Das Fräulein auf Reisen · Deutschland · Wiesbaden

Mein Herz tanzt – oder auch: Wein, Weib und Gesang

Der Montag hält bereits morgens mit meiner Laune Händchen. Sie verstehen sich gut – die beiden. Die eine knickst dem anderen aufmunternd zu, nickt, der andere greift beherzt das Händchen und führt im akkuraten Wiegeschritt die andere ins Bad. Und – Hebefigur – rechts vor, links zurück – huuuwaaa – das Wasser ist aber noch kalt. Halbe Drehung, nein, der Kopf bleibt wo er ist. Und 1 – 2 – 3. So tänzelt die Montagslaune durchs Bad, vorbei am beschlagenen Spiegel – tippelnd in die Küche. Im Walzerschritt zum Vorratsschrank. Schwarzer Tee, stark und heiß, macht aus dem Walzerschritt einen flotten Tango.

Und Wie – ge – schritt!

Nach dem Frühstück mit der „Führungsperson“ schleiche ich zum Auto. Und Kick-Ball-Change. MAMBO!

Fahre in die Tiefgarage und dann den PC hoch. Nun tanzen nur noch die Finger über die Tastatur. Schreibmaschinensynfonie.

Immer noch montäglich geht’s in die Mittagspause – Polonaise zum Buffet.

Tippelditipp, noch drei Stunden, dann wird in den Feierabend getänzelt. Appell, zwo, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht!

Und wieder: MAMBO!

Ein Fußmarsch am Abend, wir rocken and rollen nach Hause – plötzlich – ein Anruf.

„Gewinne, Gewinne, Gewinne!“

Nein, kein Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Anruf. Mein Schatz hat gewonnen. Ein Galadinner in Wiesbaden mit Kolja Kleeberg im Marmorsaal der Henkell-Sektkellerei. Ich traue meinen Ohren nicht. „Gewonnen?“ frage ich. „Wann?“ Die bessere Hälfte, die beim Tanzen in den meisten Fällen den rechten Fuß nach vorne setzt, grinst. „Echt jetzt?“ hake ich nach und schalte in den nächsten Gang, schaue verstohlen nach rechts. „Echt jetzt!“ Das Ausrufezeichen ist hörbar und ich grinse zurück. Die montägliche Laune verflogen, sie wurde des Platzes verwiesen und zieht vondannen. Ein Kribbeln macht sich breit. Eine schwungvolle Drehung wäre jetzt genau das Richtige, aber ich fahre noch, das ist nicht die beste Kombination.

Als ich aussteige, Hebefigur, schwungvolle Drehung und abschließende Verbeugung!

Galadinner also! Mit Kolja Kleeberg also! Im Marmorsaal also! Also!!!

Und was für ein Abend das war! Großartig, unbeschreiblich, rauschend und – lecker! Eingepackt in den letzten Spätsommertagen, wärmende Sonnenstrahlen in den rheinnahen Weinbergen, Trauben, die wie funkelnde Edelsteine in den Rebstöcken hängen. Und Kolja Kleeberg? Er ist ein äußerst sympathischer Mensch und ein großartiger Koch und Künstler. Und singen kann der auch noch!

Aber beginnen wir doch vorne:

Samstag, 24. September 2016:

Nach einem ausgiebigen Frühstück treten wir die Reise an und gleiten – wie so oft – über die Autobahn in Richtung Wiesbaden. Ein Hotel ist für uns reserviert, ganz in der Nähe der Wiesbadener Innenstadt, ab 15:00 Uhr ist Check-in. Dieser frühe Herbsttag zeigt sich von seiner goldenen und farbenprächtigsten Seite. Auch das Thermometer hat Lust, die 20 Grad zu knacken. Das Fahren ist angenehm. Die Leute scheinen gut gelaunt zu sein. Kein unangenehmes Drängeln und aggressives Fahrverhalten. Kurze Stopps und ein Becher Milchkaffee, Berg- und Talfahrt durch die Kasseler Berger, Hessen heißt uns willkommen. Dann sind wir in Wiesbaden. Das Hotel ist wirklich ganz in der Nähe der Innenstadt. Wir vertreten uns nach dem Einchecken kurz die Beine, gehen dann zurück und verwandeln das Hotelzimmer in einen Beautysalon. Auf der Gewinnbenachrichtigung steht der Dresscode: Cocktail. Das musste ich erst mal googeln. Mir macht sowas auch mal Spaß, also brezele ich mich auf und bin doch noch schneller als manch andere Dame, wenn man den Klischees Glauben schenken darf.

