Weserlieder, Radfahren und Frankfurter Grüne Sauce

Die Hitze der letzten Tage steckt mir in den Knochen. Sie steckt in den Wänden, im Dach – in der Haut und im Kopf. Am Freitag habe ich mich mein Fahrrad ohne Namen aus dem Stall geholt, bin vorbei an den Gemüsefeldern, abgemähten Kornfeldern, durch die Masch geradelt und habe auf sie gewartet – die Gänsehaut. Doch sie kam nicht. Ich strengte meinen hitzegeschädigten Kopf an und erinnerte – ja, das letzte Mal Gänsehaut war vergangenen Samstag!

Letztes Wochenende waren wir bei guten Freunden im wunderschönen Minden in Nordrhein-Westfalen. Wir waren auf den Weserliedern, und wer vermutet, dass es sich dabei um ein schunkelndes Schlagerfestival handelt, der irrt gewaltig. „Wo die Weser einen großen Bogen macht“ mag ja – was den gesunden Lokalpatriotismus angeht – ganz nett sein, und weckt bei dem einen oder anderen sicherlich auch ein Heimatgefühl, aber bei dem Gratis-Musikfestival passiert etwas anderes Gutes. Es definiert Heimat neu – ein buntes, durch alle Altersklassen gemischtes Publikum, das nahezu einträchtig nebeneinander am Weserbogen steht und an Wasser, Bier oder Cocktail nippt und den Bands lauscht, mitwippt und mitklatscht. Kinder mit Mickey Mäusen auf den Ohren hüpfen vor der Bühne auf und ab, und während es singt, trommelt, musiziert, geht ganz nebenbei die Sonne unter und es wird – ja, es wird frisch.

Ich sauge den Sauerstoff förmlich ein und genieße das Gefühl von frischer Luft, fühle mich plötzlich hellwach. Und dann stellen sich meine Haare auf, ein wohliger Schauer – da ist sie: Gänsehaut. Wie herrlich!

Als wir gegen Mitternacht den Weg nach Hause antreten, ist der Himmel sternenklar. Ein wunderbarer Abend liegt hinter uns, und ich bin ein bisschen sentimental, denn manche Freunde wohnen einfach zu weit weg. Diese Freunde, bei denen man nahtlos dort anknüpfen kann, wo man das letzte Mal aufgehört hat – egal, ob es zwei Wochen oder zwei Monate her ist, manchmal sogar ein halbes Jahr. Die Freunde, bei denen man wie selbstverständlich in die Küche geht und den Tisch deckt, die sich aufs Sofa kuscheln und sich wohlfühlen, die sich ins eigene Interieur integrieren und so daliegen, als wäre es das Natürlichste der Welt. Ein Glück, ein ganz großes Glück!

So beseelt schläft es sich gut, und so wird die Arbeitswoche erträglich.

Der Freitag lädt uns ein zu einem Fahrradausflug. Wir treten in die Pedale, fahren an Wiesen und Feldern vorbei, sehen Rainfarn und Malven an den Rändern stehen. Birnen und Äpfel hängen an den Bäumen, und die Zwetschgen färben sich lila.

Dann ein Blumenfeld mit Sonnenblumen, Phazelien, Borretsch und auch hier Malven. Es summt und brummt vor lauter Hummeln und Bienen. Wir sehen Gradhüpfer und ein Tor in eine andere Welt.

Im Westen zieht Gewitter auf. Wir sehen es blitzen. „21, 22, 23, 24, 25, 26…“ es donnert. „Das ist noch weit weg!“ beruhigt mich mein Vorzeigemodell. Ich habe keine Angst vor Gewitter, aber ich mag es nicht, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, und so treten wir etwas kräftiger in die Pedale und fliegen nach Hause. Gerade noch rechtzeitig, denn nun folgt der Wolkenbruch.

Und da wir hungrig sind, gibt es noch eine kleine leichte Mahlzeit.

Frankfurter Grüne Sauce mit Pellkartoffeln und gekochten Eiern. Erfrischend und köstlich.

