Ein Zwiegespräch bei Pflaumenkuchen mit Zimt

„Komm rein, komm rein. Du bist ja völlig durchnässt!“ sagt er und winkt den Besucher hinein. „Fühl Dich wie zu Hause!“ Ein strahlendes Lächeln. „Breite Dich aus!“ Dann stutzt der Gastgeber. „Oh Du tropfst ja alles voll!“ Eilig wischt er die Nässe beiseite. „Ach, egal! Setz Dich! Möchtest Du was trinken?“ Der Besucher schüttelt mit dem Kopf. „Nicht?“ fragt der Gastgeber bestürzt, und kurz fällt das Lächeln aus dem Gesicht, das Strahlen ist ein wenig – nun, wolkenverhangen. „Du – hmm… – Du siehst ein wenig grau aus!“ stellt der Gastgeber fest und rührt in seinem Schirmchendrink. Eine Erfrischung tut ihm immer gut, besonders eine mit klirrenden Eiswürfeln und Zitronenscheiben.

„Ufff…“ macht der Besucher und lässt sich dabei auf den dunklen Sessel fallen. Die Eiswürfel klappern im Glas; der Gastgeber ist etwas nervös. „Der…der Sessel…“ haucht er. „Waaaas?“ faucht der Besucher. Das dunkle Grün färbt sich noch dunkler, erinnert an Moos. „Nichts, nichts…“ erwidert der Gastgeber. „Du hast ja recht!“ gibt er zu. „So lange habe ich mich zurückgehalten!“ Die Stimme des Besuchers klingt eingerostet, rauh, so als wenn er sie eine lange Zeit nicht benutzt hätte. Der Gastgeber nickt und schaut in die Augen seines Besuchers. „Gut, dass Du da bist!“ stellt der Gastgeber fest.

Der Besucher nicht. Wassertröpfchen sprühen über den gelb-grünen Teppich. „Schau Dir das doch mal an!“ und zwei Tränen rollen aus seinen moosgrünen Augen. Entschieden streicht er das rotgoldene Haar zurück. „Ich bleibe eine Weile. Dann ziehe ich weiter!“

Der Gastgeber nickt ergeben. Seine Tage sind gezählt, auch er merkt das. Abends ist er so müde und geht viel früher ins Bett als noch vor ein paar Wochen. Da hat er an Kinderzehen gekitzelt, die Beeren rot und tief dunkelblau gefärbt. Knospen hat er aufspringen lassen. Aber seinen Freund hat er vermisst – jawohl. Der Regen hat sich lange nicht blicken lassen, und nun ist er gekommen, im Schlepptau seinen Bruder. Eine kurze Stippvisite hat er gesagt. Eigentlich mag er ihn ja. Dass sie sich immer nur kurz sehen, nun, das ist nicht zu ändern. Er wird wohl auch bald weiterziehen und seine sieben Zwetschgen packen.

„Zwetschgen!“ sagt er. Der Besucher blickt auf. „Hab mir redlich Mühe gegeben!“ sagt der Gastgeber. Anerkennend schaut der Besucher auf ein Stück Kuchen. Der Duft ist betörend. „Zimt!“ stellt der Besucher fest. „Ich weiß!“ sagt der Gastgeber und nickt, dass die goldblonden Locken nur so wippen. „Eher was für…“ Plötzlich wird die Tür aufgedrückt. Eine frische Böe fegt hinein und treibt Blätter vor sich her. „Verzeih!“ bittet der Gast. „Ist ein bisschen mit mir durchgegangen. Bis dahin ist doch noch Zeit. Aber sag – liebster Bruder – Du sprachst von Zwetschgen. Hättest Du wohl ein Stück Zwetschgenkuchen?“

Ihr braucht:

Für den Teig:

