Berlin · Das Fräulein auf Reisen · Deutschland

Nasenflügelbeben – oder auch: Ein Frühstück bei Lina Rothenberger

Es ist früh an diesem Samstag, aber die Sonne ist schon aufgestanden, klettert empor, bricht durch die Wölkchen. Und die Vögel sind bereits um 4:00 Uhr aus ihren Nestern geplumpst. Sie machen Katzenwäsche – vermutlich das einzige Wort, was den Federknäulen im Zusammenhang mit „Katzen“ gefällt – reißen die Schnabel auf und begrüßen den Morgen mit lautem Tirilieren.

Die Köfferchen werden eingeladen. Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein, fasten seatbelt! Und wir heben ab!

Frisch und erwartungsvoll geht es nach Berlin. Du bist so wunderbar, Berlin!

Wir gleiten über die ehemalige Transitstrecke in Richtung Checkpoint Alpha – Helmstedt/Marienborn. Immer noch wirken die auf hohen Säulen platzierten Megaphone bedrohlich. Der sogenannte Todesstreifen lag so unglaublich nahe, doch trotzdem so weit entfernt.

Der Mauerfall ist nun schon über ein Viertel-Jahrhundert her, die deutsch-deutsche Teilung war bei mir niemals Thema im Schulunterricht, obwohl ich ein Kind der Achtziger bin. Erstaunlich, aber auch bedenklich. Man fragt sich: Ist deutsche Geschichte „nur“ auf sechs Jahre reduziert? Ist das Befassen mit der ganzen eigenen Geschichte derart verpönt, dass man sich im Umkehrschluss am besten gar kein Wissen aneignet? Für mich ist es das nicht!

Berlin, die geschichtsträchtige Weltstadt, allerdings hat ein unfassbares und überwältigendes Angebot in der Hosentasche der Knickerbocker. Gewollt oder nicht – geht man mit offenen Augen durch die Metropole findet man an jeder Ecke Berliner bzw. Deutsche Geschichte.

Mit diesen Gedanken fahren wir weiter – Checkpoint Alpha passiert – durch einen grünen Schlauch und kommen auf Berlin zu. Links liegt die Avus. Die erste Autobahn der Welt. 1921 eröffnet, ca. 8 Kilometer lang, bis 1940 als Renn- und Teststrecke genutzt. Schließt man die Augen hört man das Röhren der Silberpfeile.

Plötzlich sind wir in „Schöneberg“. Und ich denke an Ringelnatz:

Aus meiner tiefsten Seele

zieht mit Nasenflügelbeben

ein ungeheurer Appetit

nach Frühstück und nach Leben.

(Joachim Ringelnatz)

Da kommt das Café „Lina Rothenberger“ gerade recht. Das Café liegt in der Belziger Straße in einem Altbau-Eckhaus und ist von außen schon so einladend, dass man sich gleich willkommen fühlt.


Wir haben:


und bestellen Köstlichkeiten.

Dann erkunden unsere Augen dieses Kleinod: eine traumhaft schöne Blumentapete, dazu eine Holzvertäfelung in altweiß, die Heizungen ebenfalls kunstvoll verkleidet. Hohe Decken, Regale gefüllt mit Büchern, eine alte „Warme Würstchen“-Terrine aus Porzellan, der Tisch wunderbar eingedeckt, eine einfache Wicke in einer Glasvase. Und die stolze und fröhliche Cafébesitzerin ist so aufmerksam und freundlich! Backt meine mitgebrachten glutenfreien Brötchen auf, legt sie in einen separaten Korb. Zum schwarzen Tee bekomme ich kein kleines Stückchen Käsekuchen, sondern eine knackige Erdbeere. 


Das Frühstück schmeckt himmlisch. Die Zutaten Bio-Qualität, die Atmosphäre ist sehr gemütlich, es duftet wunderbar und essen fast alles auf. 

Gestärkt und lebenshungrig startet unsere Tour durch Berlin… 

Seid Ihr neugierig? Kommt Ihr mit? 


 

8 Kommentare zu „Nasenflügelbeben – oder auch: Ein Frühstück bei Lina Rothenberger

  1. Mein liebes Fräulein, Ich versinke mal wieder in deinen malerischen Worten und hätte tätsächlich Lust in den Flieger zu steigen, wenn ich nicht gerade so Sonntäglich zersaust auf dem Sofa hängen würde. 😉
    Ich war (wie wohl die meisten) über die Jahr hinweg immer wieder mal in Berlin, mit der Schule, mit der Schule, mit der Schule UND um Bekannte und Freunde zu besuchen und wieder mit der Schule. 😉
    Berlin hat wirklich wundervolle kleine, individuelle Cafes und Boutiquen (und knackige Footballspieler ) Das Cafe Lina Rothenberger scheint sich da nahtlos einzureihen, was Qualität und Individualität betrifft – Definitiv eine Annehmlichkeit der Großstadt.
    Die liebe „Lina“ kann sich glücklich schätzen, dass das liebenswerte Fräulein so schön über sie und diesen Tag geschrieben hat. ❤
    Herzlichste Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Ich danke Dir Du Liebes! Ich freue mich immer so sehr, dass ich Dich (und scheinbar auch andere) bei meinen kleinen Reisen einfach mitnehmen kann. Dass Ihr so eintauchen könnt in meine Welt…das ist für mich so ein Geschenk!
      Das Café ist – oder war – ja, Du liest richtig liebe Jenny, ist ein Kleinod, ein Goldstück im Herzen Schönebergs. Mich hat fast der Schlag getroffen, als ich neulich las, dass das Café schließen muss, da der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Ich bin immer noch von der Rolle. Und ich ärgere mich tierisch! Wenn da so ein 0815-Laden reinkommt…😤
      Ich hoffe sehr für die liebe „Lina“, dass sie an anderer Wirkungsstätte genauso charmant und erfolgreich ihr Café führt. Mein Opa hat immer gesagt: „Wer weiß, wozu es gut ist!“ Und er hatte recht!
      Berlin ist für mich immer eine Reise wert; wohnen möchte ich dort nicht, aber ich Landei würde in jeder größeren Stadt schon komisch werden. Hab’s ja zehn Jahre gemacht…aber ein Besuch ist immer schön.
      Ach und Berlin hat knackige Footballspieler? Das ist ja interessant 😉 ich habe übrigens neulich geträumt, dass Mads Mikkelsen auf unserem Sofa saß. Nett war er 😂 dabei fällt mir ein: hast Du eigentlich schon ins Hygge-Buch geschaut?
      So meine Liebe, ich mach mir jetzt einfach ganz faul Nudeln. Oder vielleicht doch Risotto…mal schauen, was mein Vorzeigemodell sagt. Das hängt noch auf der Straße, alles dicht in und um Hannover…
      Geherzt Du Dich fühlen sollst 😘

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      1. Ja, mitten in all den Großstadt- Trubel würde ich mich dauerhaft auch überfordert und Reizüberflutet fühlen. Das wäre nix für mich. Ich hab es da eher mit Hygge-mäßiger Kleinod Entspannung, mit viel Natur und wenig Verkehrslärm. 😉 Das Buch ist ganz nett, auch wenn ich es ehrlich gestanden nicht soo erleuchtend finde aber es ist wirklich süß gemacht. Mir gefällt natürlich besonders das Kapitel über Essen und Trinken, die Hyggeligen Rezepte und die vielen kleinen Denkanstöße und Anleitungen. Eigentlich halte ich das Buch für die perfekte Geschenkidee. Etwas, dass man gerne im Bücher-Regal stehen hat, um immer mal wieder darin zu blättern und sich ein wenig inspirieren zu lassen …oder, um sich von Mads Mikkelsen daraus vorlesen zu lassen. 😉 Wusste ich’s doch, dass er ein netter Mensch ist! Er strahlt immer so eine Ruhe aus. Den hätt ich auch gern auf meiner Couch sitzen, um einen Hyggelig- entspannnenden Kaffee mit ihm zu trinken, doch ich hör momentan abends immer Krimi- und Thriller Hörspiele und träum da gerade von ganz anderen kuriosen Dingen.
        Ich bin da übrigens ganz bei deinem Opa – Wer weiß wozu es gut ist.- Man hat sicherlich ein zufriedeneres Leben, wenn man es so sehen kann.
        Von Herzen gedrückt,
        vom Marktfräulein ❤

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      2. Was für eine grandiose Idee liebe Jenny! Mads Mikkelsen als Vorleser! Hach…der bringt dann auch noch die benötigte Portion Hygge mit. Großartig! Warst Du eigentlich schon mal in Dänemark? Ich glaube, dieses Hygge-Ding „versteht“ man, wenn man mal eine Zeitlang oder immer mal wieder in den dänischen Alltag tauchen darf. Ich hab es neulich versucht, meiner Englischlehrerin zu erklären, was echt schwierig war, zumal ich dabei echt Wortfindungsschwierigkeiten hatte…
        Was hörst Du denn gerade für Thriller und Krimi, die dafür sorgen, dass Du des nächstens von kuriosen Dingen träumst…brrr…Du bist ja hart im Nehmen. Ich bin da ein Schi..er 😂. Sowas kann ich nur mit Kissen vorm Kopf😂😂.
        So Du Liebe, ich wünsche Dir einen wunderbaren Nachmittag, ich werde bald in den Feierabend aufbrechen. 3:30 Uhr macht sich bemerkbar…😴

        Gefällt 1 Person

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