Vom Hasen und vom Igel – Falscher falscher Hase

Ziehen wir das Pferd doch mal von hinten auf. Der Hase war tot – er war zu viel gelaufen, und verlieren wollte er nicht, der Hase. Sein falscher Stolz trieb ihn dann buchstäblich in den Tod. Wie einstmals in Marathon als der Läufer nach Überbringung der Botschaft aus den Latschen kippte und somit tot umfiel. Doch der Hase war auf einem hohen Ross. Er hatte vorher den Igel getroffen und sich über seine kurzen Beine lustig gemacht. Der Igel aber schien aus Hasenaugensicht ein einfältiges Gesicht zu haben; er war aber nicht dumm und hörte sich an, was der Hase zu sagen hatte.

Der Hase rümpfte die Hasennase und schaute – auf seinen Hinterbeinen stehend – den Igel von oben herab an. Ja, einfältig und dicklich war dieses Tierchen. Seine Grunzlaute waren so gar nicht possierlich, und Schnecken fraß er – widerlich. Und mit der Höhenluft in der Nase schlug der Hase dem Igel einen Wettstreit vor. „Wir laufen um die Wette!“ und innerlich rieb sich der Hase bereits die Hände. Sollte der dümmliche Igel einschlagen – er, der Hase von Welt, würde gewinnen.

Hase und Igel brachten sich in Position und liefen los, liefen und liefen über Stock und über Stein. Der Hase blindlings jedoch erstarrte als er den Igel am Ende der Strecke entdeckte. Dann hörte er ihn rufen: „Ich bin schon da!“

Wut stieg in dem Hasen hoch, blinde Wut. Wie konnte das passieren? Wir konnte dieser fette Igel schneller sein als er? Der Hase! Er – das schnellste Waldtier? Was fiel ihm – diesem haarigen Igel – eigentlich ein?

In seiner Eitelkeit verletzt und mit angekratztem Stolz forderte der Hase Revanche. Hase und Igel stellten sich an die Startlinie, liefen los und liefen, liefen, liefen – bis, ja, bis der Hase in der Ferne wieder den Igel winken sah. Und er hörte wie er rief: „Ich bin schon da!“

„WUT – WUT – WUT!!!“ kochte es im Hasenmagen. „Nein, nein, nein!“ schallte es im Hasenhirn. „Das KANN nicht sein!“ schnaufte der Hase. Uneinsichtig forderte er Revanche um Revanche – bis das Hasenherz aufhörte zu schlagen und der schöne, stolze Hase mit dem glänzenden Fell und den seidenen Hasenohren auf den Waldboden sank.

Doch was hatte der Igel an sich, dass es den Hasen derart provozierte? War er etwa glücklich mit seiner Igelfrau? War er etwa zufrieden mit sich selbst und seinem Leben? Oder – was für den Hasen ein gar unerträglicher Gedanke war – war der Igel etwa glücklich?

Nun, geht man nach der Moral des Märchens ist klar, dass der Hase die Quittung für sein herablassendes Verhalten kassiert. Dass er den Igel nach seinem Äußeren bewertet und sich ihm überlegen fühlt, wird dem Hasen zum Verhängnis.

Und der Igel? Der nimmt mit seiner Frau, die ihn bei dem ungleichen Rennen unterstützt, weil sie eben ein gutes Team sind, in Kauf, dass der Hase Runde um Runde um sein Leben rennt und rennt und rennt.

Und der Leser jubelt…denn der Igel hat gewonnen. Hat er? Hat das Igel-Team tatsächlich gewonnen? Oder hat das Igel-Team mit unlauteren Mitteln gegen den zugegeben arroganten Hasen gekämpft? Lässt man einen Hasen in Rage sehenden Auges in sein Unglück laufen?

Ich bin mir unschlüssig, aber als Kind tat mir der Hase irgendwie immer leid. Irgendwas war dort in seinem Hasenhirn, das ihm Kummer bereitete. Grundsätzlich böse fand ich den Hasen nie, nur irgendwie auf der falschen Spur. Ein bisschen so wie Draco Malfoy.

Armer falscher falscher Hase…

Und weil der arme Hase nicht noch ärmer dran sein soll, gibts falschen falschen Hasen – ein vegetarischer Hackbraten.

Ihr braucht:

  • 1 kleingehackte Zwiebel
  • 2 feingehackte Knoblauchzehen
  • 3 EL weiche Butter oder Öl
  • 4 Möhren, geraspelt
  • 2 Stangen, in 0,5 cm Stücke geschnitten
  • 50 g Walnüsse, fein gemahlen
  • 50 g Cashewnüsse, fein gehackt
  • 50 g Sonnenblumenkerne, fein gemahlen
  • 60 g glutenfreies Paniermehl
  • 2 TL Johannisbrotkernmehl
  • gehackte glatte Petersilie
  • gehackten Thymian
  • Saft einer Bio-Zitrone
  • 2 Bio-Eier
  • 1 Becher saure Sahne oder Schmand
  • Salz und Pfeffer
  • Geriebene Muskatnuss

Fettet eine Auflauf- oder Kastenform mit Butter oder Öl aus. Gebt Öl in eine Pfanne mit hohem Rand oder einen Topf. Schwitzt die Zwiebel und die Knoblauchzehen an. Dann gebt nach und nach das Gemüse hinzu. Anschließend gebt Ihr die gemahlenen Nüsse in den Topf und rührt gut um. Dann die Kräuter und den Zitronensaft hinzufügen, anschließend die Eier und den Schmand bzw. die saure Sahne. Allmählich entsteht eine teigartige Masse. Schmeckt gut mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Die Masse kann schon Wumms haben.

Gebt die Masse in die vorbereitete Form und stellt den falschen falschen Hasen in den Backofen. Backt den falschen falschen Hasen bei 180 Grad für ca. 35 Minuten.

Dazu schmecken Kartoffelbrei und breite Bohnen. Aber auch anderes Gemüse der Saison wie z. B. Kohlrabi oder knackiger Spitzkohl sind köstlich!