  • 150 g weiche Butter oder Margarine plus etwas für die Form
  • 200 g glutenfreies Mehl
  • 2 TL Flohsamenschalen
  • 1 TL Xanthan
  • 1 TL Backpulver
  • 125 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Zimtpulver
  • 2 Bio-Eier
  • 400 g Zwetschgen oder Pflaumen (mit Stein)

Zum Bestreuen:

  • 30 g Zucker
  • 30 g Mandelblättchen
  • 20 g eiskalte Butter

Fettet eine Springform mit Butter und stellt sie beiseite. Heizt den Backofen auf 200 Grad vor. Gebt die weiche Butter, Zucker und Zimtpulver in eine große Rührschüssel und verrührt alles, bis ein cremiger Teig entsteht.

Fügt die Eier hinzu, dann nach und nach die Mischung aus Mehl, Flohsamenschalen, Backpulver und Xanthan. Gebt den Teig in die gefettete Form.

Entsteint die Zwetschgen oder Pflaumen und viertelt sie. Drückt sie im Halbkreis in den Teig.

Bestreut die Pflaumen/Zwetschgen mit Zucker, 30 g Mandelblättchen und eiskalten Butterflocken.

Backt den Kuchen für ca. 35 Minuten bei 200 Grad auf der untersten Schiene des Backofens. Anschließend auskühlen lassen und dann mit frischgeschlagener Sahne genießen!

Und? Wisst Ihr, wer sich heute im Norden getroffen hat auf einen Plausch und ein Stück Kuchen?

Einen gemütlichen Sonntag und viel Spaß beim Nachbacken wünscht Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Rosenblütengelee

„Haben wir im Urlaub gemacht!“ antworte ich und nicke dabei strahlend. Die Reaktion sind meist fassungslose Blicke. „Im Urlaub?“ kommt die ungläubige Frage dann. „Ja!“ erwidere ich, und mein Lächeln wird dabei noch breiter. Während ich das Glas in die Strahlen der untergehenden Abendsonne halte und fasziniert bin von der rosa-goldenen Farbe. Den Sommer eingemacht, konserviert, in ein Glas gegossen, verschlossen, aber doch sichtbar, sorgfältig beschriftet in geschwungenen Lettern. Rosenblütengelee.

Ich schließe die Augen und sehe sie vor mir, die großen grünen Büsche mit unzähligen, meist pinkfarbenen Blüten. Die Kartoffelrose ist eigentlich nicht dort beheimatet, fühlt sich auf dem dänischen Boden allerdings sauwohl. Von Kindheit an verbinde ich den Duft der Rosen mit Sommerurlaub. An den Ferienhäusern waren meterhohe Hecken, derer man kaum Herr werden konnte. Seit ein paar Jahren wird die Kartoffelrose ein wenig in ihre Schranken gewiesen. Die Böden sollen sich erholen. Und so sieht man die Rosen zwar immer noch zahlreich, allerdings ist sie nicht mehr ganz so stark präsent.

Ich erfreue mich jedenfalls an einigen großen Büschen, die um unser Ferienhaus stehen und schneide von der pinken Pracht ein paar Zweige ab, stelle sie in einen kleinen Krug, den ich in den Schränken des Ferienhauses finde.

Wunderschön sieht das aus und duften tut es. Sommerurlaub! Mein Gehirn ist im Entspannungsmodus. Womit wir wieder beim Rosenblütengelee wären. Einkochen ist Meditation. Man reiche mir einen Eimer Johannisbeeren, zehn Kilo Bohnen, Erbsen – ich entrispe und putze sie. Obst- und Gemüse-Yoga.

Und so geht mein Vorzeigemodell an einem dieser entspannten Tage in den frühen Morgenstunden an einen dieser Rosenbüsche und pflückt etwa 1 l Rosenblüten. Pfeift dabei ein Lied und kommt strahlend zurück. Ich grinse ihn an. „Na?“ frage ich. „Sommerurlaub!“ sagt er. Da kann ich ihm nur zustimmen.

