man fühlt sich wie in Italien. La Dolce Vita! Ein Stück Italien im Herzen Hannovers.

Allheilmittel! Die Laune wird blendend! Die Stimmung steigt! Das Wochenende kann kommen!

Und wir? Wir kommen wieder! Da Andrea – Pizza, Pasta – wunderbar!

Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz

Ja jaaa der Chianti-Wein – Von einem Kochkurs, Tiramisu und einem neuen Mitbewohner

Lotte hat Konkurrenz bekommen, zumindest sagt sie das. Lotte ist Französin – Ihr erinnert Euch vielleicht. Lotte ist verschnupft, denn eigentlich ist sie für das Kurbeln zuständig. Lotte durfte sogar mit nach Italien reisen, und ich versuchte Mademoiselle zu erklären, dass es nicht viele Paare gibt, die mit zwei Karton Einweckgläsern, Trichtern, Gelierzucker und einer Flotten Lotte in den Urlaub fahren. Lotte schmollt. Warum schmollt Lotte?

Nun ja, wir haben einen neuen italienischen Mitbewohner. Wir haben ihn Vito getauft. Viele unserer Gerätschaften – ähm – Küchenhilfen, jawohl, wir nennen unsere Küchenhilfen bei ihrem Vornamen. Lotte – zum Beispiel – Rollo, der Rote und nun eben Vito.

Rollo betrachtete Lotte nicht als Gegner oder Konkurrenten, denn Rollo ist eine Küchenmaschine, da muss man nicht kurbeln. Vito ist eine Nudelmaschine mit Kurbel. Autsch.

Als wir am dritten Urlaubstag unserer Italienreise in Richtung Mercatale fuhren, waren wir aufgeregt und nassgeschwitzt. 35 Grad auf dem Thermometer und wir bei einem italienischen Kochkurs – eine buchstäblich heiße Mischung.

Nun muss man sagen, dass diese wunderschöne Region – das Chianti Classico – mit der malerischen Landschaft, mit den sanften Hügeln, dem satten Grün und den hochaufragenden Zypressen und breiten Pinien und unser Navigationsgerät (vielleicht sollten wir es Donald taufen – so verpeilt wie es ist) nicht so richtig kompatibel sind. Kurzum – unser Navigationsgerät fand das Haus nicht, aber es fiel wenigstens nicht aus. Doch unsere herzlichen Gastgeber, Daniela und Daniele, holten uns ab, und wir stellten fest: Ganz verkehrt waren wir nicht!

In Erwartung einer Gruppe Menschen, die auf zwei dusselige Deutsche warteten, gingen wir zu der wunderschönen Olivenfarm mit kleinem Familien-Weingut und würden das erste Mal überrascht. Wir waren die einzigen Teilnehmer. Und so führte uns das herzliche Ehepaar durch ihren Weinberg, vorbei an Prosciuttina – dem glücklichen Schwein – und vorbei an Valentino und Siegfriedo, dazu aber später.

Wir probierten Trauben, genossen den herrlichen Ausblick, lachten und redeten, als ob wir uns schon Ewigkeiten kannten.

Auf der überdachten Terrasse genossen wir dann zunächst unseren Kaffee. Dann ging es in die Küche, in der es angenehm kühl war. Daniele, so Daniela, habe heute Morgen extra glutenfreie Pasta, Löffelbiskuit und Brot für mich gekauft. Und alles stand parat, fein säuberlich getrennt von allem, das glutenhaltig war.

Nichtsdestotrotz war ich neugierig und wollte Pasta machen, wollte den Teig durch die Nudelmaschine drehen. Und während Daniele die wohl Weltbesten Antipasti-Teller vorbereitete und eine köstliche Sauce aus Tomaten, Knoblauch und gemischten Pilzen vor sich hinschmurgelte, zeigte uns Daniela, wie das nun geht mit der Pasta.

So glücklich kann ein kleiner Fliegenpilz sein!

Wichtig, so Daniela, ist, dass man immer in dieselbe Richtung rührt. Welche sei egal, aber dieselbe, sonst – so sagt eine italienische Küchenweisheit – wird die Pasta verrückt und gelingt nicht.

Vom Feuereifer gepackt, zog nach unserem Urlaub Vito bei uns ein. Glutenfreie Pasta kann doch nicht so schwierig sein. Doch glutenfreie Pasta ist eine Herausforderung, die ich zwar angenommen habe, aber die mir bis jetzt noch nicht gelungen ist.

