Rosenblütengelee

„Haben wir im Urlaub gemacht!“ antworte ich und nicke dabei strahlend. Die Reaktion sind meist fassungslose Blicke. „Im Urlaub?“ kommt die ungläubige Frage dann. „Ja!“ erwidere ich, und mein Lächeln wird dabei noch breiter. Während ich das Glas in die Strahlen der untergehenden Abendsonne halte und fasziniert bin von der rosa-goldenen Farbe. Den Sommer eingemacht, konserviert, in ein Glas gegossen, verschlossen, aber doch sichtbar, sorgfältig beschriftet in geschwungenen Lettern. Rosenblütengelee.

Ich schließe die Augen und sehe sie vor mir, die großen grünen Büsche mit unzähligen, meist pinkfarbenen Blüten. Die Kartoffelrose ist eigentlich nicht dort beheimatet, fühlt sich auf dem dänischen Boden allerdings sauwohl. Von Kindheit an verbinde ich den Duft der Rosen mit Sommerurlaub. An den Ferienhäusern waren meterhohe Hecken, derer man kaum Herr werden konnte. Seit ein paar Jahren wird die Kartoffelrose ein wenig in ihre Schranken gewiesen. Die Böden sollen sich erholen. Und so sieht man die Rosen zwar immer noch zahlreich, allerdings ist sie nicht mehr ganz so stark präsent.

Ich erfreue mich jedenfalls an einigen großen Büschen, die um unser Ferienhaus stehen und schneide von der pinken Pracht ein paar Zweige ab, stelle sie in einen kleinen Krug, den ich in den Schränken des Ferienhauses finde.

Wunderschön sieht das aus und duften tut es. Sommerurlaub! Mein Gehirn ist im Entspannungsmodus. Womit wir wieder beim Rosenblütengelee wären. Einkochen ist Meditation. Man reiche mir einen Eimer Johannisbeeren, zehn Kilo Bohnen, Erbsen – ich entrispe und putze sie. Obst- und Gemüse-Yoga.

Und so geht mein Vorzeigemodell an einem dieser entspannten Tage in den frühen Morgenstunden an einen dieser Rosenbüsche und pflückt etwa 1 l Rosenblüten. Pfeift dabei ein Lied und kommt strahlend zurück. Ich grinse ihn an. „Na?“ frage ich. „Sommerurlaub!“ sagt er. Da kann ich ihm nur zustimmen.

Rezept für ca. 7 Gläser Rosenblütengelee

Ihr braucht:

    1 l duftende Rosenblüten (dabei ist es im Prinzip egal, ob Ihr die dänische Kartoffelrose nehmt oder eine andere wohlriechende Rose)
    500 ml Wasser
    400 ml Apfelsaft
    Saft einer halben Bio-Zitrone
    1 kg Gelierzucker 1:1
  • 500 ml Wasser mit 400 ml Apfelsaft mischen und die Blütenblätter dazugeben. 24 Stunden an einem kühlen, trockenen Ort ziehen lassen (nicht im Kühlschrank!).
  • Die Rosenblüten am nächsten Tage aus der Flüssigkeit fischen.
  • 750 ml von der Flüssigkeit abmessen, den Saft der Zitrone hinzufügen und alles in einen großen Kochtopf geben. Den Gelierzucker hinzufügen.
  • Zum Kochen bringen und unter ständigem Rühren zum Gelieren bringen.
  • Noch heiß in vorbereitete Gläser füllen. Fertig!
  • Das Rosenblütengelee schmeckt auch köstlich zu kräftigem Käse.
  • Probiert es mal aus!
  • Herzliche Grüße von Eurem
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Kindheitserinnerungen und Glaskirschenmarmelade

    Jeder Tag ruft deinen Namen, ich wünsch Glück an allen Tagen

    Nicht’s ist besser als ne Liebe auf der Welt

    Kirschen gibt’s an Sommertagen nur solang die Bäume tragen

    Und lebend gehen wir nicht mehr aus der Welt

    („Kirschen“ von Nils Koppruch)

