Familiengeschichten Teil 1 und noch‘n Zwetschgenkuchen

Der Zwetschgenbaum im Garten meiner Eltern ist voll beladen. An so viele Zwetschgen kann ich mich nicht erinnern. Als ich letzte Woche Mittwoch nach der Arbeit mit Karl dem Kleinen zu meinen Eltern fuhr, hatte ich auf dem Rückweg zwei Kilo im Gepäck.

Wir saßen zusammen bei Bratkartoffeln und Spiegelei und genossen den Blick auf den Süntel von der Bergschmiede aus. Ein Ausflugslokal inmitten des Waldes. Die Umrisse des Süntels wurden von Minute zu Minute schärfer, das Grün nahezu giftig. Dann brach das Gewitter los, und dicke Regentropfen trommelten auf das Dach. Der Wald atmete hörbar auf. Endlich Regen! Es war urgemütlich. Die Dämmerung kroch langsam hervor und wir redeten und redeten.

Satt und zufrieden gingen wir irgendwann zum Auto, und es tropfte von den großen Bäumen. Gemächlich und vorsichtig rollten wir die kurvigen Straßen hinunter. Doch Hasen oder Rehe ließen sich nicht blicken, nur ein paar Mäuse und ein dicker Igel sausten über die Straße. Und es regnete noch immer.

Gemütlich auf dem Sofa einerseits, im Auto aber das andererseits. Denn gern fahre ich bei solch einem Wetter nicht. Doch mein lieber Papa, der beste Papa der Welt, konnte seinem Fliegenpilztöchterchen nicht den Wunsch abschlagen, dass er hinter ihr herfuhr. Gegen das Mulmige im Bauch. Und so fuhr Papa hinter mir her, bis ich von der Bundesstraße wieder runter war.

Und gegen den Kuchenhunger im Bauch gibt es umso mehr Zwetschgenkuchen!

Ihr braucht für einen Blechkuchen:

  • 250 g Butter, weich
  • 250 g Zucker
  • 3 Bio-Eier, Größe M
  • 400 g glutenfreies Mehl, z.B. Dr. Schär Mix C
  • 100 g gemahlene Haselnüsse
  • 250 ml Milch
  • abgeriebene Schale einer Zitrone
  • 1 TL Vanillezucker
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 1 TL Xanthan
  • 2 TL Flohsamenschalen
  • Zwetschgen, halbiert und ohne Stein
  • Zimtzucker

Gebt Butter und Zucker in eine große Schüssel und rührt beides solange mit Eurer Küchenmaschine oder dem Handrührgerät, bis eine helle und cremige Masse entsteht. Rührt die Eier nach und nach unter.

Gebt das Mehl und die gemahlenen Haselnüsse, Flohsamenschalen und Xanthan, Vanillezucker und Backpulver und die Zitronenschale hinzu und rührt, bis ein geschmeidiger Teig entsteht.

Heizt den Backofen auf 180 Grad vor. Fettet ein Backblech mit Butter ein. Gebt den Teig gleichmäßig auf das Backblech.

Die gewaschenen Zwetschgen halbiert Ihr nun und entfernt den Stein. Nun drückt Ihr die Zwetschgenhälften dicht an dicht in den Teig. Bestreut die Zwetschgen nun mit reichlich Zimtzucker.

Backt den Kuchen für ca. 40 Minuten im Ofen. Nach der Backzeit testet Ihr mit einem Holzspieß, ob der Teig durch ist. Falls nicht, lasst den Kuchen noch für weitere fünf Minuten im Ofen. Ihr könnt den Ofen schon ausstellen, die Restwärme sorgt fürs Durchbacken.

Nehmt den Kuchen aus dem Ofen und lasst ihn auskühlen.

Dazu passt natürlich frisch geschlagene Sahne. Und falls der Kuchen nicht alle werden sollte: Man kann ihn hervorragend einfrieren.

Viel Spaß beim Nachbacken wünscht Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Vom Herbst und einer italienischen Gemüsesuppe

Ich sitze auf dem roten Cordsofa, habe die Beine ausgestreckt und blicke auf. Die Sonne auf unseren Stubenfenstern ist unerbittlich – sie setzt meine Fensterputzfaulheit buchstäblich ins rechte Licht. Golden mit gräulichen Pünktchen. Nun ja.

