Künstlerfamilie – Treffen sich zwei Fräuleins – Ode ans Risotto

Mein Vorzeigemodell und ich sitzen häufig auf Æblerø oder Pæreø und diskutieren bei einem Kaltgetränk oder einer herrlich duftigen Tasse schwarzen Tee über die verschiedensten Dinge. Neulich sprachen wir darüber, dass die Welt so klein geworden ist, aber wir Menschen uns doch immer fremder werden. Ein Phänomen, über das ich viel und lang nachdenken musste und zu dem Ergebnis gekommen bin, dass es immer einen Unterschied zwischen dem Fremden und dem Eigenen gegeben hat und immer geben wird. Man darf nur nicht die Neugier verlieren und das Interesse und den Mut, auf etwas Fremdes zuzugehen. Aber Stopp – bevor ich mit erhobenem Zeigefinger pauschalisierend meine Küchen- oder vielmehr Balkonpsychologie zum besten geben.

Ich überlegte weiter, wie es wohl gewesen ist, in Deutschland in den Fünfziger bzw. Sechziger Jahren. Und während sich die Filmrolle klackend drehte, färbte sich die Fantasie sepia…

Wir schreiben das Jahr 1967.

„Er kommt aus einer Künstlerfamilie!“ Zustimmendes Gemurmel, einige nicken. „Soso!“ Oder: „Aha!“ „Der Vater. Musiker.“ Wieder Zustimmung. „Und die Mutter?“ „Die? Ja die malt!“ Wieder Nicken. Dann nippen sie in Eintracht vom Bier, der Schaum macht ihnen Schnurrbärte. Zufriedenes Seufzen. Das Bierglas wird auf dem aufgeweichten Deckel abgestellt. Das kleine Mädchen, Luise heißt es, schaut in die Gesichter. „Was heißt denn Künstlerfamilie“? fragt es.

Der Vater spielt Geige, die Mutter Klavier. Sie hat eine glockenhelle Stimme. Man hört sie manchmal, wenn der Wind günstig steht. Die Kleider, die sie trägt, schmiegen sich an ihren Körper. Sie trägt Schuhe mit hohen Absätzen und ihre Haare hat sie in Wellen gelegt. Sie ist das, was man schön nennt. Gepflegt. Sie zieht sich einen Lidstrich. Manchmal geht sie barfuß durch den Garten; dann hat sie die Hosenbeine hochgekrempelt. Luise könnte darum wetten, dass ihre Fußnägel lackiert sind – klatschmohnrot. Gesehen hat sie sie nicht. Manchmal stellt sie sich die Frauen der Familie vor wie Elfen, ätherische Wesen, die im Kreis durch den Hain tanzen. Mit Blütenkronen im Haar.

Plötzlich die Antwort auf Luises Frage: „Na, die sind anders!“ Und von den Bierbäuchen kommt zustimmendes Brummen.

„Ja und?“ fragt Luise.

„Die sind nicht wie Du und ich!“ brummt ein anderer Bierbauch. „Die schlafen bis Mittag, dann klimpern sie auf dem Klavier rum, und sie macht Kleckse auf die Leinwand.“

„Warum redet Ihr so abfällig?“ fragt Luise kleinlaut. Bis mittags schlafen, Klavierspielen und malen findet sie einen ziemlich guten Lebensplan.

Nun schnaufen die Bierbäuche. „Fräulein Naseweiß!“ kommt es ermahnend von der Theke. Die gute Ute steht dort mit Händen in den Hüften und streckt das nach vorn, was die Männergesellschaft gern als „ordentlich Holz vor der Hütte“ bezeichnet, wenn sie meinen, dass ihnen keiner zuhört.

Luise zuckt mit den Schultern. Die gute Ute ist nämlich gar nicht so gut, wettert über alles Neue und Fremde. Fräulein Naseweiß aber ist neugierig und schleicht sich wenig später am Bach entlang in Richtung Wald zu dem Häuschen, in dem die sogenannte Künstlerfamilie wohnt, positioniert sich hinter der Hecke.