    Das Vorzeigemodell und ich, meines Zeichens ein fröhlicher Fliegenpilz, haben ein paar Tage frei. Der Sommerurlaub liegt noch in weiter Ferne. Wir haben keinen Kurztrip gebucht, keine Fahrt ans Meer geplant. Und dennoch waren die letzten Tage eine ganz persönliche Reise – in die Vergangenheit. Unkontrolliert und scheinbar zufällig wurde ich teilweise Jahre zurück katapultiert. In meinem Elternhaus gibt es nämlich einen Wandschrank. Dieser Wandschrank befindet sich in meinem alten Zimmer. Der Wandschrank hat gewisse Ähnlichkeiten mit Hermine Grangers Handtasche. Für diejenigen unter Euch, die Harry Potter nicht gelesen haben: Hermine ist in Besitz einer unscheinbaren, kleinen Damenhandtasche, aus der sie in regelmäßigen Abständen so hilfreiche Dinge wie ein riesiges 20-Personen-Zelt zieht, das sie mit sämtlichem Equipment auf ihrer Flucht vor Voldemort und seinem Gefolge in weiser Voraussicht dort untergebracht hat.

    Nun sei klargestellt, dass ich mich nicht auf der Flucht befinde, die Dimensionen von Hermines Handtasche und meines Wandschranks ähneln sich nur in gewisser Weise sehr.

    So ist es beispielsweise so, dass meine Lieben einen starken Hang zu Flohmarktbesuchen haben. Trafen wir in der Vergangenheit auf Hörspiele oder Schallplatten ertönte bisweilen häufiger folgender Spruch: „Das ist im Wandschrank!“

    Das Vorzeigemodell antwortete im Laufe der Jahre dann auch öfter mit: „Lasst mich raten! Das ist im Wandschrank?!“ Ein Running Gag in unserer Familie.

    Kurz nach Pfingsten hatte meine Mama ebenfalls ein paar Tage frei. Am darauffolgenden Freitag reiste ich mit Brause-Karl an, und fiel das erste Mal direkt in eine Zeitschleife. Der Keller stand voll mit Kisten und Kästen. Lego, Barbie-Sachen und Bücher, Bücher, Bücher. Schachteln mit Briefen meiner Brieffreundinnen, alte Zeichnungen und aufgehobene Postkarten. Einen Bruchteil dieser Kostbarkeiten konnte ich abends in meinen kleinen Flitzer laden – die Rückbank umgeklappt, angeschnallte Kästen auf dem Beifahrersitz.

    Die tropischen Temperaturen im Wonnemonat Mai brachten mich beim Ausladen am Abend ins Schwitzen. Fein säuberlich stellte ich die Kästen in unseren Eingang. Was für ein Schatz!

    Voller Aufregung öffnete ich die erste Box: Hörspielkassetten! Regina Regenbogen, Hallo Spencer, Pumuckl, Walt Disney, Alf – und natürlich Pippi Langstrumpf. Briefe, akkurat und chronologisch sortiert. Eine Karte fällt mir in die Hand: Grüße von meinem geliebten Opa. Dass es diese Karte noch gibt. Geburtstagskarten, Glückwünsche, Zeitungsartikel von der heiß geliebten Boyband, ein handgeschriebener Zettel meiner Mama, ein Begrüßungsplakat von meinem Papa nach einer ziemlich miserablen Klassenfahrt. Und böse Briefe einer vermeintlich besten Freundin, die ich feierlich im Altpapier versenke. Ich rase durch die Zeit: 1988, 1995, 1996, 1986, 1994. Hin, zurück. Und das war erst die erste Ladung.