Tiramisu hingegen – das bekomme ich nun hin. Und zwar das köstlichste alkohol- und glutenfreie Tiramisu, das ich jemals gegessen habe.

Rezept

  • 4 Eigelb
  • Etwas Zucker
  • 4 Eiweiß
  • Glutenfreie Löffelbiskuit
  • Mascarpone
  • Lösliches Kaffeepulver
  • Eine wirklich gute dunkle Schokolade
  • Kakaopulver
  • Trenne die vier Eier (sehr frisch und bitte in Bio-Qualität) und schlage das Eigelb mit ca. 1 EL Zucker auf kleiner Stufe, bis es weiß und cremig ist.
  • Schlage das Eiweiß zu Eischnee.
  • Kippe das Wasser von dem Mascarpone ab und gib ihn zum Eigelb, verrühre alles mit dem Mixer für 1 Minute.
  • Hebe den Eischnee vorsichtig unter und (!) rühre stets in eine Richtung!
  • Löse Kaffeepulver in Wasser auf.
  • Nimm eine passende Schale und gib eine dünne Schicht von der Creme auf den Boden der Schale. Tauche einen Löffelbiskuit in den Kaffee und drücke ihn auf die Masse. Wiederhole dies, bis der Boden bedeckt ist.
  • Bestreiche die Biskuits mit der Creme, raspele Schokolade darüber und mache eine zweite Schicht fertig.
  • Die letzte Schicht ist Creme, auf die großzügig Kakaopulver gestreut wird.
  • Decke das Tiramisu mit Frischhaltefolie ab und stelle es für mindestens 15 Minuten in den Kühlschrank.
  • Doch noch einmal zurück zu Siegfriedo – warum der Hahn nun nach einer Nibelungenfigur benannt ist?
  • Daniela und Danieles Sohn studiert Musik in Florenz. Er ist großer Wagner-Fan.
  • Siegfriedo – ein chinesischer Hahn – krähte wie ein charismatischer Bariton und stolzierte über den Hof. Was für ein Hähnchenleben!
  • Und was Lotte angeht – so hat sie meinem Vorzeigemodell heimlich zugeflüstert, dass der Vito doch très charmant sei. Wir werden das beobachten!
  • Oh Firenze – oh Florenz!

    Florenz. Ach – wie liegst Du da im Tal. Schön bist Du anzuschauen, wie ein eingefasstes Juwel, umringt von grünen Bergen. Florenz – wie sich der Arno durch Dich schlängelt. Florenz – wie ein künstlerischer Magnet. Florenz – die Scharen ziehst Du an und bist doch etwas gelangweilt von den Massen, die sich durch Deine pittoresken Altstadtstraßen und über die Ponte Vecchio schieben. Aufgeregt warst Du als sich der Arno 1966 mit all seiner Kraft den Weg durch Deine Gassen bahnte, in die Uffizien drückte, in die Nationalbibliothek, in die Archive der Opera del Duomo und in die vielen anderen Orte. Oh, was warst Du froh als die Angeli del Fango Dich von den Schlammkrusten befreiten. Jede Hochwassermarke aus den vorangegangenen Jahrhunderten wurde übertroffen, das Wasser stand Dir bis zum Hals. Oh Florenz, ruhig liegst Du da, breitest Deine Gassen aus, lädst Menschen aus aller Herren Länder hinein. Wie sie die Augen aufreißen, mit ihren von Mücken zerstochenen Armen auf Bauwerke zeigen, auf Fresken, auf Taschen, Schuhe und Cafés, aus denen es verführerisch nach Dolci duftet und Kaffee natürlich. Hörst Du, wie sie alle das Kaffeepulver in den Kasten aus Edelstahl klopfen, das Zischen des Wassers zum Aufbrühen eines pechschwarzen Espressos, hörst Du es?

    Und in Deinem Mercato Centrale liegen Köstlichkeiten in meterlangen Theken. Fische und Muscheln, die ich noch nie zu Gesicht bekommen habe, liegen hier auf dickem Eis und riechen nach Meer, salzig und köstlich. Obst und Gemüse, riesige Steinpilze, Trüffel, frisches fluffiges Brot, Chilis aufgefädelt und Knoblauch, der in heißem Olivenöl angebraten wird. Salami und Schinken, Käselaibe groß wie Wagenräder – Parmesan und Pecorino, der würzige Geruch von Rucola, faustgroße Tomaten in feierlichem Rot, samtig, wenn sie aufgeschnitten werden. Ein Festival für die Sinne.