Viel Spaß beim Nachkochen! Und denkt mal über den Hasen nach.

Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Nicht die Bohne…alles Käse und ein Gedanke

Saubohnen, auch Pferdebohnen oder dicke Bohnen genannt, haben es gern kuschelig. Dicht an dicht liegen sie in ihrer Schote, und es sieht aus wie ein wärmendes Fell, wie die grünen Böhnchen so aneinander liegen.

Früher verband ich Saubohnen mit Kartoffelpuffer. Meine Oma machte die besten Puffer, und die ganze Küche roch nach Fett, rohen Kartoffeln und ein bisschen Zwiebel. Die Puffer wurden dick mit Zucker bestreut, oder es gab Apfelmus dazu. Ich glaube, ich habe mal sechs Stück geschafft. Anschließend war mir bestimmt schlecht.

Hatten Mama und ich unsere Bäuche gefüllt, mussten wir uns zu Hause aller Klamotten entledigen, denn wir rochen selbst wie eine kleine Pufferküche. Eigenartigerweise war Oma gar nicht so der Pufferfan. Auch sonst waren Süßkram und Mehlspeisen mehr Opas und mein Ding. Milchreis mit Zimt und Zucker, Pfannkuchen oder Zuckerbrot in einen bekannten Getreidekaffee gestippt. Immer wenn es Puffer gab, hatte Oma ein Schälchen mit dicken Bohnen in der Speisekammer stehen. Eingelegt in Essig und Zwiebeln. Nicht unbedingt mein Lieblingskombination, aber die Form der grünen Bohnen faszinierte mich damals schon. Und manchmal mopste ich mir doch ein Böhnchen; nach sechs Puffern gar nicht so schlecht.

Meine Lieblingskombination allerdings ist ein Zufallsprodukt. Neulich auf dem Wochenmarkt entdeckten wir einen neuen Stand. Ein fröhlicher junger Mann voller Enthusiasmus stand in dem kleinen Marktwagen und bot seine Produkte feil: allerfeinsten Ziegenkäse. Naheliegend daher der Name Die Ziegerei.

Die Ziegerei wurde 2005 gegründet und ist ein Bio-Milchziegenbetrieb mit eigener Hofkäserei. Leidenschaft ist zu spüren. Und so steht auch auf der Homepage, dass Hiob und Sophia den Betrieb seit 2017 im Sinne des ökologischen Landbaus zukunftsorientiert und mit großer Leidenschaft weiterentwickeln.

Wir kaufen Ziegen-„Feta“ und ein Stück von einem frischkäseartigen Käse, der dem Vesuv ähnelt und lustigerweise mit Asche ummantelt ist. Hiob lächelt und schneidet bereitwillig Ecken ab, reicht diese über den Tresen und lässt uns probieren. Der Käse zergeht auf der Zunge.

„Vielleicht,“ so denkt sich der Pilz in mir, „wird das ja mein erstes Abenteuer?“ Und mein Vorzeigemodell liest meine Gedanken: „Hey, Pilz auf Pirsch, wäre das nicht was?“ fragt er.

Denn den Hof findet man im Herzen von Niedersachen in der Mitte von Bremen und Hannover in Hohenmoor, einem Ortsteil von Asendorf.

Schon länger spiele ich mit dem Gedanken, mein Pilzhütchen in Höfe, Ställe, Küchen, Cafés zu stecken und darüber zu berichten. Und ich strecke meinen Rücken. Dies könnte der Anfang meiner Pirsch sein.

Doch bevor ich meinen Rucksack packe, muss ich die Hitze überstehen, und ich kredenze Euch einen Dicke Bohnen-Salat mit Ziegen-„Feta“ und Rucola.

Ihr braucht für 2 Personen:

  • 1 Handvoll dicke Bohnen (ausgepult)
  • 1 Stück Ziegen-„Feta“
  • 1 Handvoll Rucola
  • Saft von einer Zitrone
  • 1 TL flüssigen Honig
  • 3 EL Sonnenblumenöl
  • Salz und Pfeffer
  • Kocht die Bohnen für ca. 5 Minuten und blanchiert sie anschließend mit eiskaltem Wasser. Gebt den Käse in eine Aufkaufform mit etwas Öl und stellt die Form in den Backofen (180 Grad, 10 Minuten). Wascht den Rucola und stellt ihn beiseite.
  • Mischt den Saft der Zitrone mit dem Honig, dem Öl und Salz und Pfeffer und macht daraus ein leckeres Dressing. Ich empfehle Euch, die Zitrone sparsam zu dosieren – lieber nachkippen.
  • Holt den Käse aus dem Ofen und zerbrecht ihn mit einer Gabel.
  • Nun gebt Ihr den Rucola und die Bohnen in eine große Schüssel, streut den Käse drüber und gießt das Dressing auf die Mischung. Vermengt alles und richtet es nett an. Dann bleibt Euch nur noch: Genießen!
  • Viel Spaß beim Nachkochen, und wer weiß – vielleicht startet meine Pirsch ja demnächst?
  • Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Vom Fuchs: Eine etwas andere Fabel und ein Vietnamisches Tofu-Baguette

    Der Fuchs hat die Gans nicht stehlen können. Auch die Hühner blieben verschont. Der Hühnergott hat seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Hat mit Donnern und Klackern den Listigen vom Stall verscheucht. Die Hühner darinnen – dicht an dicht – hatten vor lauter Angst das Gackern vergessen. Und der Fuchs zog von dannen, mit hängenden Schultern und knurrendem Magen. Trottete durch die Nacht – auf der Suche nach etwas Essbarem. Doch nichts kreuzte seinen Weg durch die Felder und Wiesen, Wälder und Auen. Der Fuchs war auch ein wenig faul, wollte, dass ihm die Brathähnchen in den Mund flogen. Und er träumte auf seiner Tour durch den Wald von Hühnertransportern, die durch den Wald fuhren und vor seinem Bau hielten. Gefüllt mit Brathähnchen und Kaninchen und allerlei anderem Getier. Paradiesisch wäre das. Und der Fuchs trottete weiter. Vielleicht, so dachte er, wäre das gar keine schlechte Idee. Vielleicht könnte man so alle Füchse dieser Welt ernähren, Huhn für alle! Aber nur Huhn bitteschön. Hahn war immer so zäh. Vor seinem inneren Auge sah der Fuchs ein Logo auftauchen „Fuchs Foods“. Ja, das klang gut.

