Ein Zwiegespräch bei Pflaumenkuchen mit Zimt

„Komm rein, komm rein. Du bist ja völlig durchnässt!“ sagt er und winkt den Besucher hinein. „Fühl Dich wie zu Hause!“ Ein strahlendes Lächeln. „Breite Dich aus!“ Dann stutzt der Gastgeber. „Oh Du tropfst ja alles voll!“ Eilig wischt er die Nässe beiseite. „Ach, egal! Setz Dich! Möchtest Du was trinken?“ Der Besucher schüttelt mit dem Kopf. „Nicht?“ fragt der Gastgeber bestürzt, und kurz fällt das Lächeln aus dem Gesicht, das Strahlen ist ein wenig – nun, wolkenverhangen. „Du – hmm… – Du siehst ein wenig grau aus!“ stellt der Gastgeber fest und rührt in seinem Schirmchendrink. Eine Erfrischung tut ihm immer gut, besonders eine mit klirrenden Eiswürfeln und Zitronenscheiben.

„Ufff…“ macht der Besucher und lässt sich dabei auf den dunklen Sessel fallen. Die Eiswürfel klappern im Glas; der Gastgeber ist etwas nervös. „Der…der Sessel…“ haucht er. „Waaaas?“ faucht der Besucher. Das dunkle Grün färbt sich noch dunkler, erinnert an Moos. „Nichts, nichts…“ erwidert der Gastgeber. „Du hast ja recht!“ gibt er zu. „So lange habe ich mich zurückgehalten!“ Die Stimme des Besuchers klingt eingerostet, rauh, so als wenn er sie eine lange Zeit nicht benutzt hätte. Der Gastgeber nickt und schaut in die Augen seines Besuchers. „Gut, dass Du da bist!“ stellt der Gastgeber fest.

Der Besucher nicht. Wassertröpfchen sprühen über den gelb-grünen Teppich. „Schau Dir das doch mal an!“ und zwei Tränen rollen aus seinen moosgrünen Augen. Entschieden streicht er das rotgoldene Haar zurück. „Ich bleibe eine Weile. Dann ziehe ich weiter!“

Der Gastgeber nickt ergeben. Seine Tage sind gezählt, auch er merkt das. Abends ist er so müde und geht viel früher ins Bett als noch vor ein paar Wochen. Da hat er an Kinderzehen gekitzelt, die Beeren rot und tief dunkelblau gefärbt. Knospen hat er aufspringen lassen. Aber seinen Freund hat er vermisst – jawohl. Der Regen hat sich lange nicht blicken lassen, und nun ist er gekommen, im Schlepptau seinen Bruder. Eine kurze Stippvisite hat er gesagt. Eigentlich mag er ihn ja. Dass sie sich immer nur kurz sehen, nun, das ist nicht zu ändern. Er wird wohl auch bald weiterziehen und seine sieben Zwetschgen packen.

„Zwetschgen!“ sagt er. Der Besucher blickt auf. „Hab mir redlich Mühe gegeben!“ sagt der Gastgeber. Anerkennend schaut der Besucher auf ein Stück Kuchen. Der Duft ist betörend. „Zimt!“ stellt der Besucher fest. „Ich weiß!“ sagt der Gastgeber und nickt, dass die goldblonden Locken nur so wippen. „Eher was für…“ Plötzlich wird die Tür aufgedrückt. Eine frische Böe fegt hinein und treibt Blätter vor sich her. „Verzeih!“ bittet der Gast. „Ist ein bisschen mit mir durchgegangen. Bis dahin ist doch noch Zeit. Aber sag – liebster Bruder – Du sprachst von Zwetschgen. Hättest Du wohl ein Stück Zwetschgenkuchen?“

Ihr braucht:

Für den Teig:

  • 150 g weiche Butter oder Margarine plus etwas für die Form
  • 200 g glutenfreies Mehl
  • 2 TL Flohsamenschalen
  • 1 TL Xanthan
  • 1 TL Backpulver
  • 125 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Zimtpulver
  • 2 Bio-Eier
  • 400 g Zwetschgen oder Pflaumen (mit Stein)

Zum Bestreuen:

  • 30 g Zucker
  • 30 g Mandelblättchen
  • 20 g eiskalte Butter

Fettet eine Springform mit Butter und stellt sie beiseite. Heizt den Backofen auf 200 Grad vor. Gebt die weiche Butter, Zucker und Zimtpulver in eine große Rührschüssel und verrührt alles, bis ein cremiger Teig entsteht.