    Kurz schließen wir die Augen, nehmen die Gerüche in uns auf, gehen dann weiter und suchen uns einen Platz. Essen kann man hier überall gut und frisch. Ein Informationsstand empfiehlt uns dann bei glutenfreiem Essen ein Bistro gleich gegenüber. Wir nehmen an der Theke Platz und erleben das, was man italienische Leichtigkeit nennen könnte, zum ersten Mal. „Senza glutine? Sie, Signora, gar kein Problem. Sehen Sie, hier auf der Karte ist all das mit Sternchen glutenfrei. Und wenn Sie Pasta haben möchten, kein Problem, haben wir auch!“

    Ich rücke meinen Barhocker ein bisschen näher an die Theke und entspanne. Wähle dann mit meinem Vorzeigemodell Antipasti für 2 und hinterher „Pulpo“ mit Gemüse und Pici für meine bessere Hälfte mit Ragu di cinghiale. Pici, so lernen wir, sind dickere Spaghetti, typisch für die Toskana. Ebenso die Sauce – ein Wildschwein-Ragout. Ich lasse mich von dem charmanten Kellner noch zu einem Aperol Spritz überreden. Die Orangenscheiben strahlen im Sonnenlicht, das durch das Dach der imposanten Markthalle fällt. Der Geschmack ist erfrischend, den Alkohol schmeckt man kaum. Die Antipasti-Platte duftet verführerisch – verschiedene Sorten Salami, Schinken und Käse, sauer eingelegtes Gemüse wie Fenchel und kleine Möhrchen und eine köstliche Zwiebelmarmelade. Die harmoniert mit dem kräftigen Käse – ein Traum. Wie selbstverständlich wird mir ein Brotkorb vor die Nase gestellt, darin glutenfreie Brötchen. Ich bin im siebten Himmel – mindestens!

    Von der Vorspeisenplatte schon ganz selig und mit Liebe im Bauch nippen wir an Aperol und Aqua minerale als ein junges Paar neben uns Platz nimmt und nach Bistecca alla fiorentina fragt. Die Chefin nickt, das Paar nimmt Platz, wir kommen ins Gespräch – zunächst auf Englisch, dann stellt sich heraus, dass das Paar aus Frankfurt kommt. Wir wechseln ins Deutsche und tauschen uns aus, über Florenz, über die Parkmöglichkeiten, über das Essen. Das Bistecca alla fiorentina wird dem Paar im „Rohzustand“ gezeigt, dann gebraten und mit den Beilagen serviert. Wir lernen etwas dazu, denn wir dachten immer, dass das T-Bone-Steak aus den USA kommt. Das T-Bone-Steak oder auch Bistecca alle fiorentina genannt, hat seinen Ursprung in der Toskana. Es wird oft aus einer bestimmten Rinderrasse zubereitet, nämlich Chianina. Das Chianina-Tal liegt in der Toskana, daher haben die Rinder auch ihren Namen. Es gibt aber auch T-Bone-Steaks vom Maremma-Rind, wie wir später feststellen sollten.

    Das Paar isst und genießt, wir essen unsere restlichen Pici und den knusprigen Pulpo und genießen ebenfalls. Dann brechen wir auf, verabschieden uns und treten in die spätsommerliche Wärme von Florenz.

    Oh Florenz – Du bist magisch.

    Die Superhelden sind los – Trio Infernale und glutenfreie Ricotta-Gnocchi

    Wenn man mich fragen würde, welche berühmten Personen ich gern mal in unser Nest einladen, in unserem Yoga-Castle bekochen und mit wem ich auf Æblerø mal die Aussicht genießen wollen würde, würde ich antworten:

    Reinhard Mey und Astrid Lindgren und Mary Poppins

    Manchmal schwanke ich, ob ich noch Daphne du Maurier oder Helmut Schmidt dazu holen sollte, aber dann wäre meine Bude verqualmt oder ich fände mich urplötzlich in irgendeinem südenglischen Moor wieder. Besten Dank auch. Nichtsdestotrotz hätte ich gern mal eine typisch schwedische Fika mit Astrid Lindgren abgehalten. Von mir aus stundenlang aus dem Fenster geschaut, an einem guten Kaffee genippt und geseufzt. „Oh Astrid,“ hätte ich gesagt, „jemanden wie Dich“ – und wir hätten uns nach kurzer Zeit geduzt, da bin ich sicher – „also jemanden wie Dich braucht die Welt!“ Und Astrid hätte vermutlich den Kopf zur Seite gelegt, gelacht und ausgerufen: „Ah, jo man næ!“ Oder so ähnlich.

