Ein Zwiegespräch bei Pflaumenkuchen mit Zimt

„Komm rein, komm rein. Du bist ja völlig durchnässt!“ sagt er und winkt den Besucher hinein. „Fühl Dich wie zu Hause!“ Ein strahlendes Lächeln. „Breite Dich aus!“ Dann stutzt der Gastgeber. „Oh Du tropfst ja alles voll!“ Eilig wischt er die Nässe beiseite. „Ach, egal! Setz Dich! Möchtest Du was trinken?“ Der Besucher schüttelt mit dem Kopf. „Nicht?“ fragt der Gastgeber bestürzt, und kurz fällt das Lächeln aus dem Gesicht, das Strahlen ist ein wenig – nun, wolkenverhangen. „Du – hmm… – Du siehst ein wenig grau aus!“ stellt der Gastgeber fest und rührt in seinem Schirmchendrink. Eine Erfrischung tut ihm immer gut, besonders eine mit klirrenden Eiswürfeln und Zitronenscheiben.

„Ufff…“ macht der Besucher und lässt sich dabei auf den dunklen Sessel fallen. Die Eiswürfel klappern im Glas; der Gastgeber ist etwas nervös. „Der…der Sessel…“ haucht er. „Waaaas?“ faucht der Besucher. Das dunkle Grün färbt sich noch dunkler, erinnert an Moos. „Nichts, nichts…“ erwidert der Gastgeber. „Du hast ja recht!“ gibt er zu. „So lange habe ich mich zurückgehalten!“ Die Stimme des Besuchers klingt eingerostet, rauh, so als wenn er sie eine lange Zeit nicht benutzt hätte. Der Gastgeber nickt und schaut in die Augen seines Besuchers. „Gut, dass Du da bist!“ stellt der Gastgeber fest.

Der Besucher nicht. Wassertröpfchen sprühen über den gelb-grünen Teppich. „Schau Dir das doch mal an!“ und zwei Tränen rollen aus seinen moosgrünen Augen. Entschieden streicht er das rotgoldene Haar zurück. „Ich bleibe eine Weile. Dann ziehe ich weiter!“

Der Gastgeber nickt ergeben. Seine Tage sind gezählt, auch er merkt das. Abends ist er so müde und geht viel früher ins Bett als noch vor ein paar Wochen. Da hat er an Kinderzehen gekitzelt, die Beeren rot und tief dunkelblau gefärbt. Knospen hat er aufspringen lassen. Aber seinen Freund hat er vermisst – jawohl. Der Regen hat sich lange nicht blicken lassen, und nun ist er gekommen, im Schlepptau seinen Bruder. Eine kurze Stippvisite hat er gesagt. Eigentlich mag er ihn ja. Dass sie sich immer nur kurz sehen, nun, das ist nicht zu ändern. Er wird wohl auch bald weiterziehen und seine sieben Zwetschgen packen.

„Zwetschgen!“ sagt er. Der Besucher blickt auf. „Hab mir redlich Mühe gegeben!“ sagt der Gastgeber. Anerkennend schaut der Besucher auf ein Stück Kuchen. Der Duft ist betörend. „Zimt!“ stellt der Besucher fest. „Ich weiß!“ sagt der Gastgeber und nickt, dass die goldblonden Locken nur so wippen. „Eher was für…“ Plötzlich wird die Tür aufgedrückt. Eine frische Böe fegt hinein und treibt Blätter vor sich her. „Verzeih!“ bittet der Gast. „Ist ein bisschen mit mir durchgegangen. Bis dahin ist doch noch Zeit. Aber sag – liebster Bruder – Du sprachst von Zwetschgen. Hättest Du wohl ein Stück Zwetschgenkuchen?“

Ihr braucht:

Für den Teig:

  • 150 g weiche Butter oder Margarine plus etwas für die Form
  • 200 g glutenfreies Mehl
  • 2 TL Flohsamenschalen
  • 1 TL Xanthan
  • 1 TL Backpulver
  • 125 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Zimtpulver
  • 2 Bio-Eier
  • 400 g Zwetschgen oder Pflaumen (mit Stein)

Zum Bestreuen:

  • 30 g Zucker
  • 30 g Mandelblättchen
  • 20 g eiskalte Butter

Fettet eine Springform mit Butter und stellt sie beiseite. Heizt den Backofen auf 200 Grad vor. Gebt die weiche Butter, Zucker und Zimtpulver in eine große Rührschüssel und verrührt alles, bis ein cremiger Teig entsteht.

Fügt die Eier hinzu, dann nach und nach die Mischung aus Mehl, Flohsamenschalen, Backpulver und Xanthan. Gebt den Teig in die gefettete Form.

Entsteint die Zwetschgen oder Pflaumen und viertelt sie. Drückt sie im Halbkreis in den Teig.

Bestreut die Pflaumen/Zwetschgen mit Zucker, 30 g Mandelblättchen und eiskalten Butterflocken.

Backt den Kuchen für ca. 35 Minuten bei 200 Grad auf der untersten Schiene des Backofens. Anschließend auskühlen lassen und dann mit frischgeschlagener Sahne genießen!

Und? Wisst Ihr, wer sich heute im Norden getroffen hat auf einen Plausch und ein Stück Kuchen?