Fügt die Eier hinzu, dann nach und nach die Mischung aus Mehl, Flohsamenschalen, Backpulver und Xanthan. Gebt den Teig in die gefettete Form.

Entsteint die Zwetschgen oder Pflaumen und viertelt sie. Drückt sie im Halbkreis in den Teig.

Bestreut die Pflaumen/Zwetschgen mit Zucker, 30 g Mandelblättchen und eiskalten Butterflocken.

Backt den Kuchen für ca. 35 Minuten bei 200 Grad auf der untersten Schiene des Backofens. Anschließend auskühlen lassen und dann mit frischgeschlagener Sahne genießen!

Und? Wisst Ihr, wer sich heute im Norden getroffen hat auf einen Plausch und ein Stück Kuchen?

Einen gemütlichen Sonntag und viel Spaß beim Nachbacken wünscht Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Danmark – Ankomst oder auch: wenn‘s gut läuft

Die Minna läuft. Welch liebliches Geräusch, vielmehr das herrliche Gefühl dabei, denn der Bauch ist gefüllt, die Sonne scheint mir wohlig darauf und ich darf meine Beine ausstrecken, die Füße ablegen und immer mal wieder in den traumhaft blauen Himmel schauen. Und den Abwasch erledigt Minna.

Gestern sind wir angekommen in der Herzensheimat, mein Vorzeigemodell und ich. Mit donnerndem Getöse ging es los. Thor warf mit Blitzen nur so um sich, muss er noch den Behälter mit den Eiswürfeln in die Finger gekriegt haben, wütete und tobte. Ein richtiges Empfangskommittee.

Am Anreisetag erreiche ich irgendwann den sprichwörtlichen Status „Falschgeld“. Beim Einkaufen bin ich derart müde, irgendwie automatisiert. Wo ist was? Was ist wo? Schlafanzug? Dusche? Handtuch? Bett!? Angekommen, aber mit Fragezeichen.

Am nächsten Morgen bemerke ich: Das Ferienhaus ist schnuckelig und retro eingerichtet – eingebettet in Dünen, idyllisch zwischen Klitrosen mit Holzterrasse, und es ist lichtdurchflutet. Schmetterlinge fliegen vorbei, Schwalben stürzen sich über das Dach – Frau Schwalbe ist und bleibt eine Schwätzerin. Und die dänische Sonne lacht. Frühstück! Terrasse! Strand! Meer!

Heute bin ich noch nicht ganz so mutig. Die Hose ist dreiviertel lang, aber ich laufe barfuß. Das Meer umspielt sanft meine Füße, und ein wohliges Gefühl breitet sich in meiner Brust aus. Angekommen! Jetzt mit Ausrufezeichen.

Angekommen, Ankunft: Ankomst. Danmarks Ankomst. In meiner kleinen Familie ein inzwischen schon traditionelles Ankunftsessen, meistens am Tag nach dem Anreisetag serviert. Mein Papa ist ein großer Liebhaber dieses Gerichts. Einmal, es muss schon einige Jahre her sein, stand er über die Kühltruhe gebeugt und betrachtete mit verzücktem Gesichtsausdruck die Schnitzel. Er fühlte sich unbeobachtet, doch seine Familie hatte ihn sehrwohl im Auge. Plötzlich sagte mein Vorzeigemodell zu meiner Mama: „Schau mal! Rudolf denkt sich bestimmt gerade: ‚Wenn’s gut läuft, krieg ich drei!'“ Woraufhin wir alle in schallendes Gelächter ausbrachen und „Danmarks Ankomst“ einen Beinamen erhielt – wenn’s gut läuft!

Und was soll ich Euch sagen:

Es duftet immer noch ein wenig nach den herrlichen neuen Kartoffeln der dänischen Insel Samsø und nach den frischen Erbsen und Wurzeln, nach Gebratenem.

Schweineschnitzel (natur) mit Kartoffelbrei und Erbsen und Wurzeln

Die Wurzeln habe ich nur gewaschen und das Karottengrün entfernt. Daraus könnt Ihr übrigens leckeres Pesto machen!

Die Erbsen habe ich gepahlt und nach ca. 12 Minuten Kochzeit zu den Wurzeln dazugegeben. So blieben die Erbsen schön grün und knackig.