Aber ich möchte heute faul sein. Auf der einen Seite jedenfalls. Auf der anderen Seite sehne ich mich ein bisschen nach dem Herbst, Basteln, Nähen, Stricken, nach bunten Blättern, Waldspaziergängen mit diesem typischen Duft, nach Wollpullovern und einem kleinen bisschen Frieren mit Vorfreude auf das warme Zuhause. Wenn es dämmert oder dunkel ist und das Licht zu Hause brennt – das ist Nachhausekommen. Klingt ein bisschen wie Werbung, aber dieses heimelige Wohlgefühl…

Und ich stelle fest, dass Jahreszeiten was Schönes sind. Welches mir die liebste ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiß es nicht, weiß nur, dass sie mir fehlten, lebte ich in einem Teil der Welt, wo es keine gibt. Dabei philosophiere ich so vor mich hin: Wie malen denn die Kinder in den Teilen der Welt ohne Jahreszeiten Kalenderblätter?

Im Januar habe ich eigentlich immer einen Schneemann und Schlitten gezeichnet. Im Februar tanzte Clown neben Teufel, Prinzessin und Cowboy. Im März gab es die ersten Blümchen und im April grinste der Osterhase mit Kiepe vom Kalenderblatt. Im Mai der Maikäfer mit Maiglöckchen und im Juni Sonne satt. Juli und August waren Monate mit Meer, Sand und Strand, Seesternen und Muscheln. Im September Apfel- und Birnenbäume, im Oktober Drachensteigen. Im November Stoppelfelder und Laternen. Und der Dezember natürlich Weihnachten.

Wie das wohl in anderen Teilen der Welt ist?

Irgendwie bekomme ich gerade doch Lust auf Basteleien. Vielleicht Sockenstricken? Dann kann ich gemütlich auf dem Sofa liegen bleiben.

Oder ein herbstliches Menü kochen. Fangen wir doch mit einer Minestrone an. Die geht schließlich immer!

Ihr braucht:

  • 3 Handvoll bunte Bohnen, z.B. grüne, gelbe und lila Bohnen
  • 5 Wurzeln
  • 1 Stange Porree
  • 1 Stange Sellerie
  • 1 rote Spitzpaprika
  • 4 Kartoffeln
  • 1 Zucchini
  • Tomatenmark
  • Salz und Pfeffer
  • Basilikum, gern frisch
  • Parmesan
  • Etwas Olivenöl

Zunächst alles Gemüse putzen bzw. schälen und klein schneiden. Olivenöl in einen großen Topf geben und als erstes die Wurzeln anschwitzen, dann Sellerie und Porree, bis das Gemüse weicher wird. Mit Wasser, ca. 700 ml, aufgießen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Anschließend die Kartoffeln, die Spitzpaprika und die Bohnen hinzufügen. Für ca. 10 Minuten abgedeckt köcheln lassen. Dann die Zucchini hinzufügen. Weiter für ca. 5 Minuten köcheln lassen, gelegentlich umrühren. Basilikum kleinschneiden und zur Suppe geben. Mit Tomatenmark, Salz und Pfeffer abschmecken.

Suppe vor dem Servieren mit gehobeltem Parmesan bestreuen und schön heiß genießen.

Eine perfekte Suppe nach einem herrlichen Herbstspaziergang!

Genießt die Jahreszeiten, die Erntevielfalt, das Herbstlicht!

Und viel Spaß beim Nachkochen!

Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Tiergeschichten vom Dorf und ein Blumenkohl-Spinat-Curry

Manchmal wünsche ich mir, Schafanpflocker auf einem Deich zu sein. Es gibt so Tage. Ich könnte auch einfach aufs Meer schauen und Wellen zählen, oder Möwen. Möwen zählen wäre auch in Ordnung. Oder dem Gras beim Wachsen zusehen, die Wolken ziehen, den Schneeflocken beim Tanzen, obwohl das zurzeit eher unvorstellbar ist.

So beobachte ich zum Beispiel Mäuse. Ähnlich entspannend. Die Mäuse machen nämlich Polonaise und ziehen über den Steingarten an meinem Elternhaus. Mäuschen Lopez die 14. oder 15. geht vorweg. Auch sie hat den runden Popo ihrer Urururururur… also ihrer Vorfahrin geerbt. Die hatten wir Mäuschen Lopez getauft, weil sie eben so einen großen runden Pöter hatte.