Ihr braucht für 2 Personen:

  • 1 Topf Quark
  • 2 EL Crème Fraîche
  • 1 Hauch Sahne
  • Salz und Pfeffer
  • Kräuter für Grüne Sauce – das sind sieben Kräuter und diese sind: Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie, Kresse
  • 8 Kartoffeln
  • Eier und Kartoffeln aufsetzen und kochen.
  • Für die Grüne Sauce (im Dialekt auch Grie Soß genannt) werden die Kräuter eigentlich püriert. Ich mag es aber auch sehr gern, wenn die Kräuter sehr fein gehackt sind. Dieses Mal werden sie gehackt und in den Quark gegeben, Crème Fraîche dazu, einen Schuss Sahne, alles verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Kartoffeln abgießen. Eier abschrecken und pellen, halbieren und auf die Grüne Sauce legen.
  • Fertig ist das einfache köstliche Sommeressen!
  • Viel Spaß beim Nachkochen oder Radfahren oder bei einem schönen Abend mit guten Freunden oder alles zusammen!
  • Herzlich grüßt Euer
  • Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄
  • Verzeihen Sie, Monsieur, ich habe geträumt… Mondenschein und Zickelein

    Die Sonne ist heute verhangen. Dicke Wolken haben sich vor sie geschoben, kalt ist es nicht wirklich, aber ein wenig ungemütlich ist es schon. Für einen Sonntag im Juli. Ich trage tatsächlich Socken. Ich liebe es, barfuß zu laufen. Doch heute Morgen waren meine Füße kühl.

    Den ganzen Sonntag war ich leicht schläfrig. Ein Intermezzo des nachts war schuld. Mit donnerndem Getöse wurde ich um 3:40 Uhr aus meinem sonst tiefen Schlaf gerissen. Mein Vorzeigemodell neben mir schnarchte zufrieden. Ein Wecken unmöglich. Auf dem Balkon schien etwas die Sonnenliege als Trampolin zu benutzen. Verflixt, was war das bloß!? Ein Rumpeln und Schnaufen. Im Dunkeln tastete ich nach meiner Brille und tapste in Richtung Fenster. Und traute meinen Augen nicht. Frau Marder saß in der Dachrinne. Die elegante Silhouette mit dem buschigen Schwanz zeichnete sich in dem in Mondlicht getauchtes Licht deutlich ab. Und Frau Marder lockte und keckerte ihre Kleinen, die über unser Schrägdach tapsten. Zwei sah ich, wie sie über die Schräge rutschten und in Richtung Baum taumelten. Mama Marder klatschte Beifall, lief durch die Dachrinne und zeigte ihrem felligen Nachwuchs, wie man möglichst unfallfrei von Dachrinne auf Baum springen konnte. Ich rieb mir verwundert die Augen und kniff mir in den Arm. Irgendwann muss ich wohl: „Ich glaub es nicht!“ gemurmelt haben, denn mein Vorzeigemodell schreckte auf, fragte mich, was ich dort tue. „Mama Marder führt ihre Kleinen übers Dach!“ antworte ich kratzend und deute nach draußen. Inzwischen sitzt Mama Marder wieder auf der Ecke der Dachrinne, wie ein Wasserspeier an einer Kathedrale. Mein Vorzeigemodell hört sie keckern und locken. „Oh nein!“ stöhnt er. Vor Wochen hatten wir gedacht, das Marderproblem im Griff zu haben, Frau Marder schien das Weite gesucht zu haben. Laute Musik sei Dank. Auf dem Dachboden in meiner Bastelecke roch es wie im Wildtierpark, dank zahlreicher Lüftungsschlitze in der Zwischendecke. Hurra! Doch da haben wir wohl die Rechnung ohne Frau Marder gemacht. Nachdem sie den Nachwuchs sicher nach unten befördert hat, gehe ich ins Bett zurück. Finde erst um 5:00 Uhr in den Schlaf.

    Zum Glück ist heute Sonntag und ich darf träge sein, kann den Tag auf mich zukommen lassen und mich auf das rote Cordsofa kuscheln. Allerdings – eins habe ich heute gemacht! Ich habe köstlich gekocht!

    Passend zum Wetter gab es heute etwas aus dem Bräter, es gab Zicklein. Dazu gab es Zucchini, gefüllt mit Ziegen-Feta.