    Eine Woche später brause ich wieder mit Karl, dem Kleinen, in Richtung Elternhaus. Ich habe frei, es ist Freitag, der erste Tag im Juni. Gewitterluft und schwül-warm. Mein Vater hat Nachtschicht und schläft. Meine Mama und ich stärken uns mit Frühstück. Das Vorzeigemodell ruft an – muss arbeiten und ist gespannt auf die weiteren Schätze. Wir fahren zu einer nahegelegenen Landpartie und werden nach kurzer Zeit evakuiert. Das angekündigte Gewitter hängt über uns wie ein Damoklesschwert, tiefschwarze Wolken, dicke Regentropfen. Wir retten uns zügigen Schrittes in die Wagenremise und warten ab: Donner und Blitze gleichzeitig und sturzbachartige Regenfälle. Das Unwetter hängt nur über uns. Das Rote Kreuz informiert regelmäßig und wir nippen an Wasser und Orangenbrause. Nach einer Stunde haben sich die Wolken entladen und das Gewitter hat sich verzogen. Wir gehen hinaus an die nunmehr frische Luft, atmen durch. Langsam schlendern wir weiter, mein Papa stößt ausgeschlafen noch dazu: Ein Eltern-Tochter-Tag! Ein Kaffee in der Schlossküche und viel Platz zum Schauen, denn das Gewitter hat viele wohl vertrieben.

    Wir genießen Platz und Ruhe, quatschen mit den Ausstellern und fahren dann wohlgemut zurück. Karl der Kleine wird wieder beladen mit Kisten und Kästen – dieses Mal ist Lego mit dabei.

    Das Gewitter hat nur kurze Abkühlung gebracht. Es ist tierisch warm und schwül. Als ich zurück fahre, hängt die Feuchtigkeit in den Bäumen rechts und links der Bundesstraße wie ein dicker Schleier. Ich lade die Kästen aus, stelle sie wieder in das Treppenhaus. Morgen reise ich wieder durch die Zeit!

    Als ich am folgenden Morgen die Kästen öffne, wirft mich der ein oder andere Brief wieder in die Vergangenheit, ein regelrechter Strudel. Manches Mal muss ich so über mich lachen. Finde gezeichnete Bildergeschichten oder eine gemalte Schneekugel – mit Vampir im Schneegestöber. Ganz natürliche Umgebung für so einen Blutsauger, insbesondere mit dem Lametta im Hintergrund.

    Und nun haben wir wieder frei. Donnerstag fuhren mein Vorzeigemodell und ich wieder zu meinen Eltern – mit dem Hektor, der Firmenwagen. Der Rest wurde eingeladen: Brettspiele und Bücher.

    An diesem Donnerstag war ich selig. Denn außer dieser Aneinanderreihung von kleinen und großen Zeitmaschinen saß ich in der größten und besten Zeitmaschine, die man sich vorstellen kann: Ich saß im Kirschbaum. Der Kirschbaum mit den Glaskirschen ist knorrig und alt, einige Äste sind morsch und es ist schwierig, in ihm zu klettern. Doch während mein Papa mit seinem Bruder und dem Vorzeigemodell einen englischen Strandkorb zusammenbaute, trohnte ich im Baum, aß und pflückte Kirschen und war meines Lebens froh.

    Die Luft war herrlich, die Vögel zwitscherten und ich hatte so viel Bullerbü im Herzen, wie Ihr es Euch gar nicht vorstellen könnt. Und Kirschen in den Blumenampeln!

    Und anlässlich dieser wunderbaren Kirschenpflückerei hab ich Marmelade aus Glaskirschen gemacht.

    Dafür braucht Ihr:

    • 1 kg Glaskirschen (oder andere Kirschen), entsteint
    • 1 kg Gelierzucker 1:1

    Die Kirschen entsteinen und in einen großen Topf geben. Ein Kilo Gelierzucker drüber streuen und zwei Stunden ziehen lassen. Es duftet irgendwann wie Marzipan.

    Nach den zwei Stunden den Topf auf den Herd stellen und alles aufkochen, dabei ständig rühren!

    Wenn die Masse anfängt zu kochen – rühren, rühren, rühren! Eine Gelierprobe machen und wenn die Masse geliert, in vorbereitete Gläser abfüllen.

    Fertig!