Einen gemütlichen Sonntag und viel Spaß beim Nachbacken wünscht Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Findelhof, Flohmärkte und Karottenkuchen

3:15 Uhr. Der Wecker ist unerbittlich. Er piept. Erst zaghaft, dann immer aufdringlicher. Schließlich mit Nachdruck. Um 23:30 Uhr hatte ich das letzte Mal auf den rosa Tyrannen geschaut. Ich konnte nicht einschlafen. Und nun will ich nicht aufstehen. Doch was hilft das Meckern und Brummen – nichts. Ich stehe auf, versuche die Augen zu öffnen und schlurfe ins Bad.

Glücklicherweise sind diese Handgriffe automatisiert und der Kopf schon so funktionstüchtig, dass ich die rechte Linse ins rechte Auge und die linke ins linke Auge befördere – ohne besondere Vorkommnisse.

In der Küche sieht es etwas anders aus. Seit Jahren muss ich mir Zettel schreiben: „Tee kochen“, „Zucker“, „Kühlbox packen“, „Milch“. Die Liste variiert je nach Anlass.

Dieses Mal ist der Anlass Der Findelhof. Wohl einer der schönsten Flohmärkte in unserer Nähe. Einmal im Monat ab April findet er statt in einem kleinen Ort namens Bockelskamp bei Celle. Das Besondere: es gibt keine Neuware. Außerdem liegt der Findelhof idyllisch, die einzelnen Stände liegen auf der Streuobstwiese, im Innenhof des Hofes und im kleinen Wäldchen dahinter. Für das leibliche Wohl wird gesorgt – es gibt eine obligatorische Bratwurst, aber auch Kartoffelsalat mit Bockwurst, Suppe oder Ratatouille, Schmalzbrote, Brötchen mit Wurst oder Käse und Milchreis mit Zimt und Zucker. Eine kleine Weinbar, Kaffee und Kuchen und ein Coffeebike mit italienischen Kaffeespezialitäten. Ausgezeichnet!

Die Krux an der Sache? Das frühe Aufstehen, denn die Plätze sind begehrt. Also sitzen wir um 4:45 Uhr im Auto, mit Kühlbox, Teekanne, Blumen und anderer Deko und einem selbstgebackenen Karottenkuchen – für uns und die umliegenden Stände.

Langsam rauschen wir so dahin, den Anhänger hinter das Auto geschnallt. Kurz vor Bockelskamp ergreift mich die Aufregung – Adrenalin! Wir fahren auf die taunasse Ausstellerwiese, parken. Von Weitem wird schon gewunken. Gummistiefel an und raus. Die Handgriffe jetzt sind eingespielt: Pavillon raus, Klapptische unter den Arm geklemmt, ein Hallo hier, ein Hallo dort. Vier Personen, vier Ecken – der Pavillon wird aufgespannt. Es folgen die Tische. Die Sackkarre wird beladen mit Bananenkartons: ein stetes Ausräumen, Umräumen. Letztlich folgt die Deko: wir stellen alte Einweckgläser auf die schmucke Leiter, stellen Schleierkraut, Hortensien und Septemberkraut hinein, füllen mit Wasser auf – auch daran soll gedacht sein.

Dann kann es losgehen. Es ist 7:00 Uhr. Und tatsächlich verirrt sich der eine oder andere erste Besucher auf die Wiese, obwohl offizieller Beginn eigentlich 10:00 Uhr ist. Und natürlich huscht man in der morgendlichen Ruhe auch selbst über den Markt und wirft einen Blick auf die anderen Stände, begrüßt bekannte Gesichter und macht vielleicht auch schon ein Schnäppchen, holt sich einen Ausstellerkaffee und genießt den Morgen.

Der Tag wird irgendwann lang. Das Zeitgefühl ist irgendwann zwischen 7:30 Uhr und 11:00 Uhr verloren gegangen. Wie spät soll es sein? Der berüchtigte tote Punkt schleicht sich an und wir wollen nur noch Dusche und Sofa, Sachen eingepackt und weggepackt haben, Füße raus aus den Schuhen und frische Klamotten.

Doch es ist erst Mittag. Und vorher gibt es Kuchen! Und nächsten Tag, ja am nächsten Tag – ist alles vergessen, und der nächste Findelhof ist kaum zu erwarten.

Für einen fluffigen Möhrenkuchen braucht Ihr:

  • 220 g glutenfreies Mehl (z. B. Mix C von Dr. Schär oder Helles Mehl von Hammermühle)
  • 30 g Maisstärke
  • 1 TL Backpulver (gehäuft)
  • 1 TL Xanthan
  • 50 g Kokosraspel
  • 1 Prise Salz
  • 2 TL Zimt (gemahlen)
  • 325 g geraspelte Möhren
  • 80 g gemahlene Haselnüsse plus etwas für die Backform
  • 4 Bio-Eier
  • 200 ml Sonnenblumenöl
  • 180 g flüssigen Honig
  • Butter zum Einfetten der Backform

Heizt als Erstes den Backofen auf 180 Grad vor. Dann fettet eine Napfkuchen- oder Springform mit Butter und streut sie mit einem Teil von den gemahlenen Haselnüssen aus.

Mischt Mehl und Stärke mit dem Backpulver, Xanthan, den Kokosraspeln, Salz und Zimt. Gebt die geraspelten Möhren und die Haselnüsse hinzu.