    Und hier gehts zum Rezept:

    Für das Zicklein oder Lamm

    • 1 Stück Zicklein oder Lamm (400 g) (Schulter eignet sich hervorragend)
    • 125 ml Apfelessig
    • 250 ml Rotwein
    • Salz und Pfeffer
    • ein EL Salz
    • 3 Knoblauchzehen
    • 4 Karotten
    • frischen Thymian
    • Olivenöl
  • Für die gefüllten Zucchini
    • 2 kleine Zucchini, gern mit Blüte
      1 Stück Ziegen- oder Schafsfeta
      Salz und Pfeffer
      Basilikum
      frischen Spinat oder Sauerampfer
      Glutenfreies Paniermehl
      2 Bio-Eier (Größe M)

    Heizt den Backofen auf 150 Grad vor und gebt Olivenöl in einen Bräter. Salzt und pfeffert das Stück Fleisch. Wenn Ihr den Knochen bekommen könnt, lasst ihn Euch mitgeben! Gebt die Wurzeln und das Fleisch in den Bräter und stellt ihn in den vorheizten Ofen. Reduziert die Temperatur auf 100 Grad. Stellt den Wecker auf 30 Minuten.

    Gebt Essig und Wein in einen Mixbecher. Gebt den Esslöffel Salz dazu sowie die drei Knoblauchzehen – nicht geschält, sondern nur plattgedrückt – und den Thymian.

    Nach 30 Minuten gebt Ihr das erste Mal von der Essig-Rotwein-Mischung über das Fleisch. Stellt den Wecker wieder auf 30 Minuten. Wiederholt das Übergießen.

    Nun setzt Ihr einen Topf mit Wasser auf und gebt die Zucchini für ca. 15 Minuten hinein. Blanchiert sie anschließend, halbiert sie und entfernt das Kerngehäuse mit einem Teelöffel.

    Zerkleinert den Feta mit einem Häcksler. Schlagt die beiden Eier hinein. Schneidet Spinat, Sauerampfer und die Kräuter klein und gebt sie zum Käse. Würzt mit Salz und Pfeffer. Vermengt alles gut und füllt dann anschließend die Zucchini und die Blüten mit dem Käse. Bestreut alles mit glutenfreiem Paniermehl und gebt alles in eine Auflaufform und zum Bräter in den Ofen.

    Nehmt den Deckel vom Bräter und übergießt das Fleisch ein letztes Mal. Stellt den Wecker auf 20 Minuten.

    Nach 20 Minuten ist Euer Essen fertig! Nur noch auf Tellern anrichten und genießen!

    Traut Euch ran! Es lohnt sich!

    Es grüßt Euch herzlich Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Auf Pflanzen-Pirsch in der dänischen Heidelandschaft – Und plötzlich wird der Blick ganz weit

    Früher, als ich noch klein war und mit meinen Eltern im Auto ohne Klimaanlage und ohne Anschnallgurte auf der Rückbank und ohne elektrische Fensterheber in den Urlaub fuhr, hatte ich am Tag vor der Rückreise immer eine ganz große Angst – ich hatte nicht genügend Meeresluft eingeatmet. Ich war mir sicher, dass ich den Duft von Meer und Salz nicht in ausreichendem Maße in meine Lungen gepresst hatte. Ich war noch nicht ausreichend durch die Heide gewandert, hatte noch nicht genügend Muscheln gesammelt, hatte noch nicht in zufriedenstellendem Maße dem Kiefernrauschen gelauscht. Kurzum: Ich war einfach noch nicht fertig mit Urlaub. Und so atmete ich noch kräftiger ein, noch tiefer, bis mir fast schwindelig wurde, legte mein Ohr noch dichter an die Holzwand des Ferienhauses, stromerte noch weiter in die Heidelandschaft hinein und suchte noch mehr Muscheln. Mit dem Ziel, genügend im Vorrat zu haben. Bis zum nächsten Mal.

    Am Abfahrtstag selbst breitete sich immer eine gehörige Portion Übelkeit aus. Auch heute noch. War der Appetit in den letzten Tagen – gestärkt durch Meeresluft und ausgedehnte Spaziergänge – ausgeprägt, so war und ist er an diesem Tage eher verhalten.

    Irgendwann entstand auch eine ganz eigene Zählweise der noch vor uns liegenden Urlaubstage. Hatte man 14 Tage gebucht und war am Samstag angereist, so hatte man am Samstag drauf nicht noch 7 Tage, nein, man hatte 14 Tage: 7 Vor- und 7 Nachmittage. Völlig logisch.

    Zum Glück liegen noch einige wunderbare Urlaubstage vor uns, sodass an Abreise noch gar nicht zu denken ist.