    Von Erdbeeren und Synthesizern 

    Sonntag. Es ist schwül, aber die Sonne scheint. Ich streiche endlich unsere Balkonmöbel. Die Witterung auf Æblerø hat dafür gesorgt, dass die bequemen Holzstühle mal wieder einen Anstrich nötig hatten. Also stehe ich im Innenhof, der Herzallerliebste hat mir eine Plane ausgebreitet, auf der die Stühle stehen, und ich schwinge den Pinsel und schwitze vor mich hin. Die bessere Hälfte schwitzt solidarisch mit und hämmert, sägt und bohrt in der angrenzenden Garage. Und so arbeiten wir eine Zeitlang nebeneinander her. Irgendwann fange ich an, vor mich hinzusummen – das Streichen scheint denselben Effekt auf mich zu haben, wie mein Yoga-Castle. Und während ich den Pinsel schwinge, wird aus dem Summen ein Singen. Mit ausgestrecktem Arm, in einer Hand den Borstenpinsel, rufe ich in Richtung Garage: „Reach out, touch faith!“ 

    Armlehne angemalt! Schwungvoll, selbstverständlich.

    Meine bessere Hälfte grinst und ich summe weiter:

    All I ever wanted, 

    All I ever needed

    Is here in my arms

    Words are very unnecessary

    They can only do harm

    Dave Gahan wäre stolz auf mich gewesen! In großen Pinselposen hüpfe ich um die Stühle herum, drehe mich mit ausgebreiteten Armen und singe ein wahres Depeche Mode-Medley. Zugegeben – nicht so laut wie in der Küche oder im Auto, aber dennoch. 

    People are people…

    In meinem Kopf spielt schönster Synthesizer-Pop auf. Kein Orchester, keine Kammermusik – nein: feinste Synthesizer. 

    Und dann plötzlich sind die Stühle fertig gestrichen, der Vorhang senkt sich wieder, ich gehe verschwitzt von der Bühne. Das Bühnenoutfit mit Farbe bekleckert, die Frisur – saß mal…

    Doch was jetzt? Mir steht nicht der Sinn nach Hotelzimmer verwüsten oder synthetische Dinge durch die Venen schießen. 

    Ich brauche Erdbeer-Endorphine in Rein- und in Marmeladenform. Und während ich die selbstgepflückten drei Kilo klein schneide, jeweils ein Kilo mit einem Kilo Gelierzucker 1:1 mische, alles aufkoche bis es geliert und anschließend mit meiner besseren Hälfte herrlichste Erdbeermarmelade in Gläser abfülle, bin ich voller Vorfreude auf den nächsten Tag.


    Einer meiner Wünsche geht in Erfüllung: Ich gehe auf ein Depeche Mode-Konzert. 

    Frontmann Dave Gahan kann um einiges besser eine Bühnenshow abliefern, als ich bei 30 Grad pinselschwingend im Innenhof.

    Die „olle Kombo“, die bewusst auf viel Schnick-Schnack verzichtet und nicht jedes ihrer Lieder langatmig vorstellt, haut 32.000 Leute aus den Latschen. Okay, vielleicht 31.999, denn auf dem Weg zurück zum Auto nach dem Konzert beschwert sich doch tatsächlich jemand in der Straßenbahn über die „alten Säcke auf der Bühne“. Wir blicken uns an und in fassungslose Gesichter, bis ein Schrank von einem Mann aufsteht und den Nörgler zum Schweigen bringt: „Ich weiß ja nicht, wo Du warst,“ sagt er, „aber ich war aufm sehr geilen Konzert!“

    Dem – verehrtes Publikum – ist nichts hinzuzufügen!

    Herzlichst, Euer sehr glückliches und immer noch von Musik erfülltes Frøken Fluesvamp 🍄🤘

    Quittengelee, ich sing Dir ein Lied und der Herbst von seiner grauen Seite

    Ein nebeliger, grauer Schatten hat sich über Deutschland gelegt. Regen – mal stark, mal weniger, aber beständig – seit Tagen. Die Sonne hält sich versteckt hinter dichten Wolken und das künstliche Licht blendet die empfindlichen Augen. Morgens ist es dunkel, so dunkel. Und abends auf dem Heimweg schlängeln sich die Blechlawinen über die verschmutzten Straßen. Das bunte Blattwerk der Bäume steht leider gar nicht in dem Licht, das es eigentlich verdiente. Doch erahnen kann man es – das kräftige Rot, das strahlende Gelb, Orange- und Lilatöne. Ich starre aus dem Fenster in dieses Grau mit Farbtupfern und wünsche mir ein bisschen mehr Freundlichkeit in dieser Welt.