    Und so beschloss der Fuchs, dass er zum Schneckenkönig gehen sollte. Der Schneckenkönig, eine stolze Weinbergschnecke mit Erdbeerblattthron, war ein guter Ratgeber. In besonderen Nächten, wenn die Luft feucht war und sich der Vollmond in den Pfützen spiegelte, konnte der Schneckenkönig in die Zukunft sehen. Und vielleicht, nur vielleicht, hatte unser rotfelliger Freund ja Glück…

    Der Fuchs hatte Glück. Der Schneckenkönig mit seinem herrlich schillernden Schneckenhaus betrachtete schon eine ganze Weile den Tropfen am Halm des hohen Grases. Der Vollmond verlor sich darin und ließ den Tropfen strahlen und funkeln. Und ohne ein weiteres Wort deutete der Schneckenkönig auf den Tropfen. Wie ein Stummfilm sah der Fuchs darin seine Vision. Hühner in Reih und Glied – wie sie die Rampe hochmarschierten in den Wagen mit der Aufschrift „Fuchs Food“. Kein Gackern und kein Krähen, die Augen weit aufgerissen. Und der Fuchs schluckte. „Willst Du das?“ fragte der König. Beschämt schlug der Fuchs die Augen nieder. „Willst Du noch mehr sehen?“ fragte der König. Der Fuchs war mutig und betrachtete den Rest – Küken auf Laufbändern, durchleuchtete Eier. Ohne ein weiteres Wort trottete er davon. „Nein!“ flüsterte er in den Wald. „Mein Essen soll etwas wert sein.“ Und gedanklich strich er den Schriftzug durch, aß in dieser Nacht ein wenig Grünzeug und schlief unruhig. Es muss am Vollmond gelegen haben.

    Wer wissen will, was Hühnergötter und Schneckenkönige tatsächlich sind, der scrollt einfach nach unten. Und wer wissen will, was mit dem Fuchs passiert ist, dem sei so viel gesagt: Er hat was verstanden. Sicherlich ist er kein Vegetarier geworden, aber er ist eingestanden für diese Welt und hat sich Gedanken gemacht. Er hat sein Leben umgestellt und ist auch mal eine Nacht mit knurrendem Magen ins Bett gegangen, weil er eben nicht eine Sechser-Hühnerbein-Box in sich reingeschaufelt hat.

    Und der Schneckenkönig ist eine dieser Seltenheiten, die mit Weitsicht durch die Welt gehen. Nicht mit erhobenem Schneckenfühler, aber vielleicht mit einem sanften Fingerzeig und manchmal einer erschreckenden Version.

    *****************************************

    Hühnergötter sind Steine mit Loch. Die Löcher entstanden durch das Meer. Früher hängten die slawischen Völker im Baltikum diese Lochsteine an ein Band und hängten diese Kette an den nachts verschlossenen Hühnerstall. Der Wind spielte mit dieser Kette, und das Klackern sollte den Fuchs vertreiben. Schutzgötter für die Hühner.

    Schneckenkönige sind sehr selten. Als Schneckenkönige bezeichnet man Schnecken, deren Häuser in die nicht typische Richtung gewunden sind.

    *****************************************

    Möglicherweise habt Ihr Zuhause ja noch ein Päckchen Tofu im Kühlschrank. Dann sei Euch dieses Rezept ans Herz gelegt.

    Vietnamesisches Baguette mit Tofu und Sesammayonnaise

    Ihr braucht:

    • 1 Packung Tofu Natur
    • Soja- und Worcestersauce (glutenfrei)
    • 1 Stange Staudensellerie
    • 1 Spitzpaprika
    • 1 Frühlingszwiebel
    • Frischen Koriander
    • 1 Bio-Mayonnaise (glutenfrei)
    • Sesam
    • Sesamöl
    • Salz und Pfeffer
  • Zerkrümelt den Tofu und legt ihn für 30 Minuten in drei EL Sojasauce und drei EL Worcestersauce ein.
  • Schnippelt das Gemüse klein. Und gebt Sesamöl in eine Pfanne. Bratet zunächst die Zwiebel an, dann die Paprika und den Sellerie. Dann gebt den Tofu dazu und bratet ihn scharf an. Immer schön rühren und weiter braten, bis alles lecker duftet und angeröstet ist. Eventuell mit Salz und Pfeffer würzen. Die Hitze reduzieren.
  • Schneidet den Koriander klein und stellt ihn beiseite.
  • Gebt einen großzügigen Klecks Mayonnaise in eine Schüssel. Röstet den Sesam in einer separaten Pfanne ohne Öl. Lasst den Sesam etwas abkühlen und gebt ihn dann zur Mayonnaise. Rührt den Sesam unter.
  • Schneidet ein Baguette halb auf und gebt einen großzügigen Klecks Mayo hinein. Dann folgt das Tofu-Gemüse-Gemisch, dann Koriander-Blätter.
  • Und dann?
  • Nur noch genießen.
  • Künstlerfamilie – Treffen sich zwei Fräuleins – Ode ans Risotto

    Mein Vorzeigemodell und ich sitzen häufig auf Æblerø oder Pæreø und diskutieren bei einem Kaltgetränk oder einer herrlich duftigen Tasse schwarzen Tee über die verschiedensten Dinge. Neulich sprachen wir darüber, dass die Welt so klein geworden ist, aber wir Menschen uns doch immer fremder werden. Ein Phänomen, über das ich viel und lang nachdenken musste und zu dem Ergebnis gekommen bin, dass es immer einen Unterschied zwischen dem Fremden und dem Eigenen gegeben hat und immer geben wird. Man darf nur nicht die Neugier verlieren und das Interesse und den Mut, auf etwas Fremdes zuzugehen. Aber Stopp – bevor ich mit erhobenem Zeigefinger pauschalisierend meine Küchen- oder vielmehr Balkonpsychologie zum besten geben.