Dahinter beobachtet sie ein Mädchen mit dunklen Haaren. Etwa 13 Jahre alt ist, so alt wie sie selbst, und sie geht in die Parallelklasse von Luises Schule. Sie spielt im Gras in ihrer eigenen Welt ein Spiel mit Ästen, Schneckenhäusern, Vogelfedern und Gänseblümchen. Luise findet es gar nicht fremd und möchte Teil dieser Welt sein, traut sich aber nicht. Plötzlich ruft jemand: „Francesca!“ Und Francesca blickt auf, schaut durch die Hecke und erblickt Luise. Die erstarrt. „Ciao!“ sagt Francesca und hält ihr ihre Hand hin, durch die Hecke. „Hallo!“ krächzt Luise und schaut in ein Paar dunkelbraune Augen. Francesca, der Name klingt so fremd in den Ohren – ganz anders als Gabriele oder Edeltraut. Aber schön!

Zögernd tritt Luise aus dem vermeintlich sicheren Versteck hervor, hält ihr eine Hand hin. „Luise!“ sagt sie. Francesca ignoriert Hand, zieht Luise an sich und küsst sie beherzt auf die Wange. Eine Weile blicken sich die Mädchen an, die eine mit dem mausbraunem Haar, den blauen Augen. Die andere mit den dunklen Locken und dunklen Augen. Dann zeigt sie Francesca Luise den Garten, deutet mal auf dies auf das, nennt italienische Namen für Kräuter und Pflanzen, die in einer Badewanne gepflanzt sind. Luise ist fasziniert von dem Neuen, dem Fremden und ein starker Entschluss reift in ihr: sie will die Familie kennenlernen!

„Willst Du mit uns essen?“ fragt Francesca und Luise ist erstaunt, dass sie so gut Deutsch spricht. „Gern!“ murmelt Luise und schaut verlegen zu Boden. „Ich wollte nicht neugierig sein…“ beginnt sie sich zu verteidigen. Francesca winkt ab, greift Luises Hand und geht mit ihr zu dem wunderschönen Häuschen. Alle Fenster sind weit geöffnet, die weißen luftigen Gardinen wehen halb über die Blau gestrichenen Fensterrahmen. Im Garten mit den schönsten Blumen ist ein Tisch gedeckt mit buntem Geschirr, Gläsern. In der Mitte steht eine Vase, in der Jungfer im Grünen stehen und Bartnelken. Francesca stellt Luise ihrer Mutter vor in einer Sprache, die sie nicht kennt und sie starrt auf ihre Füße – die Fußnägel sind Rot lackiert – klatschmohnrot! Luise blickt triumphierend auf, Francescas Mutter lacht sie an, bedeutet ihr, sich zu setzen. Verlegen nimmt Luise Platz, Francesca brabbelt los und erklärt alles.

„Das ist meine Mutter. Sie heißt Maria. Mein Vater, Nino, kommt später. Er ist noch auf der Arbeit! Meine Brüder, Michele und Cosimo, helfen noch bei meinem Onkel, Luigi.“

„Also seid Ihr gar keine Künstlerfamilie?“ rutscht es aus Luise heraus. Die Lippen von Maria werden schmal, sie zieht die Augen zusammen. Luise bemerkt, ohne dass sie ein Wort versteht, dass sie einen wunden Punkt getroffen hat. Maria redet laut, gestikuliert und ist – wütend? Enttäuscht? Resigniert? Erschöpft setzt sie sich neben das Mädchen. „Scusi, kleine Luise!“ sagt sie. „Entschuldige!“ Maria seufzt. „Seit wir vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind, arbeiten wir. Wir arbeiten, mein marito – mein Mann,“ fügt sie an, „schuftet Tag und Nacht. Dann bekommt er einen Tag frei und er kann sich nur entspannen, wenn er spielt Klavier!“

„Und Mamma – sie malt. Porträts von den alten Damen aus dem Nachbarort! Und früh morgens putzt sie in der Schule.“

Luise blickt von Mutter zu Tochter und in ihr steigt Wut hoch, auf das dumme Stammtischgelabere, noch nicht mal Halbwahrheiten – das einzige, das wahr ist, ist, dass die Familie aus Italien gekommen ist 1956. Gastarbeiter. Gastarbeiterfamilie. Von wegen Künstler und bis mittags schlafen…Was „die gute Ute“ noch an Gemeinheiten von sich gegeben hat, möchte Luise gar nicht wiederholen, und sie schaut beschämt auf den leeren Teller. Maria streicht ihr über den Kopf, tätschelt ihrer Tochter die Wange, holt tief Luft und geht dann in die Küche…

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Die Filmrolle klackt, der Blick wird wieder Full HD, das Rauschen verklingt. Wie es wohl weitergegangen ist?