Gewürzt habe ich hinterher nur mit ein bisschen Petersilie und einem Hauch Butter.

Die neuen Samsø-Kartoffeln habe ich geschält und in Salzwasser gekocht. Hinterher habe ich mit Butter, Salz, Muskat und Milch ein lockeres Kartoffelpüree gemacht.

Die Schnitzel vom Bio-Schwein habe ich mit Salz und Pfeffer in Öl angebraten, und zwar scharf von beiden Seiten.

Und die Sauce ist eine Mehlschwitze aus Butter und Maisstärke mit Sahne und Gemüsebrühe ausgegossen, dazu einen Spritzer „Madkulør“, damit die Sauce eine schöne dunkle Farbe annimmt.

Und wenn’s gut läuft, kann man nochmal Nachschlag nehmen!

Angekommen – Ausrufezeichen.

Moldowische Frühlingsboten

Die Sonne lacht in unsere Höhle. Das Vorzeigemodell und ich haben heute Mittag einen Spaziergang gemacht und den Boden nach Neunerlei abgesucht. Neunerlei? Neun Wildkräuter, die früher traditionell in die Grüne-Neune-Suppe an Gründonnerstag kamen. Wobei es sich bei den Wildkräutern um die vorwitzigen Ersten handelte wie Giersch, Bärlauch, Gundermann. Bärlauch und Giersch haben wir gefunden. Gundermann oder auch Gundelrebe war noch etwas verschlafen. Doch der Frühling kommt mit Macht. Hummeln und sogar die ersten Schmetterlinge, brüllende Amseln, Stare und freche Blaumeisen begleiteten uns. Die Luft so klar. Und während wir so dahinschritten, fiel uns ein, dass wir heute noch zur Tat schreiten müssen. Unsere moldowischen Frühlingsboten müssen noch an einen Baum. Johnny B. – seines Zeichens stolze Johannisbeere und Baum, kein Strauch oder Busch – wird nachher behängt.

Denn es war so. An einem dieser Wochenenden, an denen eines dieser Sturmtiefs über Niedersachsen sauste wie Diven in rauschenden Ballkleidern, hatten wir Besuch. Mein Vorzeigemodell hatte seiner Spielsucht gefrönt und hatte mal wieder als verschollener Gallier namens Organisatorix alles, was Spaß und Freude an sog. Tabletop und Skirmish-Games hat an – logisch – die Tische geholt. Und so kam es, dass wir abends eine Geschichte aus Moldawien erfuhren.

Veronika brachte uns nämlich einen Anstecker mit. Für den Mann eine weiß-rote Schleife an dessen Ende zwei rot-weiße Quadrate hingen. Und für die Frau zwei winzige Häkelblumen in rot und weiß und ein grüner Stengel.

Veronika forderte uns auf, diesen Anstecker ans Revers unseres Mantels zu heften. Auf die linke Seite, beim Herzen. Das sei wichtig. Und eigentlich, so sagte sie, stecke man es sich am 1. März an das Revers. Am 31. März nehme man es ab und hänge es an einen Baum. Und dann, ja dann, kommt der Frühling.

Die Tradition ist schon sehr alt und beruht auf einer alten Geschichte. Als ich gerade versuchte, sie nochmal zu ergooglen, fand ich die Geschichte zwar nicht, aber ich lernte, dass Moldawien das unbeliebteste Urlaubsland Europas sein soll. Das wird gemessen an den Einreisenden. Etwas über 1.100 Deutsche waren es im Jahr 2017 laut einem Artikel aus der Zeit. Das landet an „guten Tagen“ täglich auf Malle…

Aber zurück zur Geschichte. Einstmals wurde die Sonne gestohlen, und ein junger furchtloser Mann zog los, um die Sonne wieder zu bekommen. Die Welt versank im Schnee, und während der junge Abenteurer sich durch die eisigen Massen kämpfte, verletzte er sich und sein Blut tropfte auf den Schnee. Da bekamen die Diebe Mitleid und gaben die Sonne wieder frei.

Mich berührte diese Geschichte. Und voller Stolz steckte ich mir diesen Frühlingsboten an meinen Mantel. Nachher – wenn ich mit meinem Vorzeigemodell gegessen habe – werde ich den Boten abnehmen und an Johnny B. hängen.

Und dann renne ich wie einst Ronja Räubertochter barfuß durch unsere Höhle und lasse meinen Frühlingsschrei erklingen. Denn das ist es doch, was wir alle wollen: Frühling und Frieden!