    Astrid Lindgren wäre für mich die Superheldin. Sie hätte kein Cape oder eine lustige Maske mit putzigen Öhrchen oder Leggins in Knallfarben, über die ein fescher Schlüppi mit Gürtel gezogen wurde. Das wäre auch undenkbar! Aber Astrid wäre Astrid und sie hätte einen Wagen. Einen Saab oder Volvo. Oder vielleicht ein Pferdefuhrwerk vollbeladen mit Büchern. Mit ihren und mit anderen Büchern, mit Märchen und Geschichten. Und die Superheldin Astrid würde zusammen mit ihrem Side-Kick Mary Poppins den Eltern über den Kopf streichen, diese sanft aufs Sofa drücken, das Smartphone aus der Hand nehmen, es ausschalten und sich ihnen gegenüber setzen. Und sie würden zunächst nur schauen. Tief in die Seelen der Eltern oder der Mama oder des Papas. Und die Eltern würden nervös nach dem Smartphone schauen, dann aus dem Fenster auf den blankgeputzten SUV, dann wieder auf das ausgeschaltete Smartphone. Und das Superheldenteam würde den Zeigefinger an die Lippen legen. Dann hätte Astrid sich ganz unarrogant selbst zitiert:

    Und dann muss man ja noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.

    Die Kinder hätten längst den Saab oder Volvo oder das Pferdefuhrwerk gekapert. Und sie hätte ihnen hinterher gerufen:

    Seid frech und wild und wunderbar!

    Einige hätten laut aufgeschrien, was sie denn mit Büchern sollen, aber dann hätte ein Mann mit einer Gitarre die Bühne betreten und hätte gesungen:

    Hilf mir gerade zu stehen!

    Und wie ein Zauberspruch würde sich dieses Lied in die Köpfe einbrennen und die Smartphones würden ausgeschaltet, WhatsApp-Gruppen abgeschafft und Elterntaxis durch selbständige Laufgruppen zur 500 m entfernten Schule ersetzt werden.

    Das ist – zugegeben – ziemlich utopisch. Wenngleich ich mich ernsthaft frage, ob das Ziel unserer Politiker einer ständigen, gleichermaßen allerorts guten Erreichbarkeit, Utopie, Dystopie oder schlichtweg blanker Horror ist.

    Möglicherweise bin ich konservativ, nicht aufgeschlossen oder verbohrt. Allerdings möchte ich den Damen und Herren, die mich gern mundtot in eine dieser Schubladen pressen wollen, zwei Fragen stellen:

    „Welche Kindheitserinnerung war Ihre schönste? Und hatte sie mit einem Smartphone zu tun?“

    Mir geht dieses ewige Gedaddele und Draufgegucke so fürchterlich auf den Geist, dass ich mich manchmal selbst nervig finde, wenn ich mal wieder aufs Display schaue, um festzustellen, dass – nichts festzustellen ist.

    Und nun, zwiegespalten und auf dem roten Cordsofa liegend, fliegen meine Finger über die Tastatur des – richtig – Smartphones. Irgendwie seltsam.

    Was wohl Astrid, Mary und der verehrte Herr Mey wohl dazu sagen würden?

    *******************************

    Da Astrid leider nicht mehr lebend unter uns weilt und Mary bestimmt andernorts zu viel zu tun hat, würde ich für Herrn Mey ein paar glutenfreie Ricotta-Gnocchi mit einer Tomaten-Gemüse-Sauce servieren, mit frisch gehobeltem Parmesan und einem schönen Glas gekühlten Weißwein. Auf alle Superhelden ohne Cape!

    Und hier das Rezept –

    Für die Gnocchi:

    • 225 g Ricotta
    • 2 Eigelb
    • 70 g glutenfreies Mehl (z. B. helle Mehlmischung von Hammermühle)
    • 40 g Kartoffelstärke
    • 35 g Buchweizenmehl (z. B. von Bauckhof)
    • 1 TL feines Salz
    • geriebene Muskatnuss
    • etwas Mehl für die Arbeitsfläche

    Gebt alle Zutaten in eine Schüssel und vermengt sie mit den Händen. Dann nehmt die Knethaken und lasst ihn zu einem leicht klebrigen Teig werden. Nehmt zum Schluss gern die Hände.