Meine bessere Hälfte hält mir seinen Arm hin und wir fahren mit dem Fahrstuhl ins Foyer. Dort werden wir von einer jungen Dame in einem wunderschönen grünen Etuikleid begrüßt. Die Kombination aus hübschen Aussehen, Natürlichkeit und einem gewissen Witz empfinde ich als äußerst charmant und kleidsam. Ich finde die junge Dame wirklich nett und fühle mich schon nicht mehr so ganz aufgeregt. Denn das bin ich.

Nach einer Weile trudeln die anderen Gewinnerinnen und Gewinner ein. Spannend, wie einzelne Gespräche entstehen und dass einige offensichtlich nicht gegoogelt haben, was der Dresscode Cocktail denn bedeutet.

Wir steigen in den Bus, der uns zur Sektkellerei bringen soll. Wiesbaden liegt in einem goldenen Licht, die Fassaden der Häuser leuchten orange, die Sonne ist noch warm und die Stimmung ist angenehm prickelnd.

Als wir auf Henkellsfeld ankommen, werden wir begrüßt. Ein bisschen fühle ich mich wie eine berühmte Persönlichkeit, denn die Presse steht mit ihren Kameras an jeder Ecke. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich morgen in meinem kuscheligen Schlafanzug aufwachen kann und das Leben wieder seinen gewohnten Gang gehen wird. Und dann betreten wir den Marmorsaal – gigantisch, dem Barock nachempfunden und unwahrscheinlich feierlich. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Kehlen trocken, ein Glas feinsten Sektes, Klirren der Gläser, gerötete Gesichter, Lachen, Parfümduft – ich sauge alles in mich auf. Mein Liebster neben mir legt mir den Arm um die Taille und strahlt mich an. Ich strahle zurück. „Auf einen schönen Abend!“


Kurze Zeit später begrüßt uns eine Moderatorin vom Hessischen Rundfunk in einem Nebenraum. Kolja Kleeberg wird auf die Bühne gebeten und interviewt. Er ist wirklich sympathisch, wie er da so steht in seinen bequemen Turnschuhen mit der roten Schürze. Er sei ein fauler Koch, sagt er, nicht so viele Komponenten, kein Schi-Schi. Dann dürfen Fragen gestellt werden. Ich hadere mit mir selbst. Traue ich mich oder traue ich mich nicht. Der Sekt tut sein Übriges und ich melde mich, darf die letzte Frage stellen. Erwähne kurz, dass ich eine Glutenunverträglichkeit habe und setze dann an: „Ich würde mich interessieren, ob es Sie als Koch eher nervt oder ob Sie es als Herausforderung betrachten, in der Zeit, in der mehr und mehr Lebensmittelunverträglichkeiten aufkommen, sich danach auch zu richten?“ Kolja Kleeberg antwortet charmant, dass eine gute Freundin von ihm auch Zöliakie habe, das sehe er als unkompliziert. Ich freue mich, vor allem auf das Essen.


Nach einer kleinen Führung durch das Haus und den Weinkeller kommen wir mit einem Paar aus Österreich ins Gespräch, die den Rezeptwettbewerb gewonnen haben. Wir wählen benachbarte Plätze und verstehen uns äußerst gut. Martina ist begeisterte Köchin – und man kann sie sogar mieten: Cook at home Was ein wenig salopp dahergesagt klingt, ist eine wunderbare Sache. Martina schreibt selbst auf ihrer Homepage:

cookathome steht für Freude an der Kulinarik in den eigenen vier Wänden, ohne sich selbst um den Einkauf oder eine aufgeräumte Küche Gedanken machen zu müssen.

Kochen ist eine Berufung!
Speisen zuzubereiten bedeutet pure Leidenschaft.
Diese Passion sieht und schmeckt man.

Ich freue mich darauf, für Sie kulinarische Höhenflüge zubereiten zu dürfen.

Wäre Linz nicht ziemlich weit von Hannover entfernt…

Wir merken schnell, dass die Wellenlänge stimmt und unterhalten uns prächtig. Kolja Kleeberg bereitet derweil immer jeweils zwei Portionen der einzelnen Gänge auf der Showbühne zu und reicht dann die Teller an einzelne Personen im Publikum. Bei Gang Nummer 2 komme ich in den Genuss. Mit den Worten „für meine neue glutenfreie Freundin“ serviert der Sternekoch mir ein Krustentierbisque mit Henkell Rosé, Fagioli Risina und Melone. Ich schmelze dahin – die Suppe ist köstlich. Und auch die anderen Gänge sind wahre Gaumenfreuden.