Rezept für ca. 7 Gläser Rosenblütengelee

Ihr braucht:

    1 l duftende Rosenblüten (dabei ist es im Prinzip egal, ob Ihr die dänische Kartoffelrose nehmt oder eine andere wohlriechende Rose)
    500 ml Wasser
    400 ml Apfelsaft
    Saft einer halben Bio-Zitrone
    1 kg Gelierzucker 1:1
  • 500 ml Wasser mit 400 ml Apfelsaft mischen und die Blütenblätter dazugeben. 24 Stunden an einem kühlen, trockenen Ort ziehen lassen (nicht im Kühlschrank!).
  • Die Rosenblüten am nächsten Tage aus der Flüssigkeit fischen.
  • 750 ml von der Flüssigkeit abmessen, den Saft der Zitrone hinzufügen und alles in einen großen Kochtopf geben. Den Gelierzucker hinzufügen.
  • Zum Kochen bringen und unter ständigem Rühren zum Gelieren bringen.
  • Noch heiß in vorbereitete Gläser füllen. Fertig!
  • Das Rosenblütengelee schmeckt auch köstlich zu kräftigem Käse.
  • Probiert es mal aus!
  • Herzliche Grüße von Eurem
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Sonntagsruhe, Kindheitserinnerungen und ein sizilianischer Zitruskuchen

    Ich sitze in eine flauschige Decke gehüllt in der Ecke von Æblerø und genieße die Sonne, den Himmel und die sonntägliche Ruhe. Die Vögel zwitschern, ein altes Einweckglas mit Traubenhyazinthen steht auf dem kleinen Balkontisch vor mir und ich tu was ich selten tu: ich rauche genüsslich eine Zigarette, halte mein Gesicht in die Sonne und lasse mich von der Ruhe und den Sonntagsgeräuschen einlullen. Das, was Elisabeth Flickenschildt in ihrem Buch „Kind mit roten Haaren“ als bedrückend beschreibt, gerade wenn im Sommer sich noch die Schwere heißer aneinandergereihter Sommertage in Hamburger Stadtteil Blankenese dazu mischte, habe ich schon immer genossen. Wenn man als Kind nach einem schweren Mittagessen die Gelegenheit am Schopf ergriff, weil die Erwachsenen ihre gefüllten Bäuche auf Sofa und Sessel entspannten oder tief in im Schatten stehende Liegestühle sanken, ging ich auf Entdeckungstour in Omas und Opas Garten, kroch durch den verwilderten Gang zur Gartenlaube, pflückte Walderdbeeren, die auf dem Terrassengarten wuchsen und sammelte ein, was mir in meiner Phantasiewelt in die Finger kam und zur Geschichte in meinem Kopf passte. Kind mit rotblonden Haaren, aufgeschlagenen Knien und Sand und Dreck an Händen und Füßen.

    Wenn sich Oma, Opa, Mama, Papa, Tante, Onkel mit Gestöhne aufrichteten, weil nun endlich Platz für Kaffee und Kuchen war, war ich selig, sank selbst auf einen Stuhl, führte eines meiner erdachten Stücke auf und sorgte für Belustigung der Verwandt- und Nachbarschaft. Ich fuhr mit einem riesigen Rhabarberblatt auf dem Kopf auf meinem kleinen roten Fahrrad über den Schotter des Hofes, spielte mit einem Tennisschläger Labamba und sang dazu oder zeigte voller Stolz meine erste Zecke am Po. Das fand die Gemeinschaft nicht so lustig und ich wurde auf das große hellgrüne Sofa verfrachtet, die Zecke wurde entfernt und zur Belohnung gab es Eis, weil ich nicht den Mega-Aufstand geprobt hatte.