Gebt Eier, Öl und Honig hinzu und rührt alles solange, bis ein cremiger Teig entsteht.

Gebt nun den Teig in die vorbereitete Backform und stellt diese dann auf die mittlere Schiene des Backofens. Backt den Kuchen für 45 Minuten, bis er goldbraun ist.

Nehmt den Kuchen nach der Backzeit heraus und lasst ihn in der Form für ca. 10 bis 15 Minuten auskühlen. Anschließende stürzt ihr ihn vorsichtig und lasst ihn auf einem Kuchengitter auskühlen.

Am übernächsten Tag schmeckt der Kuchen am allerbesten!

Viel Spaß beim Nachbacken, und verratet mir doch mal, welches Euer Lieblingsflohmarkt ist.

Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

Von kleinen Königen, Trumpen, Schurken und Kleingebäck

„Schurken dieser Welt, vereinigt Euch!“ scheint der Schlachtruf der heutigen Zeit zu sein. Je oller, je doller. Bunga bunga und olé.

Stellen wir es uns doch mal vor: Irgendwo in Schurkistan und den Tross der Oberschurken auf einem trostlosen Schulhof. Kim Jong Irgendwas verteilt an seine Sandkastenfreunde bereitwillig Kimchi mit besonderer „Würze“. Auf dem Pausenhof tauschen die Schurkenstaatler Sticker mit „Atomkraft – ja, danke“, „F**k Fridays for Future“, „Vernichtet den Regenwald“, „Manche Menschen sind illegal“ und das bekannte „Ausländer raus“. Gummitwist wird mit Stacheldraht gespielt; es gibt AGs im Bereich „Mauerbau“ und natürlich ganz retro „Russisch Roulette“. Allerdings macht der kleine Vladimir hier allen was vor: „Da!“

„Wie machen wir aus der Klimakatastrophe einen -Wandel?“ und „Twittern was das Zeug hält!“ stehen selbstverständlich auf dem Programm. Und wer etwas auf sich hält, belegt den Sonderkurs in „Beleidigungen richtig und nachhaltig ausdrücken“. Die Anzahl der Teilnehmer ist in diesem Kurs jedoch eher gering. Bei „Nachhaltigkeit“ schrecken Schurken bekanntlich erst mal zurück.

Doch – oh Weh – was ist das für eine Verständigung über Ländergrenzen hinweg: Boris Johnson und Donald Trump haben sich gegenseitig denselben Friseur empfohlen! Selbst die Queen war über die Ähnlichkeit verblüfft!

Aber auch hier schießen die Schurken wie Pilze aus dem Boden: Super-Gauland könnte in der Schurkenstaatenschule sicherlich Unterricht in Jägerlatein geben. An Nachwuchs mangelt es wohl nicht.

Starschnitte von Diktatoren aller Länder können im Werkunterricht gebastelt werden. Und während man in Brüssel fleißig daran arbeitet, dass man die Stühle von A nach B und wieder zurückschiebt, entdecken die anderen Randgruppen, dass die eigentlich Guten bei ihrer Reise nach Jerusalem die Bodenhaftung verloren haben und schneiden die Reißleine durch. Man möchte rufen: „Bord Control to Major Tom!“ denn: „World – we have a problem!“

Schere-Stein-Papier war gestern – heute heißt das Schnick-Schnack-Schurk!

Das Ganze wird noch unfassbarer, wenn man bedenkt, dass der Begriff „Schurkenstaat“ von der ehemaligen US-Regierung unter Georg W. Bush eine Gruppe meist diktatorisch regierter Staaten bezeichnete, die sich nach ihrer Auffassung aggressiv gegenüber anderen Ländern verhalten, die Stabilität weiterer Regionen untergraben und sich zugleich internationalen Verhandlungen verweigern. (Quelle: Wikipedia).

Blickte im Jahr 2004 alles gebannt nach Amerika und erstarrte förmlich, als Georg W. Bush zum 2. Mal zum Präsidenten der Vereinigen Staaten gewählt wurde, war die Erschütterung über den Sieg Donald Trumps im Januar 2017 – nun ja – sagen wir mal „even greater“ im Sinne von „noch größer“. Ein oranger Schurke an der Macht.

Wenn Donald – frisch aus der Schurkenschule entlassen – twittert bis die Schwarte kracht, schlage ich die Hänge über dem Kopf zusammen und denke mir: Warum ist dieser orange Donald Trump eigentlich nicht Zoppo Trump? Zoppo Trump fragt Ihr? JA! Zoppo Trump, Häuptling der Trumpe, wird vom Erdmännchenkönig Kalle Wirsch trotz verletzter Hand mit 2:1 in seine Schranken gewiesen wird. Nicht ganz alleine – mit Hilfe seiner Menschenfreunde Jenny und Max und der Fledermaus Tutulla natürlich – denn einer alleine kann nichts bewirken.

Und ist es nicht genau das?

Deshalb gibt es nun freundliche glutenfreie Amerikaner für alle!

