Putin und der Dalai Lama – mysteriöse Nominierungen und glutenfreie Mürbeteigkekse

Ich bin nominiert worden. Für den „Mystery Blogger Award“. Ich habe mitgemacht. Ich habe mir Fragen ausgedacht. Die Fragen wurden beantwortet. Von Bloggern, die ich wiederum nominiert habe. Eine meiner Fragen war, welche berühmte Person sie – also die Nominierten – denn einmal gerne treffen und interviewen würden. Dabei war es egal, ob die Person noch lebt oder schon in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist.

Meermond aus meiner Herzensheimat war dabei sehr kreativ und nannte zwei Personen für ein Doppelinterview: Putin und den Dalai Lama. Zuerst dachte ich: explosive Mischung, dann dachte ich – interessant. Und ich fragte Meermond, ob ich über das Interview bloggen dürfe. Meermond stimmte zu. Und während ich in meinem Yoga-Castle vor mich hinsummend glutenfreie Mürbeteigplätzchen buk, nahm das Interview in meinem Kopf Gestalt an.

Auftritt Putin:

„Guten Tag, Herr Putin. Hatten Sie eine gute Anreise?“

„Da!“ antwortet er.

Der Dalai Lama lächelt, denn das kann er gut. Einfach lächeln.

Putin guckt irritiert, reicht dem freundlichen Mann dann aber die Hand und quittiert das anhaltende Lächeln des In-sich-Ruhenden mit etwas, das eher an Zähnefletschen erinnert.

Der Dalai Lama deutet mit dem Kopf auf den Hocker neben sich, Putin soll sich dort hinsetzen. Und Putin setzt sich.

Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so ruhig ist es. Der Dalai Lama räuspert sich, dann fragt er den Mächtigen: „Essen Sie auch so gern Weihnachtskekse?“

Putin ist zum zweiten Mal innerhalb von zwei Minuten irritiert. Dann schaut er auf den Teller, der neben dem Dalai Lama steht. Kekse, Dominosteine, Lebkuchen, Spekulatius, dazu einige in buntes Papier eingewickelte Pralinen. „Ich mag ja ganz besonders diese hier!“ fügt der Dalai Lama an und deutet auf die Kekse in Herzform. Dann schmunzelt er wieder. Putin räuspert sich, dann sagt er: „In Russland machen wir uns eigentlich nicht so viel aus Weihnachten!“ Das scheint den Dalai Lama zu amüsieren, denn er kichert. „In Tibet werden Sie auch nicht unbedingt einen geschmückten Tannenbaum finden!“ „Hmm…“ brummt der Oligarch und greift sich einen Dominostein. „Hmm!“ macht er wieder, dies Mal mit Ausrufezeichen. „Gut?! Nicht wahr?!“ sagt der Mönch und tut, was er besonders gut kann – lächeln.

Putin nickt. Es scheint so, dass der sonst so gut vorbereitete Mann sich ein bisschen unwohl in seiner Haut fühlt. Er rutscht auf dem Stuhl hin und her wie ein kleiner Junge kurz vor der Bescherung.

Der Dalai Lama greift sich als nächstes einen Spekulatius. „Krümelt!“ stellt er fest und schnippt dabei Kekskrümel von seinem orangefarbenen Gewand. Ein besonders dicker Krümel landet auf Putins Maßanzug. „‚Tschuldigung!“ murmelt der Dalai Lama mit vollem Mund. Putin nickt wohlwollend und muss dann plötzlich grinsen. Der Dalai Lama hat was Erfrischendes, wie er so dasitzt und Kekse mümmelt. „Ich glaube,“ sinniert er,“mit Keksen könnte man Frieden stiften auf der Welt!“ Putin ist plötzlich wieder irritiert. Der alte Mann bringt ihn an seine Grenzen. Was er sagt und tut ist unvorhersehbar. „Weihnachten! Kekse! In den Herzen wird’s warm!“ spricht er weiter und blickt dabei mit soviel Sehnsucht in die Ferne, dass selbst der stahlharte Putin schlucken muss. „All die Religionen. Sie haben doch aber eins gemein: Frieden! Die Menschen wollen Frieden!“

Weise Worte, denke ich und lehne mich in meinem Sessel zurück, blicke auf die beiden Herren. Der eine mümmelt scheinbar vergnügt Kekse in sich hinein. Der andere sitzt in seinem Maßanzug da und macht den Eindruck, als ob er die Welt nicht mehr versteht.