    Mit meinen Augen ging morgens der Mund auf, sagt meine Mutter heute noch, und mein Göttergatte kann das bestätigen. Geht es mir gut, ist das meistens heute – zum Leidwesen einiger (An-)Verwandter – noch so. Tja, Kind mit rotblonden Haaren, aufgeschlagenen Knien, und Sand und Dreck an Händen und Füßen hatte schon immer Quasselwasser getrunken. Gern, sehr gern! Bin ich fröhlich, quassel ich! Ich beobachte, dass meine Stimme auch mit der Zeit immer etwas rauher wird, was – wie ich vermute – am Wortschwall liegt, der sich täglich den Weg hinaus bahnt. Ich möchte auch die Hypothese, vielleicht sogar Theorie aufstellen, dass Italiener oft eine so ergreifend rauhe Stimme haben, weil ihre Sprache so wortgewaltig ist. Ich liebe das – auf der einen Seite, auf der anderen Seite liebe ich Ruhe und Stille und die Melodie der Natur.

    Wenn ältere Menschen von ihrer Kindheit erzählen und davon, wie das Verhalten bei Tisch gewesen ist, imponieren mir manche Dinge, andere finde ich schrecklich. Neulich sagte eine Bekannte zu mir, dass es doch schön sei, wenn die Kinder bei sterbenslangweiligen Familienfeiern ein iPad in die Hand gedrückt bekommen. Ich habe mich bei Familienfeiern eigentlich nie gelangweilt. Entweder habe ich mit Omas schwarzem Kohlekajal die Blumen an der Tapete des Gästezimmers nachgemalt – sehr zur Freude aller – oder ich habe beim Abtrocknen geholfen und den Gesprächen gelauscht. Oma, die einen neuen Kühlschrank mit dem Namen „Alaska“ bekommen hatte und sagte, dass ihr schon beim Lesen des Namens ganz kalt würde. Oma, die nicht gern „Sendung mit der Maus“ geguckt hat, weil sie Mäuse nicht besonders gut leiden konnte. Und Opa, der ohne mit der Wimper zu zucken die hundertste Flasche „Doppelherz“ zum Geburtstag in einem riesigen Präsentkorb bekam, für den aber das größte seine kleine Enkeltochter war. Das kann ich mit Fug und Recht und ohne Arroganz behaupten. Diese Enkeltochter bin ich – Kind mit rotblonden Haaren. Opa, der mich aus dem Gartenteich fing, in den ich kopfüber eintauchte, weil ich die Goldfische genauer anschauen wollte, der unzählige Male Eis in der Mosterei im Dorf kaufte bei der alten „Frau Moster“, die auf Anraten eines naseweisen Kindes Schokoladenstückchen in das Schokoeis gemacht hat. Opa, der heimlich, still und leise viel zu früh von dieser Welt ging und den ich manchmal schmerzlich vermisse. Mit dem ich an vielen Nachmittagen das Zuckerbrot in den Karokaffee tunkte oder Milchreis mit viel Zimt und Zucker aß, der morgens seine Kniebeugen im gelb-gefliesten Badezimmer machte und der an Weihnachten mit liebevoll ausgestrecktem Zeigefinger und gerauntem ‚Horch!‘ dafür sorgte, dass man den Weihnachtsmann hörte.

    Und so sitze ich hier, schwelge in Kindheitserinnerungen und würde sie gern einladen zu einem Stück sizilianischen Zitronenkuchen.

    Und was würden sie wohl sehen? Was ist geworden aus dem Kind mit den rotblonden Haaren?

    Rezept für sizilianischen Zitruskuchen

    Ihr braucht:

    • 4 Eigelb
    • 4 Eiweiß
    • 125 g Zucker
    • Abgeriebene Schale von zwei Bio-Orangen + deren Saft
    • Abgeriebene Schale von einer Bio-Zitrone + den Saft
    • 125 g gemahlene Mandeln
    • 200 g glutenfreies Mehl (z. B. „Kuchen & Kekse“ von Dr. Schär)
    • 2 TL Weinsteinbackpulver
    • Mandeln und Zucker für die Verzierung

    Fettet eine Springform mit Butter oder Margarine. Rührt die Eigelbe und den Zucker schaumig und gebt die abgeriebene Schale von Zitrone und Orangen hinzu. Gießt den ausgepressten Orangen- und Zitronensaft zum Teig und lasst die Mandeln einrieseln. Gebt dann Mehl und Backpulver dazu und verrührt alles zu einem flüssigen Teig. Schlagt das Eiweiß steif und gebt es anschließend unter die Mischung.

    Gießt den Teig in die gefettete Springform und backt dem Kuchen bei ca. 180 Grad Ober-/Unterhitze bis er goldbraun ist.

    Nehmt die Form aus dem Ofen und lasst ihn abkühlen. Wenn Ihr den Kuchen aus der Form nehmt, könnte es sein, dass er etwas zusammenfällt. Das tut dem Geschmack aber keinen Abbruch!

    Zerstoßt die Mandeln im Mörser oder tut sie in einen Gefrierbeutel und haut mit dem Nudelholz darauf. Gebt zwei bis drei EL Zucker in eine Pfanne und macht Karamell. Gebt die Mandel dazu. Ständig rühren!

    Dann gebt die Mandeln auf den Kuchen.

    Ladet Euch die Liebsten ein und genießt den Sonntag!

    Herzliche Grüße,

    Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Eingemachte Rote Bete oder auch: The Kitchen is My Yoga-Castle

    Wenn ich in unserer kleinen Küche so am Rummuckeln* bin, singe ich häufig vor mich hin – mal mehr, mal weniger laut. Mal mit und mal ohne Tanzeinlage. Mir geht es gut, wenn ich in der Küche stehe, neue Sachen ausprobieren, aber auch Altbewährtes zubereiten kann. „The Kitchen is my Yoga-Castle“ sozusagen – hier bin ich entspannt und hier entspanne ich, gleiche mich aus. Woran das liegt, das weiß ich nicht, und eine Erklärung, ob nun philosophisch oder medizinisch, brauche ich auch nicht. Denn ist es nicht viel wert, wenn man weiß, was einem gut tut? Das ist doch ein ganz großes Geschenk!

    Letztens also On the Kitchen-Dancefloor trällerte ich ein Lied vom großen Meister Marius Müller-Westerhagen, und das ging so:

    Oh Margarethe, gib mir die Knete
    Und gibst du mir nicht die Knete
    Dann rate ich dir – bete

    Und in meiner abgewandelter Form weiter:

    Oh Rote Bete, Du hast doch wohl nicht gleich vergessen, wer Dich aus der Erde zog?! Oh Rote Bete.

    So, und wozu sang ich das? Zum Rote-Bete-Einmachen! Ist doch ganz einfach. 😉

    Für etwa 6 kleine Gläser (à 250 ml) braucht Ihr:

    • 1 kg kleine, relativ gleich große Rote Bete-Knollen
    • 200 g Zwiebeln
    • 400 ml Weißweinessig
    • 600 ml Gemüsebrühe
    • 1 1/2 EL Salz
    • 5 EL Zucker

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    Zuerst wascht Ihr die Rote Bete, dann gebt Ihr sie in einen Topf, bedeckt sie mit heißem Wasser und bringt alles zum Kochen. Reduziert dann die Hitze und kocht die Rote Bete im geschlossenen Topf bei mittlerer Hitze etwa 45 Minuten. Danach gießt Ihr die Rote Bete ab, lasst sie leicht abkühlen und schält sie dann unter fließendem Wasser. Und wenn Ihr nicht so aussehen wollt, als wenn Ihr gerade jemanden ausgegraben habt, solltet Ihr beim Schälen Gummihandschuhe tragen, denn die Rote Bete färbt ordentlich. 😉 Wenn Ihr alle Knollen geschält habt, schneidet sie in ca. 1,5 cm breite Scheiben. Dann bereitet Ihr die Gläser vor und verteilt die Scheiben auf die Gläser.

    Im zweiten Schritt schält Ihr die Zwiebeln und schneidet sie in feine Scheiben. Gebt den Essig und die Brühe in einen Topf, fügt die Zwiebelscheiben, das Salz, den Zucker hinzu und bringt diesen Sud zum Kochen. Lasst den Sud für etwa 2 Minuten kochen und füllt die mit den Rote Bete-Scheiben bestückten Gläser mit dem heißen Sud auf. Wichtig ist, die Gläser sofort heiß zu verschließen!

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    Nun müsst Ihr noch mindestens 10 Tage mit dem Genuss warten – vielleicht singt und tanzt Ihr einfach eine Runde 😉

    Herzlichst, Frøken Fluesvamp

    * „Rummuckeln“ bedeutet übrigens „Vor-sich-hinprusseln“, also die Zeit vergessen und irgendwas zu machen, wozu man gerade Lust hat.

     

    Sauregurkenzeit 

    „[…] Auf dem Küchentisch hat nämlich einer gesessen, der war ungefähr einen halben Meter groß. Wenn er nicht Augen und eine Nase und einen Mund und Arme und Beine gehabt hätte, hätte man ihn für eine große, dicke Gurke oder einen mittleren, dünnen Kürbis halten können. Auf dem Kopf hat er eine Krone gehabt. Eine goldene Krone mit roten Edelsteinen in den Kronenzacken. Seine Hände steckten in weißen Zwirnhandschuhen und die Zehennägel hatte er rot lackiert. […]“

    (Ausschnitt aus „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“, Christine Nöstlinger)

    © 2011 Beltz Verlag, Weinheim Basel

    Christine Nöstlingers Gurkenkönig ist genau genommen eine echt fiese, hinterlistige und egozentrische Figur, die bei Familie Hogelmann plötzlich in der Küche auftaucht und das Familienleben ziemlich durcheinander bringt.

    Mir scheint, solche Gurkenkönige kommen häufiger vor, als man denkt. Ich glaube, diese sogenannten Gurkinger können ihre Gestalt wandeln, will sagen: nicht alle miesen-fiesen Menschen sehen aus wie Gurken.  Manchmal sitzen die Gurkinger dieser Welt sowohl auf der linken als auch auf der rechten Schulter und flüstern in Flohsprache. Denn solche Gurkinger müssen irgendwie verbandelt sein mit den sprichwörtlichen Flöhen. Diejenigen, die ins Ohr gesetzt werden. Bestimmt halten sich die Gurkinger die Flöhe als Haustiere und haben sie so dressiert, dass sie in die Ohren der Menschen kriechen und anfangen, Zweifel zu sähen und ihre Zweifelfelder zu bestellen. Und manchmal ist der Boden fruchtbar. Die Flöhe bewirtschaften die Felder und ernten; der Gurkinger freut sich, liefern ihre Floh-Vasallen doch oberpünktlichst ihren Zehnt bei ihm ab. Sicherlich ist die Ernte abwechslungsreich – von A wie Angst bis Z wie Zweifel ist für den Gurkenkönig-Magen alles dabei. Daran muss er sich doch sattfressen – so’n Gurkinger. Doch warte Gurkinger – es geht Dir an den Kragen!

    Heute wirst Du eingemacht – ob Konservieren die beste Idee ist?

    Für 1 kg Gurken braucht Ihr:

    •  1 kg Einmachgurken (etwa alle gleich groß)
    • 100 g Salz
    • 400 ml Kräuteressig 
    • 600 ml Wasser
    • 160 g Zucker
    • 1 Päckchen Einmachhilfe 
    • 2 Zwiebeln 
    • 4 Pimentkörner
    • 10 Pfefferkörner 
    • 2 EL Senfkörner 
    • 4 Wacholderbeeren 
    • 2 Lorbeerblätter 
    • 1 Bund frischen Dill oder einige Zweige Gurkendill

    Zuerst wascht Ihr die Gurken und gebt sie dann in eine große Schüssel. Mit 80 g Salz bestreuen und die Gurken mit Wasser bedecken. Über Nacht ziehen lassen.


    Am nächsten Tag spült Ihr die Gurken unter kaltem Wasser gründlich ab und lasst sie anschließend gut abtropfen. Bereitet dann Eure Gläser vor.

    Kocht den Essig mit dem Wasser, dem restlichen Salz, Zucker und der Einmachhilfe auf und lasst den Sud dann zugedeckt etwa 10 Minuten köcheln.

    Schält die Zwiebeln und schneidet sie ihn feine Ringe. 

    Verteilt Eure Gurken nun auf die Gläser – sie sollten aufrecht stehen! Steckt die Zwiebelringe, die Gewürze und Kräuter dazwischen. Anschließend übergießt Ihr Eure kleinen Kunstwerke mit dem sehr heißen Essigsud.

    Gläser sofort fest verschließen! Bei Gläsern mit Schraubverschluss für die Gläser für 5 Minuten auf den Kopf stellen – dann ist alles gut desinfiziert.


    Nun müsst Ihr leider noch 2 bis 3 Wochen mit dem Verzehr warten, denn so lange müssen sie noch durchziehen.

    Weltbeste Tomatensauce oder auch die Lotte ist ’ne flotte

    Lotte wohnt bei uns im Küchenschrank und hat bestimmt schon 30 Jahre auf dem Buckel. Eigentlich ist Lotte Französin, Ihr Pass sagt „Passe Légumes“, aber wir nennen sie Lotte. So hat sie sich uns vorgestellt, vor einigen Jahren auf dem Flohmarkt, und ihre Vorbesitzerin hat noch eine Kollektion Wechseleinsätze angepriesen – doch wie klingt das bloß – Wechseleinsatz. So’n Hollywoodstar hat ja auch nicht einfach nur Wechselschuhe im Schrank, sondern Louboutins, Manolos oder Jimmy Choos… Also Lotte hat eine Variation unterschiedlicher Outfits 😉 Lotte ist super! Ich liebe Lotte! Lotte ist sogar mit nach Italien gereist. Neben den Gläsern und dem Gelierzucker…

    Und das ist sie ❤️:


    Und so sollte es eines nassen Tages dann zu Lottes erstem Einsatz in Italien kommen. Sie sang schon während der gesamten Zeit als die Tomaten mit dem Olivenöl, dem frischen Basilikum, den klein gehackten Knoblauchzehen und den gewürfelten Zwiebeln in einem großen Topf vor sich hinschmurgelten: „rien de rien. Non je ne regrette rien“. Lotte hatte feinste Laune. Das konnte sie auch haben, denn das Ergebnis kann sich sehen lassen – Italien in Flaschen, Lotte: Tu as bien fait – excellent travail!

    Für ca. 4 große Flaschen à 1 Liter benötigt Ihr:

    2 kg Tomaten für Sauce bzw. Sugo (fragt auf dem Markt speziell danach)

    2 Knoblauchzehen

    1 Zwiebel

    frischen Basilikum

    Olivenöl

    Salz und Pfeffer

    Tomaten klein schneiden, Zwiebel würfeln und Knoblauchzehen kleinhacken. Gebt Olivenöl in einen großen Topf und erhitzt es leicht. Schwitzt zunächst den Knoblauch und die Zwiebel an und gebt dann die kleingeschnittenen Tomatenstücke hinzu. Immer schön rühren. Hackt den Basilikum klein und gebt ihn hinzu. Würzt mit Salz und Pfeffer. Reduziert die Hitze und lasst alles etwa zehn bis 15 Minuten köcheln.