    Bestäubt Eure Arbeitsfläche mit Mehl und knetet den Teig erneut, bis er schön geschmeidig ist. Formt ihn zu einer Kugel und teilt ihn in vier Portionen.

    Nun formt Ihr aus jedem Viertel eine Rolle mit einem Durchmesser von etwa 1 1/2 cm. Nehmt ein scharfes Messer und schneidet aus der Rolle gleichgroße Stücke. Bringt die Stücke mit den Händen in die gnocchitypische Form und drückt mit einer Gabel ein Muster hinein.

    Stellt die Gnocchi für ca. 15 Minuten beiseite. In dieser Zeit bereitet Ihr die Sauce vor und setzt einen großen Topf mit Wasser für die Gnocchi auf.

    Für die Sauce:

    • Tomatensauce aus dem Glas (ungewürzt)
    • 1 Zucchini
    • 1 Aubergine
    • 1 Stück Staudensellerie
    • 1 Knoblauchzehe
    • Basilikum
    • etwas Sahne oder Ricotta
    • Salz und Pfeffer
    • Olivenöl

    Gebt das Olivenöl in einen Topf und schwitzt die Knoblauchzehe darin an. Nehmt sie raus, bevor sie verbrennt und bitter wird.

    Schneidet die Zucchini, die Aubergine und den Staudensellerie in Würfel und gebt es in den Topf. Alles anschwitzen und gut umrühren. Gebt die Tomatensauce hinzu und reduziert die Hitze.

    Schneidet etwas Basilikum klein (oder nehmt getrocknetes) und gebt es in die Sauce. Gebt einen Löffel Ricotta hinzu oder einen Schuss Sahne. Schmeckt mit Salz und Pfeffer ab.

    Wenn das Wasser kocht, gebt Ihr die Gnocchi hinein. Nach etwa drei bis vier Minuten schwimmen sie oben und sind fertig. Nehmt eine Schaumkelle und fischt die Gnocchis aus dem Wasser.

    Gebt sie in die Sauce und rührt alles vorsichtig um. Auf die Teller tun und mit frisch gehobeltem Parmesan servieren.

    Velbekomme! 🍄

    Bunt sind schon die Wälder – Kürbisgnocchi mit Pfifferlingen und Salbei

    Der Herbst ist da. Endlich – muss ich fast sagen. Ich mag den Herbst, die bunten Blätter, den Geruch nach Waldboden, auch die nebeligen und regnerischen Tage, in denen ich in dicken Socken auf dem Sofa liege, eingehüllt in eine kuschelige Decke, Tee schlürfe, ein gutes Buch lese oder einen schnulzigen Film schauen kann. Ich mag den Duft und die klare Luft.

    Die letzten Tage und Wochen waren anstrengend. Die Verschnaufpause auf Mandø tat außerordentlich gut, aber sie zeigte auch: runterschalten! Viel zu oft haben wir „ja“ gesagt, wie zwei Akrobaten mit Terminen jongliert, wollten keinen vertrösten, wollten alle zufrieden stellen. Und dann?

    Dann…steht man selbst wie ein ausgehöhlter Kürbis vorm Spiegel. Denkt sich: was brauche ich gerade?

    Meine Mama nannte es neulich: Den Zustand der eigenen Zufriedenheit wieder herstellen.

    Mamas bringen das immer wunderbar auf den Punkt.

    Und den Zustand der eigenen Zufriedenheit erlange ich durch ein wohl dosiertes Maß an Basteln, Kochen, Einmachen, Backen, Singen. Auch die ein oder andere erste Weihnachtsidee schleicht sich da schon mal an. Alles Dinge, die mich erden, den Fokus auf Hände und Füße legen.

    Mit den Händen schnitze ich einen Kürbis, mit den Füßen gehe ich lange Strecken durch den Wald, entdecke Hagebutten, Bucheckernhülsen, Tannenzapfen. Dabei entstehen die besten Ideen.



    Und wenn die Hände so vor sich hinarbeiten, Draht gedreht wird und Hagebutten an ihren Platz gesteckt werden, entsteht mit der Zeit eine eigene Kreation, die ich dann irgendwann zufrieden vor mich halte.

    Mein eigenes Feld-Wald-Wiesen-Küchen-Garagen-Yoga!