Vielleicht weiß Das liebe Marktfräulein was dann passierte?

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Am 20. Dezember 1955 – zehn Jahre nach Kriegsende – schloss die Bundesrepublik mit Italien das erste sog. Abwerbeabkommen ab. Weitere Abkommen folgten mit Griechenland, Spanien, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien.

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Und nun sitze ich auf meinem roten kuscheligen Cordsofa und schreibe diese Zeilen und freue mich, dass die Welt so bunt ist, dass wir nicht – wie vor 85 Jahre Literatur verbrennen, die den Horizont erweitert.

Und ich habe ein Risotto gekocht. Mit Spargel – grünem und weißem – Tomaten-Pesto, frischen Kräutern und cremig-buttriger Sauce. Und ein paar Meeresfrüchte!

Auf die Vielfalt!

Du brauchst:

  • 250 g Risotto-Reis
  • 250 g weißen und grünen Spargel, vorgekocht
  • Meeresfrüchte TK
  • 1 l Gemüsebrühe oder Spargelsud
  • Rotes Tomatenpesto aus dem Glas
  • 1 Stich Butter
  • 1 Schuss Sahne
  • Basilikum, Thymian, Rosmarin, Oregano
  • Salz, Pfeffer

Gebt den Risotto-Reis ohne Fett in eine Pfanne und röstet ihn kurz an. Dann gebt die Butter dazu, rührt gut um, sodass sich die Butter gut verteilt. Als nächstes gebt Ihr die Meeresfrüchte dazu, dann gießt mit Brühe oder Spargelsud auf, sodass der Reis gut quellen kann.

Wenn der Reis langsam die Brühe bzw. den Sud aufgesogen hat, gebt erneut Flüssigkeit dazu. Wenn der Reis noch sehr bissfest ist, gebt Ihr den Spargel – ich Stücke geschnitten – in die Pfanne. Rührt gut um, gebt eventuell noch etwas Flüssigkeit dazu. Dann schmeckt Ihr mit Salz, Pfeffer und ordentlich frischen Kräutern ab.

Wenn Ihr Lust habt, streut Ihr frischen Parmesan auf das Risotto.

Buon appetito wünscht Euch

Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Ihr wolltet Sonne – dann kriegt Ihr sie auch – Treffen sich zwei Fräuleins, Episode VI: Von dummen Menschen und Sonnenschnecken

Die Arschlochdichte ist an manchen Tagen, einige unter Euch werden es wissen, höher als an anderen. Damit ist keineswegs die Beschaffenheit gemeint. Nein! Unter einer hohen Arschlochdichte ist zum Beispiel eine gesättigte Lösung ignoranter, selbstherrlicher, missgünstiger, niederträchtiger, zutiefst gemeiner und uneinsichtiger Menschen gemeint, die sich in nahezu akrobatischer Manier, d. h. mitunter stapelweise, in den Weg stellen. Geht der eine weg, kommt der nächste. Ähnlich einem PEZ-Brausebonbon-Spender, nur nicht so lustig.

In den letzten Wochen lebte ich in einer Art Kaum-Zeit-Kontinuum – unterbrochen durch entspannende Ostertage und einen Kurztrip in die Herzensheimat erschien diese Dichte wohl auch noch präsenter als sonst. Und dann hat noch an einem Wochenende eines dieser Exemplare ein Knöpfchen gedrückt. Oder drücken lassen – man weiß es nicht so genau. Vermutlich hat er zwischen der Morgenlatte und Morgentoilette diesen Einfall gehabt. Und es musste schnell gehen. Kaffee treibt ja immer so…und *boom* da sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Und nun? Es scheint die Sonne noch so schön. Die Natur denkt sich: am Ende gewinne eh ich. Der Arsch bleibt immer hinten. In diesem Fall leider vorn, am Knopf, am Drücker am längeren Hebel.

Menschen, die meinen am längeren Hebel zu sitzen, tun dies gern kund. Schüchtern andere gern ein. Warum? Weil sie Angst haben. Vor der Wahrheit? Möglicherweise. Vielleicht ist es auch ein Kindheitstrauma und im Sandkasten wurde ihnen die Schippe geklaut. Vielleicht haben sie auch nie im Sandkasten gesessen. Kein Knopf, keine Schippe, kein Hebel. Aber jetzt!