    Und die Gänse, die über unser Haus fliegen, trotzen den herbstlichen Eskapaden und schnattern vermeintlich fröhlich. Mit dem Kopf in den Nacken gelegt, schaue ich den Gänsen nach. Sehen Gänse eigentlich Farben? Das Bunt der Wälder? Wie muss das sein? Wissen die Gänse vorm Abflug, wie viele Kilometer sie fliegen müssen, welche Rastplätze angeflogen werden? „Gertrud, am Kamener Kreuz ist gerade Stau, sollen wir in Rhyern Rast machen?“ „Och, Anneliese, ein Stückchen können wir noch *schnat* *schnat*!“ gibt Gertrud zurück. Und dann fliegen sie weiter. Oder vielleicht diskutieren sie auch. Manchmal klingt’s danach; und plötzlich gibt’s das Kommando für den Landeanflug. Das Fahrgestell wird ausgefahren und ein Schwarm schönster Gänse sitzt auf dem benachbarten Feld. 

    Dann liebe ich den Herbst, auch wenn es gerade mal wieder in Strömen regnet, sich alle Lichter spiegeln und die Sonne sich mal wieder hinter dem grauen Wolkenvorhang versteckt hält. Dicke Hagebutten im Wald, buntes Laub, ein Igel in der Abenddämmerung…

    Und ich liebe den Herbst auf dem Wochenmarkt! Die Vielfalt an Obst und Gemüse: leuchtend gelbe Quitten! Knackige Äpfel! Wurzeln, Beten, zarter Chinakohl, Spitzkohl, der erste Rotkohl! Köstlich! 


    Besonders die Quitte mit ihrem herrlichem Duft, dem weichen Flaum, dem leckeren Aroma, wenn verarbeitet. 

    Und ich denke an meine wanderslustige Bloggerfreundin – das holde Marktfräulein, die liebe Jenny, die Quitten-Queen! Jenny, ich habe Deinen Nuss-Krokant-Boden geklaut!!! Köstlich!!!! Kombiniert mit einer Skyr-Apfelkompott-Schicht – lecker!

    Aber aus den duftigen Quitten habe ich Gelee gemacht, herrlich in der Farbe und die Küche duftete – himmlisch!!! 


     Ich hatte etwa 2 kg Quitten mit einem Geschirrtuch entflaumt, dann kleingeschnitten, die Blüte und das Kerngehäuse entfernt. Ein paar Kerngehäuse habe ich allerdings in einen Teebeutel getan und dann mitgekocht. Ich hab mal gelesen, dass die Kerne viel Pektin enthalten sollen, da kam ich dann auf diese Idee mit dem Teebeutel.

    Die Quittenstücke habe ich dann in einen Topf gegeben und bei mittlerer Hitze so lange köcheln lassen, bis sie Mus sind. 

    Den Brei habe ich dann durch ein Sieb über Nacht abtropfen lassen. Herausgekommen sind bei mir etwa 600 ml. 

    Man sagt, dass man für 1 Packung Gelierzucker (1 kg) 750 ml Saft benötigt. Da hilft dann der gute alte Dreisatz weiter: umrechnen, abwiegen, fertig!

    Also: Saft in den Topf, die benötigte Menge Zucker dazu und so lange kochen lassen, bis die Gelierprobe gelingt.

    Dann heiß in saubere Gläser füllen. Er voilà: Quittengelee ist fertig!

    Beim Betrachten dieser schimmernden, fast bernsteinartigen Flüssigkeit ist das Grau in Grau da draußen vergessen. 