    So geht das eine Weile, bis mir in der Garage am Basteltisch die Nase läuft, die Füße etwas kalt sind und der Rücken steif. Dann führt mich der Weg hinein in das wohlig warme Zuhause, Kerzen leuchten auf dem Balkon, der geschnitzte Kürbis grinst mich schäbig an – der Schlingel – und die heiße Badewanne wird mich sogleich auftauen.

    Und anschließend gibt es köstliche glutenfreie Kürbisgnocchi mit Pfifferlingen und Salbei.

    Und für 4 Personen braucht Ihr:

    • 1 Hokkaido-Kürbis (ca. 500 – 700 g schwer)
    • Olivenöl
    • 200 g mehlige Kartoffeln, gekocht (am besten vom Vortag)
    • glutenfreies Mehl (ca. 200 g) + etwas zum Bemehlen der Arbeitsfläche und der Hände
    • 1 Ei
    • Salz, Pfeffer
    • vier Hände voll Pfifferlinge
    • getrockneter Salbei
    • Butter
    • 1 Knoblauchzehe
    • gehobelter Parmesan

    Den Kürbis halbieren, Kerne entfernen und den Kürbis in gleich große Stücke schneiden. Die Stücke auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, mit Olivenöl bestreichen und mit Salz und Pfeffer würzen. Das Backblech mit dem Kürbis in den auf 180 ° C vorgeheizten Backofen schieben und für ca. 25 Minuten backen, sodass das Fruchtfleisch schön weich ist. Danach auskühlen lassen.

    Anschließend den weichen Kürbis durch eine Kartoffelpresse in eine große Schüssel drücken. Das gleiche mit den gekochten Kartoffeln vom Vortag machen.

    Ein Ei zu dem Kürbis und den Kartoffeln geben, Mehl hinzufügen und mit Salz und Pfeffer würzen. Alles zu einem elastischen Teig verkneten. Aus dem Teig lange Rollen formen und daraus etwa 2 cm große Stücke abschneiden. Die Stücke zu kleinen Kugeln rollen und anschließend mit einer Gabel eindrücken. Die Gnocchi auf einen Teller beiseite stellen.

    Einen großen Topf mit Wasser und etwas Salz aufsetzen.

    Eine Pfanne mit Olivenöl auf den Herd stellen und die Knoblauchzehe anrösten. Die Hitze etwas reduzieren und die Knoblauchzehe entfernen. Die geputzten Pfifferlinge in die Pfanne geben und unter Rühren andünsten.

    Die Gnocchi ins kochende Wasser geben; wenn sie an die Wasseroberfläche steigen, sind sie fertig.

    Einige Gnocchis mit ein wenig Kochwasser zu den Pfifferlingen in die Pfanne geben. Einen Hauch Butter mit Salbei vermengen und kurz vor dem Anrichten über die Gnocchi-Pfifferlingmischung geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit gehobeltem Parmesan bestreuen und servieren!

    Viel Spaß beim Nachkochen!

    Herzlichst, Euer Frøken Fluesvamp

     

    Sommerliche Tagliatelle mit Spargel und Tomaten

    Bis Johanni – nicht vergessen – sieben Wochen Spargel essen.

    Rein zufällig brachte mein Göttergatte namens Hase heute – am Johannistag – ein Pfund Spargel mit. Er wolle uns ein kleines Spargelragout zubereiten und dazu etwas von der glutenfreien Frischpasta – ein kleines, feines und leckeres Abendessen.

    Für 2 Personen braucht Ihr:

    • 1 Pfund weißen Spargel
    • 1 gehäuften EL glutenfreies Mehl (z. B. „Mehl“ von Dr. Schär)
    • 1 kleine Schalotten, in Würfel geschnitten
    • 2 kleine, aromatische Tomaten
    • 1 gehäuften EL Butter
    • 1 dl Milch
    • frisches Basilikum, fein gehackt
    • Salz, Pfeffer

    Spargel schälen und in gleichgroße Stücke schneiden. Die Enden wegschmeißen und die Spargelschalen in einen großen Topf geben und mit ca. 500 ml gesalzenem Wasser aufkochen. Die Spargelstücke in eingeben und über den kochenden Spargelsud etwa 10 Minuten mit dämpfen.

    In der Zwischenzeit die Schalotte kleinwürfeln und die Tomaten ebenfalls in kleine Stücke schneiden.