    Ich überlegte weiter, wie es wohl gewesen ist, in Deutschland in den Fünfziger bzw. Sechziger Jahren. Und während sich die Filmrolle klackend drehte, färbte sich die Fantasie sepia…

    Wir schreiben das Jahr 1967.

    „Er kommt aus einer Künstlerfamilie!“ Zustimmendes Gemurmel, einige nicken. „Soso!“ Oder: „Aha!“ „Der Vater. Musiker.“ Wieder Zustimmung. „Und die Mutter?“ „Die? Ja die malt!“ Wieder Nicken. Dann nippen sie in Eintracht vom Bier, der Schaum macht ihnen Schnurrbärte. Zufriedenes Seufzen. Das Bierglas wird auf dem aufgeweichten Deckel abgestellt. Das kleine Mädchen, Luise heißt es, schaut in die Gesichter. „Was heißt denn Künstlerfamilie“? fragt es.

    Der Vater spielt Geige, die Mutter Klavier. Sie hat eine glockenhelle Stimme. Man hört sie manchmal, wenn der Wind günstig steht. Die Kleider, die sie trägt, schmiegen sich an ihren Körper. Sie trägt Schuhe mit hohen Absätzen und ihre Haare hat sie in Wellen gelegt. Sie ist das, was man schön nennt. Gepflegt. Sie zieht sich einen Lidstrich. Manchmal geht sie barfuß durch den Garten; dann hat sie die Hosenbeine hochgekrempelt. Luise könnte darum wetten, dass ihre Fußnägel lackiert sind – klatschmohnrot. Gesehen hat sie sie nicht. Manchmal stellt sie sich die Frauen der Familie vor wie Elfen, ätherische Wesen, die im Kreis durch den Hain tanzen. Mit Blütenkronen im Haar.

    Plötzlich die Antwort auf Luises Frage: „Na, die sind anders!“ Und von den Bierbäuchen kommt zustimmendes Brummen.

    „Ja und?“ fragt Luise.

    „Die sind nicht wie Du und ich!“ brummt ein anderer Bierbauch. „Die schlafen bis Mittag, dann klimpern sie auf dem Klavier rum, und sie macht Kleckse auf die Leinwand.“

    „Warum redet Ihr so abfällig?“ fragt Luise kleinlaut. Bis mittags schlafen, Klavierspielen und malen findet sie einen ziemlich guten Lebensplan.

    Nun schnaufen die Bierbäuche. „Fräulein Naseweiß!“ kommt es ermahnend von der Theke. Die gute Ute steht dort mit Händen in den Hüften und streckt das nach vorn, was die Männergesellschaft gern als „ordentlich Holz vor der Hütte“ bezeichnet, wenn sie meinen, dass ihnen keiner zuhört.

    Luise zuckt mit den Schultern. Die gute Ute ist nämlich gar nicht so gut, wettert über alles Neue und Fremde. Fräulein Naseweiß aber ist neugierig und schleicht sich wenig später am Bach entlang in Richtung Wald zu dem Häuschen, in dem die sogenannte Künstlerfamilie wohnt, positioniert sich hinter der Hecke.

    Dahinter beobachtet sie ein Mädchen mit dunklen Haaren. Etwa 13 Jahre alt ist, so alt wie sie selbst, und sie geht in die Parallelklasse von Luises Schule. Sie spielt im Gras in ihrer eigenen Welt ein Spiel mit Ästen, Schneckenhäusern, Vogelfedern und Gänseblümchen. Luise findet es gar nicht fremd und möchte Teil dieser Welt sein, traut sich aber nicht. Plötzlich ruft jemand: „Francesca!“ Und Francesca blickt auf, schaut durch die Hecke und erblickt Luise. Die erstarrt. „Ciao!“ sagt Francesca und hält ihr ihre Hand hin, durch die Hecke. „Hallo!“ krächzt Luise und schaut in ein Paar dunkelbraune Augen. Francesca, der Name klingt so fremd in den Ohren – ganz anders als Gabriele oder Edeltraut. Aber schön!

    Zögernd tritt Luise aus dem vermeintlich sicheren Versteck hervor, hält ihr eine Hand hin. „Luise!“ sagt sie. Francesca ignoriert Hand, zieht Luise an sich und küsst sie beherzt auf die Wange. Eine Weile blicken sich die Mädchen an, die eine mit dem mausbraunem Haar, den blauen Augen. Die andere mit den dunklen Locken und dunklen Augen. Dann zeigt sie Francesca Luise den Garten, deutet mal auf dies auf das, nennt italienische Namen für Kräuter und Pflanzen, die in einer Badewanne gepflanzt sind. Luise ist fasziniert von dem Neuen, dem Fremden und ein starker Entschluss reift in ihr: sie will die Familie kennenlernen!

    „Willst Du mit uns essen?“ fragt Francesca und Luise ist erstaunt, dass sie so gut Deutsch spricht. „Gern!“ murmelt Luise und schaut verlegen zu Boden. „Ich wollte nicht neugierig sein…“ beginnt sie sich zu verteidigen. Francesca winkt ab, greift Luises Hand und geht mit ihr zu dem wunderschönen Häuschen. Alle Fenster sind weit geöffnet, die weißen luftigen Gardinen wehen halb über die Blau gestrichenen Fensterrahmen. Im Garten mit den schönsten Blumen ist ein Tisch gedeckt mit buntem Geschirr, Gläsern. In der Mitte steht eine Vase, in der Jungfer im Grünen stehen und Bartnelken. Francesca stellt Luise ihrer Mutter vor in einer Sprache, die sie nicht kennt und sie starrt auf ihre Füße – die Fußnägel sind Rot lackiert – klatschmohnrot! Luise blickt triumphierend auf, Francescas Mutter lacht sie an, bedeutet ihr, sich zu setzen. Verlegen nimmt Luise Platz, Francesca brabbelt los und erklärt alles.