    Und ich lasse die letzten trubeligen Tage Revue passieren. Ich gebe ein erleichtertes Schnaufen von mir. Irgendwie… Am Ende wird dann doch alles gut – das ist meine  Quintessenz. Und ein wunderschönes dänisches Lied huscht mir durch den Kopf. „Livstræet“ – der Lebensbaum – heißt es. Ich habe es vor Kurzem mit einigen Leuten bei einer deutsch-dänischen Trauung gesungen. 

    Das Lied handelt davon, dass es vieles gibt, was die Tage grau und trist machen kann, das Leben hart, aber das man zusammen „in der Lebensbaumkrone spielen soll“. Die anderen wissen und fühlen lassen, dass das Leben großartig ist!“ 

    Und dem – verehrte Leserinnen und Leser – möchte ich nichts mehr hinzufügen, außer: 

    Bleibt glücklich, Euer Frøken Fluesvamp 🍄

     

    Holler, der Waldfeerich – Holunderbeersaft

    Holler heißt er. Er ist Waldfeerich. Keine Waldfee mit buntem Tüddelkrams, sondern mit imposanter Krone. Seine Frau ist die Holla, von Beruf Waldfee. Wer hätte das gedacht? Holla ist in aller Munde, besonders bei Ausrufen des Erstaunens hört man es: „Na, aber Holla die Waldfee!“ Holler wird das zu bunt. Er möchte auch mal in aller Munde sein. „Aber wie?“, fragt sich der Feerich und grübelt in der gleißenden Sonne. „In aller Munde…“, denkt er. „Roh bin ich giftig! Aber so ein beträchtliches Bad bei 100 Grad…“ grübelt der stolze Feerich weiter. Dann verschwindet das, was der Lebensmittelchemiker cyanogenes Glycosid Sambunigrin nennt. Im Feerich reift eine Idee und mit der Zeit, den warmen Sonnenstrahlen verwandeln sich seine puscheligen weißen Dolden in tiefschwarze und dunkelviolette Beeren.

    Eines Morgen, ein einsamer Spaziergänger trabte soeben niesend und prustend an Holler vorbei, ruft der Waldfeerich aus: „Ich hab’s! Abgekocht, den Saft in Flaschen gefüllt und gut gegen Erkältung!“

    So sei es, werter Holler! Bald bist Du wieder in aller Munde!


    Es ist etwas schwierig abzuschätzen, wie viel Saft die Holunderdolden bringen. Am besten, Ihr schneidet gefühlt mehr. Ich habe für drei Flaschen etwa zwei Fahrradkörbe voll gepflückt. Die Beeren sollten alle dunkel sein, wenn ein paar grüne dabei sind, ist es aber nicht schlimm.

    Gebt die Dolden in eine große Schüssel und wäscht sie gründlich mit kaltem Wasser. Dann zupft Ihr die Beeren ab. Achtung: Holunder färbt stark. Einmalhandschuhe sind keine schlechte Idee!

    Gebt die Früchte mit etwas Wasser in einen großen Topf und lasst alles etwa 45 Minuten kochen.

    Anschließend gebt Ihr alles durch ein feines Sieb oder lasst es durch ein Sieb abtropfen. Die Beeren dabei ordentlich ausquetschen.

    Gebt den Saft dann wieder in den Topf und fügt 200 g Zucker hinzu.

    Unter ständigem Rühren aufkochen lassen und dann für etwa 5 Minuten köcheln lassen.

    Anschließend heiß in abgekochte Flaschen füllen, fest verschließen und die Flaschen für 10 Sekunden auf den Kopf stellen. Achtung: sehr heiß!

    Die Flaschen kühl und dunkel lagern!

    Kampf der Erkältung!