    Wenn die Tomaten schön weich sind, nehmt Ihr den Topf vom Herd und baut Eure Flotte Lotte auf. Hängt sie über eine große Keramikschüssel und füllt nun z. B. zwei Kellen von der Tomatensauce in die Flotte Lotte. Dann geht’s ans Kurbeln. Durch das Sieb tropft nun der Tomatenbrei, die Kerne und lästigen Schalen bleiben oben hängen. Das wiederholt Ihr, bis keine Tomate mehr im Kochtopf ist und sich die Schüssel mit leckerer Sauce gefüllt hat, ggf. müsst Ihr zwischendurch die Kerne aus dem oberen Bereich entfernen – dafür habt Ihr dann den leckersten Tomaten-Sugo, den ich kenne.


    Ein Hoch auf Lotte!

     

    Thiéboudienne – Reise in den Senegal

    Der dritte Sonntag im Monat – Periodic Table – und heute reisen wir kulinarisch in den Senegal. Der Senegal ist ein Staat in Westafrika – im Norden befinden sich die Ausläufer der Sahara und im Süden des Landes beginnt der tropische Feuchtwald. Die südlichen Landesteile des Senegals werden durch den Kleinstaat Gambia abgetrennt. Im Osten – an der Grenze zu Mali – geht es über in die heiße Sahel-Region. Ein sicherlich facettenreiches Land – das Nationalgericht – Thiéboudienne – vielfältig und aromatisch. Wie ich herausgefunden habe, soll „Thiéboudienne“ ein in Westafrika beliebtes Festgericht sein – wie passend für den „Periodic Table“, der immer ein wahres Fest ist!

    Traditionell wird das Gericht mit Fisch zubereitet, doch ich habe auch Rezepte mit Hack gefunden, wofür ich mich dann auch entschieden habe.

    Für das Hack:

    • 1/4 Tasse gehackte glatte Petersilie
    • 2 TL rote Chiliflocken
    • 2 Knoblauchzehen
    • 1 Frühlingszwiebel
    • 1 Schalotte
    • 250 g Rinderhack

    Für die Thiéboudienne:

    • 1/2 Tasse Erdnussöl
    • 1 Schalotte
    • 1 rote Spitzpaprika
    • 2 EL Tomatenmark
    • 3 Möhren
    • 1 Aubergine
    • 1 Kohlrabi
    • 1/2 Maniok-Wurzel
    • 1 1/2 EL Tamarindenpaste
    • 1 1/2 EL Fischsauce

    Beilage:

    • Basmati-Reis

    Zu Beginn schneidest Du alles in feine Würfel und Streifen – außer die Möhren, den Kohlrabi und die Maniokwurzel – dies schälst Du zuerst und schneidest es dann in mundgerechte Stücke.

    Für das Hack gibst Du die Petersilie, die Chiliflocken, den Knoblauch, die Frühlingszwiebel, Salz und Pfeffer in eine Schüssel. Verrühre alles und füge das Hack hinzu. Knete die Mischung, sodass sich alles gut verteilt hat. Stelle die Hack-Kräuter-Mischung zur Seite.

    Für die Thiéboudienne gibst Du Öl in einen großen Topf. Schwitze die Zwiebel und die Paprika an und füge das Tomatenmark hinzu. Reduziere die Temperatur und gib die Hack-Kräuter-Mischung hinzu. Brate alles unter stetigem Rühren an.

    Stelle einen weiteren Topf mit Wasser auf und gib die Möhren, die Aubergine, den Kohlrabi und den Maniok in den Topf und koche dies 5 Minuten vor.

    Mit einem Schaumlöffel nimmst Du das Gemüse aus dem Topf und gibst es zu dem Hackfleisch. Füge die Tamardinenpaste und die Fischsauce hinzu und köchel alles bei schwacher Hitze.

    Nun kochst Du den Reis – ich habe 1 kleine Tasse für 2 Personen genommen. Wenn der Reis fertig gekocht ist, gibst Du ihn zu der Thiéboudienne und rührst gut durch.

    Et voila – Bon Appétit!