    Die Tage sind zudem lang. Die Sonne taucht erst in allen erdenklichen Rot-, Gelb- und Lilatönen um 22:30 Uhr ins Meer, und der Himmel ist so unglaublich weit. Um 23:30 Uhr gehen wir langsam ins Bett, nur um gegen 7:00 Uhr wieder die Augen zu öffnen. Es ist schließlich schon seit 3 Stunden hell.

    Heute sind wir am Nachmittag – der dänische Sommer hatte morgens eine kurze Pause eingelegt – durch die angrenzende Heide- und Dünenlandschaft gewandert.

    Schwarze Krähenbeere
    Blut-Storchschnabel
    Scharfer Mauerpfeffer (eine Sedum-Art)
    Sand-Thymian
    Gemeiner Hornklee
    Ebenfalls: Gemeiner Hornklee
    Kleiner Sauerampfer
    Bunter Feld- und Wiesenstrauß mit echtem Labkraut, Grasnelken, Kornblumen und Acker-Gänsedisteln

    Mittsommer/St. Hans-Kranz

    Zugegeben – wir waren ein klein wenig mit Wildkräuter-App und Naturführer bewaffnet, aber das hat dem Entdecken keinen Abbruch gegeben. Im Gegenteil: Der Perspektivwechsel stellte den Blick scharf für das Kleine, Verborgene. Wir entdeckten plötzlich Grashüpfer

    und Distelfalter.

    Und so erfuhren wir mal so ganz nebenbei eine interessante Geschichte:

    Das echte Labkraut, auch Bettstroh der Jungfrau Maria genannt – das in dem Strauß mit den sehr kleinen, gelben und rispenartigen Blüten – soll der Legende nach in der Krippe des Jesuskindes gelegen haben. Allerdings ist der Kern der Legende noch sehr viel älter: Bevor der christliche Glaube in Skandinavien verbreitet wurde, hat man das wohlriechende Labkraut mit der Göttin Freja verbunden. Freja ist die Göttin der Liebe. Die uralte Tradition besagte, dass das echte Labkraut auf das Bett einer Gebärenden gestreut werden sollte. Die Kirche indes war gegen diesen heidnischen Brauch, konnte sich aber nicht durchsetzen. Schließlich stimmte sie zu, die Pflanze der Heiligen Jungfrau Maria zu widmen.

    Klitzekleine „Kloge Ove“ (Klugscheißer)-Grüße sendet Euch Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Erinnerungen an Oma und Opa und eine Wildkräuterquiche

    „Oma?“ frage ich. „Darf ich wieder etwas kochen?“ Oma nickt und holt mein Glässchälchen hervor und das Holzbrett und das stumpfe kleine Küchenmesser. Und ein Stück schrumpelige Gurke und Gewürze. Gewürze sind wichtig. Und Fondant! Oma hat immer Fondant in ihrem Küchenschrank. Das Geräusch, wenn sie die Tür des Schranks zur Seite schiebt…

    Ich bin etwa 5 Jahre alt und sitze meinem Opa gegenüber, der schmunzelnd sein Zuckerbrot in den Becher Karokaffee tunkt. Und ich bin selig, schnippele die Gurke, verteile es auf die zwei Glasschälchen, streue Pfeffer, Salz, Zucker und Fondant über die Gurken, bitte Oma noch um einen Schluck Kondensmilch. Die kommt, gemischt mit einem Hauch Leitungswasser, noch über meine Kreation. Oma nimmt die Schälchen und stellt sie aufs Fensterbrett. „Das essen wir später!“ sagt sie.

    Diese Erinnerungen sind ca. 30 Jahre alt. Und ich frage mich ab und zu, was die beiden wohl heute sagen würden zu mir, zu meinem Leben… Dazu wie ich mit meinem kleinen roten Flitzer namens Karlchen durch die Straßen brause. Opa hatte nur einen Führerschein für ein kleines Motorrad. Eine meiner Lieblingsgeschichten war, dass Opa Oma auf dem Sozius nach Hannover gefahren hat und auf einen Kreisel zukam. Da er nicht wusste, wie er nun reagieren sollte, ist er kurzerhand einfach drüber weggebraust. In meiner Vorstellung trugen die beiden Lederjacken, Fliegerbrillen und diese Ledermützen mit den Ohrenklappen. 