Frohe Weihnachten – God Jul – Merry Christmas – Joyeux Noël – Buon Natale

Für Jesus war kein Platz

In der Herberge.

Aber dort, wo er ist,

Entsteht Herberge für die Menschen.

Jesus hat um sich einen Raum geschaffen,

In dem sich Menschen verstanden und gehört fühlen.

In seiner Nähe wussten sie sich zugehörig zur Familie Gottes.

Da haben sie ihre menschliche Würde entdeckt.

Da entstand ein Raum des Vertrauens, in dem sie sich bedingungslos angenommen wussten.

(Anselm Grün)

Ich sitze in unserem bequemen grünen Sessel im Wohnzimmer. Und ich bin auferstanden von den Toten. Der erste Weihnachtsurlaubstag begrüßte mich mit Migräne – es hämmerte und ratterte in meinem Kopf, dieses Mal die linke Seite. Erst dachte ich, dass es nicht so schlimm ist, aber nach einigen Schritten in Richtung Küche sagten mir Kopf und Magen etwas anderes. Inzwischen habe ich ein Brötchen gegessen und mein persönliches Lebenselixier zu mir genommen: schwarzen Tee! Gern Assam. Nun duften meine frisch gewaschenen Haare, meine Kuscheljogginghose ist schön bequem und meine Füße stecken in dicken Socken. In Wollsocken! Eine Freundin von mir sagte einmal: „Menschen, die keine Wollsocken mögen, sind mir suspekt!“ Ich kann ihr da nur zustimmen.

Ich betrachte meine Füße in den bunten Socken und tue nichts anderes, als sitzen und schreiben. Und das ist schön.

Weihnachten kann kommen. Der Kühlschrank ist gefüllt – morgen müssen nur noch ein paar bestellte Sachen abgeholt werden. Und Montag das Brot. Was Brot angeht, bin ich wohl etwas paranoid. Weihnachten muss genügend Brot da sein! Es muss bestellt werden! Rechtzeitig! Ohne Brot geht’s nicht!

Und so werden wir uns am 24. in die Schlange derer einreihen, die Brot bestellt haben und abholen müssen. Wichtig!

Die Weihnachtszeit bei uns wird oft eingeläutet durch die Muppets Weihnachtsgeschichte mit Gonzo als Charles Dickens und Rizzo, der Ratte. Und natürlich Miss Piggy und Kermit als Ehepaar Cratchit mit dem Schweinefroschnachwuchs. Und Eberneezer Scrooge.

Die Scrooges dieser Welt sterben nicht aus. Nur leider scheinen sie sich nicht vom Geist der Weihnacht belehren zu lassen. Keine Mildtätigkeit, keine Nächstenliebe. In den Augen nur Gier und Niederträchtigkeit, manchmal sogar Hass.

Natürlich: zu Weihnachten drücken viele auf die Tränendrüse. Und wie soll die einsame Oma erkennen, dass der adrette Mann in Polizeiuniform ein Verbrecher ist? Sie nur um ihr Geld bringen will?

Früher, denke ich, waren Oma und Opa an Weihnachten dabei, saßen mit am Tisch, wurden dazugeholt. Meine Mama erzählt immer, dass ihr Vater nach dem Abendbrot an Heiligabend kurz nach draußen ging, um an den Ästen des Baumes vor dem Küchenfenster zu ziehen, sodass es ordentlich raschelte und ruckelte. Als er in die kleine Küche zurückkam, in der die sechs Kinder – teilweise mit Partnern und/oder bereits eigenen Kindern – saßen, hat er immer gesagt: „Kinder, ich glaube, der Weihnachtsmann war da!“

Und nachdem gemeinsam abgewaschen und anschließend aufgeräumt wurde, zog die Prozession ins Wohnzimmer. Jedes Kind, jeder – gern auch mal spontane – Gast bekam ein Geschenk. Alle wurden satt und waren willkommen.

Mein Patenonkel, stationiert in Bayern, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr – vermutlich am Münchener Hauptbahnhof – eine „verlorene Seele“ aufzugabeln, die das Weihnachtsfest dann an dem kleinen Küchentisch mit den vielen Geschwistern gefeiert hat. Aus aller Herren Länder – USA, Kolumbien, aus der Schweiz – wäre ein Marsmensch am Hauptbahnhof gestrandet, er hätte anschließend am Küchentisch gesessen, hätte Mohnstollen oder Kohlsuppe gegessen und Lieder gesungen. Und er hätte ein Geschenk bekommen, einen Platz zum Schlafen und Freude erfahren.