    „Das ist meine Mutter. Sie heißt Maria. Mein Vater, Nino, kommt später. Er ist noch auf der Arbeit! Meine Brüder, Michele und Cosimo, helfen noch bei meinem Onkel, Luigi.“

    „Also seid Ihr gar keine Künstlerfamilie?“ rutscht es aus Luise heraus. Die Lippen von Maria werden schmal, sie zieht die Augen zusammen. Luise bemerkt, ohne dass sie ein Wort versteht, dass sie einen wunden Punkt getroffen hat. Maria redet laut, gestikuliert und ist – wütend? Enttäuscht? Resigniert? Erschöpft setzt sie sich neben das Mädchen. „Scusi, kleine Luise!“ sagt sie. „Entschuldige!“ Maria seufzt. „Seit wir vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind, arbeiten wir. Wir arbeiten, mein marito – mein Mann,“ fügt sie an, „schuftet Tag und Nacht. Dann bekommt er einen Tag frei und er kann sich nur entspannen, wenn er spielt Klavier!“

    „Und Mamma – sie malt. Porträts von den alten Damen aus dem Nachbarort! Und früh morgens putzt sie in der Schule.“

    Luise blickt von Mutter zu Tochter und in ihr steigt Wut hoch, auf das dumme Stammtischgelabere, noch nicht mal Halbwahrheiten – das einzige, das wahr ist, ist, dass die Familie aus Italien gekommen ist 1956. Gastarbeiter. Gastarbeiterfamilie. Von wegen Künstler und bis mittags schlafen…Was „die gute Ute“ noch an Gemeinheiten von sich gegeben hat, möchte Luise gar nicht wiederholen, und sie schaut beschämt auf den leeren Teller. Maria streicht ihr über den Kopf, tätschelt ihrer Tochter die Wange, holt tief Luft und geht dann in die Küche…

    ********

    Die Filmrolle klackt, der Blick wird wieder Full HD, das Rauschen verklingt. Wie es wohl weitergegangen ist?

    Vielleicht weiß Das liebe Marktfräulein was dann passierte?

    *****

    Am 20. Dezember 1955 – zehn Jahre nach Kriegsende – schloss die Bundesrepublik mit Italien das erste sog. Abwerbeabkommen ab. Weitere Abkommen folgten mit Griechenland, Spanien, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien.

    *****

    Und nun sitze ich auf meinem roten kuscheligen Cordsofa und schreibe diese Zeilen und freue mich, dass die Welt so bunt ist, dass wir nicht – wie vor 85 Jahre Literatur verbrennen, die den Horizont erweitert.

    Und ich habe ein Risotto gekocht. Mit Spargel – grünem und weißem – Tomaten-Pesto, frischen Kräutern und cremig-buttriger Sauce. Und ein paar Meeresfrüchte!

    Auf die Vielfalt!

    Du brauchst:

    • 250 g Risotto-Reis
    • 250 g weißen und grünen Spargel, vorgekocht
    • Meeresfrüchte TK
    • 1 l Gemüsebrühe oder Spargelsud
    • Rotes Tomatenpesto aus dem Glas
    • 1 Stich Butter
    • 1 Schuss Sahne
    • Basilikum, Thymian, Rosmarin, Oregano
    • Salz, Pfeffer

    Gebt den Risotto-Reis ohne Fett in eine Pfanne und röstet ihn kurz an. Dann gebt die Butter dazu, rührt gut um, sodass sich die Butter gut verteilt. Als nächstes gebt Ihr die Meeresfrüchte dazu, dann gießt mit Brühe oder Spargelsud auf, sodass der Reis gut quellen kann.

    Wenn der Reis langsam die Brühe bzw. den Sud aufgesogen hat, gebt erneut Flüssigkeit dazu. Wenn der Reis noch sehr bissfest ist, gebt Ihr den Spargel – ich Stücke geschnitten – in die Pfanne. Rührt gut um, gebt eventuell noch etwas Flüssigkeit dazu. Dann schmeckt Ihr mit Salz, Pfeffer und ordentlich frischen Kräutern ab.

    Wenn Ihr Lust habt, streut Ihr frischen Parmesan auf das Risotto.

    Buon appetito wünscht Euch

    Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Die Superhelden sind los – Trio Infernale und glutenfreie Ricotta-Gnocchi

    Wenn man mich fragen würde, welche berühmten Personen ich gern mal in unser Nest einladen, in unserem Yoga-Castle bekochen und mit wem ich auf Æblerø mal die Aussicht genießen wollen würde, würde ich antworten:

    Reinhard Mey und Astrid Lindgren und Mary Poppins

    Manchmal schwanke ich, ob ich noch Daphne du Maurier oder Helmut Schmidt dazu holen sollte, aber dann wäre meine Bude verqualmt oder ich fände mich urplötzlich in irgendeinem südenglischen Moor wieder. Besten Dank auch. Nichtsdestotrotz hätte ich gern mal eine typisch schwedische Fika mit Astrid Lindgren abgehalten. Von mir aus stundenlang aus dem Fenster geschaut, an einem guten Kaffee genippt und geseufzt. „Oh Astrid,“ hätte ich gesagt, „jemanden wie Dich“ – und wir hätten uns nach kurzer Zeit geduzt, da bin ich sicher – „also jemanden wie Dich braucht die Welt!“ Und Astrid hätte vermutlich den Kopf zur Seite gelegt, gelacht und ausgerufen: „Ah, jo man næ!“ Oder so ähnlich.

    Astrid Lindgren wäre für mich die Superheldin. Sie hätte kein Cape oder eine lustige Maske mit putzigen Öhrchen oder Leggins in Knallfarben, über die ein fescher Schlüppi mit Gürtel gezogen wurde. Das wäre auch undenkbar! Aber Astrid wäre Astrid und sie hätte einen Wagen. Einen Saab oder Volvo. Oder vielleicht ein Pferdefuhrwerk vollbeladen mit Büchern. Mit ihren und mit anderen Büchern, mit Märchen und Geschichten. Und die Superheldin Astrid würde zusammen mit ihrem Side-Kick Mary Poppins den Eltern über den Kopf streichen, diese sanft aufs Sofa drücken, das Smartphone aus der Hand nehmen, es ausschalten und sich ihnen gegenüber setzen. Und sie würden zunächst nur schauen. Tief in die Seelen der Eltern oder der Mama oder des Papas. Und die Eltern würden nervös nach dem Smartphone schauen, dann aus dem Fenster auf den blankgeputzten SUV, dann wieder auf das ausgeschaltete Smartphone. Und das Superheldenteam würde den Zeigefinger an die Lippen legen. Dann hätte Astrid sich ganz unarrogant selbst zitiert:

    Und dann muss man ja noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.

    Die Kinder hätten längst den Saab oder Volvo oder das Pferdefuhrwerk gekapert. Und sie hätte ihnen hinterher gerufen:

    Seid frech und wild und wunderbar!

    Einige hätten laut aufgeschrien, was sie denn mit Büchern sollen, aber dann hätte ein Mann mit einer Gitarre die Bühne betreten und hätte gesungen:

    Hilf mir gerade zu stehen!

    Und wie ein Zauberspruch würde sich dieses Lied in die Köpfe einbrennen und die Smartphones würden ausgeschaltet, WhatsApp-Gruppen abgeschafft und Elterntaxis durch selbständige Laufgruppen zur 500 m entfernten Schule ersetzt werden.

    Das ist – zugegeben – ziemlich utopisch. Wenngleich ich mich ernsthaft frage, ob das Ziel unserer Politiker einer ständigen, gleichermaßen allerorts guten Erreichbarkeit, Utopie, Dystopie oder schlichtweg blanker Horror ist.

    Möglicherweise bin ich konservativ, nicht aufgeschlossen oder verbohrt. Allerdings möchte ich den Damen und Herren, die mich gern mundtot in eine dieser Schubladen pressen wollen, zwei Fragen stellen:

    „Welche Kindheitserinnerung war Ihre schönste? Und hatte sie mit einem Smartphone zu tun?“

    Mir geht dieses ewige Gedaddele und Draufgegucke so fürchterlich auf den Geist, dass ich mich manchmal selbst nervig finde, wenn ich mal wieder aufs Display schaue, um festzustellen, dass – nichts festzustellen ist.

    Und nun, zwiegespalten und auf dem roten Cordsofa liegend, fliegen meine Finger über die Tastatur des – richtig – Smartphones. Irgendwie seltsam.

    Was wohl Astrid, Mary und der verehrte Herr Mey wohl dazu sagen würden?

    *******************************

    Da Astrid leider nicht mehr lebend unter uns weilt und Mary bestimmt andernorts zu viel zu tun hat, würde ich für Herrn Mey ein paar glutenfreie Ricotta-Gnocchi mit einer Tomaten-Gemüse-Sauce servieren, mit frisch gehobeltem Parmesan und einem schönen Glas gekühlten Weißwein. Auf alle Superhelden ohne Cape!

    Und hier das Rezept –

    Für die Gnocchi:

    • 225 g Ricotta
    • 2 Eigelb
    • 70 g glutenfreies Mehl (z. B. helle Mehlmischung von Hammermühle)
    • 40 g Kartoffelstärke
    • 35 g Buchweizenmehl (z. B. von Bauckhof)
    • 1 TL feines Salz
    • geriebene Muskatnuss
    • etwas Mehl für die Arbeitsfläche

    Gebt alle Zutaten in eine Schüssel und vermengt sie mit den Händen. Dann nehmt die Knethaken und lasst ihn zu einem leicht klebrigen Teig werden. Nehmt zum Schluss gern die Hände.

    Bestäubt Eure Arbeitsfläche mit Mehl und knetet den Teig erneut, bis er schön geschmeidig ist. Formt ihn zu einer Kugel und teilt ihn in vier Portionen.

    Nun formt Ihr aus jedem Viertel eine Rolle mit einem Durchmesser von etwa 1 1/2 cm. Nehmt ein scharfes Messer und schneidet aus der Rolle gleichgroße Stücke. Bringt die Stücke mit den Händen in die gnocchitypische Form und drückt mit einer Gabel ein Muster hinein.

    Stellt die Gnocchi für ca. 15 Minuten beiseite. In dieser Zeit bereitet Ihr die Sauce vor und setzt einen großen Topf mit Wasser für die Gnocchi auf.

    Für die Sauce:

    • Tomatensauce aus dem Glas (ungewürzt)
    • 1 Zucchini
    • 1 Aubergine
    • 1 Stück Staudensellerie
    • 1 Knoblauchzehe
    • Basilikum
    • etwas Sahne oder Ricotta
    • Salz und Pfeffer
    • Olivenöl

    Gebt das Olivenöl in einen Topf und schwitzt die Knoblauchzehe darin an. Nehmt sie raus, bevor sie verbrennt und bitter wird.

    Schneidet die Zucchini, die Aubergine und den Staudensellerie in Würfel und gebt es in den Topf. Alles anschwitzen und gut umrühren. Gebt die Tomatensauce hinzu und reduziert die Hitze.

    Schneidet etwas Basilikum klein (oder nehmt getrocknetes) und gebt es in die Sauce. Gebt einen Löffel Ricotta hinzu oder einen Schuss Sahne. Schmeckt mit Salz und Pfeffer ab.

    Wenn das Wasser kocht, gebt Ihr die Gnocchi hinein. Nach etwa drei bis vier Minuten schwimmen sie oben und sind fertig. Nehmt eine Schaumkelle und fischt die Gnocchis aus dem Wasser.

    Gebt sie in die Sauce und rührt alles vorsichtig um. Auf die Teller tun und mit frisch gehobeltem Parmesan servieren.