Ihr braucht für etwa 16 Stück:

  • 100 g Butter oder Margarine
  • 100 g Zucker
  • 3 Bio-Eier
  • 250 g glutenfreies Mehl (ich habe das helle von Bauck benutzt)
  • 1 Päckchen glutenfreies Vanille-Puddingpulver
  • 3 TL Backpulver
  • 1 EL Vanillezucker
  • 1 TL Xanthan
  • 1 gehäuften TL Flohsamenschalen
  • ca. 7 EL Milch + etwas extra zum Bestreichen der Amerikaner nach 2/3 der Backzeit

Für die Glasur:

  • 200 g Puderzucker
  • 3 EL Wasser oder Zitronensaft

Gebt die Butter und den Zucker in eine Rührschüssel und verrührt alles mit dem Handrührgerät, bis eine schöne helle homogene Masse entsteht. Gebt die Eier hinzu und rührt weiter.

Gebt die trockenen Zutaten in eine zweite Schüssel und vermischt alles gründlich. Dann gebt Ihr die trockene Mischung löffelweise in die flüssige Mischung und rührt dabei kräftig weiter.

Zum Schluss gebt Ihr – auch hier löffelweise – die Milch dazu – und rühren, rühren, rühren, bis ein schöner, etwas klebriger Teig entstanden ist.

Heizt den Backofen auf ca. 160 Grad (Umluft / Ober-/Unterhitze) vor.

Legt Backpapier auf ein Backblech und gebt mit zwei Esslöffeln gleichmäßige Kleckse darauf. Ein kleiner Tipp: Stellt Euch eine Schale mit lauwarmem Wasser neben das Blech. So könnte Ihr die Teigkleckse noch glattstreichen und vermeidet, dass der Teig an Euren Händen festklebt. Außerdem bekommen die Amerikaner so eine schöne Form.

Schiebt das Backblech auf die mittlere Schiene des Backofens und backt sie für zehn Minuten. Nach zehn Minuten zieht Ihr das Backblech heraus und bestreicht die Oberflächen der Amerikaner vorsichtig mit der Milch. Schiebt das Backblech wieder in den Ofen und backt sie für weitere fünf Minuten.

Nach der Backzeit das Backblech herausnehmen, die Amerikaner vorsichtig vom Backpapier lösen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Macht in der Zwischenzeit Euren Zuckerguss: Dafür den Puderzucker nach und nach mit dem Wasser oder dem Zitronensaft mischen – der Guss darf nicht zu flüssig sein!

Sobald die Amerikaner ganz ausgekühlt sind, mit Zuckerguss bestreichen. Zuckerguss trocknen lassen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Nachbacken dieser freundlichen Amerikaner!

Herzlichst Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz

Mit ’nem Löffelchen voll Zucker – von Mary Poppins und einer himbeerigen Biskuitrolle

Ja, ein Löffelchen voll Zucker bitt’re Medizin versüßt!

Das sang schon Mary Poppins und die muss es ja wissen. Schließlich hat Mary echt Erfahrung.

Letztes Jahr im September weilten mein Vorzeigemodell und ich – die treuen Leser(innen) (oder sollte ich „Lesende“ schreiben) – nun, wir weilten in Italien und genossen die vermeintlich letzten warmen Sonnenstrahlen. Durchschnittlich 30 Grad. Nach dem Wahnsinnssommer kein Problem für zwei Nordlichter. Doch auch der schönste Spätsommerurlaub geht auch mal zu Ende. Und so kam es, dass wir zwar bei 30 Grad zurückreisten, aber zu Hause von 7 Grad begrüßt wurden. Auch in unseren Gefilden hatte es einen Temperatursturz gegeben. Tags zuvor hatte das Thermometer noch an der 30-Grad-Marke gekratzt. Und so saßen wir an unserem heimatlichen Frühstückstisch mit den mediterranen Köstlichkeiten und froren.

Berge von Wäsche – Shorts, Tops, Röcke, Kleider, luftige Leinenhemden – Socken? Socken hatten keinen Einsatz, konnten so eingerollt in die Schublade wandern.

Eine halbe Stunde später stehe ich im Bad, draußen gutes norddeutsches Wetter und ich froh über unbenutzte Socken. Denn kaum aus Bella Italia zurück geht’s in eine andere Perle – Hamburg!

Meine liebe Mama war mit einer Truppe Arbeitskolleginnen und ihrem Chef auf dem Weg zu einem Wochenendseminar. Anlässlich des Praxisjubiläums gab es Karten für „Mary Poppins“ und wie das immer so ist: eine wird immer krank! Und eine ist dann der Glückspilz. Und so stand ich besockt, gestiefelt und gespornt im roten Regenmantel mit weißen Punkten auf dem Bahnsteig, aufgenommen in einen Trupp lustiger Mädels wartend auf den Ersatzzug, denn selbstverständlich war der ICE ausgefallen.

Mit einem klapperigen IC, Baujahr 1896, ratterten wir dann Richtung Hamburg, standen im Gang, tranken Sekt aus Plastikgläsern und machten dem Kontrolleur gute Laune. Unsere Laune war nämlich gar prächtig. Ich war gespannt auf Mary, auf Hamburg, auf die Überfahrt und freute mich auf einen Abend mit Mama. Mama, die als Kind ein Buch von „Mary Poppins“ bekommen hatte und es verschlang, sich zum nächsten Weihnachtsfest ein besonders dickes Buch von „Mary Poppins“ wünschte, es leider aber keins gab, war mindestens genauso aufgeregt wie ich. Ob sie wohl fliegen würde? Ob sie genauso hübsch war wie Julie Andrews in dem Film? Ob die Musik genau so schön sein würde? Wir sollten es bald erfahren.