Diese Geschichten liebe ich. Sie sind Teil meiner Familie. Sie zeigen mir, wohin ich gehöre, warum ich die bin, die ich bin. Was mir wichtig ist und welchen Weg ich gehe – und warum.

Und dann denke ich an meinen anderen Opa, den ich kennenlernen durfte. Opa konnte am allerbesten Weihnachtsbäume schmücken. Er hat das gute silberne Staniollametta gebügelt und die alten Kugeln aus ihren feinen Schachteln geholt, sorgsam an die Blaufichte gehängt. Manchmal hat er auch Löcher in den Stamm gebohrt und Äste umgesetzt, damit der Baum gleichmäßig war. Und die Spitze wurde angespitzt, damit der Baum eine Spitze bekommen konnte. Und Wunderkerzen kamen an den Baum.

Opa hat meiner Mama auch ein paar blaue puschelige Hausschuhe geschenkt, als Papa sie offiziell vorgestellt hat. Das Mädchen darf doch keine kalten Füße haben! Opa war der Beste!

Auch diese Geschichte liebe ich!

Und ich würde sie gern alle versammeln an unserem Esstisch an Weihnachten. Eine lange Tafel mit all diesen Menschen. Denn hier ist Platz in dieser Herberge.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz

A beautiful sight, we‘re happy tonight…Steckrüben-Kartoffel-Stampf mit Ei und Pilzen und ich wünsche mir Schnee

Ich wünsche mir Schnee. Alle Jahre wieder. In der Vorweihnachtszeit sollen allmählich Ruhe, Besinnlichkeit und Stille einkehren. Ich würde sie gern hereinbitten. Und draußen soll ein flirrendes Licht die Schneeflöckchen ankündigen. Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst Du geschneit? Und dann: ein leichter Schneekopfschmerz, der typische Duft nach Schnee. Dann öffnen sich die dicken Wattewolken, Frau Holle schüttelt die großen Daunenbetten aus und sanft taumeln die Flocken zur Erde. Deck die Blümelein zu. Und alles wird ein bisschen ruhiger, sanfter, leiser, stiller, sauberer und unschuldiger.

Ich wünsche mir weiße Weihnachten. Hier und jetzt! Und ich wünsche mir die Ruhe, die die weiße Weihnacht mit sich bringt. Wie auf den alten Postkarten, wo Kinder in dicken Mänteln und mit  Fäustlingen rotwangig Holzschlitten hinter sich herziehen. Und Rotkehlchen auf kleinen Vogelhäusern sitzen, oder dicke, aufgeplusterte Amseln eine rote Beere im weit aufgesperrten Schnabel haben – das leuchtend gelbe Auge in den Wald gerichtet, der überzuckert ist von allerfeinstem Schnee. Willst Du einen Schneemann bauen?

Und Schlittenfahrten durch tiefverschneite Winterlandschaften, Rentiere mit dampfendem Atem vor den Nüstern, sanftes Glockenläuten und das einlullende Traben der wundervollen Tiere. Ach – ach – ach. Und der Himmel ist sternenklar. A beautiful sight, we’re happy tonight. Walking in a winter wonderland.

Ein Feuerchen im Kamin, dicke Wollsocken und ein kuschliges Fell. Kerzenschein und der Duft eines köstlichen Heißgetränks. Es knistert und knackt von den Holzscheiten und die Flammen züngeln gelb-rot-orange. Hach – hach – hach.

Kein üppiges Festmahl, keine Gelage, kein Stress, keine Zwänge. Jogginghose und Wollpullover, ein Heißgetränk und – Stille. Wenn man hören kann, wie die Schneeflocken rauschend und zart knackend auf dem Fensterbrett landen und sich die Schneeschicht von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute aufbaut und der größte Aufwand darin besteht, eine weitere Kanne Tee zu kochen, eine Kerze auszuwechseln und ein Holzscheit nachzulegen. Oh wie wäre das schön!

Ich denke, mein Gefühl trügt mich nicht. Der Winter will mit seinen klammen Fingern die Tür aufdrücken, stemmt sich dagegen, haut ein paar Flocken raus und manchmal auch echt kalten Winterwind, aber dann schleicht sich wieder so ein lullig-warmer Herbstmisch von der Seite an und teckelt den Winter nieder.