Mäuschen Lopez’ dunkle Knopfaugen schauten stets so friedlich aus dem braunen Mausgesicht, dass man nicht anders könnte als das Mäuschen zu lieben und mit Mandeln und Nüssen zu füttern. Und weil es dem Mäuschen und seiner Familie so gut ging, blieb die fellige Sippe im Steingarten und dem Hang wohnen und bekam von Zeit zu Zeit Nüsse und Mandeln kredenzt, bescherte uns ab und an einen Besuch und zeigte uns ihr Vertrauen, wenn sie mit dem Nachwuchs um die Häuser zog.

Mäuschen waren nicht alles. Mathilde war eine Rebhuhndame. Sie verbrachte zwei Tage und drei Nächte im Sauerkirschbaum. Irgendwie war sie von ihrer Bahn angekommen. Wir ließen sie gewähren und im Baum, bis sie eines Morgens aufbrach.

Rumpel zog Jahr für Jahr in den Dachkasten und brachte Junge zur Welt, die fröhlich quiekend um 4:30 Uhr jeden Morgen unbeirrt das Heim verließen, um von Mutter Marder zu lernen. Und so zog der Mardertrupp auch an der Balkontür vorbei, dahinter das Schlafzimmer meiner Eltern. Und wie auch Menschenkinder alle unterschiedlich sind, schaute das letzte der Marderjungen mit den Pfoten an die Balkontür gelehnt in das Schlafzimmer, Auge in Auge mit meiner Mutter. Es hätte schöner nicht sein können.

Das Highlight aus dem dörflichen Tierleben, neben unzähliger Rotschwanzpärchen, vorwitzigen Meisen, Kernbeißern, Spechten und Igelfamilien, war allerdings Rüdiger. Seines Zeichens eine sogenannte „Kleine Hufeisennase“. Eine Fledermaus, die es im Hauseingang urgemütlich fand und dort ihre Zelte aufschlug. Da wir das Haus nur noch über den Keller betraten, um Rüdiger nicht zu stören, riefen wir den dorfansässigen Fledermausforscher an. Und bevor es ungläubige Stimmen gibt: Ja, den gab es damals! Der Forscher kam eines Abends mit allerlei Gerätschaften, nahm Rüdiger professionell von seinem Stammplatz, vermaß und untersuchte ihn.

Rüdiger war topfit, wollte wohl nur mal alleine abhängen. Kann ich verstehen. Rüdiger flog dann irgendwann von dannen.

Randall, der in einer Art Wohngemeinschaft mit uns lebende Marder, scheint inzwischen mit seinen Jungen ausgezogen zu sein. Mit uns leben unsere Sittiche, Emil und Emma, die in dieser Affenhitze endlich entdeckten, dass ein Bad ganz erfrischend sein kann.

Und weil diese Tiergeschichten allesamt so herzig sind, gibts heute ein veganes Blumenkohl-Spinat-Curry.

Ihr braucht:

  • 1 Blumenkohl
  • Pflanzenöl
  • 1 TL Senfsamen
  • 1 TL Kumin (Kreuzkümmel)
  • 1 TL Garam Masala
  • 1 TL Kurkuma
  • 1 Knoblauchzehe (zerdrückt)
  • 1 kleingewürfelte halbe Zwiebel
  • 1 Chili, in Scheiben geschnitten
  • 500 g Babyspinat
  • Gemüsebrühe (etwa 3 Kellen)
  • reichlich frischen, gehackten Koriander
  • Salz und Pfeffer

Brecht den Blumenkohl in kleine Röschen und stellt ihn beiseite.

Gebt das Öl in einen Topf und fügt die Senfsamen hinzu. Erhitzt sie, bis sie platzen.

Gebt das restliche Gemüse dazu, außerdem Knoblauch, Zwiebel und die Chili. Unter ständigem Rühren etwa zwei bis drei Minuten anschwitzen.

Blumenkohl, Spinat, Gemüsebrühe, gehackter Koriander, Salz und Pfeffer dazugeben und bei schwacher Hitze 15 Minuten kochen, bis der Blumenkohl weich ist.

Kocht in der Zwischenzeit etwas Basmatireis. Für zwei Personen reicht eine Kaffeetasse.

Wenn alles fertig ist – schön anrichten und genießen!