    Nun den Spargel aus dem Sieb nehmen und beiseite stellen; den Sud in eine Schüssel gießen und ebenfalls beiseite stellen.

    Die Butter in einem kleinen Topf zerlassen und mit dem glutenfreien Mehl eine Mehlschwitze herstellen. Unter ständigem Rühren die Milch hinzufügen und vorsichtig aufkochen lassen. Von dem Spargelsud etwa 250 ml abmessen und nach und nach unter die Mehlschwitze rühren. Die Hitze reduzieren und die Sauce unter Rühren köcheln lassen.

    In der Zwischenzeit Wasser für die Pasta aufsetzen.

    Nun die Tomatenstücke, die kleingeschnittene Zwiebel, die Spargelstücke und den Basilikum in die Sauce geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

    Wenn die Pasta al dente ist, abgießen, kurz abschrecken und direkt in die Sauce geben.

    Jetzt müsst Ihr es nur noch anrichten und könnt das leckere Gericht genießen!

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    Viel Spaß beim Nachmachen!

    Venedig – Murano – Burano

    Venedig. Du liegst wie eine Perle in der Lagune und glitzerst im gleißend hellen Sonnenlicht. Ein Labyrinth von Gassen und Kanälen, Brücken und Stegen. Ich streife durch die Gassen, orientiere mich an den Schildern, die hoch über mir an den Häusern angebracht sind und mir den Weg weisen – „PER RIALTO“, „PER SAN MARCO“. San Marco – nahezu plötzlich trete ich aus einer Gasse hervor und vor mir liegt der Markusplatz. Ich halte den Atem an, so berauscht bin ich von dieser barocken Halle des Dogenpalastes unter freiem Himmel. Und dieser Himmel – so blau, als wenn ein Venedig-verliebter Künstler selbst zu einem Farbtopf gegriffen und den Himmel eigenhändig in diese Sommerfarbe getaucht hätte – ein paar kleine Tupfen weißer Wölkchen hinzu – perfekt. So präsentiert sich Venedig an diesem heißen Tag im Juni – „La Serenissima“ – die Durchlauchtigste.

    Murano. Glasinsel, stehst Deiner großen Schwester in nichts nach. Ich gleite mit dem Vaporetto über das Lagunenwasser auf Dich zu, und Du empfängst mich mit offenen Türen und zeigst das, wofür Du bekannt bist – Glas. Glas in Hülle und Fülle, dennoch nicht langweilig werdend, nicht wiederholend, immer ein bisschen anders und immer ein wenig so, als wenn Du etwas von dem Zauber einfangen könntest in dem schimmernden Quarz. Auf Deinem schwankenden Anlegesteg am Leuchtturm warte ich auf das nächste Vaporetto, das mich zu Deiner anderen Schwester bringen soll.

    Burano. Spitzeninsel – in zweifacher Hinsicht. Die Spitzenstickerinnen von Burano stellen seit dem 16. Jahrhundert in der aufwendigen Nedelspitzentechnik „Reticella“ feinste Spitzen. Und die Einwohner Buranos sind – zurecht – stolz darauf. Man findet vielerorts die traditionellen Spitzendeckchen und typischen Andenken, doch auch aktuelle Röcke aus Leinen kombiniert mit der filigranen Spitzenarbeit oder kunstvoll mit Spitze arrangierte Oberteile kann man in exklusiveren Geschäften Buranos käuflich erwerben, wenn die Urlaubskasse dafür reicht.

    Burano hat einen unausweichlichen Charme. Bekannt für seine bunten Häuser – jedes in einer anderen kräftigen Farbe und kontrastreich zum Nachbarhaus gestrichen – nimmt es dem Touristen viel von der leichten Hektik der Serenissima. Man kann sich treiben lassen und entdeckt wunderschöne, farbenfrohe Ecken. Wäsche auf zwischen zwei Häusern gespannten Leinen hängt so unspektkulär über den Gassen, dass jeder Tourist in Verzückungsrufe ob des Anblicks von ein paar Handtüchern ausbricht. Und genau das ist es: Es ist so herrlich normal-ungewöhnlich.

    Der Appetit und Bedarf einer Pause brachten uns dann zufällig zu einem kleinen Restaurant mit berauschender Lage. „Rosariva“ – hier fühlten wir uns ein paar wunderbare Augenblicke pudelwohl und genossen regionale Köstlichkeiten und – mal wieder – glutenfreie Pasta, ganz spontan!