Dabei wäre es doch so schön, wenn mit dem unschuldigen Weiß allmählich Gärten und Straßen, Wiesen und Felder zugedeckt würden. Ruhe und Stille und Besinnlichkeit. Und dann „fehlt“ eben noch etwas, und alles, was man zu Hause hat, sind eine Steckrübe, Kartoffeln, ein paar Eier und Champignons, etwas Butter und etwas Milch.

Und während die Welt anhält und man tief durchatmet, streckt man sich genüsslich wie eine zufriedene Schlosskatze, dreht sich ein Stück auf die rechte Seite und irgendwann hat man die zündende Idee und bereitet einen köstlichen Kartoffel-Steckrüben-Brei zu.

Ihr braucht:

Fürs Püree:

    1 kleine Steckrübe
    5-6 große, mehlig-kochende Kartoffeln
    etwas Butter
    etwas Milch
    Salz und Pfeffer
    Muskatnuss (gerieben)
  • Für die Beilagen:
    • eine Handvoll Champignons
      4 Bio-Eier
  • Petersilie zum Garnieren.
  • Steckrübe und Kartoffeln schälen und klein würfeln. Alles in einem Kopf weich kochen. Kochwasser abgießen. Butter und Milch zu Kartoffeln und Steckrübe geben und mit einem Stampfer zermatschen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
  • Backofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Eine Auflaufform mit Butter fetten und das Püree hineingeben.
  • Mit einem Esslöffel vier Kuhlen ins Püree drücken und die Eier aufschlagen und jeweils in die Kuhle geben. Etwas Salz darüber streuen.
  • Die Auflaufform in den Backofen stellen und für ca. 20 Minuten backen, bis die Eier gestockt sind und das Püree eine bräunliche Kruste bekommt.
  • Derweil Champignons putzen und in einer Pfanne mit Butter anbraten, salzen und pfeffern.
  • Petersilie abbrausen, klein zupfen und zum Schluss über das Gericht streuen.
  • Und während ich langsam aus dem Land aus Schnee und Eis zurückkehre, denke ich, wie schön es doch wäre, wenn alles ein bisschen ruhiger und entspannter wäre. Und wer weiß, vielleicht hat der Winter doch so viel Kraft, dass er Heiligabend die Tür aufdrückt und hereingeschneit kommt. Ich würde ihn hereinbitten!
  • Ihr wolltet Sonne – dann kriegt Ihr sie auch – Treffen sich zwei Fräuleins, Episode VI: Von dummen Menschen und Sonnenschnecken

    Die Arschlochdichte ist an manchen Tagen, einige unter Euch werden es wissen, höher als an anderen. Damit ist keineswegs die Beschaffenheit gemeint. Nein! Unter einer hohen Arschlochdichte ist zum Beispiel eine gesättigte Lösung ignoranter, selbstherrlicher, missgünstiger, niederträchtiger, zutiefst gemeiner und uneinsichtiger Menschen gemeint, die sich in nahezu akrobatischer Manier, d. h. mitunter stapelweise, in den Weg stellen. Geht der eine weg, kommt der nächste. Ähnlich einem PEZ-Brausebonbon-Spender, nur nicht so lustig.

    In den letzten Wochen lebte ich in einer Art Kaum-Zeit-Kontinuum – unterbrochen durch entspannende Ostertage und einen Kurztrip in die Herzensheimat erschien diese Dichte wohl auch noch präsenter als sonst. Und dann hat noch an einem Wochenende eines dieser Exemplare ein Knöpfchen gedrückt. Oder drücken lassen – man weiß es nicht so genau. Vermutlich hat er zwischen der Morgenlatte und Morgentoilette diesen Einfall gehabt. Und es musste schnell gehen. Kaffee treibt ja immer so…und *boom* da sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen.

    Und nun? Es scheint die Sonne noch so schön. Die Natur denkt sich: am Ende gewinne eh ich. Der Arsch bleibt immer hinten. In diesem Fall leider vorn, am Knopf, am Drücker am längeren Hebel.

    Menschen, die meinen am längeren Hebel zu sitzen, tun dies gern kund. Schüchtern andere gern ein. Warum? Weil sie Angst haben. Vor der Wahrheit? Möglicherweise. Vielleicht ist es auch ein Kindheitstrauma und im Sandkasten wurde ihnen die Schippe geklaut. Vielleicht haben sie auch nie im Sandkasten gesessen. Kein Knopf, keine Schippe, kein Hebel. Aber jetzt!