    Velbekomme! 🍄

    Low Carp, Wintersuppe und ewiges Gemecker – ODER: in 11 Monaten stecken wir wieder mitten im Advent

    Wenn Du Essen auf dem Tisch und Liebe im Herzen hast, kannst Du nie lange unglücklich sein. (Böhmisches Sprichwort)

    Die Feiertage sind längst vergangen, der Alltagstrott hat uns langsam wieder und nach und nach erlischt auch der letzte Schwibbogen, die letzte Lichterkette. Und auch der letzte beleuchtete Vorgartenstrauch macht die Lichter aus. „Hoffentlich wird’s bald wieder heller!“ „Ich bin froh, wenn Januar und Februar rum sind!“ „Diese schreckliche graue Jahreszeit!“ „Und jeder ist erkältet!“

    So oder so ähnlich tönt es doch über die Flure im Büro, im Bus oder in der Straßenbahn zur Arbeit, im Supermarkt, während man mit halbem Oberkörper über der Tiefkühltruhe hängt und nach einer 1-Liter-Packung Double-Fudge-Chocolate-Strawberry-Cheesecake-Swirl-Cookie-Dough-Crazy-Caramel fischt.

    „Schon wieder fast alle! Also, da will man sich EINMAL was gönnen. Einmal!“ empörtes Schnauben, entrüstete Blicke, zustimmendes Gemurmel. „Und dann immer diese Fresserei an den Feiertagen!“ Wieder bestätigendes Kopfnicken. „Zum Sport kannste auch grad‘ nicht gehen. Alles voll, ALLES VOLL!“ Zustimmendes „Hmm..“, „Jaaa“. Der Eisbox-Fischer schwadroniert weiter: „Ne, kriegste keinen Fuß anne Erde! Echt, und immer diese Fresserei. Gut, dass das vorbei ist. Echt gut! Und dann wird’s ja GOTT SEI DANK EEEENDLICH heller!“ Abschließendes Schnaufen. „Hmmm…ja, ja endlich!“ brummen die Herumstehenden. „Ne, also diese Feiertage…gut, dass das vorbei ist.  Ursel?! Wie hieß das doch, Ursel? Ursel!“ Ursel blickt plötzlich auf. „Was Heinz?“ „Na, was da überall inne Zeitung steht! Dieses Diät-Ding. Low Carp (es klingt wie Lau Karp) war das doch!“ Ursel blickt verdattert in Heinzens Gesicht. „Wovon redest Du? Heinz, Du hast da wieder irgendwas aufgeschnappt.“ Heinzens Wangen röten sich merklich. Von wegen ‚aufgeschnappt‘! Eingeschnappt ist er, denkt sich Ursel und will ihm den Einkaufswagen entwenden. „Nee, Ursel, jetzt schau Dir das doch mal an!“ Ursel schaut mit leerem Blick in die Gefriertruhe. „Siehste!“ Ursel sieht die Familienpackung Double-Fudge-Chocolate-Strawberry-Cheesecake-Swirl-Cookie-Dough-Crazy-Caramel und versteht kein Wort. „Heinz?! Was willst Du?“ „Na, das ist doch lau karp!“ Ursel verdreht innerlich die Augen. „Ne!“ macht sie nur. „Aber das ist doch kein Brot!“ „Heinz!“ zischt Ursel. Heinz zieht einen Flunsch. Ursel wittert ihre Chance und schiebt mit dem Wagen zum Gemüse. Heinz schlurft hinterher. „Der Name war eh doof!“ sagt Heinz. Ursel nickt zustimmend, recht hat er, der Heinz.

    Name doof, Januar doof, Februar doof, Feiertage doof, Lichterketten doof – halt, bitte?

    Also, nun wollen wir doch bitteschön mal eine Lanze brechen für den Januar und den Februar! Wer war denn Sonntag draußen? Alle mal Hände hoch, die draußen waren! Und? War schön, oder? Klirrend kalt, sonnig, schöne Luft?! Ja, oder?! So! Wer ist danach mit rosigen Wangen in ein heißes Wannenbad gefallen oder aufs Sofa mit dicken Wollsocken an den Füßen? Aha! Nebenbei bemerkt, eine Freundin von mir hatte einmal angemerkt, dass ihr Leute, die keine Wollsocken mögen, suspekt sind. Dem kann ich mich nur anschließen. Aber wo waren wir? Ah ja! So, und wer hat sich gestern darüber gefreut, dass der Nachbar von gegenüber noch seine Lichterkette am Forsythien-Busch hatte? So!

    Wer hat sich nicht um eine Woche Advent betrogen gefühlt? Aha! Da haben wir’s!

    So, und bevor man das nächste Mal in das allgemeine Gemecker einsteigt, zustimmend nickt und grummelig vor sich hinmurmelnd zur Kasse schiebt, greife man doch beherzt die Familienpackung Double-Fudge-Chocolate-Strawberry-Cheesecake-Swirl-Cookie-Dough-Crazy-Caramel aus der Tiefkühltruhe und trage sie stolz Richtung Kasse, erfreue sich an den noch hängenden leuchtenden Lichterketten und brösele sich – zu Hause angekommen – ein wenig übrig gebliebenen Spekulatius auf seine Scheibe Eis und erfreue sich, dass sie noch da sind.

    Und während man auf dem Sofa liegt, den Nachtisch vorm Hauptgericht verzehrt, denke man daran, dass man in etwa 11 Monaten wieder voll in der Adventszeit steckt. Herrlich!

    Auf dem Herd köchelte Sonntag übrigens ein Süppchen, dessen Rezept ich Euch nicht vorenthalten möchte.

    Du brauchst:

    • ca. 4 Stangen Mangold oder zwei große Hände Spinat
    • 1 kleine Dose Kichererbsen
    • 1 kleine Dose Tomaten
    • 1 Zucchini
    • 1 Stange Porree
    • 2 – 3 Möhren, gern bunt
    • 1 Knoblauchzehe
    • Olivenöl
    • Salz & Pfeffer

    Optional:

    • gehobelter Parmesan
    • geröstetes Weißbrot

    Als erstes schneide den Porree in Scheiben, wasche den Mangold oder Spinat und schneide ihn auch in feine Streifen. Würfele die Zucchini und schäle die Möhren, würfele sie ebenfalls.