Ein Zwiegespräch bei Pflaumenkuchen mit Zimt

„Komm rein, komm rein. Du bist ja völlig durchnässt!“ sagt er und winkt den Besucher hinein. „Fühl Dich wie zu Hause!“ Ein strahlendes Lächeln. „Breite Dich aus!“ Dann stutzt der Gastgeber. „Oh Du tropfst ja alles voll!“ Eilig wischt er die Nässe beiseite. „Ach, egal! Setz Dich! Möchtest Du was trinken?“ Der Besucher schüttelt mit dem Kopf. „Nicht?“ fragt der Gastgeber bestürzt, und kurz fällt das Lächeln aus dem Gesicht, das Strahlen ist ein wenig – nun, wolkenverhangen. „Du – hmm… – Du siehst ein wenig grau aus!“ stellt der Gastgeber fest und rührt in seinem Schirmchendrink. Eine Erfrischung tut ihm immer gut, besonders eine mit klirrenden Eiswürfeln und Zitronenscheiben.

„Ufff…“ macht der Besucher und lässt sich dabei auf den dunklen Sessel fallen. Die Eiswürfel klappern im Glas; der Gastgeber ist etwas nervös. „Der…der Sessel…“ haucht er. „Waaaas?“ faucht der Besucher. Das dunkle Grün färbt sich noch dunkler, erinnert an Moos. „Nichts, nichts…“ erwidert der Gastgeber. „Du hast ja recht!“ gibt er zu. „So lange habe ich mich zurückgehalten!“ Die Stimme des Besuchers klingt eingerostet, rauh, so als wenn er sie eine lange Zeit nicht benutzt hätte. Der Gastgeber nickt und schaut in die Augen seines Besuchers. „Gut, dass Du da bist!“ stellt der Gastgeber fest.

Der Besucher nicht. Wassertröpfchen sprühen über den gelb-grünen Teppich. „Schau Dir das doch mal an!“ und zwei Tränen rollen aus seinen moosgrünen Augen. Entschieden streicht er das rotgoldene Haar zurück. „Ich bleibe eine Weile. Dann ziehe ich weiter!“

Der Gastgeber nickt ergeben. Seine Tage sind gezählt, auch er merkt das. Abends ist er so müde und geht viel früher ins Bett als noch vor ein paar Wochen. Da hat er an Kinderzehen gekitzelt, die Beeren rot und tief dunkelblau gefärbt. Knospen hat er aufspringen lassen. Aber seinen Freund hat er vermisst – jawohl. Der Regen hat sich lange nicht blicken lassen, und nun ist er gekommen, im Schlepptau seinen Bruder. Eine kurze Stippvisite hat er gesagt. Eigentlich mag er ihn ja. Dass sie sich immer nur kurz sehen, nun, das ist nicht zu ändern. Er wird wohl auch bald weiterziehen und seine sieben Zwetschgen packen.

„Zwetschgen!“ sagt er. Der Besucher blickt auf. „Hab mir redlich Mühe gegeben!“ sagt der Gastgeber. Anerkennend schaut der Besucher auf ein Stück Kuchen. Der Duft ist betörend. „Zimt!“ stellt der Besucher fest. „Ich weiß!“ sagt der Gastgeber und nickt, dass die goldblonden Locken nur so wippen. „Eher was für…“ Plötzlich wird die Tür aufgedrückt. Eine frische Böe fegt hinein und treibt Blätter vor sich her. „Verzeih!“ bittet der Gast. „Ist ein bisschen mit mir durchgegangen. Bis dahin ist doch noch Zeit. Aber sag – liebster Bruder – Du sprachst von Zwetschgen. Hättest Du wohl ein Stück Zwetschgenkuchen?“

Ihr braucht:

Für den Teig:

  • 150 g weiche Butter oder Margarine plus etwas für die Form
  • 200 g glutenfreies Mehl
  • 2 TL Flohsamenschalen
  • 1 TL Xanthan
  • 1 TL Backpulver
  • 125 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Zimtpulver
  • 2 Bio-Eier
  • 400 g Zwetschgen oder Pflaumen (mit Stein)

Zum Bestreuen:

  • 30 g Zucker
  • 30 g Mandelblättchen
  • 20 g eiskalte Butter

Fettet eine Springform mit Butter und stellt sie beiseite. Heizt den Backofen auf 200 Grad vor. Gebt die weiche Butter, Zucker und Zimtpulver in eine große Rührschüssel und verrührt alles, bis ein cremiger Teig entsteht.

Fügt die Eier hinzu, dann nach und nach die Mischung aus Mehl, Flohsamenschalen, Backpulver und Xanthan. Gebt den Teig in die gefettete Form.

Entsteint die Zwetschgen oder Pflaumen und viertelt sie. Drückt sie im Halbkreis in den Teig.