Am Ende dieses großartigen Gala-Dinners schnappen wir frische Luft. Dann geht es in den Nebenraum. Eine Band steht auf der Bühne, Frontmann: Kolja Kleeberg. Singen kann der auch noch? Und ja, er singt locker-fröhlich Klassiker wie Hotel California von den Eagles und Whatever you want von Supertramp. Und alles rockt, singt und tanzt bin. Tanzen! Ein flotter Jive – ich werd‘ nicht mehr. Meine bessere Hälfte reicht mir die Hand und ich schwinge vor und zurück, drehe mich und fühle mich großartig!



Um kurz vor Mitternacht ist der Zauber vorbei. Ein bisschen wie bei Cinderella. Und die Kürbiskutsche – pardon – der Shuttle-Service bringt uns ins Hotel. Ein rauschender Abend geht zu Ende. Die Turmuhr schlägt Mitternacht, Tanzmaus verwandelt sich wieder zurück in Feldmaus. Und das – ist auch gut so!

 

 

3 Kommentare zu „Mein Herz tanzt – oder auch: Wein, Weib und Gesang

  1. Guten Morgen Sonnenschein 🙂
    Wie hübsch du bist! Und wie hübsch du ausgesehen hast, in der feinen Abendrobe! Ja, ab und an macht es schon Spaß sich ein bisschen aufzuhübschen und sich ein bisschen wie eine Prinzessin zu fühlen. So ein Galadinner…Da wäre ich auch ganz kribbelig geworden! Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn. Das war ja dann quasi ein weiteres Geburtstagsgeschenk. Mir scheint, das Fräulein „Fliegenpilz“ macht ihrem symbolischen Namen alle Ehre. Glück. 😉
    Ach, du bist ja wirklich eine süße Maus.^^
    Schön, dass ich dich ein bisschen durch den Abend begleiten durfte…und mittanzen durfte (Ein herrlicher Einstieg :-D).
    Du erlebst ja Sachen…
    Staunende Grüße, Jenny

    (PS: Hätte ich gewusst, dass du eine Flohmarktqueen bist, hätte ich dir meine Bücher und DVD Sammlung und ein paar andere Sache rüber geschickt. Hab nämlich eben (fast) alles über ebay verkauft 😉 )

    Gefällt 1 Person

    1. Guten Abend Sternchen! 😉
      Ich werde ja ganz rot! Vielen, vielen lieben Dank für Dein so liebes Kompliment. Hach…
      Ja, Du – das war echt ein Erlebnis. Das werde ich nie wieder vergessen. Ich hab es auch so sehr genossen und alles in mir aufgenommen. Ehrlich gesagt: Gewonnen hab ich so richtig eigentlich noch nie etwas. Also Lotterie oder so. Aber ich glaube, ich bin generell ein glücklicher Mensch, der oft auch viel Glück hatte oder der eben auch oft das Gute sieht. Ein weiser Mensch hat mal gesagt: Ein Optimist ist ein Mensch, der alles doppelt so gut und vieles halb so schlimm findet. Ich bin eher ein Optimist, nicht naiv, aber ich versuche eigentlich immer, jeder Sache etwas Gutes abzugewinnen. Das sehen viele als blauäugig, naiv oder verklärt an, aber mir ist durchaus bewusst, dass es viel Scheiße auf der Welt gibt. Wie Du das neulich auch so schön ausgedrückt hast: du gehst eben lieber ins Licht!
      So, und nun packen wir den Küchenphilosophen mal wieder weg 😉.
      Tanzende und beschwingte Grüße an meine liebste Bloggerfreundin, die mich immer wieder mit ihren tollen Ideen und Geschichten überrascht (Kombucha…irre…spannend) und die ich gedanklich ganz fest drücke
      P.S.: Herzlichen Glückwunsch zum EBay-Verkauf👍 du bist ja echt rigoros – alles muss raus, wie?! Ich wünsche Dir soooo viel Glück 🍀 und einen guten Start mit Deiner veganen WG. Da steckt Herzblut drin. Man merkt, dass Du das willst! Chapeau!

      Gefällt 1 Person

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