Im Stechschritt marschierte die Infanterie in Hamburg angekommen dann zur S-Bahnstation, zog die Koffer hinter sich her und schnaufte. Doktorchen war auf Zack. Eingecheckt im Hotel tupften wir uns den Schweiß von der Stirn. Unglaublich, dass man bei 7 Grad und steifer Brise noch so schwitzen kann. Rouge brauchten wir nicht, unsere Wangen waren rosig genug, und so ging es zurück zur S-Bahnstation, Richtung Jungfernstieg, Mary ließ nicht auf sich warten.

Und als wir dort standen, die Elbe stahlblau gegen den Steg schwappte und die Elphi im Licht der untergehenden Sonne erleuchtete, wurde mir klar, warum Hamburg das Tor zur Welt genannt wurde. Die Hansestadt öffnet förmlich ihre Pforten und breitet die Arme aus, entlässt ihre Schäflein in die große weite Welt. Nordisch nobel. Hamburg. Und eine Weile stehen wir einfach nur da, genießen das Panorama, die Luft, das Klatschen der Wellen durch die Pötte, die über die Elbe gleiten. Irgendwann steigen wir auch in ein Boot, lassen uns zu Mary bringen. Die Sonne ist inzwischen untergegangen und der Wind beißt in mein sonnenverwöhntes Gesicht. Mama steht neben mir und ist ebenso beeindruckt von der Aussicht, die Elphi -dieses kühne Bauwerk – glitzert im Schein der Lichter und wir, aufgeregt und ein bisschen erschöpft von den Eindrücken, gehen nun hinein, nehmen unsere Plätze ein und lassen uns entführen in die Welt von Mary Poppins. Und ob sie über das Publikum schwebt, nun – das müsst Ihr selbst herausfinden…

Derweil bereite ich etwas mit dem einen oder anderen Löffelchen voll Zucker zu…

Glutenfreie Himbeer-Biskuitrolle

Für die Füllung:

  • 150 g Quark
  • 100 g Ricotta
  • 1-2 EL Puderzucker
  • 200 g Himbeeren
  • Für den Teig:
    • 3 Eigelb
    • 75 g Zucker
    • 3 Eiweiß
    • 1 Prise Salz
    • 70 g glutenfreies Mehl
    • 1/2 TL Backpulver
  • Bereitet zuerst die Füllung zu. Dafür mischt Ihr Quark, Ricotta und Puderzucker und hebt dann die Himbeeren vorsichtig drunter. Wenn es Himbeersaison ist und Ihr frische Himbeeren bekommt, legt ein paar schöne für die Dekoration zur Seite.
  • Dann heizt den Backofen auf 180 Grad vor, belegt ein Backblech mit Backpapier.
  • Trennt die Eier und gebt das Eigelb in eine Rührschüssel zusammen mit dem Zucker. Schlagt Eigelb und Zucker bis die Masse hell wird. Aus Eiweiß und Salz macht Ihr schönen festen Eischnee. Wiegt das Mehl ab und gebt das Backpulver hinzu, vermischt es gut miteinander. Nun gebt Ihr abwechselnd Mehl und Eischnee unter die Eigelb-Zucker-Masse. Der Teig muss ganz geschmeidig sein.
  • Gebt den Teig dann gleichmäßig (!) auf das vorbereitete Backblech und backt es für 12 bis 14 Minuten. Der Biskuit darf nur leicht gebräunt sein!
  • Nach der Backzeit nehmt Ihr das Backblech aus dem Ofen und spannt ein sauberes feuchtes Geschirrtuch über den Teig, stürzt den Biskuit um auf das feuchte Tuch und zieht dann vorsichtig das Backpapier ab. Den Biskuit wickelt Ihr dann in das feuchte Geschirrtuch und lasst es abkühlen.
  • Wenn alles abgekühlt ist, dreht Ihr den Biskuit wieder auf und bestreicht ihn dann mit der Füllung. Dreht es wieder ein und legt die Himbeer-Biskuitrolle in eine Auflaufform oder auf eine Kuchenplatte. Stellt sie bis zum Verzehr kalt. Kurz vorm Servieren bestäubt die Rolle mit Puderzucker und garniert, wenn Ihr habt, mit frischen Himbeeren.
  • Viel Spaß beim Nachbacken wünscht Euch das immer noch singende
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Zwischenstopp – Innsbruck: Ein Besuch bei Klein & Fein

    “Inspruck liegt herrlich in einem breiten reichen Tale, zwischen hohen Felsen und Gebirgen. Erst wollte ich dableiben, aber es ließ mir keine Ruhe. […] Von Inspruck herauf wird es immer schöner, da hilft kein Beschreiben.“ (Goethe, Johann Wolfgang: Italienische Reise, 1992, S. 16)

    Als wir uns aufmachten auf unsere Italienreise entschieden wir uns, auf dem Hinweg einen Zwischenhalt Innsbruck einzulegen. Ob Goethe dabei unser Ratgeber war? Nun, ihn hielt es nicht in dieser – ich möchte sagen – kesselartigen Stadt. Als wir in Innsbruck ankamen, hingen die Wolken so tief, dass man den Himmel nicht sehen konnte – wie eingesperrt in einem Kessel. Ein Landei, das Weite schätzt und viel Luft zum Atmen und einen Horizont, der in weiter Ferne liegt, tut sich schwer mit so einer Stadt zwischen „hohen Felsen und Gebirgen“.