Bestreut die Pflaumen/Zwetschgen mit Zucker, 30 g Mandelblättchen und eiskalten Butterflocken.

Backt den Kuchen für ca. 35 Minuten bei 200 Grad auf der untersten Schiene des Backofens. Anschließend auskühlen lassen und dann mit frischgeschlagener Sahne genießen!

Und? Wisst Ihr, wer sich heute im Norden getroffen hat auf einen Plausch und ein Stück Kuchen?

Einen gemütlichen Sonntag und viel Spaß beim Nachbacken wünscht Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Findelhof, Flohmärkte und Karottenkuchen

3:15 Uhr. Der Wecker ist unerbittlich. Er piept. Erst zaghaft, dann immer aufdringlicher. Schließlich mit Nachdruck. Um 23:30 Uhr hatte ich das letzte Mal auf den rosa Tyrannen geschaut. Ich konnte nicht einschlafen. Und nun will ich nicht aufstehen. Doch was hilft das Meckern und Brummen – nichts. Ich stehe auf, versuche die Augen zu öffnen und schlurfe ins Bad.

Glücklicherweise sind diese Handgriffe automatisiert und der Kopf schon so funktionstüchtig, dass ich die rechte Linse ins rechte Auge und die linke ins linke Auge befördere – ohne besondere Vorkommnisse.

In der Küche sieht es etwas anders aus. Seit Jahren muss ich mir Zettel schreiben: „Tee kochen“, „Zucker“, „Kühlbox packen“, „Milch“. Die Liste variiert je nach Anlass.

Dieses Mal ist der Anlass Der Findelhof. Wohl einer der schönsten Flohmärkte in unserer Nähe. Einmal im Monat ab April findet er statt in einem kleinen Ort namens Bockelskamp bei Celle. Das Besondere: es gibt keine Neuware. Außerdem liegt der Findelhof idyllisch, die einzelnen Stände liegen auf der Streuobstwiese, im Innenhof des Hofes und im kleinen Wäldchen dahinter. Für das leibliche Wohl wird gesorgt – es gibt eine obligatorische Bratwurst, aber auch Kartoffelsalat mit Bockwurst, Suppe oder Ratatouille, Schmalzbrote, Brötchen mit Wurst oder Käse und Milchreis mit Zimt und Zucker. Eine kleine Weinbar, Kaffee und Kuchen und ein Coffeebike mit italienischen Kaffeespezialitäten. Ausgezeichnet!

Die Krux an der Sache? Das frühe Aufstehen, denn die Plätze sind begehrt. Also sitzen wir um 4:45 Uhr im Auto, mit Kühlbox, Teekanne, Blumen und anderer Deko und einem selbstgebackenen Karottenkuchen – für uns und die umliegenden Stände.

Langsam rauschen wir so dahin, den Anhänger hinter das Auto geschnallt. Kurz vor Bockelskamp ergreift mich die Aufregung – Adrenalin! Wir fahren auf die taunasse Ausstellerwiese, parken. Von Weitem wird schon gewunken. Gummistiefel an und raus. Die Handgriffe jetzt sind eingespielt: Pavillon raus, Klapptische unter den Arm geklemmt, ein Hallo hier, ein Hallo dort. Vier Personen, vier Ecken – der Pavillon wird aufgespannt. Es folgen die Tische. Die Sackkarre wird beladen mit Bananenkartons: ein stetes Ausräumen, Umräumen. Letztlich folgt die Deko: wir stellen alte Einweckgläser auf die schmucke Leiter, stellen Schleierkraut, Hortensien und Septemberkraut hinein, füllen mit Wasser auf – auch daran soll gedacht sein.

Dann kann es losgehen. Es ist 7:00 Uhr. Und tatsächlich verirrt sich der eine oder andere erste Besucher auf die Wiese, obwohl offizieller Beginn eigentlich 10:00 Uhr ist. Und natürlich huscht man in der morgendlichen Ruhe auch selbst über den Markt und wirft einen Blick auf die anderen Stände, begrüßt bekannte Gesichter und macht vielleicht auch schon ein Schnäppchen, holt sich einen Ausstellerkaffee und genießt den Morgen.

Der Tag wird irgendwann lang. Das Zeitgefühl ist irgendwann zwischen 7:30 Uhr und 11:00 Uhr verloren gegangen. Wie spät soll es sein? Der berüchtigte tote Punkt schleicht sich an und wir wollen nur noch Dusche und Sofa, Sachen eingepackt und weggepackt haben, Füße raus aus den Schuhen und frische Klamotten.