Doch die Sonne scheint. Die Natur hat sich mit Macht und Wucht zurückgemeldet. Es grünt und sprießt, blüht und tiriliert. Auf Pæreø wachsen Rosa und Rot in ihren Töpfen. Rosa und Rot sind zwei Rosen, die vor Kurzem ihren Weg in ein neues Zuhause gefunden haben. Und Johnny steht auch dort. Johnny B. – how much there is to see. Johnny hates Jazz but loves water. Johnny ist eine Johannisbeere. Und Johnny trägt Früchte, keine Wassermelone. Und wir locken die Sonne. Denn die Welt ist schön, eigentlich. Doch manchmal gibt es Regentage in Bullerbü. Vielleicht sollte man es so sehen: die Natur braucht Regen um zu gedeihen.

Und so sitze ich auf Pæreø und schau Johnny, Rosa und Rot beim Wachsen zu. Die Abendsonne scheint mir ins Gesicht, auch die Sommersprossen sprießen.

Aus dem Yoga-Castle duftet es verführerisch. Ich habe Sonnenschnecken gebacken. Mit glutenfreiem Hefeteig, der beste, den ich jemals ausprobiert habe! Und mit Gelinggarantie, denn auch beim zweiten Mal sind die Schnecken zu Monsterschnecken geworden, herrlich fluffig und weich. Keine Türstopper oder Wurfwaffen.

Und auf Æblerø duftet es nach Birke, nach Grün, Frühling und Raps, der sich Gelb auf die Balkonstühle gelegt hat. Morgen ist Brückentag. Herrlich! Und „Like a Bridge over Troubled Water“ kommt mir in den Sinn. Dienstag ist Flohmarkt! Und ich freue mich auf viele liebe Freunde, die vorbeikommen, auf freundliche Gesichter, auf Zusammenhalt und auf Freude, auf Zuversicht und Gemeinschaft.

Ich freue mich auf viele weitere sonnige Episoden mit dem Marktfräulein – und gebe ab, an die beste Veganista, die man sich vorstellen kann!

Und hier das Rezept:

  • 15 g Frischhefe
  • 150 ml lauwarmes Wasser
  • 450 g glutenfreies Mehl (hier: Dr. Schär Mix B)
  • 2 Prisen Salz
  • 50 g Puderzucker
  • 1 TL Anis, gemahlen
  • 100 ml Milch
  • 10 Tropfen Vanilleextrakt
  • 1 Bio-Ei
  • 3 EL Maiskeimöl
  • 1 EL Flohsamenschalen
  • 2 TL Xanthan

Löst die Hefe im warmen Wasser auf. Gebt das Mehl, Salz, Zucker und Anispulver in die Rührschüssel. Drückt eine Vertiefung in die Mitte und gebt das Wasser mit der aufgelösten Hefe hinein. Vorsichtig verkneten und 20 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen.

Milch, Vanilleextrakt und Ei sowie Flohsamenschalen und Xanthan nach der Gehzeit hinzufügen und etwa 5 Minuten alles zu einem glatten Teig verkneten.

Den Teig mit Frischhaltefolie abdecken und erneut an einem warmen Ort um das doppelte aufgehen lassen.

Anschließend glutenfreies Mehl auf die Arbeitsfläche streuen. Teig in ca. acht Teile teilen. Aus jedem Teil 30 cm lange Würste rollen und zu Schnecken legen. Zeigende gut festdrücken.

Die Schnecken auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit Frischhaltefolie abdecken und nochmal 10 Minuten gehen lassen.

Backofen in der Zeit auf 230 Grad vorheizen und die Schnecken 15 bis 20 Minuten backen.

Auf einem Rost abkühlen lassen!

Treffen sich zwei Fräuleins – Pilotfolge

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 1

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 2

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 3

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 4

Treffen sich zwei Fräuleins – Episode 5

Treffen sich zwei Fräuleins…Episode 3: Hände hoch oder ich quietsche!