    Unser Glück war ein Weinfest in der Altstadt und ein Besuch in einem niedlichen kleinen Café. Das Café Klein & Fein – betrieben durch Petra Unterweger, genannt Peti (WIE MEINE MAMA!!!!), war ein Lichtblick an diesem gräulichen Tag. Und schnuckelig kam es so daher. Lag unaufgeregt in der Maria Theresien Straße 42a.

    Auf der Homepage steht:

    „Ein bisschen nordisch, ein bisschen britisch,
    ein bisschen italienisch und immer ganz viel Petra!“

    Es war kurz vor 17:00 Uhr und wenn man ganz genau auf die Uhr geguckt hätte, dann wäre es eigentlich schon kurz nach 17:00 Uhr gewesen. Aber da stand nunmal „glutenfrei“ an der Tür und die Tür, die war geöffnet, und es roch so gut, nach Kaffee und nach Gebäck und es sah so nett aus und so gemütlich und – plötzlich, wir wussten gar nicht, wie das passieren konnte, standen wir mittendrin, mitten in Innsbrucks schönstem Platz. Petra „Peti“ Unterweger war charmant, gesprächig, freundlich und äußerst verzagt, dass es nun kurz vor 17:00 Uhr war. So ein Ärger! So ein bodenloser Ärger – so’n „Schaaaaaaß“

    In einer Viertelstunde musste ich von allem, das übrig war, probieren – von Kokosmakrone über zu Salzkaramellen. Und dabei erzählten wir, als wenn wir Stammgäste wären. Petra „Peti“ Unterweger verabschiedete sich von uns mit herzlichem „Baba“ und so gingen wir unserer Wege. Schade, dass es schon kurz vor 17:00 Uhr war.

    Auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn Ihr mal in Innsbruck seid, aber dann checkt vorher die Öffnungszeiten.


    Figline e Incisa Valdarno

    8. September 2018. Es war warm, der Himmel so strahlend blau wie die Augen von Terence Hill. Kleine Wölkchen wie zufällig mit einem ausgefransten Borstenpinsel ins Firmament getupft. Die Brennerautobahn war voll, und wir fuhren mit der Blechlawine weiter gen Süden, immer weiter und weiter. In Südtirol hingen die Äpfel an den Bäumen. Die Raststätten boten Espresso für 1,20 EUR an, in Porzellantassen an einer langen Theke, auf der Zucker verstreut war; und Kekse „senza glutine“ – ein ganzes Regal. Je weiter wir fuhren, umso höher kletterte das Thermometer. Der Himmel wurde noch ein bisschen blauer und die Wolken verschwanden, machten Platz für das Blau. Ein Apfel, ein Sandwich, ein glutenfreier Schokokeks, eine Pause draußen, 30 Grad, ein Stau, einer nächster Stau, eine Umleitung, eine Mautstation, Klirren der Münzen, Landstraße, Autobahnschild, Mautstation, Ticket, ein Kaffee, eine Abzweigung: „Panoramica“ oder „Direttissima“? „Panoramica“ oder „Direttissima“? Die Wahl fällt auf „Panoramica“!

    Und weiter geht’s über unzählige Brücken, kleine Tunnel, durch die Hügel, das toskanische Apennin. Kurz vor Florenz – Pause, Kaffee – ein ausgefallenes Navigationsgerät. Ein Schreck, ein Schütteln, aber – ein Ausdruck im Gepäck. Und so fuhren wir – weiter, immer weiter in Richtung „Incisa“.

    Wo waren wir? Unser Navigationsgerät ließ sich auch mit gutem Zureden nicht wieder aktivieren. Irgendwo zwischen „Panoramica“ und „Abfahrt Incisa“. An der Mautstation das nächste Fiasko – das Ticket wurde nicht akzeptiert. Die Stimme aus dem Apparat wiederholte stoisch Ortsnamen „Bologna“, „Milano“. „Scusa, no capisco. Parla inglese?“ Aber nix „inglese“. Die Stimme wiederholte fragend und genervt: „Bologna?“, „Milano?“. Vielleicht weil wir Hunger hatten, brüllten wir „Bologna!“ und wurden freigelassen.

    Das Navi streikte immer noch. Doch dann – wir konnten tun, was wir wollten, aber wir fanden unsere Ferienwohnung nicht. Die Hauptstraße fuhren wir rauf und wieder runter, rauf und wieder runter. Der Ausdruck sprach von „you start driving up the hills“ und „San Michele“. Doch kein Schild, aber Hügel. Kein Handynetz, aber ein Ausdruck, an den ich mich klammerte. Und ein Handy mit einem strahlenden E. Und so fuhr mein Vorzeigemodell mit unserem Kombi die Hügel hoch, hupte als gäbe es kein Morgen, als die Straßen so eng und schmal wurden, dass ein spontanes Ausweichen nicht möglich gewesen wäre, wäre uns jemand entgegen gekommen. Auf der Spitze des toskanischen Apennin – zumindest gefühlt – hielten wir dann an. Dort war doch ein Haus, da saß doch eine Dame mit ihren Kindern, da können wir doch fragen! Aber das wird doch nicht unsere Ferienwohnung sein? Das wird doch nicht, oh bitte nicht, oh bitte, wo kommen denn plötzlich die ganzen Katzen her, Katzen? Oh Himmel, Katzen, 20 oder 30 Katzen.