Doch es ist erst Mittag. Und vorher gibt es Kuchen! Und nächsten Tag, ja am nächsten Tag – ist alles vergessen, und der nächste Findelhof ist kaum zu erwarten.

Für einen fluffigen Möhrenkuchen braucht Ihr:

  • 220 g glutenfreies Mehl (z. B. Mix C von Dr. Schär oder Helles Mehl von Hammermühle)
  • 30 g Maisstärke
  • 1 TL Backpulver (gehäuft)
  • 1 TL Xanthan
  • 50 g Kokosraspel
  • 1 Prise Salz
  • 2 TL Zimt (gemahlen)
  • 325 g geraspelte Möhren
  • 80 g gemahlene Haselnüsse plus etwas für die Backform
  • 4 Bio-Eier
  • 200 ml Sonnenblumenöl
  • 180 g flüssigen Honig
  • Butter zum Einfetten der Backform

Heizt als Erstes den Backofen auf 180 Grad vor. Dann fettet eine Napfkuchen- oder Springform mit Butter und streut sie mit einem Teil von den gemahlenen Haselnüssen aus.

Mischt Mehl und Stärke mit dem Backpulver, Xanthan, den Kokosraspeln, Salz und Zimt. Gebt die geraspelten Möhren und die Haselnüsse hinzu.

Gebt Eier, Öl und Honig hinzu und rührt alles solange, bis ein cremiger Teig entsteht.

Gebt nun den Teig in die vorbereitete Backform und stellt diese dann auf die mittlere Schiene des Backofens. Backt den Kuchen für 45 Minuten, bis er goldbraun ist.

Nehmt den Kuchen nach der Backzeit heraus und lasst ihn in der Form für ca. 10 bis 15 Minuten auskühlen. Anschließende stürzt ihr ihn vorsichtig und lasst ihn auf einem Kuchengitter auskühlen.

Am übernächsten Tag schmeckt der Kuchen am allerbesten!

Viel Spaß beim Nachbacken, und verratet mir doch mal, welches Euer Lieblingsflohmarkt ist.

Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Vom Hasen und vom Igel – Falscher falscher Hase

Ziehen wir das Pferd doch mal von hinten auf. Der Hase war tot – er war zu viel gelaufen, und verlieren wollte er nicht, der Hase. Sein falscher Stolz trieb ihn dann buchstäblich in den Tod. Wie einstmals in Marathon als der Läufer nach Überbringung der Botschaft aus den Latschen kippte und somit tot umfiel. Doch der Hase war auf einem hohen Ross. Er hatte vorher den Igel getroffen und sich über seine kurzen Beine lustig gemacht. Der Igel aber schien aus Hasenaugensicht ein einfältiges Gesicht zu haben; er war aber nicht dumm und hörte sich an, was der Hase zu sagen hatte.

Der Hase rümpfte die Hasennase und schaute – auf seinen Hinterbeinen stehend – den Igel von oben herab an. Ja, einfältig und dicklich war dieses Tierchen. Seine Grunzlaute waren so gar nicht possierlich, und Schnecken fraß er – widerlich. Und mit der Höhenluft in der Nase schlug der Hase dem Igel einen Wettstreit vor. „Wir laufen um die Wette!“ und innerlich rieb sich der Hase bereits die Hände. Sollte der dümmliche Igel einschlagen – er, der Hase von Welt, würde gewinnen.

Hase und Igel brachten sich in Position und liefen los, liefen und liefen über Stock und über Stein. Der Hase blindlings jedoch erstarrte als er den Igel am Ende der Strecke entdeckte. Dann hörte er ihn rufen: „Ich bin schon da!“

Wut stieg in dem Hasen hoch, blinde Wut. Wie konnte das passieren? Wir konnte dieser fette Igel schneller sein als er? Der Hase! Er – das schnellste Waldtier? Was fiel ihm – diesem haarigen Igel – eigentlich ein?

In seiner Eitelkeit verletzt und mit angekratztem Stolz forderte der Hase Revanche. Hase und Igel stellten sich an die Startlinie, liefen los und liefen, liefen, liefen – bis, ja, bis der Hase in der Ferne wieder den Igel winken sah. Und er hörte wie er rief: „Ich bin schon da!“

„WUT – WUT – WUT!!!“ kochte es im Hasenmagen. „Nein, nein, nein!“ schallte es im Hasenhirn. „Das KANN nicht sein!“ schnaufte der Hase. Uneinsichtig forderte er Revanche um Revanche – bis das Hasenherz aufhörte zu schlagen und der schöne, stolze Hase mit dem glänzenden Fell und den seidenen Hasenohren auf den Waldboden sank.

Doch was hatte der Igel an sich, dass es den Hasen derart provozierte? War er etwa glücklich mit seiner Igelfrau? War er etwa zufrieden mit sich selbst und seinem Leben? Oder – was für den Hasen ein gar unerträglicher Gedanke war – war der Igel etwa glücklich?

Nun, geht man nach der Moral des Märchens ist klar, dass der Hase die Quittung für sein herablassendes Verhalten kassiert. Dass er den Igel nach seinem Äußeren bewertet und sich ihm überlegen fühlt, wird dem Hasen zum Verhängnis.

Und der Igel? Der nimmt mit seiner Frau, die ihn bei dem ungleichen Rennen unterstützt, weil sie eben ein gutes Team sind, in Kauf, dass der Hase Runde um Runde um sein Leben rennt und rennt und rennt.

Und der Leser jubelt…denn der Igel hat gewonnen. Hat er? Hat das Igel-Team tatsächlich gewonnen? Oder hat das Igel-Team mit unlauteren Mitteln gegen den zugegeben arroganten Hasen gekämpft? Lässt man einen Hasen in Rage sehenden Auges in sein Unglück laufen?

Ich bin mir unschlüssig, aber als Kind tat mir der Hase irgendwie immer leid. Irgendwas war dort in seinem Hasenhirn, das ihm Kummer bereitete. Grundsätzlich böse fand ich den Hasen nie, nur irgendwie auf der falschen Spur. Ein bisschen so wie Draco Malfoy.

Armer falscher falscher Hase…

Und weil der arme Hase nicht noch ärmer dran sein soll, gibts falschen falschen Hasen – ein vegetarischer Hackbraten.

Ihr braucht:

  • 1 kleingehackte Zwiebel
  • 2 feingehackte Knoblauchzehen
  • 3 EL weiche Butter oder Öl
  • 4 Möhren, geraspelt
  • 2 Stangen, in 0,5 cm Stücke geschnitten
  • 50 g Walnüsse, fein gemahlen
  • 50 g Cashewnüsse, fein gehackt
  • 50 g Sonnenblumenkerne, fein gemahlen
  • 60 g glutenfreies Paniermehl
  • 2 TL Johannisbrotkernmehl
  • gehackte glatte Petersilie
  • gehackten Thymian
  • Saft einer Bio-Zitrone
  • 2 Bio-Eier
  • 1 Becher saure Sahne oder Schmand
  • Salz und Pfeffer
  • Geriebene Muskatnuss

Fettet eine Auflauf- oder Kastenform mit Butter oder Öl aus. Gebt Öl in eine Pfanne mit hohem Rand oder einen Topf. Schwitzt die Zwiebel und die Knoblauchzehen an. Dann gebt nach und nach das Gemüse hinzu. Anschließend gebt Ihr die gemahlenen Nüsse in den Topf und rührt gut um. Dann die Kräuter und den Zitronensaft hinzufügen, anschließend die Eier und den Schmand bzw. die saure Sahne. Allmählich entsteht eine teigartige Masse. Schmeckt gut mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Die Masse kann schon Wumms haben.

Gebt die Masse in die vorbereitete Form und stellt den falschen falschen Hasen in den Backofen. Backt den falschen falschen Hasen bei 180 Grad für ca. 35 Minuten.

Dazu schmecken Kartoffelbrei und breite Bohnen. Aber auch anderes Gemüse der Saison wie z. B. Kohlrabi oder knackiger Spitzkohl sind köstlich!

Viel Spaß beim Nachkochen! Und denkt mal über den Hasen nach.

Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Weserlieder, Radfahren und Frankfurter Grüne Sauce

Die Hitze der letzten Tage steckt mir in den Knochen. Sie steckt in den Wänden, im Dach – in der Haut und im Kopf. Am Freitag habe ich mich mein Fahrrad ohne Namen aus dem Stall geholt, bin vorbei an den Gemüsefeldern, abgemähten Kornfeldern, durch die Masch geradelt und habe auf sie gewartet – die Gänsehaut. Doch sie kam nicht. Ich strengte meinen hitzegeschädigten Kopf an und erinnerte – ja, das letzte Mal Gänsehaut war vergangenen Samstag!

Letztes Wochenende waren wir bei guten Freunden im wunderschönen Minden in Nordrhein-Westfalen. Wir waren auf den Weserliedern, und wer vermutet, dass es sich dabei um ein schunkelndes Schlagerfestival handelt, der irrt gewaltig. „Wo die Weser einen großen Bogen macht“ mag ja – was den gesunden Lokalpatriotismus angeht – ganz nett sein, und weckt bei dem einen oder anderen sicherlich auch ein Heimatgefühl, aber bei dem Gratis-Musikfestival passiert etwas anderes Gutes. Es definiert Heimat neu – ein buntes, durch alle Altersklassen gemischtes Publikum, das nahezu einträchtig nebeneinander am Weserbogen steht und an Wasser, Bier oder Cocktail nippt und den Bands lauscht, mitwippt und mitklatscht. Kinder mit Mickey Mäusen auf den Ohren hüpfen vor der Bühne auf und ab, und während es singt, trommelt, musiziert, geht ganz nebenbei die Sonne unter und es wird – ja, es wird frisch.

Ich sauge den Sauerstoff förmlich ein und genieße das Gefühl von frischer Luft, fühle mich plötzlich hellwach. Und dann stellen sich meine Haare auf, ein wohliger Schauer – da ist sie: Gänsehaut. Wie herrlich!

Als wir gegen Mitternacht den Weg nach Hause antreten, ist der Himmel sternenklar. Ein wunderbarer Abend liegt hinter uns, und ich bin ein bisschen sentimental, denn manche Freunde wohnen einfach zu weit weg. Diese Freunde, bei denen man nahtlos dort anknüpfen kann, wo man das letzte Mal aufgehört hat – egal, ob es zwei Wochen oder zwei Monate her ist, manchmal sogar ein halbes Jahr. Die Freunde, bei denen man wie selbstverständlich in die Küche geht und den Tisch deckt, die sich aufs Sofa kuscheln und sich wohlfühlen, die sich ins eigene Interieur integrieren und so daliegen, als wäre es das Natürlichste der Welt. Ein Glück, ein ganz großes Glück!

So beseelt schläft es sich gut, und so wird die Arbeitswoche erträglich.

Der Freitag lädt uns ein zu einem Fahrradausflug. Wir treten in die Pedale, fahren an Wiesen und Feldern vorbei, sehen Rainfarn und Malven an den Rändern stehen. Birnen und Äpfel hängen an den Bäumen, und die Zwetschgen färben sich lila.

Dann ein Blumenfeld mit Sonnenblumen, Phazelien, Borretsch und auch hier Malven. Es summt und brummt vor lauter Hummeln und Bienen. Wir sehen Gradhüpfer und ein Tor in eine andere Welt.

Im Westen zieht Gewitter auf. Wir sehen es blitzen. „21, 22, 23, 24, 25, 26…“ es donnert. „Das ist noch weit weg!“ beruhigt mich mein Vorzeigemodell. Ich habe keine Angst vor Gewitter, aber ich mag es nicht, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, und so treten wir etwas kräftiger in die Pedale und fliegen nach Hause. Gerade noch rechtzeitig, denn nun folgt der Wolkenbruch.

Und da wir hungrig sind, gibt es noch eine kleine leichte Mahlzeit.

Frankfurter Grüne Sauce mit Pellkartoffeln und gekochten Eiern. Erfrischend und köstlich.

Ihr braucht für 2 Personen:

  • 1 Topf Quark
  • 2 EL Crème Fraîche
  • 1 Hauch Sahne
  • Salz und Pfeffer
  • Kräuter für Grüne Sauce – das sind sieben Kräuter und diese sind: Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie, Kresse
  • 8 Kartoffeln
  • Eier und Kartoffeln aufsetzen und kochen.
  • Für die Grüne Sauce (im Dialekt auch Grie Soß genannt) werden die Kräuter eigentlich püriert. Ich mag es aber auch sehr gern, wenn die Kräuter sehr fein gehackt sind. Dieses Mal werden sie gehackt und in den Quark gegeben, Crème Fraîche dazu, einen Schuss Sahne, alles verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Kartoffeln abgießen. Eier abschrecken und pellen, halbieren und auf die Grüne Sauce legen.
  • Fertig ist das einfache köstliche Sommeressen!
  • Viel Spaß beim Nachkochen oder Radfahren oder bei einem schönen Abend mit guten Freunden oder alles zusammen!
  • Herzlich grüßt Euer
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