    Doch die Sonne scheint. Die Natur hat sich mit Macht und Wucht zurückgemeldet. Es grünt und sprießt, blüht und tiriliert. Auf Pæreø wachsen Rosa und Rot in ihren Töpfen. Rosa und Rot sind zwei Rosen, die vor Kurzem ihren Weg in ein neues Zuhause gefunden haben. Und Johnny steht auch dort. Johnny B. – how much there is to see. Johnny hates Jazz but loves water. Johnny ist eine Johannisbeere. Und Johnny trägt Früchte, keine Wassermelone. Und wir locken die Sonne. Denn die Welt ist schön, eigentlich. Doch manchmal gibt es Regentage in Bullerbü. Vielleicht sollte man es so sehen: die Natur braucht Regen um zu gedeihen.

    Und so sitze ich auf Pæreø und schau Johnny, Rosa und Rot beim Wachsen zu. Die Abendsonne scheint mir ins Gesicht, auch die Sommersprossen sprießen.

    Aus dem Yoga-Castle duftet es verführerisch. Ich habe Sonnenschnecken gebacken. Mit glutenfreiem Hefeteig, der beste, den ich jemals ausprobiert habe! Und mit Gelinggarantie, denn auch beim zweiten Mal sind die Schnecken zu Monsterschnecken geworden, herrlich fluffig und weich. Keine Türstopper oder Wurfwaffen.

    Und auf Æblerø duftet es nach Birke, nach Grün, Frühling und Raps, der sich Gelb auf die Balkonstühle gelegt hat. Morgen ist Brückentag. Herrlich! Und „Like a Bridge over Troubled Water“ kommt mir in den Sinn. Dienstag ist Flohmarkt! Und ich freue mich auf viele liebe Freunde, die vorbeikommen, auf freundliche Gesichter, auf Zusammenhalt und auf Freude, auf Zuversicht und Gemeinschaft.

    Ich freue mich auf viele weitere sonnige Episoden mit dem Marktfräulein – und gebe ab, an die beste Veganista, die man sich vorstellen kann!

    Und hier das Rezept:

    • 15 g Frischhefe
    • 150 ml lauwarmes Wasser
    • 450 g glutenfreies Mehl (hier: Dr. Schär Mix B)
    • 2 Prisen Salz
    • 50 g Puderzucker
    • 1 TL Anis, gemahlen
    • 100 ml Milch
    • 10 Tropfen Vanilleextrakt
    • 1 Bio-Ei
    • 3 EL Maiskeimöl
    • 1 EL Flohsamenschalen
    • 2 TL Xanthan

    Löst die Hefe im warmen Wasser auf. Gebt das Mehl, Salz, Zucker und Anispulver in die Rührschüssel. Drückt eine Vertiefung in die Mitte und gebt das Wasser mit der aufgelösten Hefe hinein. Vorsichtig verkneten und 20 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen.

    Milch, Vanilleextrakt und Ei sowie Flohsamenschalen und Xanthan nach der Gehzeit hinzufügen und etwa 5 Minuten alles zu einem glatten Teig verkneten.

    Den Teig mit Frischhaltefolie abdecken und erneut an einem warmen Ort um das doppelte aufgehen lassen.

    Anschließend glutenfreies Mehl auf die Arbeitsfläche streuen. Teig in ca. acht Teile teilen. Aus jedem Teil 30 cm lange Würste rollen und zu Schnecken legen. Zeigende gut festdrücken.

    Die Schnecken auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit Frischhaltefolie abdecken und nochmal 10 Minuten gehen lassen.

    Backofen in der Zeit auf 230 Grad vorheizen und die Schnecken 15 bis 20 Minuten backen.

    Auf einem Rost abkühlen lassen!

    Treffen sich zwei Fräuleins – Pilotfolge

    Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 1

    Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 2

    Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 3

    Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 4

    Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 5

    Wenn zwei Fräuleins – ich weiß gar nicht wo wir waren… aber: Was’n das für‘n Auflauf hier? – Wirsingauflauf!