    Hitzige Grüße,

    Frøken Fluesvamp 🍄

    Sauregurkenzeit 

    „[…] Auf dem Küchentisch hat nämlich einer gesessen, der war ungefähr einen halben Meter groß. Wenn er nicht Augen und eine Nase und einen Mund und Arme und Beine gehabt hätte, hätte man ihn für eine große, dicke Gurke oder einen mittleren, dünnen Kürbis halten können. Auf dem Kopf hat er eine Krone gehabt. Eine goldene Krone mit roten Edelsteinen in den Kronenzacken. Seine Hände steckten in weißen Zwirnhandschuhen und die Zehennägel hatte er rot lackiert. […]“

    (Ausschnitt aus „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“, Christine Nöstlinger)

    © 2011 Beltz Verlag, Weinheim Basel

    Christine Nöstlingers Gurkenkönig ist genau genommen eine echt fiese, hinterlistige und egozentrische Figur, die bei Familie Hogelmann plötzlich in der Küche auftaucht und das Familienleben ziemlich durcheinander bringt.

    Mir scheint, solche Gurkenkönige kommen häufiger vor, als man denkt. Ich glaube, diese sogenannten Gurkinger können ihre Gestalt wandeln, will sagen: nicht alle miesen-fiesen Menschen sehen aus wie Gurken.  Manchmal sitzen die Gurkinger dieser Welt sowohl auf der linken als auch auf der rechten Schulter und flüstern in Flohsprache. Denn solche Gurkinger müssen irgendwie verbandelt sein mit den sprichwörtlichen Flöhen. Diejenigen, die ins Ohr gesetzt werden. Bestimmt halten sich die Gurkinger die Flöhe als Haustiere und haben sie so dressiert, dass sie in die Ohren der Menschen kriechen und anfangen, Zweifel zu sähen und ihre Zweifelfelder zu bestellen. Und manchmal ist der Boden fruchtbar. Die Flöhe bewirtschaften die Felder und ernten; der Gurkinger freut sich, liefern ihre Floh-Vasallen doch oberpünktlichst ihren Zehnt bei ihm ab. Sicherlich ist die Ernte abwechslungsreich – von A wie Angst bis Z wie Zweifel ist für den Gurkenkönig-Magen alles dabei. Daran muss er sich doch sattfressen – so’n Gurkinger. Doch warte Gurkinger – es geht Dir an den Kragen!

    Heute wirst Du eingemacht – ob Konservieren die beste Idee ist?

    Für 1 kg Gurken braucht Ihr:

    •  1 kg Einmachgurken (etwa alle gleich groß)
    • 100 g Salz
    • 400 ml Kräuteressig 
    • 600 ml Wasser
    • 160 g Zucker
    • 1 Päckchen Einmachhilfe 
    • 2 Zwiebeln 
    • 4 Pimentkörner
    • 10 Pfefferkörner 
    • 2 EL Senfkörner 
    • 4 Wacholderbeeren 
    • 2 Lorbeerblätter 
    • 1 Bund frischen Dill oder einige Zweige Gurkendill

    Zuerst wascht Ihr die Gurken und gebt sie dann in eine große Schüssel. Mit 80 g Salz bestreuen und die Gurken mit Wasser bedecken. Über Nacht ziehen lassen.


    Am nächsten Tag spült Ihr die Gurken unter kaltem Wasser gründlich ab und lasst sie anschließend gut abtropfen. Bereitet dann Eure Gläser vor.

    Kocht den Essig mit dem Wasser, dem restlichen Salz, Zucker und der Einmachhilfe auf und lasst den Sud dann zugedeckt etwa 10 Minuten köcheln.

    Schält die Zwiebeln und schneidet sie ihn feine Ringe. 

    Verteilt Eure Gurken nun auf die Gläser – sie sollten aufrecht stehen! Steckt die Zwiebelringe, die Gewürze und Kräuter dazwischen. Anschließend übergießt Ihr Eure kleinen Kunstwerke mit dem sehr heißen Essigsud.

    Gläser sofort fest verschließen! Bei Gläsern mit Schraubverschluss für die Gläser für 5 Minuten auf den Kopf stellen – dann ist alles gut desinfiziert.


    Nun müsst Ihr leider noch 2 bis 3 Wochen mit dem Verzehr warten, denn so lange müssen sie noch durchziehen.