Und ich frage mich, ob er sie nicht genau gerade jetzt am allerrichtigsten sieht.

Mit diesem Gedanken schleiche ich mich aus dem Raum. Als ich vorsichtig einen Blick zurückwerfe, sehe ich, wie Herr Putin einen Zettel vollschreibt. War das etwa sein Lieblingskeks-Rezept?

Für ca. 25 Mürbeteigsterne braucht Ihr:

  • 300 g glutenfreies Mehl (z. B. Dr. Schär Kuchen & Kekse)
  • 120 g Zucker
  • 120 g kalte Butter
  • 1 EL Vanillezucker
  • 1 Ei (Größe M)
  • Selbstgemachte Marmelade oder Gelee (Himbeer oder Johannisbeer)
  • Mehl für die Arbeitsfläche

Heizt den Backofen vor auf 180 Grad Ober-/Unterhitze. Gebt das Mehl auf die saubere Arbeitsplatte, drückt eine Mulde in die Mitte und gebt Zucker, Butterflocken, das Ei und den Vanillezucker in die Vertiefung. Nun knetet Ihr rasch einen geschmeidigen Teig.

Der Teig muss nicht zwingend in den Kühlschrank, meine Erfahrung ist, dass es nicht schadet, wenn Ihr Euch die Zeit nehmt und ihn für 30 Minuten kühl stellt.

Danach gebt Ihr etwas Mehl auf die Arbeitsfläche und rollt den Teig aus. Gebt Frischhaltefolie zwischen Nudelholz und Teig, so klebt der Teig nicht überall fest.

Nun stecht Ihr Herzen aus und legt diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech. Stecht die gleiche Anzahl an Keksen aus und stecht aus diesen ein kleineres Herz aus, in das dann die Marmelade oder das Gelee kommt. Nehmt diesen Keks vorsichtig hoch und legt ihn auf den Keks.

Gebt Marmelade oder Gelee in das herzförmige Loch.

Nun schiebt das Backblech in den vorgeheizten Ofen und backt die Kekse bei 180 Grad für 10 bis 15 Minuten.

Auskühlen lassen und in eine Keksdose legen oder gleich aufessen!

Gutes Gelingen wünscht Euch

Frøken Fluesvamp 🍄

Lotte, übernehmen Sie! Heute: Die Zuckerbäckerin

„Noël, Noël, Noël, Noël – Born is the King of Israel,“ singt es aus dem Küchenschrank. Lotte, ihres Zeichens französische Chansonsängerin und tüchtige Küchenhilfe (ver)lockt mich mit ihren süßen Klängen und stimmt ein französisch-englisches Weihnachtslied an. Wer Lotte noch nicht kennt, dem sei sie hier vorgestellt Die Lotte ist ’ne flotte.

Lotte ist ein Allroundtalent, vielseitig einsetzbar, motivierend, animierend – doch keineswegs diese Art Robinson-Club-Animateurin. Lotte begegnet man mit einem „en chanté“. Lotte hat Stil! Lotte ist „voll retro“. Und Lotte wohnt in unserem Küchenschrank.

Lotte ist heute voll auf dem Quittentrip. Pain de Coing, Quittenbrot! Zunächst die 1,5 kg Quitten entflaumt und dann mit Stumpf und Stiel in einem großen Topf mit einem Hauch Wasser weich gekocht. 