Dieses weiße Kaninchen rennt durch meine Wohnung! Es brüllt und starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Ich hab keine Zeit!“ Aber Zeit hast Du gehabt vom Rheinland nach Hannover zu hoppeln, entgegne ich in Gedanken. Denn das Kaninchen hatte erst meine liebste Blogger-Freundin um ihren inneren Frieden gebracht, bis es jetzt bei mir gestrandet war. Mit entsetztem Blick auf die umzuklappende Seite des Kalenders stellte ich fest, dass es September ist! September!

Im Radio faseln sie etwas von Herbstanfang. Kalendarisch, nicht meteorologisch, weil das einfacher zu rechnen ist. Aha…

Die Moderatoren ernten ein Stirnrunzeln meinerseits. Einfacher zu rechnen also… Mathe hab ich nie gemocht, also sei es drum. Was mir allerdings nicht verborgen bleibt, ist dass es tatsächlich September ist, und das hoppelnde Pelztier mich lautstark daran erinnert.

So steht es vor mir und klopft mit seinen überdimensionalen Füßen mit in die Hasenhüften gestützten Vorderpfoten auf das Klicklaminat, schüttelt mit dem Kopf und schnalzt missachtend mit der Zunge.

Kann es Gedanken lesen?

Das Kaninchen löst sich plötzlich in Rauch auf und vor mir steht ein getigertes, grinsendes Katzenwesen. „Hallo?!“ schnurrt es. Oh, Carroll, denke ich und trolle mich in die Küche.

Der verrückte Hutmacher sitzt auf der Anrichte und hält mir eine halbe Tasse entgegen. „Tee?“ fragt er verschmitzt. Ich nicke und will ihm die Tasse entgegennehmen, da lacht es plötzlich und vom Regal blickt mich eine dicke, grüne Raupe an, die ihre Shisha-Pfeife pafft und interessiert auf meine in der Luft verharrenden Hände starrt.

„Bleibt wo Ihr seid oder ich quietsche!“ Quietsche? Was für ein Blödsinn, denke ich, doch plötzlich stiehlt sich ein fettes Grinsen in mein Gesicht.

Die Grinsekatze hört urplötzlich auf zu grinsen und kriegt es scheinbar mit der Angst zu tun. Sie rollt noch einmal bedrohlich mit den Augen, dann verschwindet sie, bis auch das letzte Stück geringelte Schwanzspitze verschwunden ist.

Die Raupe kriecht von dannen, bis man nur noch vage am Horizont eine Rauchwolke erahnen kann.

Nur das weiße Kaninchen bleibt neugierig in der Küche stehen, schmeißt den rasselnden Wecker in die Ecke und nimmt auf dem Küchenstuhl Platz.

„Kaninchen!“ sagt es. „Ich bin ein Kaninchen!“ Dabei knöpft es sich die Weste im Paisley-Muster auf und krempelt die Hemdsärmel hoch.

„Ich hab doch gar nicht Hase gesagt!“ protestiere ich, doch das Kaninchen unterbricht mich: „Du hast Hasenhüfte geschrieben!“ „Ist richtig!“ gebe ich kleinlaut zu und suche die Zutaten zusammen, die ich für unser Projekt benötige.

„Was wird das?!“ fragt das Kaninchen.

„Spinat-Feta-Quiche!“

„Dacht ich’s mir!“

Selbstzufrieden lehnt sich das Kaninchen zurück und legt die puscheligen Pfoten auf den Küchentisch. Ich räuspere mich missbilligend. „‚Tschuldige!“ murmelt es und nimmt die Pfoten vom Tisch.

„Und? Wie war es bei der Bratkartoffelbrot-Heldin Jenny?“

Das Kaninchen seufzt: „Schön!“ sagt es und es wird träumerisch. „Gemüse!“ sagt es und zieht das „ü“ genießerisch in die Länge. „Und sooooo nett!“

Ich muss lächeln. Das dachte ich mir. Bei Jenny kann es nur schön sein. „Du hast sie aber ganz schön ins Schwitzen gebracht!“ sage ich während ich den Spinat für die Quiche wasche und im Rührgerät einen Mürbeteig zubereite.

Das Kaninchen blickt zu Boden und zupft sich imaginäre Fusseln vom Bauch.