    Mit Händen und Füßen, einem Wörterbuch und einer Engelsgeduld erfuhren wir, dass wir „to the other side“ müssen, nahmen unsere Füße in die Hand, sagten artig „grazie“ und flohen vor der Katzenarmee. Dann – ENDLICH – erreichten wir traumatisiert unser Urlaubsdomizil:

    Poderaccio. Ein Agriturismo, ein Farmhaus mit Ferienwohnungen inmitten von Olivenbäumen mit einem traumhaften Blick ins Tal mit Gemüsegarten und mit abendlichem Grillenkonzert, mit Duft von Wald und Wiese, mit nächtlichem Wetterleuchten, mit morgendlichem Hunde- und abendlichem Katzenbesuch. Mit Wildschwein-Grunzen in der Dämmerung, mit Smaragdeidechsen und mit gefüllten Gemüsekörben, Frühstückskörbchen und frischen Eiern, grünen Bohnen und Früchtebrot. Mit Tipps und Tricks, mit Rat und Tat, mit abendlichem Wind, mit Sekt im „Bath-Tub“ und funkelnden Lichtern, mit Spaziergängen und unzähligen Tomaten.

    Figline e Incisa Valdarno ist lt. Wikipedia eine Gemeinde mit 23.420 Einwohnern (Stand 2016). Wie der Name schon sagt, liegt sie im Arno-Tal. Florenz ist etwa 25 km entfernt. Westlich von Figline e Incisa liegt das Chianti-Gebiet, das einen oder zwei oder auch mehrere Besuche wert ist, aber dazu später.

    Incisa hat zudem einen wunderbaren Supermarkt Coop, in dem wir an unserem zweiten Tag nach einer entspannenden Nacht und einem köstlichen ersten Frühstück noch weitere Köstlichkeiten einkauften – schier überwältigt von der Frische, der Vielfalt und von der Qualität. Das letzte Bild zeigt übrigens das Regal mit den glutenfreien Produkten. Den Tiefkühlschrank habe ich wegen Reitüberflutung vergessen zu fotografieren.

    Aber Incisa hat nicht nur einen großen Supermarkt, nein, auch ein kleiner Markt namens Punto Simply Market fügte sich in das Ortsbild ein. Von außen erinnerte der Laden an einen kleinen Dorfladen, und auch die ersten Regale boten ein wohlsortiertes Chaos. Bog man allerdings um die Ecke, steuerte man geradewegs auf eine Frischetheke mit verschiedenen Sorten Käse, Brot und Antipasti zu, dass einem die Luft wegblieb.

    Und auch für den süßen Zahn war gesorgt.

    Eine Pasticceria namens „Le Delizie“ warb bereits direkt an der Tür „anche senza glutine“. Und das Angebot war großartig! Köstliche kleine Windbeutel mit Sahne oder Schokoladencreme gefüllt, kleine Kekse mit Aprikosenmarmelade oder Schokocreme oder ein in Rum getränktes, pilzähnliches Gebäck:

    Glutenfreies Fliegenpilzherz – was willst Du mehr?

    Napoleon, Disco und ein glutenfreies Kaffeekränzchen – Dänische Napoleonshatte

    Jedes Land, jedes Bundesland, jede Stadt, sogar jede Region hat für sie typische Backwaren. Hannover, die niedersächsische Landeshauptstadt, Provinzhauptstadt, soll bekannt sein für den Zuckerkuchen. Nun kann man über Hannover sagen und denken, was man will – manche sagen „nichts ist doofer als Hannover“ – und über Zuckerkuchen gibt es auch geteilte Meinungen. Ich für meinen Teil wollte früher nie nach Hannover ziehen, habe es dann aber doch zehn Jahre in einem grünen Stadtteil ausgehalten, und früher hätte ich dem Zuckerkuchen ein Stück Streuselkuchen vorgezogen. Heute wohne ich im sogenannten Speckgürtel von Hannover und bereite ab und an mit viel Vergnügen glutenfreien Kuchen zu – da schließt sich der Kreis.

    Und wo wir gerade bei „Backwaren “ sind. Eine von Hannovers bekanntesten Diskotheken, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs, sorgte im zarten Alter von etwa 12 Jahren bei mir für Verwirrung. Heute mit dem Kosenamen „Baggi“ genannt, liegt der Tanzschuppen am Raschplatz. Sein „richtiger“ Name lautet „Bhagwan“. Das klang für mich wie „Backwaren“ und ich fragte mich im vorpubertären Alter, was „Backwaren“ mit Disco zu tun haben, ob die in dem Tanzpalast Brötchen backen und warum man hier von einer Sekte sprach. Eine Brötchen backende Sekte? Das Rätsel wurde – nachdem sich die Mitinsassen im Auto vor lauter Lachen ausgeschüttet hatten – gelöst, und ich wusste dann, dass der indische Guru Bhagwan Shree Rajneesh Namens- und wohl auch Geldgeber für die heute auch als „Osho“ bekannte Disco war.