    Mit Opa war ich viel unterwegs. Und im Terrassengarten wuchsen und wachsen auch heute noch Walderdbeeren, die man auffädeln kann auf langen Grashalmen. Und Himbeeren – rote und gelbe – auf die Finger gesteckt wie kleine Wichtelhüte. Taubnesseln im Graben und dicke Stengel Löwenzahn. Wenn man den weißen Saft aus den Stielen auf eine Blüte tropft, kann man diese auf die Nase oder die Stirn kleben und die Blüte hält! Auch diese Erinnerung schoss mir bei dem wunderbaren Wildkräuterspaziergang durch den Kopf. 

    Dieser Spaziergang war eine Inspiration und Augenöffner, ein „Erder“ und Seelenstreichler, Ideenbringer und Wohltuer. Und das Buch „Wildpflanzen zum Genießen“ von Rita Lüder sei Euch ans Herz gelegt!

    Die Beschreibungen und Bilder sind klar und deutlich. Die Rezepte sind wunderbar inspirierend. Apropos – als ich am Freitag über den Wochenmarkt ging, entdeckte ich an einem Biostand ein kleines Beutelchen mit allerlei Wildkräutern und erwarb es. Inspiriert wie ich war, sollte es eine Wildkräuterquiche geben. 

    Gesagt, getan!


    Ihr braucht:

    • 1 Packung glutenfreien Frischblätterteig
    • 1 Handvoll Wildkräuter, z. B. Brennnesseln, Giersch, Gundermann, Taubnessel, Spitzwegerich gemischt mit Rauke
    • 1 Becher Schmand oder Säure Sahne
    • Drei Scheiben Schinken in Würfel geschnitten (für die vegetarische Variante natürlich nicht)
    • 200 g geriebener Parmesan
    • Bärlauchknospen zum Bestreuen (wenn vorhanden)

    Blätterteig in eine leicht gefettete Quicheform legen und im vorgeheizten Backofen mit einem Topf in der Mitte des Teiges zehn Minuten vorbacken. 

    Nach zehn Minuten aus dem Ofen nehmen und kurz abkühlen lassen. Den Topf entfernen. In der Zeit die Wildkräuter waschen, in der Salatschleuder trocknen und fein schneiden. Den Schmand auf dem Teig verteilen, die Wildkräuter und den Schinken ebenfalls und Käse drüber hobeln. 

    Die Quiche für weitere 10 Minuten in den Backofen geben, ggf. mit etwas Alufolie abdecken, damit die Kräuter nicht verbrennen. Nach der Backzeit rausnehmen, mit Bärlauchknospen bestreuen und warm genießen!

    Dazu passen geraspelte Radieschen oder Wurzeln, kleingeschnittene Tomaten oder Gurkenscheiben.

    Und ich frage mich: Würden Oma und Opa meine Wildkräuterquiche, die ich am Wochenende gebacken habe, auch aufs Fensterbrett stellen und „später essen“? 

    Haltet die Augen offen!

    Euer Frøken Fluesvamp – Fräulein Fliegenpilz 🍄

    Von Schwalben, Gartenrotschwänzchen und einem Wildkräuterspaziergang

    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Aber es ist auch nicht nur eine – sie sind seit dem 1. Mai da, 20 Schwalben, bestimmt. Ich habe sie gesehen. Sie stürzen sich über die wellenartigen Getreidefelder und lassen sich ihre kleinen schwarz-weißen Bäuche von den Halmen kitzeln. Und sie kreischen vor Vergnügen. 

    Und Frau Gartenrotschwanz hat ein Nest gebaut, mitten in die Leiter in der Garage meiner Eltern. Die Garage steht nun seit Wochen offen, denn Frau Gartenrotschwanz mit ihrem getreuen Gatten und den fünf inzwischen geschlüpften Küken hat Priorität. 


    So zieht also der Sommer über die nördlichen Gefilde und bleibt ein Weilchen. Ich öffne ihm die Tür und lasse ihn in mein Herz. Der Sommer streichelt meine Seele. 

    Und wir? Wir spazieren über Stock und Stein. Die Gedanken schweifen und den Dachlattenmann links liegen lassen. Erst reden wir und reden über alles, was uns so beschäftigt. Dann finden die Füße einen regelmäßigen Rhythmus und der Blick richtet sich nach außen – Löwenzahn, Gänseblümchen, Labkraut, Brennnesseln. „Schau mal, hier können wir im Spätsommer Holunder ernten.“ „Das ist Spitzwegerich, das Breitwegerich! Hier ist Hirtentäschel, Knoblauchrauke, Bärlauchknospen!“ Es ist eine wahre Freude. Meine liebe Kräuterhexenfreundin und ich wackeln mit anderen Interessierten wie die Gänseküken in Richtung Limmer Brunnen. Hinter Rita Lüder her, die uns mitnimmt auf diese wunderbare Reise.

    Auf angenehme Weise drückt mir dieser Spaziergang die Füße auf den Boden und erdet mich. Es tut gut, alles auf sich wirken zu lassen und den Blick auf die Natur zu richten und neue Dinge zu entdecken.

    Und was wir alles entdeckten:

    Wildkräutersammelsurium
    Gundermann
    Spitzwegerich
    Hirtentäschel

    Und was wir alles daraus zauberten:

    Drei Sorten Butter (Brennnessel, Engelwurz und Bärlauch)
    Gundermannblätter mit Schokolade
    Nochmal Butter
    Obstsalat mit Blüten von Gänseblümchen, Taubnessel und Rotklee
    Wildkräutersalat aus Eisbergsalatbasis mit Giersch, Knoblauchrauke, Bärlauch, Spitz- und Breitwegerich
    Eier mit getrockneten Tomaten und Wildkräuterdressing
    Kartoffelsuppe mit Brennnesseln und allerlei Kräuterei
    Bleibt neugierig – die Reise hat erst begonnen!

    Euer Glückspilz 🍄

    Waldmeister-Sirup

    Als am Freitag nach Himmelfahrt die Sonne herrlich warm vom Himmel schien und wir bei unserem Spaziergang auf das Wohlriechende Veilchen trafen (siehe auch mein Rezept für Veilchenzucker), waren wir eigentlich auf der Suche nach Waldmeister. Dieses Gewächs, was sein Aroma erst dann so richtig entfaltet, wenn man es einige Stunde antrocknen lässt, bedeckt oft ganze Waldflächen. Waldmeister soll stimmungsaufhellend wirken – unsere Vorfahren sollen das Kraut auch in Wäscheschränke gelegt und Duftsäckchen damit gefüllt haben. Außerdem sollte Waldmeister vor der Blüte und ohne Herausreißen der Wurzel geerntet werden.
    Wichtig ist, wenn man z. B. Waldmeister-Sirup machen möchte, dass man nicht zu viel benutzt. Das in den Pflanzen enthaltene Cumarin kann Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen – daher reichen etwa zehn Zweige Waldmeister pro Liter aus.
    Ihr braucht also:
    • 1 Bund Waldmeister (welk und einige Stunden angetrocknet)
    • 1 kg Zucker
    • 1 Zitrone
    • Saft einer ausgepressten Zitrone
    • 1 l Wasser
    • grüne Lebensmittelfarbe
    Den Zucker zusammen mit dem Wasser und der dem Saft der Zitrone aufkochen lassen. Zur Seite stellen und abkühlen lassen.
    Die zweite Zitrone in Scheiben schneiden und zusammen mit dem Bund Waldmeister in einen ausreichend großen Behälter (z. B. ein großes Einmachglas) geben
    Die abgekühlte Zuckerwasser-Mischung dazugeben und alles zusammen drei Tage ziehen lassen. Zwischendurch immer mal wieder durchrühren.
    Nach drei Tagen die Mischung durch ein sehr feines Sieb geben. Den Sirup in einem Topf kurz erhitzen und dann sofort in saubere Flaschen abfüllen. Wenn Ihr die schöne giftgrüne Farbe haben wollt, müsst Ihr auf Lebensmittelfarbe zurückgreifen – ein paar Tropfen hinzufügen und einfach mit aufkochen.
    Die Flaschen müsst Ihr nach dem Abfüllen sofort verschließen und zur Desinfektion für etwa 10 Sekunden umdrehen – am besten nehmt Ihr dafür ein dickes Handtuch, mit dem Ihr den Flaschenhals umwickelt und die Flasche dann über der Spüle umdreht. An einem kühlen und trockenen Ort abkühlen lassen.
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    Der Sirup kann sofort verwendet werden, z. B. zum Aromatisieren von Wasser oder Sekt, für Berliner Weiße, aber auch verwendbar für Desserts, denn Milchprodukte nehmen das Aroma gut an.
    Also – raus in den Wald und viel Spaß beim Nachmachen!