Und während ich mit ihr oder sie mit mir in der Küche feinstes Quittenpüree aus 1,5 kg Quitten zubereite, singe ich mit ihr oder sie mit mir die ersten Weihnachtslieder. Erst trällert es so in meinem Kopf, dann wird’s lauter – und in schönster Einheit tirilieren wir gemeinsam.

Und dann – das Ergebnis. Das kann sich sehen lassen: Das Püree ist in seiner Schüssel – die Kerngehäuse entfernt – , wird gewogen und dieselbe Menge Zucker wird hinzugefügt, in einen großen Topf umgefüllt und dann bei schwacher Hitze und regelmäßigem Rühren (!) für ca. 45 Minuten eingekocht. Lotte nimmt derweil ein Schaumbad und genießt die verdiente Entspannung. Ich summe vor mich hin, bereite ein Backblech mit Backpapier vor, als mir plötzlich meine bessere Hälfte zuruft: „Die Knochenfunde sind von einer Frau!“

„Kombiniere!“ denkt sich Sherlock Fluesvamp, beißt in Ermangelung einer Pfeife vom Marzipanbrot ab und rückt sich die rote Schürze mit den weißen Punkten zurecht. „Es war also nicht der von Königsmarck.“

Das eingedickte Püree kühlt gerade ein wenig ab und ich hänge meinen Gedanken nach. Nick Knatterton hätte nun an seinem Pfeifchen gezogen, die Lippen hätten ein leicht ploppendes Geräusch von sich gegeben – schmauchend und den Kopf hin und her wiegend. „Keine männlichen Knochen also…“

Ich eigne mich eh nicht als Ermittlerin, viel zu aufregend, daher streiche ich lieber die Masse auf dem mit Backpapier ausgelegten Backblech aus und stelle dieses dann an einen warmen Ort – für vier Tage.

Was sind schon vier Tage? Diese Knochen auf der hannoverschen Baustelle an der Leine lagen dort Hunderte von Jahren. Und es war nun doch nicht der Geliebte der hübschen Adligen. Ein Jammer. Was wäre eine Geschichte! Zugegeben – nicht für das Paar selbst, dessen Liebe leider von Beginn an unter keinem guten Stern stand. Aber spannend…

Vier Tage später also schneide ich – Lotte schlummert im Küchenschrank und träumt vermutlich von französischen Köstlichkeiten – das inzwischen verfestigte Quittenbrot mit einem Pizzarollmesser in gleichgroße Würfel. 


Ein wenig klebrig ist es noch, und es duftet verführerisch fruchtig. Ich habe sogar gelesen, dass selbst Nostradamus für diese Süßigkeit geschwärmt haben soll. Ob er wohl weiß, um wen es sich handelt? Die Knochenfunde, meine ich. Obwohl – Nostradamus hatte eher Großprojekte am Start.

Ich beschäftige mich lieber mit meinem Quittenbrot, nehme zwei große Auflaufformen und fülle Kokosraspel in die eine und gemahlene Mandeln in die andere Schüssel. Dann wende ich die bernsteinfarbenen Würfel entweder in dem einen oder in dem anderen und lege die Würfelchen dann in eine Metalldose, die ich vorher mit Backpapier ausgelegt habe. 


Zwischen die einzelnen Lagen lege ich auch Backpapier.

Aus dem Küchenschrank höre ich leises Klappern. Lotte streckt sich und gähnt. Ich gähne und strecke mich auch.

Das Quittenbrot ist gut verstaut, der Abwasch wartet auf sein Schaumbad und das Sofa wartet auf mich. Wie lange hat wohl die Kurfürstin auf ihren Geliebten gewartet…ein grausiger Gedanke. Ich sagte doch: Ermittlerin, das ist nichts für mich, aber vielleicht…

In diesem Sinne – bleibt neugierig 😉

Euer Frøken Fluesvamp