Plötzlich sagt es kleinlaut: „Werd’s nie wieder tun!“

„Glaub ich nicht!“ entgegne ich. „Macht aber nix, es muss ja weitergehen, unser Kochreigen meine ich.“

Das Kaninchen nickt eifrig und schaut mich aus großen, treuen Augen an. Plötzlich sagt es: „Krieg ich auch’n Stück?“

„Natürlich!“ antworte ich. Dann wende ich mich der Quiche zu.

Für den Boden:

  • 150 g glutenfreies Mehl
  • 20 g Butter oder Margarine
  • 80 g Magerquark
  • 1 Ei
  • 1/2 TL Salz
  • Butter oder Margarine für die Form

Aus den Zutaten einen Mürbeteig herstellen und diesen für mindestens 30 Minuten kaltstellen.

Für die Füllung:

  • 400 g Blattspinat
  • 1 Frühlingszwiebel, in feine Scheibchen geschnitten
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 EL Olivenöl
  • 200 g Magerquark
  • Salz und Pfeffer
  • Muskat
  • 125 g Schafskäse

Die Zwiebel und den Knoblauch im Öl anschwitzen. Den Spinat gewaschen hinzufügen und mit den Gewürzen abschmecken. Quark einrühren und die Temperatur reduzieren.

Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen. Eine feuerfeste Form fetten und den Teig darin ausrollen. An den Rändern hochdrücken.

Die Spinatmischung auf den Teig geben und mit dem Schafskäse bestreuen. Die Quiche im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad (Ober-/Unterhitze) etwa 30 Minuten backen. Fertig!

Als ich mich umdrehe, ist das Kaninchen verschwunden. Ein Zettel liegt auf dem Küchentisch:

Bloggst Du noch oder backst Du schon?

Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 1: Rhabarber-Marzipan-Kuchen 

Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 2: Von Stachelbeeren, Bienenstichen und unerfüllten Musikwünschen

 

Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 2: Von Stachelbeeren, Bienenstichen und unerfüllten Musikwünschen

Die perfekte Küchenmusik zu Stachelbeeren ist doch eigentlich "Sting", denke ich mir und trällere "Roxanne" von "The Police" vor mich hin: "Roooxaaane – you don't have to turn on the red light!" Sting soll ja seinerzeit halb von der Leiter gefallen sein, als er das erste Mal eine Platte von sich im Radio gehört hat. Er renovierte gerade.

Mein Göttergatte und eine meiner besten Freundinnen sind auch häufiger im Radio zu hören, weil sowohl meine bessere Hälfte als auch meine liebe Freundin irgendwie den Dreh raus haben, bei Radiogewinnspielen zu gewinnen. Das setzt voraus, dass man auch durchkommt… Allein diese Hürde…

Was das angeht, bin ich traumatisiert: Ich war etwa 13, 14 Jahre alt und räumte mein Zimmer auf, hörte nebenbei "Das Beste im Norden" und fühlte mich aufgefordert, dort anzurufen und mir ein Lied zu wünschen. Ich griff zum Telefonhörer, wählte die angesagte Nummer und erreichte tatsächlich jemanden im Studio. Das Gespräch lief in etwa so ab:

"Hallo, hier ist Max Mustermann vom Radio Muster. Und Du möchtest Dir also einen Song wünschen?"

"Ja, hallo, hier ist Kristina. Ich würde mir sehr gerne 'Quit playing games with my heart' von den Backstreet Boys wünschen!" [KEIN KOMMENTAR – ich war bis 14 ein riesiger Backstreet Boys-Fan…]

"Oh, ja, das ist jetzt schwierig. Kannst Du Dir nicht 'I'm running up that hill' von Kate Bush wünschen?"

"Öhm, eigentlich wollte ich das nicht hören, aber nun gut, okay!"

"Super, dann nehmen wir jetzt Deine Grüße und was Du sonst noch sagen willst auf und Du sagst am Schluss, dass Du Dir Kate Bush mit 'I'm running up that hill' wünschst!"

"Super!" sagte ich, sprach meine Nachricht auf und wartete frohlockend auf meinen Einspieler. Doch er kam nicht, nur das dusselige Lied wurde gespielt. PAH!

Ich war mächtig enttäuscht und boykottierte eine Zeitlang Kate Bush, Radio Muster und Anrufe in Radiostationen im Allgemeinen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich es mit Anrufen in Radiostationen nicht so habe. Wie dem auch sei, Sting, der seinen Künstlernamen einem schwarz-gelb gestreiften Pullover zu verdanken hat, der ihn aussehen ließ, wie eine Biene, jedenfalls, dieser Weltstar plumpste also fast von seiner Leiter.

Und so schließt sich der Kreis, denn heute präsentiere ich anlässlich unseres zeitversetzenden "Synchron-Backens" (oh Du wunderbares Oxymoron) mit der lieben Jenny von "Vegan & Heimatlos" meinen Teil unseres wunderbaren Konzeptes:

Einen glutenfreien Bienenstich mit einer Vanillepudding- und Stachelbeer-Füllung.


Ihr braucht:

FÜR DEN TEIG

  • 200 g glutenfreies Mehl (z. B. Kuchenmehl von Hammermühle)
  • 100 g Butter
  • 200 g Zucker
  • 4 Eier (Größe M)
  • 200 ml Sahne
  • 1 Päckchen glutenfreies Backpulver

Verrührt die weiche Butter mit dem Zucker und gebt die Eier eines nach dem anderen dazu. Anschließend die Sahne und das gesiebte Mehl mit dem Backpulver vermischt mit in den Teig rühren.

Springform fetten.

Alles zu einem sämigen Teig rühren und in die Springform füllen.

Backofen auf 175 ° C vorheizen und den Kuchen backen, bis die Oberfläche fest ist – das dauert ungefähr 25 Minuten.


Kommen wir zur Mandelkruste.

FÜR DIE MANDELKRUSE

  • 50 g Butter
  • 4 EL Zucker
  • 2 EL Sahne
  • 50 g gehobelte Mandeln

Die Butter zerlassen, mit dem Zucker und den Mandeln vorsichtig vermengen und über den halbgaren Kuchen verteilen.

Den Kuchen wieder in den Ofen geben und bei 175 ° C etwa 10 bis 15 Minuten fertig backen.

Und nun nähern wir uns den Füllungen.

Zunächst die Vanillepuddingfüllung:

  • 1 EL glutenfreies Mehl
  • 1 Ei
  • 250 ml Milch
  • 2 TL feine Speisestärke/Maisstärke
  • 2 EL Zucker
  • 1/2 TL Vanillezucker

Ei, Zucker und Vanillezucker gut verrühren, glutenfreies Mehl und Speise-/Maisstärke hinzufügen. Milch in einem Topf erwärmen und nach und nach in die Ei-Zucker-Mehl-Masse einrühren, bis eine geschmeidige Creme entsteht. Diese dann unter stetigem Rühren in einem Topf erwärmen, bis sie kurz vor dem Kochen fest wird. Vor dem Gebrauch gut abkühlen lassen.

Und nun zur Stachelbeerfüllung.


Eigentlich ist es nichts anderes als Stachelbeerkompott bzw. Marmelade:

  • 1 kg rote oder grüne Stachelbeeren
  • 1 kg Gelierzucker 1:1

Ich habe etwa 1 kg rote Stachelbeeren abgewaschen, ggf. kleine Blättchen entfernt und mit 1 kg Gelierzucker 1:1 aufgekocht. Als alles gelierte, habe ich die Stachelbeeren heiß in saubere Gläser abgefüllt.

Den Kuchen aus dem Ofen nehmen, wenn die Backzeit rum ist und ordentlich abkühlen lassen! Es ist wirklich wichtig, dass der Kuchen nicht mehr warm ist, denn sonst gelingt Euch das Trennen / Durchschneiden der Böden nicht so unbedingt.

Wenn der Kuchen also ganz abgekühlt ist, mit einem langen, scharfen (Torten-)Messer den Kuchen in drei Böden teilen. Dann beginnt das Zusammensetzen. Ganz nach unten kommt ein Kuchenboden. Auf diesen streicht Ihr eine großzügige Schicht Stachelbeermarmelade. Dann setzt Ihr den nächsten Boden darauf. Auf diesen Tortenboden streicht Ihr dann die Puddingcreme und setzt zuoberst dann den Boden mit der Mandelkruste. Et voila – Euer Bienenstich mit Stachelbeerkompott-Schicht ist fertig!


Demnächst werde ich dann auch mal wieder auf einer Leiter stehen und Wände streichen. Ein Radio wird spielen und sicherlich kann man sich wieder etwas wünschen. Ich werde meinem Göttergatten sagen, dass er doch zum Hörer greifen sollte. Mein Musikwunsch wäre heute ein anderer, vielleicht 'Our house' von Madness. Und bevor eben jene mich ergreift, verabschiede ich mich von Euch in den wohlverdienten Sommerurlaub.

Man liest sich, Euer Frøken Fluesvamp

Und wenn Ihr neugierig seid, wie alles begann, schaut Ihr hier:

Bloggst Du noch oder backst Du schon?

Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 1: Rhabarber-Marzipan-Kuchen

 

Treffen sich zwei Fräuleins… Episode 1: Rhabarber-Marzipan-Kuchen 

Treffen sich zwei Fräuleins auf einer saftigen Blogger-Wiese voller frischer Ideen.

Marktfräulein wäre nicht Marktfräulein, wenn sie nicht kurzerhand und kurzentschlossen leidenschaftlich die Idee direkt per Eil-Rohr-Turbo-Post ins Fliegenpilzland geschossen hätte – mit ihrer Kanone, denn man nennt sie auch die Seeräuber-Jenny! Tataaaa! 

Den Säbel zwischen die Zähne geklemmt ruft sie dem donnernden Kanonenstoß hinterher: „Fliehenfilz! Scheim wi‘ wasch schusammen?“ 

Das – hochverehrtes Publikum – war rheinländisches Seeräuberisch und entsteht dann, wenn man den Säbel beim Sprechen zwischen den Zähnen lässt. So eifrig ist das Marktfräulein; jongliert stets mit den waghalsigsten Kombinationen und zaubert vegane Köstlichkeiten aus ihrem Dreispitz. 

Doch Fliegenpilz wäre nicht Fliegenpilz wenn dies nicht eine herausragende Herausforderung wäre, die so’n Fliegenpilz annehmen muss! Also klemme ich mir die Flotte Lotte unter den Arm, um so für die musikalische Untermalung zu sorgen und gehe in mein Yoga-Castle. 

Welcome to my Pleasure-Dome!

Und hier unsere Spielregeln: Es wird gebacken! Die zu verwendende Zutat ist Rhabarber.

Und nun – liebe Lesergemeinde – wird hier im Fliegenpilzland beim liebreizenden Fräulein Fliegenpilz (das bin ich) glutenfrei und in Jennys Kombüse vegan gebacken, gebrutzelt, geraspelt, gebraten und anschließend darüber gebloggt. 

Ich habe mich dieses Mal für einen saftigen Rhabarber-Marzipan-Kuchen entschieden. 

Und so geht’s:

  • 400 g Marzipan-Rohmasse
  • 5 Bio-Eier (Größe M)
  • 200 g Rohrohrzucker + etwas zum Bestreuen
  • 200 g Mehl
  • 4 Stangen Rhabarber, in ca. 2 cm große Stücke geschnitten 
  • etwas Fett für die Form

Das Marzipan in eine große Rührschüssel zupfen. Den Zucker hinzufügen, die Eier aufschlagen und ebenfalls in die Rührschüssel geben. Mit einem Handrührgerät alles schön schaumig schlagen. 

Das Mehl löffelweise hinzufügen, während man weiter rührt, bis alles eine schöne Masse geworden ist.


Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Eine Springform einfetten und den Teig einfüllen. Die Rhabarberstücke in den Teig drücken und diese mit Zucker bestreuen. 


Den Kuchen auf der mittleren Schiene für etwa 45 Minuten backen. Nach etwa 25 Minuten den Kuchen mit Alufolie abdecken, damit er nicht schwarz wird.

Nach der Backzeit ordentlich auskühlen lassen und erst dann aus der Form nehmen.


Und nach getaner Arbeit legt das Fräulein Fliegenpilz ihre Füße hoch – auf dem wunderbaren roten Cordsofa, denn leider herrscht auf Æblerø noch die Maikühle. Auf ihren Beinen jongliert sie den Teller mit einem Stück Rhabarber-Marzipan-Kuchen und fragt sich:

„Welche Köstlichkeit wird wohl in der rheinländischen Kombüse entstehen?“

Bleibt gespannt!

Herzlichst, 

Euer Fräulein Fliegenpilz 

P.S.: Und wer den Anfang dieser Geschichte kennenlernen möchte, wirft seinen Blick auf Bloggst Du noch oder backst Du schon?!