    In der „Baggi“ war ich schon Jahre nicht mehr. Was Backwaren angeht, so ist mein Interesse an glutenfreien Teilchen stark gestiegen. Doch Parallelen gibt es natürlich – in meinem Yoga-Castle singe ich und tanze ich – gern auch barfuß wie einst die Baggi-Jünger – zu Musik von der Platte. Erst kürzlich zwitscherten mir „Eurythmics“ süße Träume ins Ohr, während ich süße Teilchen backte. Genauer gesagt: Napoleonshatte (dän. für „Napoleonshüte“) womit wir wieder am Anfang wären:

    Jedes Land hat seine typischen Backwaren.

    In Dänemark sind es u. a. dreispitzige Mürbeteilgteilchen mit einer Marzipankugel gefüllt und der Boden mit dunkler Schokolade bestrichen. Eine Köstlichkeit, der ich von Kindheit an verfallen bin und die eben „Napoleonshüte“ heißen.

    Napoleon allerdings muss ein ziemlich ungemütlicher Tischpartner gewesen sein. Einigen Quellen zufolge aß Napoleon sehr schnell, und bei Tisch redete er nie. Meist war er nach zehn bis 15 Minuten fertig. Das entspricht so gar nicht der dänischen Kaffeetafel, bei der man – auch nach Siegfried Lenz – so ziemlich den gesamten Abend verbringen kann, bis man sich die Bäuche streichelt und sich ggf. einen klaren, kalten Aquavit als medizinischen Schlummertrunk einverleibt, damit man die Nacht überlebt.

    Der ungemütliche Napoleon jedenfalls war eben kein Däne. Das köstliche Gebäck ist trotzdem nach ihm bzw. seinem Hut benannt. Wäre es ein Schwein gewesen, hätte man es in Frankreich umbenennen müssen – denn selbst Jahrzehnte nach Inkrafttreten des Gesetzes, welches der selbst gekrönte ehemalige Kaiser von Frankreich selbstverständlich selbst erlassen hat, ist es in Frankreich heute immer noch untersagt, ein Schwein den Namen „Napoleon“ zu geben. Das wohl berühmteste Beispiel ist der 1945 erschienen Roman „Die Farm der Tiere“ von Georg Orwell, der das aufständische Schwein „Napoleon“ nannte; in der französischen Version jedoch heißt es „César“.

    Napoleon Bonaparte soll allerdings auch einmal gesagt haben:

    Man kann keinen Eierkuchen backen, ohne ein paar Eier zu zerschlagen.

    Zugegeben – das stand sicherlich in einem anderen Zusammenhang, allerdings ist dies doch ein wunderbarer Übergang zu meinem Rezept (für das man übrigens auch Eier benötigt…).

    Man braucht:

    Für den Mürbeteig

    • 90 g Puderzucker
    • ca. 280 g helle, glutenfreie Mehlmischung (z. B. Dr. Schär Mix C oder Hammermühle hell)
    • 3 EL Flohsamenschalen
    • 3 TL Johannisbrotkernmehl
    • 2 TL Xanthan
    • 1 TL Backpulver
    • 300 g kalte Butter, in Würfel geschnitten
    • 1 Bio-Ei
    • etwas glutenfreies Mehl zum Ausrollen

    Puderzucker, Mehl, Flohsamenschalen, Johannisbrotkernmehl, Xanthan und Backpulver in einer Rührschüssel vermengen. Die kalte Butter und das Ei hinzufügen und alle Zutaten rasch zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und für 1 Stunde in den Kühlschrank legen.

    Für die Füllung

    Während der Teig im Kühlschrank durchkühlt, kannst Du die Füllung zubereiten.

    • 100 g Zucker
    • etwa 400 g Marzipanrohmasse
    • 2 Eiweiß (das Eigelb kannst Du zur Seite stellen)

    Für die Verzierung

    • dunkle Kuvertüre

    Lege ein Backblech mit Backpapier aus, stelle es in die Nähe Deiner Arbeitsplatte und heize den Backofen auf 180 ° C vor. Nimm den Mürbeteig aus dem Kühlschrank und rolle ihn auf Deiner bemehlten Arbeitsplatte mit dem Nudelholz aus, sodass er etwa gleichmäßig 3 mm dick ist. Nimm nun eine Kaffeetasse und stich damit Kreise aus dem Mürbeteig. Lege die Mürbeteigkreise auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech. Der klassische Napoleonshat hat – lt. einer dänischen Internetseite einen Radius von etwa 7 cm. Das kommt mit einer „normalen“ Kaffeetasse ganz gut hin.

    Gib nun auf jeden Mürbeteigkreis eine kleine Kugel von der Füllung und klappe den Teig so hoch, dass ein Dreispitz entsteht. Drücke den Teig oben ein bisschen fest, damit der Hut sich nicht öffnet. Bepinsele die Hüte anschließend mit dem verquirlten Eigelb.

    Back die Hüte im vorgeheizten Backofen etwa 20 Minuten bei 180 ° C.

    Wenn das Gebäck schön gebräunt ist, nimm es aus dem Ofen und lass es auf dem Backblech liegen, bis es vollständig ausgekühlt ist.

    Schmilz nun die Schokolade im Wasserbad und bepinsele die Unterseiten der Napoleonshüte mit der flüssigen Schokolade. Lass die Schokolade trocknen.

    Und nun – da die Schokolade trocken ist – kannst Du Dich mit Deinem Napoleonshut auf den Balkon begeben, huldvoll winken und bei schönstem Kaiserwetter genießen!

    Viel Spaß beim Nachbacken wünscht Euch

    Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz