Mein Name ist Itis, Bronch Itis – und warum Apfelmus ein echter Seelenwärmer ist

Draußen scheint die Sonne und es ist für die Jahreszeit unnatürlich warm. Doch ich liege auf dem roten Cordsofa, neben mir eine Batterie an Tee, Wasser, Zeitschriften und Büchern. Ein grippaler Infekt, mit Fokus auf die Bronchien, hat mich heimgesucht, und ich fühle mich ziemlich schlapp. Morgens ist die erste Hürde: Betten machen, wenigstens ein bisschen glattstreichen. Gestern – als ich meinen Arzt aufsuchte, weil es wider Erwarten (oder wohl eher der bockigen Hoffnung zum Trotz) nicht besser wurde – hatte ich mir noch die Haare föhnen wollen. Spätestens da, mit erhobenem Arm, dachte ich, ich hätte einen 100 m Sprint hinter mir.

Und auch wenn Karl Lagerfeld zu Lebzeiten auf Jogginghosen schimpfte, war es mir sowas von schnurzpiepegal und ich fuhr in eben dieser schlabbrigen Hose zum Arzt. Ich sehe derzeit aus wie das blühende Leben, darauf kam es dann echt nicht mehr an. Allerdings könnte ich momentan problemlos einen Nebenjob im Telefongewerbe annehmen, so erotisch klinge ich. Nur die Hustenattacken sind ziemlich abtörnend.

Heute verspürte ich auch das erste Mal wieder ein leises Anzeichen von Appetit. Ich möchte fast behaupten, es war Heißhunger – auf Apfelmus. Kurzerhand schnitt ich die Äpfel klein und schälte sie vorher über den Daumen. Dabei fiel mir eine Episode ein, die ich vor etlichen Jahren einmal im Fernsehen sah. Es waren die Jahre, in denen die Kochsendungen wie Pilze aus dem Boden schossen. Jeder Sender hatte seine eigene Kochshow. Am Anfang noch durchaus interessant und amüsant, insbesondere die „Oooohs“ und „aaahs“ die das leidenschaftliche Löffelablecken noch unterstrichen. Doch irgendwann konvertierten einige Sender ihre kochenden Profis zu uncharmanten Besserwissern, die alles verteufelten, was Oma seit Jahrhunderten so gemacht hat. Blankes Entsetzen in den Augen, wenn in mancher Küche die Kartoffeln mit dem Küchenmesser geschält werden oder die besagten Äpfel über den Daumen. Das war „old school“. Dafür rollten die grünohrigen Möchtegern-Paul-Bocuses in ihren stylischen schwarzen Kochjacken mit Totenkopfknöpfen irgendeine sauteure Gerätschaft in die Küche in die oberbayrische Wirtschaft, in der sie dann die Äpfel und Kartoffeln im 87 Grad-Winkel in das unbezahlbare Hightechgerät einspannten und dann mit in die Kamera gehaltener Kauleiste rubbeldiekatz zeitgleich geschält und in akkurate Stücke geschnitten hatten. Danach kam alles in einen Topf, denn es wurde eh Mus oder Pürree draus. Sei‘s drum! Diese Sendung wurde Ihnen präsentiert vom Nicer-Dicer oder was auch immer.

Worauf ich hinaus will: heutzutage besinnen wir uns auf Oma und ihre Kochkünste zurück, verfallen in nostalgische Erinnerungen, wenn wir das Obst und Gemüse schnippeln, weil Oma das mit ihrem kleinen Küchenmesser auch immer so gemacht hat. Und? Alle sind glücklich! Magic! Nix „old school“! So einfach geht’s.

Vergangene Woche, also die vor James Bronch, diesem hustenden Held, waren mein Vorzeigemodell und ich übrigens mit meinen Eltern in Dänemark. Die Herzensheimat!

Da das Vorzeigemodell am Dienstag tagungsbedingt wieder gen Heimat fahren musste, entschied ich mich für einen Eltern-Tochter-Urlaub all inclusive. Ich blieb dort und hatte Kindheitsgefühle: Frühstück im Schlafanzug (okay – kriege ich sonntags auch), aber eben auch Essen von Mama. Es war himmlisch, und es war ehrliches Essen. Frikadellen mit Kartoffeln und brauner Sauce, Reispfanne mit Paprika, Champignons und Zucchini, Lachs mit Kartoffelbrei und Spitzkohl. Lecker 😋 „Möchtest Du noch ein Eis?“ fragt Papa, und ich antworte im Schlafanzug in eine Decke gehüllt glückselig mit „Jaaaa!“.

Natürlich habe ich mein Vorzeigemodell vermisst! Sehr sogar, aber ich habe es auch sehr genossen. Und das Wiedersehen war umso schöner.

Doch kommen wir nochmal zurück auf die ehrliche Küche. Was ist denn die neudeutsch sogenannte „challenge“? Hmm? Ein Ratatouille kochen – so wie bei Ratatouille, um den sauertöpfischen Restaurantkritiker zu überzeugen und ihn an glückliche Zeiten zu erinnern. Oder wie bei Madame Mallory – ein einfaches Omelett.

Ein „einfaches“ und gutes, bodenständiges und ehrliches Essen. Deshalb: Apfelmus!

Ihr braucht:

  • 10 Äpfel, bunt gemischt, z. B. Wellant, Ingrid Marie, James Grieve
  • 2 EL Zucker
  • Etwas Wasser

Äpfel schälen, entkernen und kleinschneiden. Mit Wasser in einen Topf geben und unter kleiner Hitze so lange köcheln lassen, bis die Stückchen zerfallen. Mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken oder vorsichtig mit einem Pürierstab. Ich mag es, wenn es noch etwas stückig ist. Abgekühlt servieren mit z. B. Pfannkuchen, Milchreis, Vanilleeis oder pur mit einem Schuss flüssiger Sahne.

Ein Landei in der großen Stadt – Regen bringt Segen in Berlin und Potsdam

Berlin. Es ist etwa 9:00 Uhr als wir über die Avus in die einst geteilte Stadt gleiten. Es nieselt leicht, aber der Himmel ist ein Flickenteppich aus weißen Wolken und freundlichem Blau. Heiter bis wolkig eben. Im geräumigen Auto sitzen wir, die Familie: Mama, Papa, Schwiegersohn und Tochter, also ich.

Und wir sind heiß auf Trödel! Auf unserer Liste stehen der altbekannte Flohmarkt an der Straße des 17. Juni, Fehrbelliner Platz, Arkonaplatz, Mauerpark, vielleicht Ostbahnhof, vielleicht Museumsinsel.

Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht irgendwo irgendwer irgendwas mit gleichmütigem Elan absperren, aufreißen, umleiten oder abreißen würde. Geduldig und langmütig „wirste weiter jewunken“ und bist froh über das Navigationsgerät, das uns zuverlässig an den richtigen Ort führt. Doch auch hier ist Berlin für eine Überraschung gut – Flohmarkt an der Straße des 17. Juni ist nicht! Warum nicht? Ist Marathon! Fantastisch… liefe ich den Marathon, ich würde jappsen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Doch japsen muss ich gerade auch ohne Dauerlauf: Frechheit! Gestern hatte ich noch auf die Homepage geschaut, und dort stand nix von wegen fällt aus! Hmpf! Verzeihung, aber Berlin – da biste irjendwie Klischee… Termine nicht einhalten – darin biste janz jut.

Doch vier Trödler lassen sich nicht von der Konsequenz der Hauptstadt beeindrucken und fahren zum Fehrbelliner Platz. Klein, fein und gerade von einem erfrischenden Schauer getroffen, bieten hier die Trödler ihre Waren feil. Eine Pinsvinvase, alte Tropfdeckchen von Melitta wechseln den Besitzer.

Und nun eine mittägliche Stärkung. Auf nach Wilmersdorf zu Rogacki, die Stadtküche.

Gut gestärkt schlendern wir durch Wilmersdorf. Irgendwie ist es fast kleinstädtisch hier, gemütlich. Wir entdecken einen Wochenmarkt im angrenzenden Stadtteil Charlottenburg. Auf dem Karl-August-Platz gibt es alles, was das kulinarische Magen-Herz begehrt – Steinpilze, Maronen, Birkenpilze, Preiselbeeren und duftige Quitten, Äpfel und erste Clementinen. An einem Stand köstlichen Käse, heißen türkischen Tee mit einem Hauch Zimt. Wir genehmigen uns einen Becher, als der nächste Regenschauer auf die Stände und uns niederprasselt. Und unterhalten uns mit dem charmanten Türken über Gott und die Welt, über die Türkei und die dummen fremdenfeindlichen Menschen. Wir Herzen uns zum Abschied als wären wir alte Freunde. Und Friede auf Erden!

Seltsam rührig gehen wir weiter, kaufen kleine Pralinen, auf die das Brandenburger Tor und die Goldelse gedruckt sind. Und am nächsten Stand Esterházy-Torte – in glutenfrei! Ein Gedicht!!! Berliner unter Euch – wenn Ihr den Stand kennt, der an der Ecke zur Pestalozzistraße steht, schickt mir doch mal den Kontakt! Nicht nur die Esterházy-Torte, auch ein Cantuccini-Ähnliches Gebäck ist zum Niederknien.

Ach, Berlin. Wir mussten alles ein bisschen umdisponieren, aber wir sind ja flexibel und – jeschmeidich. Ey, Berlin, ick kenn Dir nur im Frühjahr, im Sommer und im Winter. Im Herbst war ich noch nie zu Besuch. Du meinstest wohl, Du willst mir zeigen, wie sich der Herbst so anfühlt, wa‘? Berlin, wat biste nass…

Und am Sonntag tuste die Schleusen so richtig auf und regnest herab. Wenn de was machst, Berlin, dann machste dit richtig, wa‘? Obwohl – aber nee, meckern will ick nich‘, war schon okay, aber irjendwann hätte ich mich jefreut, wenn de mal uffjehört hättest. Mussteste ja janz schön kieken, dass de nich‘ klitschenass wirst. Immer’n Unnerschlupf suchen, aber Berlin – danke, schön war‘s.

Im Wald – Von Pilzen und einem gefüllten Spaghettikürbis

Wie bist Du gelb, Oktober,

Wie bist Du gelb und schön!

Und leuchtendes Zinnober

lässt Du am Ahorn glühn.

Årets Saga

Wir waren im Wald. Nach dem penetranten Dauerregen kam Samstagmorgen tatsächlich die Sonne raus. Und es verschlug uns in die Pilze. Gummistiefel und Weidenkörbchen, Küchenmesser und Pilzbürstchen im Gepäck. Der Duft des Waldes umfing uns und nahm uns in die Arme, wie ein alter, guter Freund. Leichtes Kiefernrauschen, Vogelgezwitscher, das Knacken der Äste, das Schmatzen des feuchten Bodens. Das leuchtende Moos, teilweise wie dicke Kissen, manchmal wie kleine spitze Sterne, zieht sich über Baumstümpfe und morsche Äste. Und plötzlich tut sich ein Pilzwald auf, wie eine winzige Elfenstadt. Das Sonnenlicht fällt durch die Äste der hohen Laub- und Nadelbäume. Träte Titania hervor, es würde mich nicht wundern, so märchenhaft liegt dieser Wald da. Ohren auf! Kraniche! Das unverwechselbare Schreien der majestätischen Vögel macht die Symphonie des Waldes komplett. Augen zu! Einfach nur dastehen und lauschen, dastehen und atmen.

Der Steinpilz steht wohl schon eine Weile vor mir. Als ich die Augen öffne, sehe ich ihn aber zum ersten Mal. Ich bilde mir ein, dass er mich fast ein wenig triumphierend anblickt. „Hab ich es Dir nicht gesagt? Komm erst mal an im Wald, dann findest Du mich auch!“ Ich muss schmunzeln, dann beuge ich mich zu dem kleinen Charmeur und drehe ihn aus seinem weichen Bett aus Moos. Und folge der Melodie des Waldes…

Spaghettikürbis mit Steinpilzen

Der Spaghettikürbis wird ein wenig verkannt, dabei ist es babyeierleicht zuzubereiten. Ihr braucht für 2 Personen mit großem Hunger:

  • 1 Spaghettikürbis
  • 1 Handvoll Steinpilze, ganz oder kleingeschnitten
  • 5-6 Tomaten
  • Tomatensauce
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • reichlich geriebenen Parmesan
  • Basilikum, gern frisch
  • Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

Backofen auf 200 Grad vorheizen. Den Spaghettikürbis halbieren. Das Kerngehäuse mit einem Löffel entfernen. Öl in die Mulde geben und auch den Rand gut einölen. Tomaten kleinschneiden und in die Mulden geben. Frühlingszwiebeln kleinschneiden und auf den Kürbis streuen. Steinpilze hinzufügen. Mit Basilikum, Salz und Pfeffer würzen. Tomatensauce auf den Kürbis geben und mit Parmesan bestreuen. Kürbishälften auf ein Backblech legen. Für etwa 1 Stunde in den Ofen geben. Nach ca. 40 Minuten die Temperatur auf 160 Grad reduzieren.

Nach der Garzeit den Kürbis auf Tellern anrichten. Das Kürbisfleisch lässt sich wie Spaghetti rausdrehen. Köstlich!!!

Viel Spaß beim Nachkochen wünscht Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Findelhof, Flohmärkte und Karottenkuchen

3:15 Uhr. Der Wecker ist unerbittlich. Er piept. Erst zaghaft, dann immer aufdringlicher. Schließlich mit Nachdruck. Um 23:30 Uhr hatte ich das letzte Mal auf den rosa Tyrannen geschaut. Ich konnte nicht einschlafen. Und nun will ich nicht aufstehen. Doch was hilft das Meckern und Brummen – nichts. Ich stehe auf, versuche die Augen zu öffnen und schlurfe ins Bad.

Glücklicherweise sind diese Handgriffe automatisiert und der Kopf schon so funktionstüchtig, dass ich die rechte Linse ins rechte Auge und die linke ins linke Auge befördere – ohne besondere Vorkommnisse.

In der Küche sieht es etwas anders aus. Seit Jahren muss ich mir Zettel schreiben: „Tee kochen“, „Zucker“, „Kühlbox packen“, „Milch“. Die Liste variiert je nach Anlass.

Dieses Mal ist der Anlass Der Findelhof. Wohl einer der schönsten Flohmärkte in unserer Nähe. Einmal im Monat ab April findet er statt in einem kleinen Ort namens Bockelskamp bei Celle. Das Besondere: es gibt keine Neuware. Außerdem liegt der Findelhof idyllisch, die einzelnen Stände liegen auf der Streuobstwiese, im Innenhof des Hofes und im kleinen Wäldchen dahinter. Für das leibliche Wohl wird gesorgt – es gibt eine obligatorische Bratwurst, aber auch Kartoffelsalat mit Bockwurst, Suppe oder Ratatouille, Schmalzbrote, Brötchen mit Wurst oder Käse und Milchreis mit Zimt und Zucker. Eine kleine Weinbar, Kaffee und Kuchen und ein Coffeebike mit italienischen Kaffeespezialitäten. Ausgezeichnet!

Die Krux an der Sache? Das frühe Aufstehen, denn die Plätze sind begehrt. Also sitzen wir um 4:45 Uhr im Auto, mit Kühlbox, Teekanne, Blumen und anderer Deko und einem selbstgebackenen Karottenkuchen – für uns und die umliegenden Stände.

Langsam rauschen wir so dahin, den Anhänger hinter das Auto geschnallt. Kurz vor Bockelskamp ergreift mich die Aufregung – Adrenalin! Wir fahren auf die taunasse Ausstellerwiese, parken. Von Weitem wird schon gewunken. Gummistiefel an und raus. Die Handgriffe jetzt sind eingespielt: Pavillon raus, Klapptische unter den Arm geklemmt, ein Hallo hier, ein Hallo dort. Vier Personen, vier Ecken – der Pavillon wird aufgespannt. Es folgen die Tische. Die Sackkarre wird beladen mit Bananenkartons: ein stetes Ausräumen, Umräumen. Letztlich folgt die Deko: wir stellen alte Einweckgläser auf die schmucke Leiter, stellen Schleierkraut, Hortensien und Septemberkraut hinein, füllen mit Wasser auf – auch daran soll gedacht sein.

Dann kann es losgehen. Es ist 7:00 Uhr. Und tatsächlich verirrt sich der eine oder andere erste Besucher auf die Wiese, obwohl offizieller Beginn eigentlich 10:00 Uhr ist. Und natürlich huscht man in der morgendlichen Ruhe auch selbst über den Markt und wirft einen Blick auf die anderen Stände, begrüßt bekannte Gesichter und macht vielleicht auch schon ein Schnäppchen, holt sich einen Ausstellerkaffee und genießt den Morgen.

Der Tag wird irgendwann lang. Das Zeitgefühl ist irgendwann zwischen 7:30 Uhr und 11:00 Uhr verloren gegangen. Wie spät soll es sein? Der berüchtigte tote Punkt schleicht sich an und wir wollen nur noch Dusche und Sofa, Sachen eingepackt und weggepackt haben, Füße raus aus den Schuhen und frische Klamotten.

Doch es ist erst Mittag. Und vorher gibt es Kuchen! Und nächsten Tag, ja am nächsten Tag – ist alles vergessen, und der nächste Findelhof ist kaum zu erwarten.

Für einen fluffigen Möhrenkuchen braucht Ihr:

  • 220 g glutenfreies Mehl (z. B. Mix C von Dr. Schär oder Helles Mehl von Hammermühle)
  • 30 g Maisstärke
  • 1 TL Backpulver (gehäuft)
  • 1 TL Xanthan
  • 50 g Kokosraspel
  • 1 Prise Salz
  • 2 TL Zimt (gemahlen)
  • 325 g geraspelte Möhren
  • 80 g gemahlene Haselnüsse plus etwas für die Backform
  • 4 Bio-Eier
  • 200 ml Sonnenblumenöl
  • 180 g flüssigen Honig
  • Butter zum Einfetten der Backform

Heizt als Erstes den Backofen auf 180 Grad vor. Dann fettet eine Napfkuchen- oder Springform mit Butter und streut sie mit einem Teil von den gemahlenen Haselnüssen aus.

Mischt Mehl und Stärke mit dem Backpulver, Xanthan, den Kokosraspeln, Salz und Zimt. Gebt die geraspelten Möhren und die Haselnüsse hinzu.

Gebt Eier, Öl und Honig hinzu und rührt alles solange, bis ein cremiger Teig entsteht.

Gebt nun den Teig in die vorbereitete Backform und stellt diese dann auf die mittlere Schiene des Backofens. Backt den Kuchen für 45 Minuten, bis er goldbraun ist.

Nehmt den Kuchen nach der Backzeit heraus und lasst ihn in der Form für ca. 10 bis 15 Minuten auskühlen. Anschließende stürzt ihr ihn vorsichtig und lasst ihn auf einem Kuchengitter auskühlen.

Am übernächsten Tag schmeckt der Kuchen am allerbesten!

Viel Spaß beim Nachbacken, und verratet mir doch mal, welches Euer Lieblingsflohmarkt ist.

Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Weserlieder, Radfahren und Frankfurter Grüne Sauce

Die Hitze der letzten Tage steckt mir in den Knochen. Sie steckt in den Wänden, im Dach – in der Haut und im Kopf. Am Freitag habe ich mich mein Fahrrad ohne Namen aus dem Stall geholt, bin vorbei an den Gemüsefeldern, abgemähten Kornfeldern, durch die Masch geradelt und habe auf sie gewartet – die Gänsehaut. Doch sie kam nicht. Ich strengte meinen hitzegeschädigten Kopf an und erinnerte – ja, das letzte Mal Gänsehaut war vergangenen Samstag!

Letztes Wochenende waren wir bei guten Freunden im wunderschönen Minden in Nordrhein-Westfalen. Wir waren auf den Weserliedern, und wer vermutet, dass es sich dabei um ein schunkelndes Schlagerfestival handelt, der irrt gewaltig. „Wo die Weser einen großen Bogen macht“ mag ja – was den gesunden Lokalpatriotismus angeht – ganz nett sein, und weckt bei dem einen oder anderen sicherlich auch ein Heimatgefühl, aber bei dem Gratis-Musikfestival passiert etwas anderes Gutes. Es definiert Heimat neu – ein buntes, durch alle Altersklassen gemischtes Publikum, das nahezu einträchtig nebeneinander am Weserbogen steht und an Wasser, Bier oder Cocktail nippt und den Bands lauscht, mitwippt und mitklatscht. Kinder mit Mickey Mäusen auf den Ohren hüpfen vor der Bühne auf und ab, und während es singt, trommelt, musiziert, geht ganz nebenbei die Sonne unter und es wird – ja, es wird frisch.

Ich sauge den Sauerstoff förmlich ein und genieße das Gefühl von frischer Luft, fühle mich plötzlich hellwach. Und dann stellen sich meine Haare auf, ein wohliger Schauer – da ist sie: Gänsehaut. Wie herrlich!

Als wir gegen Mitternacht den Weg nach Hause antreten, ist der Himmel sternenklar. Ein wunderbarer Abend liegt hinter uns, und ich bin ein bisschen sentimental, denn manche Freunde wohnen einfach zu weit weg. Diese Freunde, bei denen man nahtlos dort anknüpfen kann, wo man das letzte Mal aufgehört hat – egal, ob es zwei Wochen oder zwei Monate her ist, manchmal sogar ein halbes Jahr. Die Freunde, bei denen man wie selbstverständlich in die Küche geht und den Tisch deckt, die sich aufs Sofa kuscheln und sich wohlfühlen, die sich ins eigene Interieur integrieren und so daliegen, als wäre es das Natürlichste der Welt. Ein Glück, ein ganz großes Glück!

So beseelt schläft es sich gut, und so wird die Arbeitswoche erträglich.

Der Freitag lädt uns ein zu einem Fahrradausflug. Wir treten in die Pedale, fahren an Wiesen und Feldern vorbei, sehen Rainfarn und Malven an den Rändern stehen. Birnen und Äpfel hängen an den Bäumen, und die Zwetschgen färben sich lila.

Dann ein Blumenfeld mit Sonnenblumen, Phazelien, Borretsch und auch hier Malven. Es summt und brummt vor lauter Hummeln und Bienen. Wir sehen Gradhüpfer und ein Tor in eine andere Welt.

Im Westen zieht Gewitter auf. Wir sehen es blitzen. „21, 22, 23, 24, 25, 26…“ es donnert. „Das ist noch weit weg!“ beruhigt mich mein Vorzeigemodell. Ich habe keine Angst vor Gewitter, aber ich mag es nicht, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, und so treten wir etwas kräftiger in die Pedale und fliegen nach Hause. Gerade noch rechtzeitig, denn nun folgt der Wolkenbruch.

Und da wir hungrig sind, gibt es noch eine kleine leichte Mahlzeit.

Frankfurter Grüne Sauce mit Pellkartoffeln und gekochten Eiern. Erfrischend und köstlich.

Ihr braucht für 2 Personen:

  • 1 Topf Quark
  • 2 EL Crème Fraîche
  • 1 Hauch Sahne
  • Salz und Pfeffer
  • Kräuter für Grüne Sauce – das sind sieben Kräuter und diese sind: Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie, Kresse
  • 8 Kartoffeln
  • Eier und Kartoffeln aufsetzen und kochen.
  • Für die Grüne Sauce (im Dialekt auch Grie Soß genannt) werden die Kräuter eigentlich püriert. Ich mag es aber auch sehr gern, wenn die Kräuter sehr fein gehackt sind. Dieses Mal werden sie gehackt und in den Quark gegeben, Crème Fraîche dazu, einen Schuss Sahne, alles verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Kartoffeln abgießen. Eier abschrecken und pellen, halbieren und auf die Grüne Sauce legen.
  • Fertig ist das einfache köstliche Sommeressen!
  • Viel Spaß beim Nachkochen oder Radfahren oder bei einem schönen Abend mit guten Freunden oder alles zusammen!
  • Herzlich grüßt Euer
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Nicht die Bohne…alles Käse und ein Gedanke

    Saubohnen, auch Pferdebohnen oder dicke Bohnen genannt, haben es gern kuschelig. Dicht an dicht liegen sie in ihrer Schote, und es sieht aus wie ein wärmendes Fell, wie die grünen Böhnchen so aneinander liegen.

    Früher verband ich Saubohnen mit Kartoffelpuffer. Meine Oma machte die besten Puffer, und die ganze Küche roch nach Fett, rohen Kartoffeln und ein bisschen Zwiebel. Die Puffer wurden dick mit Zucker bestreut, oder es gab Apfelmus dazu. Ich glaube, ich habe mal sechs Stück geschafft. Anschließend war mir bestimmt schlecht.

    Hatten Mama und ich unsere Bäuche gefüllt, mussten wir uns zu Hause aller Klamotten entledigen, denn wir rochen selbst wie eine kleine Pufferküche. Eigenartigerweise war Oma gar nicht so der Pufferfan. Auch sonst waren Süßkram und Mehlspeisen mehr Opas und mein Ding. Milchreis mit Zimt und Zucker, Pfannkuchen oder Zuckerbrot in einen bekannten Getreidekaffee gestippt. Immer wenn es Puffer gab, hatte Oma ein Schälchen mit dicken Bohnen in der Speisekammer stehen. Eingelegt in Essig und Zwiebeln. Nicht unbedingt mein Lieblingskombination, aber die Form der grünen Bohnen faszinierte mich damals schon. Und manchmal mopste ich mir doch ein Böhnchen; nach sechs Puffern gar nicht so schlecht.

    Meine Lieblingskombination allerdings ist ein Zufallsprodukt. Neulich auf dem Wochenmarkt entdeckten wir einen neuen Stand. Ein fröhlicher junger Mann voller Enthusiasmus stand in dem kleinen Marktwagen und bot seine Produkte feil: allerfeinsten Ziegenkäse. Naheliegend daher der Name Die Ziegerei.

    Die Ziegerei wurde 2005 gegründet und ist ein Bio-Milchziegenbetrieb mit eigener Hofkäserei. Leidenschaft ist zu spüren. Und so steht auch auf der Homepage, dass Hiob und Sophia den Betrieb seit 2017 im Sinne des ökologischen Landbaus zukunftsorientiert und mit großer Leidenschaft weiterentwickeln.

    Wir kaufen Ziegen-„Feta“ und ein Stück von einem frischkäseartigen Käse, der dem Vesuv ähnelt und lustigerweise mit Asche ummantelt ist. Hiob lächelt und schneidet bereitwillig Ecken ab, reicht diese über den Tresen und lässt uns probieren. Der Käse zergeht auf der Zunge.

    „Vielleicht,“ so denkt sich der Pilz in mir, „wird das ja mein erstes Abenteuer?“ Und mein Vorzeigemodell liest meine Gedanken: „Hey, Pilz auf Pirsch, wäre das nicht was?“ fragt er.

    Denn den Hof findet man im Herzen von Niedersachen in der Mitte von Bremen und Hannover in Hohenmoor, einem Ortsteil von Asendorf.

    Schon länger spiele ich mit dem Gedanken, mein Pilzhütchen in Höfe, Ställe, Küchen, Cafés zu stecken und darüber zu berichten. Und ich strecke meinen Rücken. Dies könnte der Anfang meiner Pirsch sein.

    Doch bevor ich meinen Rucksack packe, muss ich die Hitze überstehen, und ich kredenze Euch einen Dicke Bohnen-Salat mit Ziegen-„Feta“ und Rucola.

    Ihr braucht für 2 Personen:

    • 1 Handvoll dicke Bohnen (ausgepult)
    • 1 Stück Ziegen-„Feta“
    • 1 Handvoll Rucola
    • Saft von einer Zitrone
    • 1 TL flüssigen Honig
    • 3 EL Sonnenblumenöl
    • Salz und Pfeffer
  • Kocht die Bohnen für ca. 5 Minuten und blanchiert sie anschließend mit eiskaltem Wasser. Gebt den Käse in eine Aufkaufform mit etwas Öl und stellt die Form in den Backofen (180 Grad, 10 Minuten). Wascht den Rucola und stellt ihn beiseite.
  • Mischt den Saft der Zitrone mit dem Honig, dem Öl und Salz und Pfeffer und macht daraus ein leckeres Dressing. Ich empfehle Euch, die Zitrone sparsam zu dosieren – lieber nachkippen.
  • Holt den Käse aus dem Ofen und zerbrecht ihn mit einer Gabel.
  • Nun gebt Ihr den Rucola und die Bohnen in eine große Schüssel, streut den Käse drüber und gießt das Dressing auf die Mischung. Vermengt alles und richtet es nett an. Dann bleibt Euch nur noch: Genießen!
  • Viel Spaß beim Nachkochen, und wer weiß – vielleicht startet meine Pirsch ja demnächst?
  • Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Rosenblütengelee