    Nun gibst Du Olivenöl in einen Topf und schwitzt die Knoblauchzehe darin an. Nimm die Knoblauchzehe raus, bevor sie verbrennt und bitter wird. Dann reduziere die Hitze und schwitze den Porree und die Möhren an. Füge die Zucchini-Würfel und die abgetropften Kichererbsen sowie die Tomaten hinzu. Rühre alles gut um und erhöhe die Temperatur. Lass alles gut etwa fünf Minuten köcheln. Füge dann den Mangold oder Spinat hinzu. Wenn Dir die Suppe noch zu dick ist, gebe etwas Wasser dazu. Schmecke mit Salz und Pfeffer ab. Fertig!

    Köstlich ist die Suppe, wenn Du dazu geröstetes (glutenfreies) Weißbrot reichst. Und über die Suppe ein wenig geriebener Parmesan – köstlich!

    Und nun ausnahmsweise ab aufs Sofa, den Suppenteller vor den Bauch geklemmt und Essen fassen!

    Viel Spaß beim Nachkochen!

    Zwischen den Jahren…Rauhnächte und glutenfreie Gemüsequiche

    „Zwischen den Jahren…“. Irgendwie ein merkwürdiger Ausdruck. Es klingt so abgetan. Dabei war die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr bzw. bis zum 5. Januar schon immer eine besondere Zeit. Ist es heute noch. 

    Die Rauhnächte – 12 Nächte bzw. eigentlich Tage, begonnen um 24:00 Uhr am 24. Dezember bis zum 5. Januar. In den Rauhnächten soll die Arbeit ruhen, es soll gefeiert werden, aber diese Tage sollen auch achtsam erlebt werden. 

    Es gibt Aufzeichnungen, die besagen, dass die Menschen in dieser Zeit die Tage, das Wetter, die Stimmungen usw. genauestens  betrachteten, um so für jeden Monat eine Prognose zu stellen. Dabei gab es unterschiedliche Methoden: Einerseits wurde es so ausgelegt, dass die erste Rauhnacht für den Januar steht, die zweite für den Februar, die dritte für den März usw. Aber es gibt auch Überlieferungen, in denen es heißt, dass die ersten zwei Stunden einer jeden Rauhnacht für den Januar stehen. Die nächsten zwei Stunden dann für den Februar usw. 

    Gab es in den ersten Rauhnächten Streit oder war das Wetter miserabel, hatte man an besonderen Tagen Gelegenheit, das wieder gerade zu rücken – am 28. Dezember und am 5. Januar. Man sollte sich z. B. entschuldigen, über seinen Fehler reden und/oder seine schlechten Gedanken und seinen Ärger in helles Licht tauchen, damit das Schlechte vertrieben werden konnte. 

    „Zwischen den Jahren…“ ist also irgendwie doch viel mehr. 

    Achtsamkeit – zugegeben mal wieder so ein „Modewort“ – ist doch gar kein so schlechter Ausklang eines Jahres und kein übler Start für ein neues Jahr, oder? 

    Der eine oder andere mag die Interpretation in äußerliche Begebenheiten auch für merkwürdig halten, aber mir erscheint die Betrachtung meiner Umwelt und ein Hineinhorchen in mich selbst doch gesünder als ein Fixieren auf ein nächstes Pokémon Go oder ähnliches Opium fürs Volk. 

    Also – „zwischen den Jahren…“ ist weder Fisch noch Fleisch? Nun ja, dann eben Gemüsequiche.

    Ihr braucht:

    • 1 Packung glutenfreien Blätterteig
    • 2 Bio-Eier
    • 350 g Ricotta oder Magerquark
    • 80 g geriebenen Parmesan oder anderen Hartkäse
    • 130 g Mozzarella, kleingeschnitten
    • 1 Prise Salz
    • 1 Prise geriebene Muskatnuss
    • 1 TL getrockneten Oregano
    • 1 Zucchini
    • 1 Aubergine
    • 2 Möhren
    • Neutrales Öl, z. B. Sonnenblumenöl

    Den glutenfreien Blätterteig ausrollen. Eine Form mit Sonnenblumenöl fetten und den Teig hineinlegen. An den Seiten hochdrücken bzw. den Rest des Teiges an die Seiten der Form legen.

    Einen Kochtopf auswählen, der in die Form passt und hitzebeständig ist. Den Kochtopf auf Backpapier stellen. Aus dem Backpapier einen Kreis in der Größe des Topfbodens ausschneiden und auf den Blätterteig legen. Den Topf darauf stellen und den Teig bei 180 Grad für 15 Minuten im Backofen backen.

    In der Zwischenzeit zwei Eier verquirlen. Den Ricotta oder Quark  hinzufügen und miteinander verrühren. Die Prise Salz, die geriebene Muskatnuss und den Oregano ergänzen und unterrühren. Beide Sorten Käse unter die Masse heben.

    Wenn die erste Backzeit um ist, die Form aus dem Ofen nehmen und den Topf (Achtung: sehr heiß!) entfernen. Das Backpapier vorsichtig ablösen. Den Teig etwas abkühlen lassen.

    Nun nimmt man einen Sparschäler und schneidet dünne Streifen aus der Zucchini, der Aubergine und den Möhren. Beiseite stellen.

    Die Eier-Quark-Masse gibt man nun gleichmäßig auf den Teig. Dann dreht man aus den Gemüsestreifen kleine Rosen und steckt sie in die Masse. 

    Das Gemüse bepinselt man anschließend mit Sonnenblumenöl. 

    Die Quiche gibt man nun für weitere 20 Minuten bei 180 Grad in den Ofen.

    Und dann steht einem vegetarischen Genuss nichts mehr im Wege!