    Während meine Liebe Blogger-Freundin Jenny von de Markt sich noch von den karnevalistischen und Erste-Hilfe-Kurs-Strapazen erholt und backt als gäbe es kein Morgen, dabei Zeit und Raum vergisst und eintaucht in die Welt des Zuckers, in glutenfreie Linsen-Lasagne und andere Köstlichkeiten, liege ich auf dem roten Cordsofa und verspeise verzückt einen glutenfreien Bagel (!) mit Frischkäse und Pflaumenmus. Das Pflaumenmus ist nicht selbstgemacht, nur selbst gekauft und es kommt aus Thüringen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht ein kleines bisschen mehr auf Pflaumenmus aus Schleswig-Holstein stehe. Eigentlich bin ich mir sicher, dass ich es tatsächlich etwas lieber mag. Aber das aus Schleswig-Holstein war alle – Regal leer. Also Thüringen. Auch gut, aber eben nicht Schleswig-Holstein.

    Ist wie mit den Dialekten. Ich hätte wirklich gern einen Dialekt, aber hier haben wir keinen. Thüringisch und Sächsisch kann ich allerdings recht passabel imitieren, wenn ich mich anstrenge oder eine Flasche Rosé intus und dazu eine Familienpackung Haribo-Pfirsiche gegessen habe – nur so als ganz spontanes, rein zufälliges Beispiel – sogar etwas passabler.

    Oma sagte immer: „Set di dol lütt Maiken!“ was soviel heißt wie „Setz Dich kleines Mädchen!“ Plattdeutsch wäre auch schon klasse. Aber Budder bei die Fische:

    Wir haben hier keinen Dialekt! Ach – einen schönen Dialekt – ah jooo, des kennt isch mer vorstelle, ’n Schwätzer wä‘ isch.

    Doch et kütt wie et kütt. Und so kütt es, dass ich Dialekte echt knorke finde, aber eben keenen habe, wa‘. Musste jeschmeidich bleib’n.

    In meinem hochdeutschen Yoga-Castle habe ich vor einiger Zeit Karfiol mit Paradeisern und Kartoffeln zubereitet – ja! Österreichisch wäre auch super. Küss die Hand! Auf jeden Fall war es sehr lecker. In den Auflauf kamen auch schwäbische Tellerlinsen – brutal lecker! Und drübergekrümelt – griechischer Feta: Yamas!

    Allagut, Ihr Lieben, g’nug g’schwätzet, hier ist das Rezept:

    • 1 kleiner Wirsingkohl
    • 200 g Alblinsen oder braune Tellerlinsen (Achtung: Linsen können produktionsbedingt glutenhaltiges Getreide enthalten, weil z. B. Gerste als Rankhilfe für die Linsen benutzt wird)
    • Vier Kartoffeln, vorgekocht, in Scheiben oder Stückchen
    • eine Handvoll Tomaten
    • eine Zwiebel, gewürfelt
    • ein Liter Gemüsebrühe
    • ein griechischer Fetakäse, zerbröselt
    • Salz, Pfeffer und gemahlener Kümmel

    Kocht die Kartoffeln vor, stellt sie anschließend zur Seite. Entblättert den Wirsing und blanchiert etwa zehn bis zwölf Blätter in kochendem Wasser. Gebt die Blätter anschließend in eiskaltes Wasser. Kocht die Linsen in einem Liter Gemüsebrühe, bis sie weich sind, aber noch Biss haben. Stellt die Linsen beiseite.

    Gebt Öl in einen Topf und gebt die gewürfelte Zwiebel hinein. Schwitzt sie an, bis sie glasig ist. Schneidet die Tomaten klein und gebt sie hinzu.

    Nehmt die Linsen mit einer Schaumkelle aus der Gemüsebrühe und gebt sie zu Zwiebel und Tomate. Fügt die Kartoffeln hinzu. Gebt ein bisschen von der Gemüsebrühe hinzu. Schmeckt mit Salz, Pfeffer und Kümmel ab. Stellt es auf kleine Flamme.

    Nehmt Euch eine große Auflaufform und legt ein Wirsingblatt unten in die Form. Gebt etwas von der Linsenmasse auf das Blatt, dann schichtet Ihr abwechselnd wie bei einer Lasagne.

    Abschließend gebt Ihr den zerbröselten Feta auf den Auflauf und stellt ihn für etwa 25 Minuten in den 180 Grad warmen Ofen.

    Velbekomme! Wohl bekomm’s! Enjoy! Buon appetito! Bon appetit!

    Und so – liebstes Marktfräulein, bist Du bereit?

    Pilotfolge: Bloggst Du noch oder backst Du schon?

    Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 1

    Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 2