    „Haben wir im Urlaub gemacht!“ antworte ich und nicke dabei strahlend. Die Reaktion sind meist fassungslose Blicke. „Im Urlaub?“ kommt die ungläubige Frage dann. „Ja!“ erwidere ich, und mein Lächeln wird dabei noch breiter. Während ich das Glas in die Strahlen der untergehenden Abendsonne halte und fasziniert bin von der rosa-goldenen Farbe. Den Sommer eingemacht, konserviert, in ein Glas gegossen, verschlossen, aber doch sichtbar, sorgfältig beschriftet in geschwungenen Lettern. Rosenblütengelee.

    Ich schließe die Augen und sehe sie vor mir, die großen grünen Büsche mit unzähligen, meist pinkfarbenen Blüten. Die Kartoffelrose ist eigentlich nicht dort beheimatet, fühlt sich auf dem dänischen Boden allerdings sauwohl. Von Kindheit an verbinde ich den Duft der Rosen mit Sommerurlaub. An den Ferienhäusern waren meterhohe Hecken, derer man kaum Herr werden konnte. Seit ein paar Jahren wird die Kartoffelrose ein wenig in ihre Schranken gewiesen. Die Böden sollen sich erholen. Und so sieht man die Rosen zwar immer noch zahlreich, allerdings ist sie nicht mehr ganz so stark präsent.

    Ich erfreue mich jedenfalls an einigen großen Büschen, die um unser Ferienhaus stehen und schneide von der pinken Pracht ein paar Zweige ab, stelle sie in einen kleinen Krug, den ich in den Schränken des Ferienhauses finde.

    Wunderschön sieht das aus und duften tut es. Sommerurlaub! Mein Gehirn ist im Entspannungsmodus. Womit wir wieder beim Rosenblütengelee wären. Einkochen ist Meditation. Man reiche mir einen Eimer Johannisbeeren, zehn Kilo Bohnen, Erbsen – ich entrispe und putze sie. Obst- und Gemüse-Yoga.

    Und so geht mein Vorzeigemodell an einem dieser entspannten Tage in den frühen Morgenstunden an einen dieser Rosenbüsche und pflückt etwa 1 l Rosenblüten. Pfeift dabei ein Lied und kommt strahlend zurück. Ich grinse ihn an. „Na?“ frage ich. „Sommerurlaub!“ sagt er. Da kann ich ihm nur zustimmen.

    Rezept für ca. 7 Gläser Rosenblütengelee

    Ihr braucht:

      1 l duftende Rosenblüten (dabei ist es im Prinzip egal, ob Ihr die dänische Kartoffelrose nehmt oder eine andere wohlriechende Rose)
      500 ml Wasser
      400 ml Apfelsaft
      Saft einer halben Bio-Zitrone
      1 kg Gelierzucker 1:1
  • 500 ml Wasser mit 400 ml Apfelsaft mischen und die Blütenblätter dazugeben. 24 Stunden an einem kühlen, trockenen Ort ziehen lassen (nicht im Kühlschrank!).
  • Die Rosenblüten am nächsten Tage aus der Flüssigkeit fischen.
  • 750 ml von der Flüssigkeit abmessen, den Saft der Zitrone hinzufügen und alles in einen großen Kochtopf geben. Den Gelierzucker hinzufügen.
  • Zum Kochen bringen und unter ständigem Rühren zum Gelieren bringen.
  • Noch heiß in vorbereitete Gläser füllen. Fertig!
  • Das Rosenblütengelee schmeckt auch köstlich zu kräftigem Käse.
  • Probiert es mal aus!
  • Herzliche Grüße von Eurem
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